Schwer zu bewertender Kick in Köln

 

 
Schalke spielt in Köln 1:1. Oben mein Tweet zur Halbzeit, darunter mein Tweet nach Abpfiff. Und viel mehr habe ich dazu eigentlich gar nicht mehr zu sagen.

Mein Tweet zur Halbzeit hatte vor allem bei einigen Kölner Twitterern für Unmut gesorgt. Sie fanden ihr Team offensichtlich ganz passabel, oder Schalke so schlecht wie ihrs. Meines Erachtens war Schalke in der ersten Hälfte die deutlich reifere Mannschaft. Es fehlte letztlich an Konsequenz im Umschalten nach Ballgewinn, aber selbst so hatte man noch zwei sehr hochkarätige Chancen um den Spielstand zu erhöhen. So aber fing man sich durch den einzigen richtigen Kölner Angriff das Gegentor. Unglücklich.

Im insgesamt besseren Spiel der zweiten Hälfte hatte Schalke auch mehr und die besseren Chancen. Ja, auch Köln hatte nun seine Gelegenheiten. Schalke war nicht dominant und die Blauen haben schon bessere Leistungen abgeliefert. Trotzdem wäre aus meiner Sicht ein 2:1 für Schalke das richtige Ergebnis zu diesem Spielverlauf gewesen.

Nicht richtig toll, aber sicher auch nicht schlecht. Immerhin ein Punkt in Köln, aber eben auch nur einer. Nicht unzufrieden, aber auch nicht zufrieden. Irgendwie unbefriedigend, nicht so richtig zu bewerten, dieses komische Spiel.

Nüchterner Auswärtssieg

Schalke lässt bei PAOK den Dampf aus dem Kessel und fertigt das Heimteam mit 3:0 ab.

In der Nacht zuvor hatten sich Schalker in Thessaloniki übel benommen. Vor dem Spiel wurden Schalker schikaniert. Während des Spiels wurden Schalker per Banner und in großen Lettern als Nazis verunglimpft. Aber auf dem Platz ist jede Hitze nach 20 Minuten verpufft.

Nur Anfangs konnte PAOK Druck auf das Tor von Ralf Fährmann erzeugen. Danach war es ein ausgeglichenes Spiel auf niedrigem Niveau, in dem Schalke meist den Ball hatte, wenig damit anzufangen wusste, aber seine Chancen nutzte. Eigentlich ein eher schwaches Spiel der Blauen. Vielen Fehlpässe. Wenig strukturiertes Offensivspiel. Aber für PAOK reichte es dreimal. Und wenn man nicht so gut spielt, und dennoch 3:0 gewinnt, ist man in der Europa League ganz ordentlich unterwegs.

No to racism – Außer ’nem Bisschen


Nein zu Rassismus. Die UEFA fährt eine große Kampagne zu diesem Thema. Videos in Werbeblöcken, Bandenwerbung, Banner. Sucht man bei Google nach entsprechenden Keywords, plöppen gleich mehrere aussagekräftige UEFA-Seiten auf:

Parallel dazu veröffentlichte Ultras GE vor drei Tagen eine Stellungnahme zum anstehenden Europa League-Spiel gegen PAOK Saloniki, in welcher von einem Aussondern nach Nationalität die Rede ist.

Am 06. Februar 2017 gab es ein durch unsere Fanabteilung einberufenes Treffen, zu welchem Vertreter der bekannten Fanorganisationen (Supporters Club, Fan-Ini, SFCV, Schalker Fanprojekt und Ultras GE) geladen waren. Hier wurden unter Anwesenheit unserer Sicherheitsbeauftragten und dem Pressesprecher unseres Vereins, die wichtigsten Informationen zum anstehenden Auswärtsspiel in Saloniki mitgeteilt. Neben organisatorischen Punkten, wie dem vorgegebenen Treffpunkt und dem Transport zum Stadion, wurde aber auch eine Vorgabe der Verantwortlichen aus Saloniki übermittelt: Fans mit mazedonischer Staatsangehörigkeit sollen keinen Zugang zum Stadion erhalten, um unseren FC Schalke 04 wie bei etlichen anderen internationalen Auswärtsspielen zu unterstützen. Des Weiteren sind jegliche Fanutensilien mit Bezug zum Verein Vardar Skopje oder zu Mazedonien strikt verboten. Durch mehrfache Ausweis- und Kartenkontrollen soll dieses Verbot durchgesetzt werden.

