Unerwarteter (Teil-)Erfolg

1:1, gegen Bayern München behält Schalke 04 einen ersten Saisonpunkt in der Arena. Ein Teilerfolg, den sich die Mannschaft redlich verdiente, und der laut gefeiert wurde. Dass das Spiel über weite Strecken nicht besonders gut war, störte diesmal niemanden. Die niedrige Erwartungshaltung war der Schlüssel zum Glück der Fans.

Die entscheidende Phase zu einer eher kampfbetonten, intensiven aber spielerisch weniger guten Partie, in der Schalke gut gegenhielt und seine Chancen fand, ereignete sich um die 30. Spielminute. In kurzer Zeit gab es viele Unterbrechungen, wurde viel gefoult. Bayerns Rode und Badstuber hätten mit Gelb verwarnt werden müssen, was der Schiedsrichter bleiben lies. Gegen Schalke hingegen pfiff er sehr kleinlich auch Aktionen ab, die er auch hätte laufen lassen können. Vermeintliche Vorteile für den Gast aus München, die sich ins Gegenteil verkehrten. Denn diese Phase unterbrach den guten Lauf der Bayern. In dieser Phase verlor der Gast die Ordnung in seinem Spiel.

Eine knappe halbe Stunde waren die Bayern so stark wie befürchtet. Sie agierten mit weit aufrückenden Außenverteidigern und schufen häufig eine Überzahl im Mittelfeld. Sie attackierten früh, schon tief in der eigenen Hälfte bekam es Schalkes Verteidigung mit einem engen Netz an Gegnern zu tun. München gewann viele Bälle im Schalker Aufbauspiel und kam früh zu sehr guten Chancen. Die dritte brachte die Bayern mit 1:0 in Führung.

So hatte ganz Schalke die Bayern über 90 Minuten erwartet. Nach den schwachen Spielen der Blauen in Dresden und Hannover, nachdem Schalke in den letzten Partien gegen München stets wie das Kaninchen vor der großen Schlange Rekordmeister erstarrte, erwartete niemand auch nur ein knappes Spiel. Doch eben ein solches gab es nun, auch in der zweiten Halbzeit.

Obwohl das Geschehen nur wenige klare Offensivaktion bot und arm an Torchancen war, stieg die Stimmung im Stadion stetig. Wie ein unerwartetes Geschenk im Alltag sorgte der Verlauf für gute Laune. Keine Demütigung wie in den letzten Spielen gegen die Bayern, konkurrenzfähig im hier und jetzt, darum ging es, das fühlte sich gut an!
Im Einzelnen betrachtet war der verletzungsbedingte Wechsel Neustädter für Kirchhoff sehr wichtig, denn Jan Kirchhoff hatte arge Schwierigkeiten und Roman Neustädter machte ein starkes Spiel. Im Einzelnen betrachtet hatte Julian Draxler großes Glück, nach zu vielen Fouls nicht vom Platz geflogen zu sein. Im Einzelnen betrachtet war Eric Maxim Choupo-Moting mit großem Einsatz und Laufbereitschaft ein wichtiger Teil des Ganzen, in der 53. Minute, als er alleine auf Manuel Neuer zulief, wünschen man sich statt seiner aber doch kurz Klaas-Jan Huntelaar. Doch das Einzelne war diesmal nicht so wichtig. Das große Ganze war gut.

Für den FC Bayern waren es zwei verlorene Punkte, für Schalke war es mehr als einer, denn abgesehen von der Tabelle dürfte auch die Skala „Selbstvertrauen“ nun wieder einen angenehmeren Pegel erreicht haben. Schalke fährt nun wieder als Schalke nach Gladbach, nicht als die großen Saisonfehlstarter. Dort geht es für beide Clubs um den ersten Sieg überhaupt. Ma’kucken.

Auslosung zur Champions League Gruppenphase 2014/2015

Acht Gruppen mit je einem Club aus jedem Topf, Clubs des gleichen Landesverbands dürfen nicht in die gleiche Gruppe gezogen werden. Die Regeln zur heutigen Auslosung der Champions League-Gruppen- phase sind simpel. Der Wünsche und Ängste kann es aber viele geben.

