Schalke vor Hannover … und vor China

Schalke 04 steht vor seinem Bundesliga-Saisonauftakt in Hannover. Prince und Klaas-Jan Huntelaar sind einsatzbereit, Jan Kirchhoff, Dennis Aogo und Atsuto Uchida sind mitterweile zwar wieder im Training, für Samstag sind sie aber noch keine Option.

Veränderungen in der Aufstellung wird es auf Grund der jetzigen Einsatzbereitschaft der Nationalspieler Julian Draxler und Benedikt Höwedes geben. Änderungen als Konsequenz aus der Enttäuschung von Dresden sind nicht geplant. Man wolle nun nicht alles schlechtreden.

Jens Keller geht davon aus, dass bei Hannover 96, abgesehen von einem Einsatz von Stürmer Joselu, alles beim Alten bleibt, und die Mannschaft mit der des Vorjahres vergleichbar ist.

In der Personalie Christian Fuchs, der weiterhin als möglicher Abgang gilt, gibt es nichts Neues. Nachbesserungen des Kaders wird es nicht mehr geben, man ist davon überzeugt, dass man mit diesem Kader die Ziele in den verbleibenden Wettbewerben erreichen kann.

Marketingvorstand Alexander Jobst gab unter der Woche in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland bekannt, dass Russland kurz und mittelfristig als Ziel der Schalker „Internationalisierungsstrategie“ auf Eis liege. Auch wenn man Sport und Politk streng voneinander trennen wolle, führten doch die politischen Ereignisse zu diesem Schritt. Ein aktives Marketing in Russland würde Schalkes Werten und Grundsätzen widersprechen. Das Sponsoring Gazproms habe mit diesen Entscheidungen zu den Eigeninitiativen des Clubs nichts zu tun, betonte Jobst.

Auch weil Schalke mit Hisense und Huawei gerade zwei asiatische Großkonzerne als Sponsoren gewinnen konnte, sieht Jobst nun Japan und China als erste Ziele der besagten Internationalisierungsstrategie. Möglicherweise wird der Elektronikhersteller Hisense seine Geräte demnächst mit Schalke-TV-App ausliefern. Huawei dränge hingegen in den europäischen Markt und will in naher Zukunft für ordentlichen Internet-Empfang in Schalkes Arena sorgen.

Für die Saison 2014/15 geht Alexander Jobst von einem Marketingumsatz zwischen 80 und 82 Millionen Euro aus. Selbstverständlich erzeuge das auch sportlichen Druck, gibt Jobst zu. Firmen wie Hisense und Huawei gingen selbstverständlich davon aus, mit Schalke 04 einen Champions League-Teilnehmer als Sponsoring-Partner gewonnen zu haben.

Parallel dazu beobachtete Tobias Jochheim für Die Zeit, wie normal und damit erfolgreich „Partner Gazprom“ auf Schalke geworden ist.

90 Minuten Saison – und schon den Papp auf

Schalke blamiert sich in Dresden, verliert 1:2 und verabschiedet sich bereits nach der ersten Runde aus dem Pokalwettbewerb.

Die Beispielszene, stellvertretend für den FC Schalke 04 der ersten 70 Minuten in diesem Spiel, ereignete sich kurz vor der Halbzeit. Es stand bereits 1:0 für Dresden, Schalke erhielt einen Freistoß, knapp 30 Meter vor dem gegnerischen Tor. Die kopfballstarken Spieler postierten sich in der Nähe der Mauer. Klaas-Jan Huntelaar legte sich den Ball zurecht. Er läuft an und schießt den Ball lasch und flach in die Mauer, einem Passspiel gleich. Die Spieler trotteten in ihre Positionen zurück.

Klaas-Jan Huntelaar ist zweifellos ein Siegertyp, einer der vorangeht, der stets viel läuft. Einer, auf den ich nichts kommen lasse. Und doch war die Lethargie in dieser Szene bezeichnend. Schalke war das Gegenteil von heiß. Schalke nahm dieses Spiel nicht ernst. Schalke agierte im Testspiel-Modus, auch dann noch, als Dresden 2:0 führte. Man probierte sich aus, spielte den Ball bald hier, bald dort herum, oft wieder zum Passgeber zurück, wollte das Spiel ruhig halten. Ruhig, während Dresden rannte so schnell man konnte. Kompliziert, während Dresden einfach spielte: Lang nach vorne, auf den Stoßstürmer, nur mit wenigen Spielern nachrückend.