Ein handfester Skandal. Eine Vorverurteilung nach trumpscher Manier, eine Sortierung von Menschen nach Klassen, entsprechend ihrer Herkunft.

Aber es gibt keinen Aufschrei. Schalke 04 protestiert nicht öffentlich. Keine Zeitung, kein TV-Sender thematisiert das.

Bemerkenswert.



Hattip: Astrid Erlebach

Schalke im Kurzpassmodus: Plötzlich richtig gut

Schalke 04 schlägt Hertha BSC 2:0 und zeigt, dass es Fußball spielen kann. In der Tabelle ist Hertha den Blauen um einiges voraus. Trotzdem war Schalke über die ganze Spielzeit die bessere Mannschaft, ein sehr verdienter Sieg. Das fühlte sich gut an.

Hertha agierte sehr passiv. Zu einigen sehr guten Torchancen kamen sie trotzdem. Solch ein Spiel kann dann auch dumm laufen. Tat es diesmal aber nicht. Diesmal lief es so, wie es die Verteilung auf dem Platz hergab. Und da ließ Schalke keine Zweifel aufkommen.

Leon Goretzka war wohl der Spieler des Spiels. Auch Nabil Bentaleb zeigte im Zentrum eine starke Leistung. Und doch war diesmal Anderes wichtiger. Schalke hatte nicht nur einen oder zwei Topspieler, welche ein Spiel entscheiden können. Schalke hatte eine ganze Reihe sehr ballsicherer Spieler auf dem Platz. Auch unter Druck spielten die Blauen die Kugel schnell von Mann zu Mann. Schalkes Niveau war insgesamt höher als das Herthas.

Dabei fielen die Winterneuzugänge durchweg positiv auf. Guido Burgstaller ist wahnsinnig viel gelaufen und kam immer wieder zu Abschlüssen. Daniel Caligiuri brachte Spielwitz und Tempo auf den Platz. Holger Badstuber agierte mit großartiger Übersicht und führte seine Nebenleute, indem er sie immer wieder anwies, aufzurücken, die Lücke zum defensiven Mittelfeld zu schließen. Hinzu kam noch Benjamin Stambouli, der immer anspielbar war.

Das war mehr Qualität, als Schalke vor der Winterpause auf dem Platz zu bringen vermochte. Das ermöglichte ein flottes Kurzpasspiel, dem zuzuschauen viel Spaß machte, weil das Tempo geeignet und der der Zug zum Tor gegeben war. Das machte Hoffnung für die nächsten Spiele.

† Herbert Preckel

Ein Kerl wie ein Baum! Erst 66 Jahre alt. Letzte Woche Freitag fiel er um. Einfach so. Herbert Preckel war der Papa meiner Freundin Kerstin. Im Stadion saß ich jahrelang neben ihm. Nun nie mehr. Nicht zu fassen!

Mit einer neuen Frau bekommt man neue Bekannte geschenkt, aus denen bestenfalls Freunde werden. Als ich die heutige Frau Wieland kennenlernte, eine Tochter Gelsenkirchens, bekam ich Freundin Kerstin dazu. Es dauerte nicht lange, da saß ich erstmals bei den Preckels in der Küche. Frau Wieland kannte Kerstin seit Kindheitstagen und war immer gerne dort. Ab dem ersten Augenblick wusste ich warum. Bei den Preckels, bei Herbert und seiner Frau Gilla, fühlte ich mich sofort willkommen. Ein Haus voller Leben.