Meine Probeziehung ergab für Schalke die Gruppe B, bestehend aus FC Barcelona, Schalke 04, Ajax Amsterdam und Malmö FF. Zweifellos attraktiv, wenn ich es mir aussuchen dürfte würde ich auf Barca allerdings ganz gerne verzichten. Ajax Amsterdam wäre hingegen mein Lieblingslos aus Topf 3, und Malmö gefiele mir eigentlich auch ganz gut.

Ma’kucken. Die Auslosung beginnt um 17:45 Uhr.
 

Zu Gast in der Schlusskonferenz

Als ich vor 7 Jahren mit dem Bloggen begann, waren Fußball-Podcasts selten. Unter „Nix zu hören?!“ verwies ich auf quasi alles was ich so fand, viel war es nicht. Heute ist das anders, die Szene wächst stetig. Gestern hatte ein neuer Fußball-Podcast Premiere, vielleicht ein neuer Stern, jedenfalls wusste er gleich mit einem professionellen Auftritt zu gefallen.

„Rasenfunk“ ist der Titel des Ganzen und „Schlusskonferenz“ der Titel der ersten Sendung, bei der ich einer von drei Gästen sein durfte. Meine Themen waren Schalkes Saisonauftakt, (natürlich) Jens Keller und die weiteren Aussichten. Weitere Gäste waren Marcus Bark, der sich hauptsächlich zum Spiel des BVB gegen Leverkusen, aber auch zu Schalke 04 äußerte, sowie Jens Peters, mit dem es um das neue Leverkusen unter Roger Schmidt ging.

Viel Spaß beim Hören.
 

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(78:16 Min)
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Schwache Schalker starten fehl

Nach dem Aus im DFB-Pokal misslingt auch der Ligaauftakt: Schalke verliert in Hannover 1:2. Danach war ein Sündenbock flott gefunden. Ihn alleine anzuprangern, greift aber zu kurz.

Benedikt Höwedes ist Kapitän und neuerdings eben auch Weltmeister. Sein Wort hat nun noch mehr Gewicht, und auch an Klarheit ließ es nach dem Spiel nicht zu wünschen übrig: Prince war schuld. In der Szene vor dem Ausgleich der Hannoveraner hätte er Leonardo Bittencourt gleich an der Mittellinie foulen müssen. Jens Keller sagte dasselbe. Horst Heldt prangerte Klaas-Jan Huntelaar an, der zuvor den Ball verlor. Individuelle Fehler jedenfalls, die dazu führten, dass Hannover das Spiel drehte, das Schalke zu dem Zeitpunkt ja so gut im Griff hatte.

Tatsächlich war Schalke nach der Pause am Drücker, zeigte sich engagiert und spielte den Konter, der zum 1:0 wurde, toll aus. Von der 45. bis zur 67. Minute wirkte Schalke ehrgeizig und zielstrebig. Sicher war es auch des Princen Bock, der zum Ausgleich führte. Trotzdem kann man auch der Meinung sein, dass es die Chancen auf einen Erfolg erhöht hätte, wenn Schalke in der ersten Halbzeit und nach dem Ausgleich ordentlich Fußball gespielt hätte. Die besagten Schlüsselszenen wurden nur deshalb zu eben solchen, weil in 71 von 93 Spielminuten bei den Blauen nichts zusammen lief.

Nur auf grafischen Darstellungen läuft Schalke weiterhin in der bekannten 4-2-3-1-Formation auf. Tatsächlich agierte Sidney Sam in Hannover, wie schon in Dresden, auf einer Mittelfeld Halbposition, wie man ihn aus dem Leverkusener „Tannenbaum-System“ (4-3-2-1) der letzten Saison kannte. Auf dem Flügel ward er nie gesehen. Eric Maxim Choupo-Moting wich zwar ab und an auf den Flügel aus, agierte aber ebenso häufig im Zentrum oder als Stürmer neben Klaas-Jan Huntelaar. Julian Draxler war als „10er“ aufgeboten, spurtete aber häufig auch durch das linke Mittelfeld, eben wenn Choupo-Moting wieder anderswo umher lief. Was möglicherweise irgendwann mit der nötigen Abstimmung und Präzision als tolles Rochieren gefeiert werden könnte, wirkte in Hannover wie pures Chaos.

