„The most poetic sports broadcaster of all time“

Hi, everybody, and a very pleasant good afternoon to you, wherever you may be.
Es ist Zeit für Schalke 04. #Glückauf

Ich mag Twitter und bin dort recht aktiv. Unter Schalkern ist es durchaus üblich, kurz vor dem Anpfiff von Spielen der Blauen noch ein flottes „Glückauf“ in seine Twitter-Timeline zu senden. Sei es um den anderen zu bedeuten, dass man nun live dabei ist, oder um das Glück zu beschwören. Seit Mitte der letzten Saison nutze ich die oben dargestellte, etwas ausführlichere Variante. Es sind die Worte Vin Scullys, des Broadcasters der Los Angeles Dodgers, der seit Jahrzehnten mit dem Ausruf „It’s Time For Dodger Baseball!“ und eben diesen Worten die Radio und Fernsehübertragungen seines Clubs einleitet. Kommenden Sonntag wird es dies zum letzten Mal so tun. Nach 67 Jahren beendet er seine Karriere.

Beim Fußball in Deutschland gibt es keine clubeigenen Liveübertragungen von Spielen. Die Sender stellen sich den Clubs gegenüber als neutral dar. Wir erwarten von den Kommentatoren eine gewisse Überparteilichkeit und ärgern uns, wenn wir den Kommentar als für unser Team zu schlecht erachten. Auch im Baseball in den USA gibt es landesweit übertragene Spiele mit neutralen Kommentatoren. Die überragend größere Anzahl an Liveübertragungen findet aber durch vertraglich an die einzelnen Clubs gebundene Lokalsender statt. Die dabei übertragenden Kommentatoren gehören nicht zu den Sendern, sondern zu den Clubs. Und wenn ein anderer Sender für die Übertragungen mehr bietet und ein neuer Vertrag zustande kommt, wechseln die Kommentatoren mit dem Club zum neuen Sender.

Vincent Edward „Vin“ Scully ist 88 Jahre alt. Er begann 1950 damit, die Spiele der damaligen Brooklyn Dodgers im Radio und im Fernsehen zu kommentieren. Er begleitete die Dodgers, als diese 1955 mit Jackie Robinson, dem ersten Farbigen im amerikanischen Profisport, die World Series gewannen. Er begleitete die Dodgers, als diese 1958 von Brooklyn nach Los Angeles, Kalifornien umzogen. Er wurde die „Stimme der Dodgers“ und die „Stimme LA’s“ und blieb es bis heute.

Aber es ist nicht die Dauer seiner Tätigkeit, die Vin Scully besonders macht. Es ist seine Art, die Spiele zu begleiten. Bei TV-Übertragungen ist es üblich, dass zwei Kommentatoren als Team arbeiten. Vin Scully arbeitet stets alleine. Vin Scully kommentiert auch nicht nur für die TV Zuschauer, er kommentiert im „simulcast“, das heißt dass seine Stimme sowohl im TV, als auch in der Radio Übertragung zu hören ist. Entsprechend muss er stets das Spiel beschreiben und kann sich nicht darauf verlassen, dass die Bilder den Zuschauern den Stand der Dinge erklären.

Nun mögen sich hierzulande viele nicht mit Baseball auskennen und glauben, dass in diesem Sport eh nicht viel passiert, dass es da wenig zu beschreiben gäbe. Aber das Gegenteil ist der Fall. Das Duell zwischen Werfer und Schlagmann ist eine ständige Pokerpartie, bei der jeder Wurf wichtig ist und erwähnt werden muss. Das zu beschreiben fesselt den Kommentator ans Geschehen. Trotzdem ist Vin Scully aber vor allem für seine Geschichten berühmt, die er „um die Spielbeschreibung herum“ zu erzählen versteht wie niemand zuvor und wohl auch niemand nach ihm.

Die Los Angeles Times nannte ihn den „most poetic sports broadcaster of all time“. Vin Scully spricht schöne Sätze. Vin Scully behandelt stets jeden Protagonisten mit Respekt. Vin Scully sagt die richtigen Worte zur richtigen Zeit.

