Der Matchplanzwerg und die drei Riesen

In der Umsetzung eines erkennbaren Spielsystems und in der Entwicklung von erfolgreichen Matchplänen wurde Jens Keller von den Schalker Fans bisher kaum mehr als die Fähigkeiten eines ambitionierten Jugendtrainers attestiert. Der Trainer Jens Keller ist in ihren Augen ein Spielsystem- und Matchplanzwerg. Deshalb blickten viele Schalker bereits mit großem Bangen auf die Gegner zum Saisonstart. Denn mit José, Josep und Jürgen warteten drei Trainerriesen auf die Knappen und Jens, ihrem zwergenhaften Anführer. Es war sogar so, dass ein paar Schalker insgeheim auf Niederlagen von Jens gegen diese drei Riesen hofften, weil es das Aus für den Trainerzwerg auf Schalke bedeutet hätte. Doch es kam ganz anders.

Der katalanische Riese Josep, der aus dem Bayernland anreiste, musste mit seinen Bauern zwei sicher geglaubte Punkte auf dem Berger Feld zurücklassen und sieglos wieder abziehen. Der Inselriese José war also gewarnt, verschätzte sich im Kampf nahe der Themse aber, und der Zwerg entführte auch einen Punkt aus dessen Reich ins Knappenland. Da hörte man Mitte dieser Woche plötzlich mächtig lautes und gar ungewohntes Grummeln und Jammern vom nördlichen Rand des Sauerlandes. Dem Lüdenscheider Riesen Jürgen waren Teile seiner „Pressing Maschine“ – wie dieser manchmal cool seine Mannschaft nennt – kaputt gegangen. Er zeterte und jammerte laut über die viel zu starke Belastung durch Nationalmannschaftseinsätze und den überhaupt viel zu vollen Spielplan. Als Jens mit seinen Knappen vor sieben Tagen dann auch noch eine kuriose zweite Hälfte gegen die Frankfurter „Adlerträger“ hinlegte, und anschließend die Bremer „Fischköppe“ mit drei Toren wegputzte, schwante dem Lüdenscheider Riesen scheinbar nichts Gutes für das anstehende Derby bei den Knappen. Und so kam es auch.

Der Zwerg Jens überraschte den Riesen mit einer ungewöhnlich rasanten Spielweise. Direkt vom Anpfiff des Spiels an waren die Lüdenscheider heftigen Angriffen in der blauweißen Donnerhalle ausgesetzt. In allen bisherigen Spielen der noch jungen Saison hatten Jens‘ Knappen die Gegner in der ersten Hälfte des Spiels stets durch gemächliches und schier endloses Passspiel zu zermürben versucht. Das war in diesem Spiel völlig anders. Der Zwerg Jens hatte seine Knappen angewiesen, den Ball zielstrebig und schnell vor das Tor zu spielen. Die Kämpen des Lüdenscheider Riesen hatten damit überhaupt nicht gerechnet und wirkten teilweise konfus in ihren Bemühungen, sich gegen die atemlos und variabel vorgetragenen Attacken der Knappen zu verteidigen. Häufig stand die beste Waffe der Lüdenscheider, ihre viel gepriesene „Pressing Maschine“, nutzlos auf der Wiese. Das eine oder andere Mal wurde sie von den Verteidigern der Knappen mit langen Bällen geschickt überspielt. Dazu war die Außenverteidigung der Lüdenscheider selbst heftigen Dauerangriffen an ihren Flanken ausgesetzt, durch die lauf-, spiel- und kampstarken Schalker Flügelspieler.

Es schien, als hätten die Lüdenscheider von ihrem Großtrainer keinen Plan für diese Situation mit auf den Weg bekommen. Die Knappen des Jens’ nutzen die Desorientierung der Lüdenscheider zu zwei wuchtigen Treffern, direkt aus der Kampfzone vor deren Tor. Die Männer des Riesen hatten in der langen Restspielzeit nur noch die Kraft für ein einziges Tor. Die meisten ihrer Angriffe blieben bereits im Mittelfeld hängen, an der gut organisierten und leidenschaftlich verteidigenden Schalker Defensivformation. Nach 90 Minuten mussten die Lüdenscheider deshalb den Ort des 145. Derbys geschlagen verlassen. „Ein Scheißabend“ meinte der Riese nur noch, bevor er sich verzog, während viele Fans der Knappen minutenlang ihr Lieblingslied zum BVB sangen, und andere „Derbysieg!“ skandierten. So schön wurde lange nicht gefeiert.

