Alles wie immer: Horizont Hoffenheim

Wenn’s stürmt und der Gegenwind rau ist, wenn einem vom ständigen hoch und runter übel wird, braucht man einen Fixpunkt. An Deck eines Schiffes ist das der Horizont. Für Schalke ist das nun Hoffenheim.

Nein, ich bin kein „ob 0:1 oder 0:3 ist doch egal“-Typ. Natürlich kann man ein Derby verlieren, aber das Wie war arg enttäuschend. Die Schalker Darbietung war unwürdig, war weniger als nur den eigenen Ansprüchen nicht angemessen. Das gilt es aufzuarbeiten, wobei das Akute von Roberto Di Matteo behandelt und das Grundsätzliche von Horst Heldt beurteilt werden muss.

Aber jetzt kommt Hoffenheim, daran gilt es sich auszurichten.

Schalke startete mit einer gefestigten Defensive in die Rückrunde, in der …

Wat? Keine Lust auf Wiederholungen?

Zugegeben, das alles stand hier auch schon heute vor einem Jahr. Und wieder ist Markus Gisdol zuzutrauen, Schalkes Schwächen auszunutzen, und wieder gilt es zu hoffen, dass Schalkes Trainer die Löcher stopft. Die sich ewig um sich selbst drehende, große, königsblaue Kugel, der Schalker Planet.

Vor einem Jahr schlug Schalke die TSG letztlich mit 4:0. Diesbezüglich wäre eine Wiederholung nicht schlecht. „Schalke bringt sich wieder in die Spur“ schrieb kicker damals. Ja, das brauchen die Blauen diesmal auch.



Hattip @ rolf

Zeit zum Üben

Schalke trainiert nun also und hinterfragt sich derweil selbst, wenn man Roberto Di Matteos Worten Glauben schenken darf. Ob es mit diesem System weitergehe, müsse man sehen. Mit welchem System es weiter geht, werden wir sehen. Zum Glück hat Schalke eine Woche Zeit zum Üben.

Diese Trainingsphase ist das Vermächtnis aus der Früher-war-alles-besser-Zeit, als die Blauen mit einem Offensivfeuerwerk sondergleichen und einer quasi söldnerfreien Aufstellung an wilden Knappen einen schwarz-gelben Drittligisten an die Wand spielten, und nur aus unerfindlichen Gründen nicht in die nächste Runde einzogen.

Überhaupt scheint es für jeden Coach auf Schalke letztlich das größte erreichbare Ziel zu sein, ein Früher-war-alles-besser-Trainer zu werden. Seit ich 2007 mit dem Schreiben im eigenen Blog begann hat das nur Fred Rutten nicht geschafft, der sich übrigens gerade mit seinem derzeitigen Club Feyenoord auf eine Trennung zum Saisonende geeinigt hat. Roberto Di Matteo muss für diesen Mindeststatus auch noch einige verbessern. Aber er hat ja nun Zeit. Königsblaues Trainer-Teamwork über Entlassungen hinweg. Dat is Schalke!

Faszinierend emotionslos

Der Weltraum, unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2015. Dies sind die Abenteuer des FC Schalke 04, der mit seiner 12 Mann starken Besatzung 90 Minuten lang unterwegs war um neue Welten zu erforschen, neue Taktiken und einen neuen Tabellenstand. Viele Lichtjahre von Konkurrenzfähigkeit entfernt drang diese Schalker Mannschaft in Galaxien vor, die seit Anbeginn des Königsblogs noch nie zuvor eine Gruppe Blauer gesehen hat.

Mr. Spock starb am Freitag, und doch ist die Art des Vulkaniers, Gefühle zu unterdrücken, lebendig wie nie. Und so schaute man aufs Derby wie auf einen Unfall. Man war angewidert und konnte den Blick doch nicht abwenden.

So wenig emotional wie Mr. Spock, nur mit weniger Selbsterhaltungstrieb, stand Schalkes Trainer Roberto Di Matteo am Spielfeldrand, als seine Mannschaft auf die Katastrophe zusteuerte. So wie er coachte agierte auch sein Team: Nüchtern analysierend, dass man wohl keine Chance habe, dass es deshalb nahezu albern wäre, seine Kräfte für sowas wie Gegenwehr zu vergeuden.