Vor 5 Tagen wurde José Fernandez aus dem Leben gerissen. Der Pitcher der Miami Marlins war 24 Jahre jung und kam bei einem Bootsunfall zu Tode. In allen Stadien der US-amerikanischen Baseball Profiliga gab es Trauerbekundungen, alle Baseballfans im Land waren schockiert. Beim Spiel der Dodgers thematisierte auch Vin Scully den jungen Werfer. In seiner Art schwärmte er von dessen Können und schloss mit der kleinen Geschichte, dass José Fernandez vor einem Jahr bei Twitter einen Tweet abgesetzte, in dem er die Frage schrieb: „Wenn Du ein Buch mit der Story Deines Lebens bekommst, würdest Du das Ende lesen?“ Ein typisches Scully-Ding. Klein, leise. Aber den richtigen Ton und das richtige Gefühl zu Situation treffend.

Es sind liebevolle kleinen Geschichten zu Baseballmenschen, die es nirgends zu lesen gibt, die während der Spiele von Vin Scully erzählt werden. Einmal philosophierte er während eines Innings über die Geschichte der Bartmode. Einmal erzählte er, wie das Leben Mike Mathenys, des Managers der St. Louis Cardinals, dadurch verändert wurde, dass ihm ein Vogel auf den Kopf gekackt hat. Er, der jeden in diesem Sport kennt, der zu jedem eine Geschichte weiß. Und über den andersrum auch jeder im Baseball eine Geschichte erzählen kann, weil jeder ihm über die Jahre irgendwann begegnete. In einem großartigen Online-Stück hat ESPN solche Geschichten über ihn gesammelt und veröffentlicht.

Am vergangenen Sonntag hatte Vin Scully zum letzten Mal ein Heimspiel der Los Angeles Dodgers kommentiert. Als wäre ein Drehbuch dazu geschrieben worden konnte das Team in diesem Spiel den Einzug in die Playoffs klarmachen und den Divisionstitel feiern, durch einen Homerun im 10. Inning, der „Verlängerung“, sozusagen. Ich saß bis 2 Uhr nachts vor dem Fernseher und mochte mich nicht lösen.

Am kommenden Sonntag, dem 2. Oktober, wird Vin Scully das letzte Saisonspiel der Dodgers bei den San Francisco Giants kommentieren. Er hatte früh erklärt, dass er keine Playoff-Spiele mehr übertragen wird, dass dieses letzte Dodgers-Spiel der regulären Saison gegen die Giants sein letztes Spiel sein wird. Und es wäre nicht Vin Scully, wenn es dazu keine Geschichte gäbe.

Vin wuchst in New York auf. Als er 8 Jahre alt war kam er an einem Laden vorbei in dessen Schaufenster das Ergebnis des World Series Spiels an diesem Tag dargestellt wurde: New York Yankees 14, New York Giants 4. Zunächst hatte er etwas Mitleid mit den Giants, aber dieses Ereignis war sein erstes kleines Baseball-Erlebnis, aus dem seine Liebe zum Spiel wurde. Seine Schule war 20 Blocks vom Polo Ground entfernt, dem damaligen Stadion der New York Giants. Als Schüler durfte er umsonst ins Stadion, er begann damit dies montags bis freitags zu tun und wurde großer Fan der Giants. Das besagte World Series Spiel fand am 2. Oktober 1936 statt.

Sein letztes Spiel als Broadcaster wird also exakt 80 Jahre nach diesem ersten Baseballerlebnis stattfinden. Ein Spiel zwischen den Giants, die einst von New York nach San Francisco umzogen und die seine ersten Liebe waren, und seinem Leben, den Dodgers.

Mir ist jetzt schon ganz schwummerig, wenn ich drüber nachdenke.



Foto: Floatjon

Blauer Salon – Der Schalke Podcast: Folge 17

Folge 17 war eine Outdoor-Aufnahme, nicht ganz auf, aber ganz nah an heiligem Boden. In dieser Folge sollte es um Erinnerungen ans Parkstadion gehen, der Schalker Heimspielstätte von 1973 bis 2001. Der perfekte Gast dazu war Stefan Barta, der schon ein Buch über das Parkstadion schrieb und auf Schalke auch für seinen Einsatz in der viaNOgo-Gruppe oder als Wahlausschussmitglied bekannt wurde.