Für den FC Schalke 04 an diesem Abend reichte es. Das Innenverteidiger-Paar Joel Matip und Felipe Santana machte da weiter, wo man im Testspiel gegen Tottenham aufhörte. Sie offenbarten große Lücken in ihrer Raumaufteilung und halfen durch individuelle Fehler bei den Gegentoren. Alleine schuldig waren sie indes nicht. Natürlich ließ auch Höger vor dem zweiten Tor seinen Gegner laufen. Natürlich brachte Prince kaum Präsenz auf den Platz. Natürlich konnte Lückenschließer Neustädter kaum Lücken schließen. Natürlich lief das Spiel nahezu komplett an Klaas-Jan Huntelaar vorbei und Max Meyer spielte Pässe in der Regel zurück statt nach vorne. Julian Draxler wusste zu gefallen, Christian Clemens und Eric Maxim Choupo-Moting waren bemüht – das wars aber auch schon. Und das reicht eben nicht. Nicht mal gegen einen Drittligisten, nicht mal in einem Testspiel. Nie.

70 Minuten machte Schalke den Eindruck, als habe man schlicht keinen Bock sich anzustrengen. Als Schalke das Tempo erhöhte hatte sich Dresden den Sieg längst verdient. Sehr ärgerlich.

Druck in Dresden

Es sei mit Sicherheit ein Vorteil für einen unterklassigen Club im Pokal, schon länger im Pflichtspielbetrieb zu sein, sagte Peter Neururer. Er glaube, dass es ein kleiner Vorteil sei, aber kein großer, sagte Armin Veh. Ein kleiner habe auch gereicht, antwortete Peter Neururer.

Seine Schalke-Twitter-Timeline mache sich vor Dresden in die Buchse, wunderte sich Herr Winzler. Bei allem Respekt, dritte Liga, da dürfe man sich keine Blöße geben, schrieb ich. Schalke müsse mehr an die eigene Stärke glauben, Schalke solle sich nicht immer kleiner machen als man sei, sagte Horst Heldt. Eben, dachte ich.

Der aktuelle sei Schalkes bester Kader der Neuzeit, schrieb ich. Ja, aber geht das Ding in Dresden in die Hose, brennt der Baum, schrieb derwahrebaresi.

Ohne Zweifel, Druck ist ab heute.

Glückauf!

Ben Redelings Schalke-Album

Ben Redelings schuldet mir noch Bier. Als Fan des VfL Bochum war er nicht begeistert, als Christian Fuchs nach seiner Ausleihe von Bochum nach Mainz statt zurück, zum FC Schalke 04 wechselte. Lange würde er es nie irgendwo aushalten, meinte Ben, höchstens zwei Jahre. Drei Jahre sagte ich, zwei Bier.

Wenn er nicht gerade Wetten verliert sitzt er auf der Bühne oder veröffentlicht Bücher über Fußball. In letzter Zeit war er besonders fleißig, gerade veröffentlichte er „Club-Alben“ zu 10 Bundesligaclubs und dem VfL Bochum. Das „Schalke-Album“ liegt mir vor und es macht Spaß.

160 Seiten voller Sprüche, kleinen Geschichten und Fotos, die einen schmunzeln oder in Erinnerung schwelgen lassen. Man denkt immer man kennt schon viele der Schalker Skurrilitäten, aber hierin lässt sich bei jedem Reinschauen immer nochmal was Neues finden. Überhaupt ist dieses Album nichts was man einmal durchgeht und dann weglegt. Es ist ein „Immer wieder mal“-Album. Bunt, witzig, abwechslungsreich.

Einwechselspieler-Raten: Gewinne eins von drei „Schalke-Alben“

Drei „Schalke-Alben“ habe ich für die Leser dieses Blogs. Verlosen war mir zu plump, deshalb dachte ich mir, spielen wir doch zum Auftakt der Schalker Pflichtspielsaison eine Sonderrunde „Einwechselspieler-Raten“.

Wie der Name schon sagt geht es beim „Einwechselspieler-Raten“ (ESR) darum, die drei Spieler vorauszusagen, die Schalkes Cheftrainer im Laufe des Spiels einwechseln wird. Langjährige Leser werden sich vielleicht an eine Extra (X)-Frage erinnern, die lassen wir in dieser Sonderrunde aber weg.

Wer mitmachen will hinterlässt also bis spätestens Montag, 18:30 Uhr einen Kommentar mit drei Spielernamen. Die Reihenfolge spielt keine Rolle. Schreibt die Namen bitte untereinander. Klingt ganz leicht, oder? Also einfach mitmachen.