Innerhalb von drei Wochen hat der Zwerg Jens gegen die Riesen José und Josep gepunktet und anschließend den Riesen Jürgen verdient besiegt. Dieser Sieg war ganz wichtig für die Rangliste und gut für das Selbstbewusstsein. Vielleicht darf man das auch als kleines „Gesellenstück“ des Schalker Trainerlehrlings bezeichnen. So betrachtet müsste er sich nun schon bald Gedanken dazu machen, wie sein Meisterstück aussehen könnte. Und wer weiß, vielleicht überrascht er uns dann auch noch einmal damit, dass er das eigene Spiel mit Hilfe einer Dreierkette aus Höwedes, Neustädter und Matip oder mit einem anderen raffinierten und wirkungsmächtigen taktischen Kniff aufzieht.

Egal-wie-Sieg in Bremen

Schalke gewinnt in Bremen mit 3:0 und kommt damit im fünften Anlauf zum ersten Bundesligasieg. Spielerisch war die Leistung kein Fortschritt. Aber wenn sich Misserfolg festzusetzen droht braucht es Erfolgserlebnisse, dann ist das Wie zweitranging.

Bremen war um Dominanz bemüht, zeigte ein ordentliches Pressing. Dagegen hatte Schalke Schwierigkeiten, aber irgendwie schien das nicht wichtig zu sein. Ich hatte den Eindruck, dass Schalke mit der Rolle eines wie ein Außenseiter agierendes Auswärtsteam zufrieden war. Die Defensive funktionierte ordentlich. Roman Neustädter bewies in der Innenverteidigung große Übersicht und Atsuto Uchida war nach langer Verletzungspause überraschend präsent. Daran galt es, sich zu erfreuen. Da hatte man was Positives, auf das sich zu schauen lohnte.

Trotz großen Aufwands kam Werder in der ersten Halbzeit zu lediglich zwei Torchancen, Schalke zu einer. Nach vorne gelang den Blauen gar nichts. In einer von vielen kleinen Scharmützeln durchzogenen, hitzigen Hälfte kamen vor allem Max Meyer und Sidney Sam nicht zurecht. Aber Schalke hielt die Partie offen, gab „dem Glück die Chance“ und wurde dafür belohnt.

Nicht auf Grund von Überlegenheit kämpferischer oder taktischer Art, auch nicht auf Grund einer sonst so viel zitierten „individuellen Klasse“ gelang Schalke zum ersten Saisonsieg, sondern durch einen Torwartfehler von Bremens Rafael Wolf. Roman Neustädter lieferte nach einer Ecke mit einem gelungenen Kopfball einen „Versicherungs-Treffer“ und Werder kam kurz darauf noch zu zwei guten Chancen. Als diese vergeben waren, war das Spiel entschieden. Schalkes Aufatmen war von der Weser bis ins Ruhrgebiet zu hören, die gelegentlichen Konter waren nett anzuschauen.

Im Fußball entscheiden häufig Kleinigkeiten oder Fehler von einzelnen. Ab und zu reicht es, bis dahin den Fußball der Anderen zu verhindern. Das löst keine Jubelstürme aus, ist aber auch nichts Ehrenrühriges; Fußball eben. Und zu hoch können Siege für Schalke eh nicht ausfallen. Drei Punkte, die den Druck etwas mindern. Mit Atsuto Uchida und Joel Matip zwei wichtige Spieler, die wieder eingesetzt werden können. Schalke sucht sich weiter, aber bis es sich gefunden hat gilt vor allem, nicht zu viele Punkte auf die Champions League Plätze zu verlieren. Der „Egal-wie-Sieg“ in Bremen war da ein geeigneter Beginn.