Für Herrn Pepo war dieses Thema ein sehr besonderes. Für ihn, wie für ganz viele Schalke, bedeutete das Parkstadion den örtlichen Ursprung ihres Fandaseins. Also schwelgte er mit Stefan in Erinnerungen, zum Teil unterstützt von Videos, die wir im Blog des Podcasts verlinkt haben.

Ich selbst hielt mich in dieser Folge zurück. Zwar hatte ich mich 1991 in diesen Club verkuckt, bis zu meinem „Coming Out“ dauerte es aber noch eine Weile, so dass meine Zeit als Schalker erst zur Arenazeit begann. Meine Geschichte, die ich im Podcast nie zu erzählen Herrn Pepo versprechen musste, die sich aber hier nachlesen lässt.

Auf der Webseite blauer.salon gibt’s die Feeds zum Abonnieren unseres Podcasts. Dort lässt sich auch ein Feedback hinterlassen; oder gleich hier. Außerdem lieben wir Feedback und Herzchen via Twitter oder Kommentare und Likes bei Facebook. Und falls ihr uns nicht in eine Arena-Loge einladen möchtet könntet ihr uns wenigsten bei iTunes positiv bewerten.

Viel Unmut, weniger Tullus

Schalke 04 hat fünf Bundesligaspiele in Folge verloren. Gerade Schalke 04, der Club, den die Aufregung ihre Heimat nennt. Gemessen an dem, was man aus der Vergangenheit gewohnt ist, es aktuell aber noch erstaunlich ruhig. Das macht mir Hoffnung.

Natürlich ist jeder Schalker unzufrieden mit der aktuellen Situation. Natürlich gibt es von Fanseite jede denkbare Reaktion auf die Misere. Schalker sind eben viele. Für mach einen ist schon wieder Clemens Tönnies schuld, weil sich eben nichts ändere so lange er da sei. Für andere ist das eh längst nicht mehr ihr Schalke. Natürlich bekommt auch der neue Manager sein Fett weg. Und wie zu erwarten bläst dem neuen Trainer der fanseitige Wind am heftigsten entgegen.

Dass es ja nicht klappen könne, dass sich ein Team einspiele, wenn der Trainer die Startformation ständig wechsle, sagen die einen. Dass der Trainer dringend diesen oder jenen Spieler auf die Bank setzen müsse, da er es ja nicht brächte, sagt der Nächste. Wieso denn kein neuer Spieler aus der Knappenschmiede eine Chance bekäme, obwohl das aktuelle Personal doch scheitere, fragt der Dritte.
Gerne wird auch auf die Vergangenheit verwiesen. Ja, unter Breitenreiter sei auch nicht alles toll gewesen, aber er hätte wenigstens gepunktet. Und überhaupt habe Jens Keller doch Erfolg gehabt. Man selbst habe schon immer gewusst, dass Markus Weinzierl auch nicht besser sei, dass Erfahrungen aus Ausgburg nicht für Schalke 04 reichen würden, dass das viele Geld für seine Ablöse nicht nötig gewesen wäre.

Die Verehrung von Ex-Trainern steigt linear mit dem zeitlichen Abstand zu den pomadigen Spielen ihrer Zeit. Viel Unmut ist nach fünf Niederlagen in fünf Ligaspielen normal, das wäre in keinem Club anders. Und doch halten noch mehr Schalker gerade inne, statt schon wieder des nächsten Trainers Kopf zu fordern. Gerade der Vergleich mit den Vorgängern könnte ein Grund dafür sein. Dass Schalker Mannschaften in den letzten Jahren unter sehr verschiedenen Trainer auf dem Platz sehr gleich pomadig agierten mag für einige den Schluss nahelegen, dass Weinzierl auch nicht besser als seine Vorgänger ist. Noch naheliegender ist aber der Schluss, dass sich das mit dem nächsten Trainerwechsel auch nicht ändern ließe, dass es andere Gründe haben muss, auf die Schalke mal anders reagieren sollte.