Die drei Tipper mit den meisten Treffern gewinnen ein „Schalke-Album“, bei Punktgleichheit lose ich aus. Die Auswertung folgt Dienstag hier unter diesem Beitrag. Die Gewinner werden hier veröffentlicht und außerdem per Mail benachrichtigt.




UPDATE:
Die Auswertung!

Das Spiel war unsäglich, aber Jens Keller hatte Draxler, Clemens und Barnetta eingewechselt, das sorgte immerhin bei unserem Spielchen für viele Treffer.

Draxler (54) und Barnetta (34) waren die meistgenannten Spieler, auch Clemens wurde immerhin noch 20 Mal getippt. Die Runde hatte 84 Mitspieler, die im Schnitt auf 1,34 Treffer kamen. 9 Tipper haben komplett falsch geraten, 4 Tipper hatten alle drei Namen richtig. Da es leider nur 3 Bücher gibt, musste das Los entscheiden. Die Gewinner eines „Schalke-Albums“ sind deuserband, Pepo und bernd.
Herzlichen Glückwunsch!

Vielen Dank an alle, fürs Mitmachen! So einfach ist das kommentieren hier. Wir – die regelmäßig aktiven Kommentatoren und ich – freuen uns stets über jede Meinung, zu allem was hier so diskutiert wird. Bleibt einfach dabei.

Die Wetklo-Versicherung

Schalke verpflichtet Christian Wetklo und reagiert damit auf die Verletzung Fabian Giefers. Ein Deal wie eine Versicherung: Schalke bezahlt ein Ersatztorhüter-Saisongehalt und hofft doch, dass mehr nicht folgt, dass Ralf Fährmann durchspielt, dass Fabian Giefer bald gesund zurückkehrt. Eine Personalie, die ich vor einer Weile ganz anders erwartet hatte, die so aber auch nachvollziehbar ist.

Christian Wetklo hat noch die Saison 2012/2013 für Mainz 05 komplett durchgespielt und war ein solider Bundesliga-Torwart, bis er vergangene Saison als Nummer 1 abgelöst wurde. Nun ist er 34 Jahre alt. Als Sohn des Ruhrgebiets, in Marl geboren, kam er als 15-Jähriger zum FC Schalke 04, wurde hier ausgebildet, bis er irgendwann nach Mainz fand.

Eigentlich ein Mann wie gemacht für einen zweijährigen Karriereausklang als Nummer 2 auf Schalke, hinter Ralf Fährmann; hatte ich gedacht, bis die Verpflichtung Fabain Giefers dann doch offiziell wurde.
Mit einem derart starken Ralf Fährmann, wie wir ihn heute erleben dürfen, konnte Anfang 2013 niemand rechnen. Ziemlich offensichtlich wurde Giefers Verpflichtung damals bereits eingefädelt. Damals war völlig offen, wie die Torhüter-Zukunft auf Schalke nach dem auslaufenden Hildebrand-Engagement aussehen würde. Also kam es zum Torhüter-Doppel Fährmann/Giefer, was sich meines Erachtens nach einem zuviel der Kategorie „noch jung und Karriere machen wollend“ anfühlt. Nun kommt Christian Wetklo noch dazu.

Um nochmal zu spielen wechselte er von Mainz zu Darmstadt 98. Als dort die Hierarchie infrage gestellt wurde, wurde der Vertrag schnell wieder aufgelöst. Auf Schalke ist die Hierarchie klar, wenn auch unter anderen Voraussetzungen: Hier soll Christian Wetklo eigentlich nicht spielen. Aber Schalke sichert sich mit ihm ab, kann zur Not auf seine Erfahrung setzen. Und Wetklo ist für eine Saison im Kader des S04 bestmöglich untergebracht, verdient sein Geld, ist „zu Hause“ und kann sich in Ruhe überlegen, wie es mit ihm ab 2015 weitergehen soll.

Schalkes bester Kader

Testspielergebnisse sollte man nicht allzu ernst nehmen. Fast wie bestellt haben sich gestern mit Borussia Dortmund und Wolfsburg auch zwei der Clubs ihre Enttäuschungen abgeholt, die regelmäßig von Schalkes Vorbereitungskritikern als in der Entwicklung davoneilende Gegner im Kampf um die vorderen Bundesligaplätze dargestellt werden. Natürlich steht Bayern München über allen. Natürlich wird in Dortmund seit Jahren viel richtig gemacht. Natürlich haben Leverkusen und Wolfsburg als Weltkonzern-Abteilungen ungleiche Möglichkeiten. Trotzdem muss man auf Schalke die Grubenlampe nicht in die Ecke stellen. Schalke hat für die kommende Saison einen sehr starken Kader.