Ein Zwischen-den-Spielen-Gespräch

Nach Frankfurt und vor Bremen, nach Spieltag 4 und vor dem Fünften. Da gibt es viele Anlässe für Meinung zu den Dingen. Zu dritt tauschten wir die unsrigen aus, auch die zu Schalke, aber eben nicht nur. Wir, das waren Francois Duchateau, Journalist bei der WAZ, Christoph Fetzer, Journalist und Kommentator u.a. bei laola1.tv, und eben meine Wenigkeit. Die Gelegenheit dazu bekamen wir in der montäglichen Fußballfolge der „Daily Nuggets“ des Sportradio360.

Eine kurzweiliges halbes Stündchen, meines Erachtens.
 

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

(31:41 Min)
mp3-Datei / Podcast-Feed / Sportradio360-Webseite

Schalke kann nur kämpfen

Schalke verpasst auch im vierten Anlauf den ersten Bundesligasieg, spielt am Ende 2:2 gegen die Frankfurter Eintracht. Nach einer unorganisierten und undisziplinierten Darbietung der Blauen musste man sich darüber sogar noch freuen.

„Halten wir fest, Schalke kann nur kämpfen.“ Mit diesen Worten schloss Sven Pistor, Moderator der WDR 2-Sendung Liga Live, die Berichterstattung aus Gelsenkirchen ab. Ein Schlag ins Gesicht, zu oberflächlich, zu populistisch, so meine ersten Gedanken. Aber nach einem ersten Sackenlassen musste ich konstatieren, die Leistungen der Knappen im September 2014 provozieren solche Statements.

Tatsächlich ist die Bereitschaft zu Kämpfen das Beste am Fußball dieser Mannschaft. Sie geben nicht auf, nicht nach frühen Rückständen gegen Bayern München oder den FC Chelsea, auch nicht nach einem 0:2 in der 24. Minute gegen Frankfurt. Wenn Schalke langsam spielt, wenn wenig passiert, dann ist das keineswegs ein „nicht Kämpfen wollen“, dann ist das vielmehr die Unfähigkeit, ein Spiel zu gestalten und eine formierte Abwehr zu bezwingen.

Schalke schoss in der ersten halben Stunde nicht einmal auf das Tor der Eintracht. Auch über 90 Minuten kann man die Chancen an einer Hand abzählen. Die Offensive, für die trotz Ausfalls des Langzeitverletzten Jefferson Farfán eigentlich nur „1. Wahl“ auflief, schaffte es so gut wie nie hinter die Abwehrreihe. Kein Tempo, Kombinationsspiel nur bis 30 Meter vor dem gegnerischen Tor. Kaum mal ein überraschender Pass in die Tiefe, keine Ahnung wie es gehen könnte. Als Fan schaute man sich das an und reduziert seine Hoffnung darauf, dass vielleicht mal einer dieser guten Einzelspieler durch ein gelungenes Dribbling für Gefahr sorgen kann. Das aber sah man leider auf der anderen Seite, von Marco Russ, zum 0:2.

Bei diesem Tor sahen der Reihe nach Prince, Christian Fuchs und Roman Neustädter schlecht aus. Insgesamt agierte die „zusammengewürfelte Abwehr“ aber noch überraschend gut. Gerade das erste Gegentor war schlicht Pech, kurz nach dem Glück, dass es für Kaan Ayhans Handspiel keinen Elfmeter für die Eintracht gab. Zweifellos gehört der Schiedsrichter zur Story dieses Spiels, das in der Schlussphase noch so turbulent wurde. Über ihn Beschweren darf sich Schalke meines Erachtens aber nicht. Er schenkte Schalke mit einem falschen Strafstoßpfiff den Anschlusstreffer, und die Roten Karten gegen Prince und Draxler waren beide vollkommen korrekt und sehr ärgerlich dazu. Prince‘ Foul war unnötig, die Abwehr war längst hinter dem Ball, es bestand in der Situation keine akute Gefahr. Draxlers Tätlichkeit war ein Aussetzer, der wie der des Princen die eh schon dezimierte Mannschaft weiter und vermutlich noch länger empfindlich schwächt.

Nach 4 Spielen hat Schalke nun schon 6 Punkte Rückstand auf die Champions League-Plätze, dem erklärten Saisonziel. Der Druck wird immer größer, die Ausfälle werden immer mehr und damit die Voraussetzungen immer schlechter. Dummerweise hält der Spielplan nicht an. Nächster Halt: Bremen. Schalke droht jeden Anschluss zu verlieren.