Das ständige Wechseln von Trainern hat dazu geführt, dass Schalke spätestens alle anderthalb Jahre wieder bei Null begonnen hat, dass Spieler wieder nicht die Wunschspieler des aktuellen Trainers waren, dass Trainernotlösungen in der laufenden Saison gefunden werden musste, dass Schalke eben stets nur auf aktuelle Situationen reagiert hat, viel zu selten geplant agierte. Aus dieser Schleife auszubrechen war das Vorhaben, als man zu dieser Saison den großen Umbruch wagte. Dass das nach einem Monat Misserfolg nicht gleich wieder über den Haufen geworfen werden sollte, verstehen mittlerweile ganz viele Schalker.

„Abstiegskampf“: Schalkes 0 steht auch nach 5!

Schalke verliert auch das 5. Bundesligaspiel der noch jungen Saison, 1:2 in Hoffenheim. Wieder konnte die Offensive aus viel Ballbesitz nur wenige Chancen kreieren. Wieder führten „leichte Fehler“ zu Gegentoren. Schalke bekommt die Dinge nicht zusammen. Und zu allem Überfluss wurde ihnen noch ein klarer Handelfmeter verwehrt. Enttäuschend.

Nach dem Spiel erklärte Manager Christian Heidel die Situation offiziell zum Abstiegskampf.

Vielleicht fehlt es da an Realität, dass man nicht merkt wo man eigentlich steht. Aus dem Umfeld waren immer wieder Sprüche zu hören wie „Gladbach hatte auch die ersten Fünf verloren und kam dann in die Champions League“. Da biegen sich bei mir die Fußnägel. Nach fünf Spielen ohne Punkt sind wir im Abstiegskampf. Das ist noch nicht bei allen angekommen.

Außerdem machte er fehlendes Engagement der Mannschaft für die Niederlage verantwortlich.

Wenn man in der ersten Halbzeit, nach einer 1:0 Führung, nur 53 km läuft, dann weiß jeder, der sich im Fußball auskennt, was das bedeutet. Das ist einfach zu wenig.

Man kann nicht sagen, man ist ein Malocherclub, und vergisst das Malochen. Ich habe mich immer schützend vor die Mannschaft gestellt, aber jetzt ist ein Punkt gekommen an dem man Klartext reden muss. Die zweite Halbzeit war engagiert. Aber Engagement ist selbstverständlich. Hier geht es nun um ein bisschen mehr, und das muss die Mannschaft nun einfach verstehen.

Bevor Christian Heidel seine Aussagen im Interview gewohnt souverän ausformulierte, soll er einen Tobsuchtsanfall gehabt haben*. Einen, wie es ihn seit Rudi Assauer auf Schalke nicht mehr gegeben habe, hieß es aus Sinsheim.

Christian Heidel geht mit seinen Aussagen in die Offensive. Die recht erstaunliche Ruhe der letzten Wochen führte nicht zum Erfolg, nun erhöht er selbst den Druck. Das geht am einfachsten über die „Wir wollen Euch kämpfen sehen“-Nummer, welche die mitgereisten Schalker gleich nach Abpfiff bereits intonierten.

Natürlich ist „mehr kämpfen“ immer super. Meines Erachtens war zu wenig kämpfen aber nicht der Grund für die Niederlage gegen die TSG. Statt an Läufen ohne Ball fehlte es meines Erachtens eher daran, dass der Ball selbst zu langsam lief. Schalkes Ballgeschiebe wirkte sehr vorhersehbar. Wie schon gegen Köln tat man sich unglaublich schwer, gute Chancen zu erspielen. Dabei bewegte sich vor allem Breel Embolo in der Spitze viel und auch Klaas-Jan Huntelaar wich immer wieder in freie Räume aus. Sie aber wirklich in aussichtsreichen Positionen freizuspielen gelang fast nie. Diese Hilflosigkeit war schon ernüchternd.