Schalke agierte in diesem Derby wie eine Amateurmannschaft im Pokalwettbewerb gegen den großen, übermächtigen Gegner. Voller Ehrfurcht, ohne jegliches Selbstbewusstsein, niemals auf Augenhöhe. Es war eben nicht nur so, dass das taktisch neu angeordnete Mittelfeld nicht funktionierte. Die wie ehedem angeordnete Abwehrkette funktionierte auch nicht. Es war auch nicht nur so, dass die Taktik nicht funktionierte. Das Zweikampfverhalten funktionierte auch nicht.

Ein Debakel. Eine Nicht-Leistung, die auf dem königsblauen Planeten einst hätte dazu führen können, den Trainer und den Manager ad hoc zu entlassen. Stattdessen geht der Club zur Tagesordnung über. Emotionsarmut in mal hilfreich, mal furchtbar.

Faszinierend.

Ma‘fühlen: Derby

Gestern gabs hier viel Inhalt, vor allem in den Kommentaren. Danke dafür!

Aber jetzt ist Derby, und Derby ist vor allem Gefühl.

Nach dem Spiel wird wieder diskutiert werden, aber vor und während einem Derby ist man sich einig wie sonst nie. Bedingungslos, da weiß man wo man steht, da zählt nur der Erfolg. Das macht es aus.

Manch einer mag meinen, so sollte es immer sein. Aber das geht eben nicht. Fußball ist immer, ein Dauerlauf, der kann nicht im ständigen Spurt durchgezogen werden. Die Derbys sind die Spurts im Fanleben, kurz und intensiv. Und eben nicht wie immer, sondern immer wieder besonders.

Mögen die Blauen siegen und uns eine nächste nette Erinnerung an diese Saison bescheren.

Glückauf!

Schalke braucht mehr „Wie“ statt „so nicht“

Die Gegner des FC Schalke 04 im Kampf um die Champions League-Plätze verändern sich. Es ist absehbar, dass die Blauen ins Hintertreffen geraten. Will man das abwenden, wird sich auch Schalke verändern müssen. Die Frage ist nur: Wie?

Schalke ist ein großartiger Club, der viel Geld durch Sponsoring, Ticket-, Wurst- und Bier-Verkäufe oder durch erfolgsabhängige Anteile aus der TV-Vermarktung einnimmt. Diese Einnahmen haben andere erfolgreiche Bundesligaclubs auch. Andere Bundesligaclubs haben darüber hinaus zusätzliche Einnahmequellen.

In Wolfsburg hat sich der VW-Konzern entschieden, seinen Club in der Champions League zu etablieren, und pumpt Geld in den Kader, gefühlt grenzenlos. Demnächst wird Red Bull seine Leipziger Fußballfiliale in die Spitze der Liga finanzieren. Leverkusen hat mit dem Bayer-Konzern ebenfalls größtes finanzielles Potenzial. Die Clubs aus München und Dortmund haben sich bereits teilweise verkauft, nahmen damit zig Millionen ein und werden über diese Schiene auch noch weitere zig Millionen einnehmen. Der Wettbewerbsnachteil des FC Schalke 04 in seinem derzeitigen Sein ist offensichtlich und wird in nicht allzu ferner Zukunft greifen.

Leider weiß das Gros der Schalker stets flott was nicht geht, warum welche Veränderung undenkbar und welche Idee absurd ist, was bleiben muss wie es immer war. Wie was gehen könnte, so, dass Schalke konkurrenzfähig und weiter auch Schalke bleibt, darüber liest man kaum etwas. Auch von mir nicht, auch ich muss da leider passen. Dazu fehlte mir bislang die Phantasie und das wirtschaftliche Verständnis.

Aber entscheidet sich Schalke nicht bewusst für den Rückschritt ins Mittelmaß – was nicht nur nicht wünschenswert ist, sondern auch auf Grund des Drucks durch Verbindlichkeiten kaum denkbar erscheint – dann muss ein Plan her, eine Diskussion darüber, ein Denken über ein „Wie“. Es ist richtig, damit zu beginnen.

„Schalke wird weiter ein fremdfinanzierter Verein sein“

Der FC Schalke 04 wird weiter ein fremdfinanzierter Verein sein. Das ist in der heutigen Zeit eine überaus kluge Entscheidung. Der FC Schalke 04 hat profitiert von den Veränderungen in den Kapitalmärkten, davon, dass die Zinsen nicht nur kurzfristig sondern nachhaltig so niedrig sind.