Zu ihnen hatte man kein Eltern-Verhältnis. Es war wie bei älteren Freunden. Dort war immer was los. Drei Töchter. Drei Schwiegersöhne. Neun Enkelkinder. Die Geschwister und Nichten gleich nebenan. Man war nie alleine.
In der Hütte in ihrem Garten feierten wir Silvester. Es hüpften stets Kinder herum, irgendwann auch mal meine. Irgendwie wurde immer gekocht, gebacken oder gegrillt. Die Preckel-Welt war für mich der Inbegriff von Familie, in welche auch Freunde für die Zeit ihres Dortseins aufgenommen wurden. Und während Gilla für das Herzliche zuständig war, sorgte Herbert für Witz und Tun.

Für Herbert schien nie etwas zu schwierig zu sein. Konnte er etwas nicht selbst erledigen, kannte er einen, der einen kannte. Und wenn man mit Herbert auf Schalke fuhr, kannte er sogar Leute, deren Einfahrt er zuparken durfte, um in angemessener Entfernung zum Stadion seinen Wagen abzustellen.

Dort, in der Arena, in Block S5, in der vorletzten Reihe von oben, saßen wir lange nebeneinander. Herbert war einer dieser Schalker, die im Ton der Ironie davon sprachen, dass Schalke den nächsten Gegner schon putzen würde, und denen vor dem Spiel die Ironie zugunsten von Optimismus flöten ging. Ich mochte seine Art sehr, das alles nicht zu ernst zu nehmen, und doch leidenschaftlich bei der Sache zu sein.

Nach Roberto Di Matteo und vor André Breitenreiter gaben Herbert und Kerstin ihre Dauerkarten weiter. Seitdem habe ich sie sehr vermisst. Bis zuletzt hoffte ich, sie würden es sich nochmal anders überlegen. War das Spiel mal doof, fühlte ich mich zumindest zwischen ihnen wohl. Nun wird es nie mehr sein können, wie es mir am liebsten war.

Schalke, das sind vor allem Menschen.
Mit Herbert ging ein Stück meiner schönsten Schalke-Zeit.
 

Schalke steht im Viertelfinale des DFB-Pokals

Schalke 04 siegt 4:1 beim Zweitligist SV Sandhausen und zieht ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein.

Ich habe keinen Wunschgegner. Ich sage mir immer, wenn wir den Pokal holen wollen, dann müssen wir jedes Team schlagen.

… sagte Daniel Caligiuri nach der Partie.

Das ist natürlich Kokolores. Denn gerade im Pokal ist es ja so, dass die Hälfte aller Clubs, gegen die man nicht ausgelost wird, von anderen Clubs eliminiert wird. Das macht es ja so vergleichsweise einfach, in diesem Wettbewerb weit zu kommen.

Der nächste Gegner der Blauen stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Übersetzt bedeutet das: Ich habe absolut keine Lust, mit diesem kleinen Beitrag auf den ARD „Sportschau Club“ mit Alexander Bommes zu warten. Das ist meines Erachtens so ziemlich der schlechteste Teil Fernsehen zum Thema Fußball. Ganz schwer zu ertragen, das Gegröle und die doofen Fragen Bommes‘.

Dabei geht es mir just jetzt sehr gut. Schalke hat in Sandhausen eine solide Leistung auf den Platz gebracht. Die Blauen wurden von Beginn an ihrer Favoritenrolle gerecht. Sie ließen den Ball schön durch die eigenen Reihen laufen und waren Sandhausen in allen Belangen überlegen.

Nur ein Zweitligist, natürlich. Da gilt es, nichts zu hoch aufzuhängen. Und doch ist ein souveräner Sieg eben ein Grund für Zufriedenheit, wenn man doch weiß, dass es auch unsouverän geht.