Mal stand man sich im Weg, mal waren riesige Räume gänzlich verweist. Fast immer wurden selbst einfache Pässe schlampig gespielt, die Rückwärtsbewegung der Offensivkräfte nach Ballverlust war ein ständiges Problem: Schalkes drei kreative Spieler hinter Klaas-Jan Huntelaar waren in der Summe schwach, egal wieviel Talent sie einzeln auch auf den Platz brachten. Abgesehen von der einen Kontersituation, die zum 1:0 führte, sind sie an ihrer Aufgabe, Klaas-Jan Huntelaar mit verwertbaren Bällen zu füttern, kläglich gescheitert.

Es ist an Jens Keller, den drei sich fremden Spielern hinter Klaas-Jan Huntelaar aufzuzeigen, wie sie den Ball gemeinsam zu Schalkes Torjäger bringen können. Fehler passieren immer. Schlecht ist, wenn man so wenig zu erzwingen in der Lage ist, dass man zu 100% von Fehlerfreiheit abhängig ist.

Schalke vor Hannover … und vor China

Schalke 04 steht vor seinem Bundesliga-Saisonauftakt in Hannover. Prince und Klaas-Jan Huntelaar sind einsatzbereit, Jan Kirchhoff, Dennis Aogo und Atsuto Uchida sind mitterweile zwar wieder im Training, für Samstag sind sie aber noch keine Option.

Veränderungen in der Aufstellung wird es auf Grund der jetzigen Einsatzbereitschaft der Nationalspieler Julian Draxler und Benedikt Höwedes geben. Änderungen als Konsequenz aus der Enttäuschung von Dresden sind nicht geplant. Man wolle nun nicht alles schlechtreden.

Jens Keller geht davon aus, dass bei Hannover 96, abgesehen von einem Einsatz von Stürmer Joselu, alles beim Alten bleibt, und die Mannschaft mit der des Vorjahres vergleichbar ist.

In der Personalie Christian Fuchs, der weiterhin als möglicher Abgang gilt, gibt es nichts Neues. Nachbesserungen des Kaders wird es nicht mehr geben, man ist davon überzeugt, dass man mit diesem Kader die Ziele in den verbleibenden Wettbewerben erreichen kann.

Marketingvorstand Alexander Jobst gab unter der Woche in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland bekannt, dass Russland kurz und mittelfristig als Ziel der Schalker „Internationalisierungsstrategie“ auf Eis liege. Auch wenn man Sport und Politk streng voneinander trennen wolle, führten doch die politischen Ereignisse zu diesem Schritt. Ein aktives Marketing in Russland würde Schalkes Werten und Grundsätzen widersprechen. Das Sponsoring Gazproms habe mit diesen Entscheidungen zu den Eigeninitiativen des Clubs nichts zu tun, betonte Jobst.

Auch weil Schalke mit Hisense und Huawei gerade zwei asiatische Großkonzerne als Sponsoren gewinnen konnte, sieht Jobst nun Japan und China als erste Ziele der besagten Internationalisierungsstrategie. Möglicherweise wird der Elektronikhersteller Hisense seine Geräte demnächst mit Schalke-TV-App ausliefern. Huawei dränge hingegen in den europäischen Markt und will in naher Zukunft für ordentlichen Internet-Empfang in Schalkes Arena sorgen.

Für die Saison 2014/15 geht Alexander Jobst von einem Marketingumsatz zwischen 80 und 82 Millionen Euro aus. Selbstverständlich erzeuge das auch sportlichen Druck, gibt Jobst zu. Firmen wie Hisense und Huawei gingen selbstverständlich davon aus, mit Schalke 04 einen Champions League-Teilnehmer als Sponsoring-Partner gewonnen zu haben.