Die leichten Fehler, mit denen man den Gegner immer wieder zu Toren einlädt, werden hingegen schon zur Routine. Ähnlich wie gegen Köln wirkte Sascha Riether mit seinen Gegenspielern überfordert. Das erste Gegentor ging zum größten Teil auf seine Kappe. In dieser Situation verlagerte Hoffenheim das Spiel auf seine Seite, aber er war so weit weg von Hoffenheims Außen, dass er direkt den kurzen Weg Richtung Tor antreten musste um überhaupt noch auf Ballhöhe zu kommen. Seinen Stellungsfehler wollte Leon Goretzka ausbügeln, der aus seiner Position aber einen Schritt zu spät kam um die Flanke noch verhindern zu können. Dass Matija Nastasic einen Schritt zu weit vor seinem Gegenspieler zum Kopfball hochsprang und den Ball nicht erreichen konnte war das zweite vermasselte „Routinespiel“, welches das erste Gegentor ermöglichte.

Auch beim zweiten Gegentor kam Sascha Riether zu spät, beendete seinen Lauf einen Meter hinter dem Torschützen, als dieser einschob. Dass die Verteidigung so blank erwischt wurde lag aber natürlich an Nabil Bentalebs Fehlpass in der eigenen Hälfte, als sich die ganze Mannschaft gerade in der Vorwärtsbewegung befand. Solche Fehler sind „Eigentore“, wie sie einfach nicht passieren dürfen, Fehler die sich kaum noch ausbügeln lassen.

Schalke hat sich diese Niederlage redlich verdient. Dennoch hätte es in der Nachspielzeit einen Handelfmeter gegen Hoffenheims Kerem Demirbay geben müssen, wie man das anders sehen kann ist mir ein Rätsel. Der Elfer hätte einen ziemlich sicheren Punktgewinn bedeutet, und Punkte nicht zu gewinnen ist nie besser als sie zu gewinnen, egal wie schlecht man zuvor gespielt hat.

Nun wird also aus allen Rohren geschossen werden. Von Fanseite, von Zeitungen. Aber egal wie laut was von wem gefordert wird, der eigenen Trainer wird von Christian Heidel nicht infrage gestellt werden, davon bin ich überzeugt.




 
Die Info zum „Tobsuchtsanfall“ wurde von den WAZ-Journalisten Manfred Hendriock und Andreas Ernst übermittelt, siehe hier und hier. Heute dementierte Thomas Spiegel, Direktor Medien, Kommunikation und PR des S04, dass es einen solchen gegeben hätte, siehe hier.
 
 

Wichtige Personalentscheidungen auf Schalke

Schalke braucht in der Liga kurzfristigen Erfolg um den Druck von außen zu verringern. Ich freue mich auf das Spiel gegen Hoffenheim. Dass die Blauen gegen Köln nicht gut aussehen würden dachte ich mir schon als wir dem Team noch eine gute Leistung gegen Bayern München bescheinigten. Ich denke, dass Schalke gegen Hoffenheim wieder besser aussehen kann. Hoffenheim ist offensiver eingestellt. Gegen die TSG kann man mit gutem Pressing Bälle in aussichtsreichen Positionen gewinnen. Wichtig wird, dass die Defensivreihen Schalkes wieder mutiger nachrücken, die Abstände gering halten um Hoffenheim wenig Platz zu lassen. Ma’kucken.

Abseits des Kurzfristigen hat Schalke heute zwei wichtige Personalentscheidungen bekanntgegeben. Der Vorstand Marketing Alexander Jobst hat seinen bis 2017 laufenden Vertag vorzeitig bis 2022 verlängert, und U19-Trainer Norbert Elgert hat sich einmal mehr zu seinem Club bekannt und einen unbefristeten Vertrag unterzeichnet.

Für Schalke 04, als Club ohne Investoren-Millionen, ist Marketing die wichtigste Einnahmequelle. Alexander Jobst hat seinen Job in den letzten Jahren erfolgreich erledigt. Auch wenn ich Gazprom scheiße finde und kein Experte auf dem Gebiet bin habe ich doch den Eindruck, dass er ein absoluter Profi ist und Schalke auf dieser Position kaum besser aufgestellt sein könnte.