Ralf Fährmann hat in der letzten Rückrunde gezeigt, dass er einer der besten Torhüter der Liga ist. Joel Matip und Benedikt Höwedes gehören in der Bundeliga sicherlich zu den besten Innenverteidigerpaaren überhaupt. Prince in der Mitte des Platzes und Klaas-Jan Huntelaar im Angriff vervollständigen eine Mittelachse erprobter Stars, das Grundgerüst dieser Mannschaft. Ebenfalls zu den festen Größen gehören die Positionsspezialisten Jefferson Farfán, Atsuto Uchida und Roman Neustädter. Nahezu alle anderen Spieler sind sehr flexibel einsetzbar und ergänzen sich dabei gut. Das macht die eigentliche Stärke der Zusammenstellung dieses Kaders aus und es kommt nicht von ungefähr, dass ausgerechnet die wenig flexiblen Felipe Santana und Christian Fuchs noch als potenzielle Abgänge gehandelt werden.

Dem defensiven Bereich wurde in der jüngeren Vergangenheit mit Dennis Aogo, Jan Kirchhoff und Kaan Ayhan viel Qualität zugefügt. Kirchhoff kann in der Zentrale sowohl in der Innenverteidigung als auch im defensiven Mittelfeld agieren. Kaan Ayhan hat beim Derby in Dortmund seine Feuertaufe als Innenverteidiger bestanden und gilt weiterhin als möglicher Rechtsverteidiger. Dennis Aogo hat sowohl als Linksverteidiger, als auch im defensiven Mittelfeld überzeugen können. Ob nun er oder Sead Kolasinac den Linksverteidiger-Posten gewinnt, ist offen; eine Konkurrenz, die Schalke gut tut.
Marco Höger kann als Rechtsverteidiger eingesetzt werden und kann in Schalkes Doppelsechs sowohl den offensiveren, als auch den defensiven Part spielen. Leon Goretzka hat ein überragendes Spielverständnis und hat das Zeug zum großen Star in der Zentrale, ist aber auch hinter der Spitze oder auf dem Flügel einsetzbar.

Schalkes Offensive wurden nun von Horst Heldt durch die Zugänge von Maxim Choupo-Moting und vor allem Sidney Sam gepusht.

Julian Draxlers Leistungen sind eine Frage der Form, sein Talent ermöglicht es, dass er überall im Angriffsdrittel ein entscheidender Spieler ist. Ähnlich flexibel ist Max Meyer, der auch dann zu genügend Spielzeit kommen wird, wenn Prince wieder vermehrt auf der 10er-Position spielt; und sei es als spielstarker zweiter Stürmer. Als zweiter Stürmer kann auch Choupo-Moting agieren – oder als erster in Abwesenheit Huntelaars – oder und vor allem auf dem linken Flügel. Sidney Sam bringt nochmal Tempo in die Offensive und kann hinter den Stürmern agieren oder nach Außen ausweichen. Christian Clemens wird seine Chance als Farfán-Ersatz erhalten und durfte sich in der Vorbereitung auch als Rechtsverteidiger üben. Inwieweit Tranquillo Barnetta und Chinedu Obasi Schalke noch helfen können, bleibt abzuwarten. Mit Donis Avdijaj, Leroy Sané, Marcel Sobottka, Pascal Itter und Marvin Friedrich steht für alle Mannschaftsteile schon die nächste Generation bestmöglich ausgebildeter Jungendspieler bereit.

Natürlich kann eine Unzahl an Verletzungen stets alle Planungen über den Haufen werfen. Mit einem „Zuviel an Verletzungen“ hat Schalke zu Kämpfen, da liegt es im Argen. Aber das kann bei der Zusammenstellung und der Bewertung des Kaders keine Rolle spielen, so plant man nicht. Durch die Neuzugänge in der letzten und in dieser Saison, und durch den Zufluss an tollen Talenten aus der eigenen Jugend, hat Schalke nun einen Kader, der in ganzer Tiefe viel Qualität aufweist. Ein Kader, in dem sich die Flexibilität der einzelnen Spieler so ergänzt, dass alle Positionen mehrfach besetzt werden können, und dabei trotzdem auf gutem Niveau bleiben.
Bei allem Respekt vor den Helden der Vergangenheit: Ich denke seit der Neuzeit, seit es für die regelmäßige Teilnahme an internationalen Wettbewerben eben 25 statt 15 gute Spieler braucht, ist dies der beste Kader, den Schalke 04 je hatte.

Keep Calm …