Das sagte Schalkes Finanzvorstand Peter Peters Mitte Januar bei einer Fanveranstaltung (hier nachzuschauen, drittes Filmchen, gleich ab Minute 2:50). Ich begriff seine Sätze als zusammengehörend und als Ansage, dass Schalke sich auch in Zukunft weiter Geld leihen wird. Neues von Clemens Tönnies legt nun aber die Vermutung nah, dass man Peter Peters oben dargestellte Aussage hinter „kluge Entscheidung“ trennen muss.

Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender regt an, nicht mehr auf Fremdfinanzierung durch Banken und somit durch Geld leihen zu setzen, sondern auf Fremdfinanzierung durch Fans und Geld schenken. Diese Idee veröffentlichte er nun via SportBild. In seinem „Gedankenspiel“ geben alle 132.000 Mitglieder des FC Schalke 04 einmalig 1.000 Euro. Damit würde er die Finanzverbindlichkeiten weitgehend tilgen und in der Folge innerhalb von 10 Jahren 250 Millionen Euro an Zins und Tilgung sparen. Man müsste die Kräfte bündeln, so Tönnies.

Man müsste vieles bündeln, auf Schalke.

Schalke spielt „defensiv“, und das ist auch gut so!

Deutschland, glückliches Land! Nichts bleibt schwammig, alles hat seine Regeln oder zumindest seine Definitionen. Über mein jüngstes Problem mit einem Fußballgefühl half mir der ehrwürdige Duden hinweg:

defensiv
Wortart: Adjektiv
Worttrennung: de|fen|siv

Bedeutungen:
a. der Verteidigung dienend
b. auf Sicherung oder Sicherheit bedacht
c. (Sport) im Spiel die Abwehr, Verteidigung bevorzugend; aus einer verstärkten Abwehr heraus operierend

Ich muss zugeben, zuletzt empfand ich das Schalker Spiel in der Öffentlichkeit häufig als falsch dargestellt. Erst am Samstag gegen Bremen sah ich eine Schalker Mannschaft, die bei Ballbesitz stets den Weg zum gegnerischen Tor suchte. Da wurde nicht lange abgewartet sondern der schnelle Abschluss gesucht. Sie waren dabei meines Erachtens nicht gut, aber bis zur Führung war die Richtung gen gegnerischen Tor klar vorgegeben. Als ich auch nach diesem Spiel las, Schalke spiele ach so defensiv, sogar von Seiten Bremer Fans, deren Mannschaft in diesem Spiel eigentlich deutlich abwartender und hauptsächlich auf Kontersituationen ausgerichtet agierte, verstand ich meine Umwelt nicht mehr. Schauten die denn alle nicht auf den Platz?

Erst heute bemerkte ich meinen Fauxpas. Ich hätte mich früher hinterfragen sollen, nun schäme ich mich ein wenig für meine unberechtigte Selbstsicherheit. Erst der Blick ins richtende Werk der deutschen Sprache öffnete mir die Augen! Der Begriff „defensiv“ bedingt keineswegs irgendwelche Beschränkungen. Er beschreibt lediglich eine Bevorzugung.

So ist das auf Schalke, und so ist das bei den meisten Bundesligaclubs. Auch Teams, die ihre Gegner mit Pressing tief in deren Hälfte nötigen, tun dies, um den Ball vom eigenen Tor fern zu halten. Auch Teams, die nach längstmöglichem Ballbesitz trachten, tun dies, weil ein Gegner ohne Ball perfekt ungefährlich bleibt. Der Schutz des eigenen Tores ist jedem Club wichtig, damit fängt stets alles an.

Ja, nach der Zeit unter Jens Keller, mit ständiger Gefahr fürs eigenen Tor nach Ballverlusten im Mittelfeld, spielt Schalke endlich auch wieder „defensiv“!

Weshalb die Werder-Mannschaft vom Samstag, oder das Spiel von Borussia Mönchengladbach, regelmäßig mit anderen Adjektiven bedacht wird, verstehe ich immer noch nicht. Aber das liegt eben im Auge der anderen Betrachter und soll nicht meine Sorge sein.