Dass Schalke mit Norbert Elgert als Ausbilder zukünftiger Profis hervorragend aufgestellt ist, ist mittlerweile Landesweit bekannt. Er ist für Schalke 04 ein Vorteil gegenüber anderer Clubs im Ringen um Talente. In den vergangenen Jahren hatte er mehrmals geäußert, vielleicht nochmal einen anderen Job annehmen zu wollen, sich nochmal zu verändern. Mit dem nun unterschriebenen, unbefristeten Vertag sind alle Wechselgerüchte/-befürchtungen endgültig beendet. Für die Knappenschmiede eine wichtige Entscheidung und für alle Fans eine sehr schöne. Denn wenn man gerade mal wieder gefrustet vom Spiel der Profis zurückgelassen wurde bleibt einem immer noch der Besuch eines U19-Spiels. Die Jungs machen eigentlich immer Spaß.

Schwach gegen Köln: Schalkes 0 steht auch nach 4!

Schalke 04 verliert auch zuhause gegen den 1. FC Köln. Beim 1:3 offenbarten die Blauen schlimme Abstimmungsprobleme im defensiven Zentrum und konnten im Angriff aus viel Ballbesitz kaum Chancen erspielen. Mit einer derartigen Leistung kann man gegen jeden Gegner verlieren.

Es waren noch keine 30 Sekunden gespielt als Markus Weinzierl an der Seitenlinie aufsprang und rumschrie. Er gestikulierte, bedeutete seiner Mannschaft nach dem Herausspielen aus der Abwehr nachzurücken, um die Räume zwischen den Reihen eng zu halten. Ich konnte Schalkes Trainer nicht das ganze Spiel über beobachten, aber ich nehme an er kann nun nicht mehr sprechen, er wird das ganze Spiel gebrüllt haben müssen. Denn der Raum, den seine Mannschaft zwischen den Reihen ließ, vor allem zwischen dem defensiven Mittelfeld und der Innenverteidigung, war kampfsterngroß.

Naldo, Höwedes, Bentaleb, Geis … jeder für sich mag ordentliche Zweikampfwerte gehabt haben, aber im Raum bewegten sie sich schlecht. An der Schalker Strafraumgrenze war für den Gegner über die gesamten 90 Minuten viel Platz, weil die Innenverteidiger die gegnerischen Stürmer in Manndeckung nahmen und die defensiven Mittelfeldspieler oft hinter dem Ball zurückblieben. Dies blieb auch noch nach der Auswechslung Stambouli für Geis so.

Der 1. FC Köln war in diesem Spiel die klar bessere Mannschaft und trat den Beweis an, dass die üblichen Statistiken im Fußball keine Aussagekraft haben. Schalke mag mehr Ballbesitz gehabt und mehr Pässe gespielt haben, aber eben nur weil Köln es so wollte. Nach einer Anfangsphase, in der die Gäste agierten, zogen sie sich zurück. Man ließ Schalke mit seinem Problem, ein ordentliches Offensivspiel aufzuziehen, walten, und profitierte vom geöffneten Rückraum in den Kontersituationen. Zu jeder Zeit des Spiels waren die Kölner Offensivaktionen gefährlich, und defensiv hatten sie die bieder agierenden Schalker meistens gut im Griff.

Dass Schalke offensiv derart durchsichtig und ohne Überraschungsmoment agierte lag auch an Max Meyer. Dies war wieder solch ein Spiel wo es mehr dieser Pässe in die Tiefe gebraucht hätte, wie Nabil Bentaleb vor dem Führungstreffer Huntelaars einen spielte. Max Meyer spielt in der dafür prädestinierten Position. Aber einmal mehr war von ihm nichts zu sehen, fand er keine Bindung zum Spiel. Ja, Max Meyer ist immer noch ein sehr junger Spieler, und ja, man soll mit jungen Spielern geduldig sein. Aber Max Meyer gehört zu den Spielern, auf die Schalke baut. Sein nächster Bundesligaeinsatz wird sein 100. sein, dazu kommen 26 internationale Spiele für Schalke. Für diese Erfahrung und für seine Stellung ist sein Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft zu gering.