Parallel dazu beobachtete Tobias Jochheim für Die Zeit, wie normal und damit erfolgreich „Partner Gazprom“ auf Schalke geworden ist.

90 Minuten Saison – und schon den Papp auf

Schalke blamiert sich in Dresden, verliert 1:2 und verabschiedet sich bereits nach der ersten Runde aus dem Pokalwettbewerb.

Die Beispielszene, stellvertretend für den FC Schalke 04 der ersten 70 Minuten in diesem Spiel, ereignete sich kurz vor der Halbzeit. Es stand bereits 1:0 für Dresden, Schalke erhielt einen Freistoß, knapp 30 Meter vor dem gegnerischen Tor. Die kopfballstarken Spieler postierten sich in der Nähe der Mauer. Klaas-Jan Huntelaar legte sich den Ball zurecht. Er läuft an und schießt den Ball lasch und flach in die Mauer, einem Passspiel gleich. Die Spieler trotteten in ihre Positionen zurück.

Klaas-Jan Huntelaar ist zweifellos ein Siegertyp, einer der vorangeht, der stets viel läuft. Einer, auf den ich nichts kommen lasse. Und doch war die Lethargie in dieser Szene bezeichnend. Schalke war das Gegenteil von heiß. Schalke nahm dieses Spiel nicht ernst. Schalke agierte im Testspiel-Modus, auch dann noch, als Dresden 2:0 führte. Man probierte sich aus, spielte den Ball bald hier, bald dort herum, oft wieder zum Passgeber zurück, wollte das Spiel ruhig halten. Ruhig, während Dresden rannte so schnell man konnte. Kompliziert, während Dresden einfach spielte: Lang nach vorne, auf den Stoßstürmer, nur mit wenigen Spielern nachrückend.

Für den FC Schalke 04 an diesem Abend reichte es. Das Innenverteidiger-Paar Joel Matip und Felipe Santana machte da weiter, wo man im Testspiel gegen Tottenham aufhörte. Sie offenbarten große Lücken in ihrer Raumaufteilung und halfen durch individuelle Fehler bei den Gegentoren. Alleine schuldig waren sie indes nicht. Natürlich ließ auch Höger vor dem zweiten Tor seinen Gegner laufen. Natürlich brachte Prince kaum Präsenz auf den Platz. Natürlich konnte Lückenschließer Neustädter kaum Lücken schließen. Natürlich lief das Spiel nahezu komplett an Klaas-Jan Huntelaar vorbei und Max Meyer spielte Pässe in der Regel zurück statt nach vorne. Julian Draxler wusste zu gefallen, Christian Clemens und Eric Maxim Choupo-Moting waren bemüht – das wars aber auch schon. Und das reicht eben nicht. Nicht mal gegen einen Drittligisten, nicht mal in einem Testspiel. Nie.

70 Minuten machte Schalke den Eindruck, als habe man schlicht keinen Bock sich anzustrengen. Als Schalke das Tempo erhöhte hatte sich Dresden den Sieg längst verdient. Sehr ärgerlich.

Druck in Dresden

Es sei mit Sicherheit ein Vorteil für einen unterklassigen Club im Pokal, schon länger im Pflichtspielbetrieb zu sein, sagte Peter Neururer. Er glaube, dass es ein kleiner Vorteil sei, aber kein großer, sagte Armin Veh. Ein kleiner habe auch gereicht, antwortete Peter Neururer.

Seine Schalke-Twitter-Timeline mache sich vor Dresden in die Buchse, wunderte sich Herr Winzler. Bei allem Respekt, dritte Liga, da dürfe man sich keine Blöße geben, schrieb ich. Schalke müsse mehr an die eigene Stärke glauben, Schalke solle sich nicht immer kleiner machen als man sei, sagte Horst Heldt. Eben, dachte ich.

Der aktuelle sei Schalkes bester Kader der Neuzeit, schrieb ich. Ja, aber geht das Ding in Dresden in die Hose, brennt der Baum, schrieb derwahrebaresi.

Ohne Zweifel, Druck ist ab heute.

Glückauf!