Schalke stibitzt einen Punkt in London

Trotz einer Abwehrkette, die so noch nie zusammengespielt hat, kommt Schalke 04 beim FC Chelsea zu einem 1:1 und entführt einen Champions League-Punkt. Dabei lieferten die Blauen ein packendes Spiel und bewiesen, dass eine zur Situation passende Einstellung mehr wert sein kann als das individuelle Können einzelner Spieler.

Jens Keller hatte aus dem Spiel in Gladbach gelernt, dass seine derzeit schlecht aufeinander abgestimmte Defensive besser keine Bälle in den Rückraum zulässt, und stellte die Mannschaft entsprechend tief auf. Das alleine ergibt noch kein stabiles Gebilde, und gerade in der ersten halben Stunde kam Chelsea zu einigen aussichtsreichen Situationen. Vor allem Schalkes rechte Abwehrseite mit Marco Höger und Kaan Ayhan war mehrmals überfordert und kam mit dem heranstürmenden Eden Hazard nicht zurecht. Doch auch daraus lernte Schalke, in der zweiten Hälfte wurde Hazard früher gestellt und die Gefahr durch ihn wurde minimiert.

Schalke blieb stets kompakt, verlor nur selten die Ordnung und führte seine Offensivaktionen nur mit wenigen Spielern aus. Was im Normalfall als Schissertaktik gelten muss, war in der aktuellen Situation das geeignete Mittel zum Zweck. Besonders gut gefielen mir dabei Sidney Sam und Prince. Sidney Sam war mindestens so oft im Abwehrdrittel aktiv wie in des Gegners Hälfte. Eine derart gute Unterstützung der Defensive hatte ich ihm nicht zugetraut. Prince war nach den schwachen Auftritten in den ersten Pflichtspielen nicht wiederzuerkennen. Mit großer Präsenz war er der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Schalker, eben so, wie man es aus einigen Spielen der letzten Saison kannte und wie man es sich immer wünscht.

Leider war Schalkes Offensive sehr unpräzise, sonst wäre tatsächlich auch ein Sieg drin gewesen. Zwar folgte nach Ballgewinnen häufig ein schneller Vorstoß, doch meistens wurde dabei der Ball vertändelt. Gerade Max Meyer gelang wenig, als 10er wäre er bei solchen Vorstößen eigentlich die wichtigste Schaltstelle gewesen. So kam es vor allem dann zu aussichtsreichen Situationen, wenn ein Spieler möglichst weit alleine ohne Abspiel vorstoßen konnte. Meistens war das Julian Draxler. Wie auch in der Situation, die zum Ausgleich führte.

Natürlich hatte Schalke auch Glück, das braucht es immer, wenn in Spielen, in denen die Favoritenrolle so klar vergeben ist, der Underdog erfolgreich sein soll. Trotzdem brachte mehr als nur Glück und „toller Kampf“ Schalke die Möglichkeit zum Punktgewinn. Vielmehr hatte Jens Keller diesmal alles richtig gemacht. Die defensive Einstellung, das zurückbeordern der offensiven Außen, der Prince in der Zentrale und sogar die Aufstellung Roman Neustädters in der Innenverteidigung zahlten sich aus. Zweifellos war dies der bislang gelungenste Tag in dieser bis dato tristen Saison.



Foto: Russel Trebor

Irgendwiemismus

„Und, wie ist Dein Gefühl?“ Eine Frage die mir vor Spielen stets wieder gestellt wird. Vielleicht nur rhetorisch, um überhaupt eine Unterhaltung zu beginnen. Andere reden übers Wetter, mir kommt man mit Schalke. Das hat sich so ergeben, über die Jahre. Und doch habe ich keine Standardantwort parat. Mein Gefühl ist komisch, war es schon immer.

Ich bin kein Pessimist, wenn Pessimist sein meint, dass ich nie Gutes erwarte. Aber mir ist trotzdem klar, dass es immer auch schlecht ausgehen kann. Niemals bin ich mir in einem Pflichtspiel eines Sieges der Blauen sicher. Egal wie niederklassig oder außer Form der Gegner auch sein mag, ich halte es stets für möglich, dass sich Schalke blamiert. Schalke hat mich so gemacht.