Alles gut. Ab in die nächste Runde.
Ma’kucken.
Wenn ihr hier kommentiert, wissen wir vermutlich schon gegen wen.



Update 09.02., 07:14 Uhr:

Gleich nach dem Wachwerden ereilte es mich. In München. Es wären solch schöne Lose möglich gewesen, aber die Blauen bekommen das schwerste.

Aber hey: Die beiden Spiele gegen Bayern München gehörten zu den Highlights der bisherigen Saison. In beiden hat Schalke richtig gut gespielt. Einmal knapp verloren. Ein Unentschieden. Jetzt braucht’s eben noch den kleinen Schritt mehr. Nicht schon vorher in die Buxen scheißen. Einfach mal ein‘ raushausen! Bayern München zum Beispiel.

Das Prinzip Show

 
Die andere Idee von Profisport in den USA
 

Am Sonntag fand in Houston, Texas, der Superbowl statt, das Endspiel der US-Football-Liga NFL. Mittlerweile ist dies ein Ereignis von weltweitem Interesse. Etwas, das jeder mitbekommt, ob er Football nun mag oder nicht. Wer hinschaut wird zustimmen, dass es sich um eine gigantische Show handelt. Auch die Endspiele der Fußball Weltmeisterschaft oder der europäischen Champions League sind große Shows. Und doch fühlt es sich noch anders an. Beim Fußball nimmt die Show dem Sport immer mehr von seiner Ursprünglichkeit. Beim Football gehört die Show dazu, mehr noch, das Spiel unterstützt diese. Dem Sport der großen US Profiligen, egal ob Football, Baseball, Basketball oder Hockey, liegt eine radikal andere Idee zugrunde. Eine Idee, welche ihren Ursprung vor bald 150 Jahren hatte. US Sport ist mit dem europäischen und vor allem mit dem deutschen Verständnis von Ligasport nicht zu vergleichen.
 

Fußball in Deutschland: Sich messen und konkurrieren

Als der Fußball nach Deutschland kam, traf er auf ein Land von Turnern. Turnen war körperliche Ertüchtigung zum Wohle seiner selbst. Man turnte gemeinsam. Turnen war gut. Fußball war wild. Fußball war ein Gegeneinander. Turner wollte mit Fußball nichts zu tun haben. Die unzähligen „Turn- und Sportvereine“ in Deutschland zeugen noch heute davon, dass man sich Turnen keinesfalls in der gleichen Kategorie wie Fußball und ähnlichem denken konnte.

In den 1880er Jahren entstanden in Deutschland die ersten Fußballvereine. Noch vor der Gründung des Deutschen Fußball Bundes gab es Spiele von deutschen gegen französische und englische Auswahlmannschaften. Ab 1903 gab es erste deutsche Meisterschaftsrunden. Damals wurde das Prinzip geschaffen, nachdem Fußball noch heute funktioniert. Die Sieger kommen weiter, spielen bis zum Triumph und werden für diesen belohnt. Die Verlierer bleiben zurück, steigen in untere Ligen ab, während andere, bessere Mannschaften ihren Platz einnehmen.
 

Die Cincinnati Red Stockings: Die Idee des Geldverdienens

In den USA war Baseball die erste Sportart, die sich zu organisieren begann. Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurde Baseball gespielt, nach heutigem Wissen wurde 1845 der erste Verein gegründet, die New York Knickerbockers. Entscheidend für die Entwicklung zum heutigen System waren aber die Cincinnati Red Stockings (heute Cincinnati Reds), welche ab 1869 durch die Gegend zogen.

Durch die Gegend zogen? Genau. Den Red Stockings war nicht daran gelegen, einen Pokal in die Höhe zu stemmen. Sie waren eine Art Wanderzirkus. Sie spielten besser als alle anderen. Wohin sie auch kamen, es wurden Auswahlmannschaften zusammengestellt, um gegen sie anzutreten. Sie waren ein Ereignis. Die Leute wollten sie spielen sehen. In den ersten beiden Jahren bestritten sie über 130 Spiele und blieben dabei unbesiegt. Sie verdienten Geld damit.
 