Diese Leistung gegen Köln war noch schlechter als die in Frankfurt am 1. Spieltag. In Frankfurt konnte sich Schalke nach katastrophaler Anfangsphase stabilisieren. Gegen Köln blieben die Defizite über die gesamte Spielzeit gegenwärtig. Bezüglich der Offensive haben wir in dieser Saison noch kein gutes Spiel der Blauen sehen dürfen. Bis auf Weiteres bleibt also nur, sich an die starken Defensivleistungen gegen Bayern München und den OGC Nizza zu klammern und zu hoffen, dass durch ein irgendwie zustande kommendes Erfolgserlebnis und weitere Trainingseinheiten der Zug koppelt und ins Rollen gerät.

Uninspiriert in Berlin: Schalkes 0 steht auch nach 3!

Schalke 04 verliert auch in Berlin. Beim 0:2 präsentierte man sich schlecht und konnte über 90 Minuten keine wirklich gute Torchance erspielen. Nun wird sich der Druck der Öffentlichkeit deutlich erhöhen. Natürlich.

Von Beginn an ließ sich Schalke in die Außenseiterrolle drängen. Hertha hatte den Ball und wurde von Schalke nicht so gestört wie Bayern München oder OSC Nizza zuvor. Schalke stand in letzter Konsequenz defensiv gut, aber es gelang nie die Initiative zu ergreifen.

Dies änderte sich nach der Pause. Nun hatte Schalke mehr Ballbesitz, konnte damit gegen gut verteidige Herthaner aber nichts anfangen. Ein Spiel, das sich im Mittelfeld abspielte. Ein „50/50-Spiel“, das verliert wer einen Fehler macht. Den machte in der 64. Spielminute Benjamin Stambouli für Schalke 04. Die Begegnung hätte in diesem Moment abgepfiffen werden können. Dass Schalke an diesem Tag nicht in der Lage war Torchancen zu kreieren hatte man schon über eine Stunde lang gesehen, daran änderte sich nichts mehr.

Dieses Spiel hätte ebenso glücklich gewonnen werden können wie es unglücklich verloren wurde. Der Punkt ist, dass Schalke nie ansatzweise dominant wurde, dass Schalke zu keinem Zeitpunkt in die Nähe kam, ein gutes Ergebnis zu erzwingen. Deshalb hat man es eben nicht besser verdient. Deshalb steht man nun nach 3 Spieltagen mit 0 Toren und 0 Punkten da. Deshalb wird man den Clubs, die um die internationalen Plätze streiten, in nächster Zeit lediglich hinterherhecheln. Deshalb wird nun von einem sehr missratenen Saisonstart die Rede sein. Und anderes zu behaupten wäre auch albern.

In zwei guten Spielen gegen Bayern München und OSC Nizza erzielte Schalke einen Treffer. Dafür kam man gegen Eintracht Frankfurt und Hertha BSC kaum zu Torabschlüssen und verlor zweimal kläglich. Mit nichts ist zu begründen, weshalb die gute Leistung gegen Bayern München mehr Beachtung erfahren sollte als der pomadige Auftritt in Berlin.

Ich sehe keinen Grund, irgendwas Grundsätzliches infrage zu stellen. Ich schüttle bis jetzt den Kopf, dass es gleich nach Abpfiff Fans gab die sofort von Jens Keller zu schwärmen begannen, dessen Ergebnisse („hat uns aber in die Champions League gebracht“) nach anderthalb Jahren mit den Ergebnissen Markus Weinzierl nach vier Pflichtspielen verglichen. Und ich habe jetzt schon keine Lust auf die Zeitungstexte, die nun kommen und erklären warum auf Schalke doch schlecht ist was vor ein paar Tagen noch für so neu und gut erachtet wurde. Aber das alles ist eben so, so ist das Business.

Schalke ist ein lauter Club. Ein Club über den immer gesprochen und geschrieben wird, der aus dieser Lautstärke Popularität zieht und damit Geld verdient. Bei Schalke ist eine ordentliche Leistung gegen Bayern München trotz Niederlage ein bisschen lauter als bei anderen Clubs, und wenns nicht läuft wird eben auch ein bisschen lauter kritisiert. Entscheidend ist, dass der Sportvorstand seinem Trainer jederzeit den Rücken stärkt. Dahingehend bin ich sehr entspannt.