Ich bin kein Optimist, wenn Optimist sein meint, dass ich stets davon ausgehe, dass Schalke siegt. Ich glaube aber immer daran, dass es gut werden kann, dass ich nach Abpfiff zufrieden sein werde. Selbst vor Spielen wie heute. Natürlich wäre Chelsea selbst dann Favorit, wenn Schalke in Bestbesetzung und guter Form antreten würde. Beides ist nicht der Fall. Aber vielleicht lässt sich der Trainer was einfallen, vielleicht agiert Schalke mit einer weniger offensiven Formation wie üblich. Vielleicht reißt sich die Mannschaft zusammen, vielleicht will sie sich beweisen, auf der großen Bühne Champions League, lässt es nicht einfach laufen, wie noch in Gladbach. Wenn am Ende das Gefühl bleibt, dass sich die Mannschaft nicht ergeben hat, dass alles getan wurde, um irgendwie einen Punkt aus London mitzunehmen, dann ginge es mir selbst bei einer Niederlage noch gut. Dass es so kommen kann, daran glaube ich immer.

Schattentrainer Tuchel

Schalke ist schlecht in die Saison gestartet und nicht nur die Ergebnisse, auch das Spiel der Blauen enttäuscht. Viele Fans fordern die sofortige Ablösung von Trainer Jens Keller, auch deshalb, weil sie Jens Keller mit Thomas Tuchel vergleichen. Dieser ist derzeit ohne Job und spätestens seit bekannt wurde, dass sich Horst Heldt bereits in der letzten Saison mit ihm beschäftigte, schwebt er als Schalkes Quasi-Zukunfstrainer über dem Berger Feld; zumindest in den Köpfen der Fans. Aber was ist, wenn er es nie wird?

Keine Frage: Auch ich sehe Jens Keller kritisch und auch ich halte Thomas Tuchel für einen sehr guten Trainer, den ich mir bestens auf Schalke vorstellen könnte. Jens Keller ist nun seit mehr als anderthalb Spielzeiten Trainer auf Schalke und machte nie den Eindruck als sei er Herr der Lage, als führe er diesen Club, als wäre er es, der die Richtung vorgibt. Von Beginn an wirkte er getrieben und fehl am Platz, auf der großen Bühne, die Schalke 04 nun mal ist. Mittlerweile wurden unter Jens Keller vier Vorbereitungszeiten absolviert. Dreimal startete Schalke danach schwach in die nächste Runde. An Formation oder Spielstil hat sich nie Entscheidendes geändert, lediglich das Personal wechselte in dem von Manager Heldt vorgebenen Rahmen. Jens Keller war Interim-Trainer und ist es bis heute, auch wenn Schalke es verpasste, ihn nach einem halben Jahr abzulösen.

Thomas Tuchel hat bereits bewiesen, dass er sogar einem eher durchschnittlichen Kader eine bemerkenswerte taktische Flexibilität beibringen kann. Er hat gezeigt, dass er während Spielen schnell reagieren und Einfluss nehmen kann. Gemessen an den Möglichkeiten des FSV Mainz 05 war Thomas Tuchel bereits über Jahre ein erfolgreicher Bundesliga-Trainer. Für ihn würde ein Club wie Schalke 04 einen passenden Schritt in der Karriere darstellen. Zudem ist er auch in der Disziplin Öffentlichkeitsarbeit gut, einer, der diesen Club gut darstellen und eine gewisse Euphorie entfachen kann. Thomas Tuchel verkörpert Ehrgeiz, so wie ich es mir wünschen würde von demjenigen, der die Profimannschaft meines Clubs zu führen hat.

Aber Horst Heldt scheiterte bereits im Frühjahr 2013 daran, einen „Wunschtrainer“ zu verpflichten. Was, wenn auch auf Jens Keller nur die nächste Notlösung folgt? Schwebt Thomas Tuchel mittlerweile nicht derart hoch über allem, dass jede andere zukünftige Trainerverpflichtung enttäuschend wäre?
Hiermit fordere ich von jedem „Keller-Raus“-Fan ein Selfie, falls plötzlich Markus Babbel auf Schalkes Bank sitzt …