Die US Profiligen als geschlossene Veranstaltungen

Die Idee des Geldverdienens durch Sportunterhaltung ist die Grundlage aller US Profisportligen. Dies zu wissen ist der Schlüssel, um amerikanischen Sport und dessen Unterschiede zum hiesigen System zu verstehen. Die Ligen sind große Unternehmen, die einzelnen Clubs Franchisenehmer. Die Clubs gehören Besitzern, die ihrerseits erfolgs- und damit auch gewinnorientiert handeln. Die Clubs setzen einen Commissioner ein, der die Interessen der Liga vertritt und als eine Art Schiedsrichter fungiert. Wichtige strategische Entscheidungen entscheiden aber die Clubs gemeinsam.

In diesen Ligen gibt es keinen Auf- oder Abstieg. Man versteht sich als das Premiumprodukt des entsprechenden Sports. Man nennt die Sieger „World Champions“ und die Liga „The Show“. Es kommt vor, dass Besitzer mit ihrem kompletten Club die Stadt wechseln möchten, zum Beispiel weil man seit Jahren unter einem abnehmenden Zuschauerzuspruch leidet und weil eine andere Stadt mit dem Neubau eines Stadions lockt. Dies wird von der Gemeinschaft aller Clubs erlaubt oder verhindert. Ebenso wie der Verkauf eines Clubs an einen neuen Besitzer, oder gar eine Erweiterung der Liga durch die Vergabe einer neuen Lizenz, welche dann kurzerhand zur Erfindung eines neuen Clubs führen kann.

Entscheidend ist, dass jede Liga einen mehr oder weniger konkurrenzlosen Kosmos darstellt, in dem Regeln für alle gelten, zu denen es keine Alternative gibt. Unterschreibt ein Baseball-Talent einen Vertrag bei den New York Yankees, unterschreibt er einen Vertrag der Major League Baseball. Wollen die Yankees das Talent nicht mehr, schicken sie es mit vielleicht zwei weiteren Talenten zu den Cleveland Indians, und bekommen einen gestanden Profi dafür zurück – dann spielt das Talent eben bei den Indians. Nachgefragt wird dafür nicht. Erst mit einem gewissen Star-Status haben Spieler die Chance, sich eine „No-Trade“-Klausel in den Vertrag schreiben zu lassen. Die Clubs mögen das nicht, weil es ihre Handlungsfähigkeit einschränkt. Sie bezahlen hohe Gehälter und erhalten dafür einen Gegenwert, die Leistung des Spielers oder dessen Tauschwert. Für sie ist es normal, darüber frei zu verfügen.
 

Das Bestreben nach Ausgleich

„The Show“ soll nicht langweilig werden. Alle Besitzer wollen Geld verdienen. Die US Profiligen sind der Überzeugung, dass es insgesamt weniger profitabel ist, wenn stets nur eine Handvoll Clubs die Chance hat, Champion zu werden. Deshalb erfand die NFL das Draft System, welches später von allen US Profiligen übernommen wurde.

Dabei teilen die Clubs die Rechte zur Verpflichtung von noch nicht für die Proficlubs spielenden Talenten untereinander auf. Der Clou ist, dass dabei der in der vergangenen Saison schwächste Club zuerst und der Champion zuletzt auswählen darf. Ein Talent, welches von einem Club „gedraftet“ wurde, darf nur bei diesem einen Profivertrag unterschreiben. Will er das partout nicht, spielt er nicht in der Liga.

Ein weiteres Instrument, um Ungleichheiten zwischen den Clubs auszugleichen, ist die „Salary Cap“. Eine von der Liga festgelegte Obergrenze, welche die Clubs an Ausgaben für Spielergehälter nicht überschreiten dürfen. Nun ist es so, dass einige Clubs solche exorbitanten Einnahmen aus TV-Rechten beziehen, dass sie Strafzahlungen von bis zu 40 Millionen Dollar pro Jahr hinnehmen, um eben doch den Kader ihrer Wünsche zusammenzustellen. Vollendes lässt sich der Unterschied in den Märkten zwischen Clubs aus New York oder Los Angeles gegenüber Clubs in eher ländlichen Gebieten eben nicht ausgleichen. Dennoch ist die „Salary Cap“ ein Ansatz, um dem vollkommen zügellosen Wirtschaften im Profisport zu begegnen.
 

Die US Profiligen, das bessere System?

Auch in der NFL gibt es Clubs, die sich über einen längeren Zeitraum an der Spitze halten können. Trotzdem erreichen regelmäßig Teams den Superbowl, die seit Jahren oder gar noch nie große Erfolge feiern konnten; wie zuletzt die Carolina Panthers, oder in diesem Jahr die Atlanta Falcons. Im Baseball gewann im vorletzten Jahr ein Club die Endspielserie, der zuletzt vor 30 Jahren triumphierte. In der letzten Saison siegten gar die Chicago Cubs, der seit 108 Jahren auf einen Titel warteten! Beispiele dafür, dass das System funktioniert. Dass es für Abwechslung sorgt, und dass es in den amerikanischen Ligen möglich ist, einen Club zu „rebuilden“; über den Draft einige Jahre Talente zu sammeln, so Werte zu schaffen und über geschicktes Management auch in einem „Verliererclub“ ein konkurrenzfähiges Team zusammenzustellen.

Entwicklungen, die im europäischen Fußball unmöglich erscheinen, wo sich Verhältnisse fast ausschließlich über den Geldfluss von Investoren verschieben lassen. Dennoch braucht man sich die Frage nach einem besser oder schlechter nicht stellen. Das US System ist vor allem anders, und es lässt sich unmöglich nach Europa übertragen.

Die Fußballclubs in Deutschland sehen sich nicht als Gemeinschaft. Die „Solidarität“ in Sachen TV-Vermarktung ist ein Feigenblatt. Bayern München konkurriert mit Real Madrid und Chelsea, die Zweitgrößten haben Bedenken von den Drittgrößten eingeholt zu werden. Überall ein Gegeneinander, alles in Konkurrenz, so wie Fußball in Europa groß geworden ist. Niemand kann akzeptieren, zu Gunsten eines großen Ganzen zurückzustecken. Das ist nicht unter einen Hut zu bekommen. Insbesondere auch, weil sich hier die Vorteile des abgeschotteten Systems einer US Liga nicht erreichen lassen, weil Fußballclubs in einem weltweiten Markt agieren. Ein Draft-System ist hier undenkbar. Wenn einem Fußballspieler vorgeschrieben werden soll, für welchen Club er zu spielen hat, sucht er sich eben ein anderes Land.

Es wird so bleiben, dass sich die zu großen Abstände in den Umsätzen der Fußballclubs nicht sportlich überwinden lassen. Es wird so bleiben, dass viele Fußballfans es als falsch empfinden, dass ein deutscher Milliardär seinen Dorfclub in die Bundesliga bringt. Dass zum Teil die gleichen Leute aber dennoch nachts den New England Patriots zujubeln, die einem Milliardär und Besitzer einer Unternehmensgruppe der Papier- und Verpackungsindustrie in den USA gehören. Die Bundesliga und ihre einzelnen Clubs sind längst Unternehmen im Unterhaltungsbusiness, sie verkaufen den Fußball als leicht konsumierbares Produkt. Nur darf das niemand sagen. Fans wollen das nicht hören. Sie wollen anders sein, purer, echter, ehrbarer. Fast ein bisschen so wie deutsche Turner im 19. Jahrhundert.



Foto: US Air Force