Pause – Der Liebe wegen

Start spreading the news, I am leaving tomorrow … Den nächsten Text dieses Blogs gibt’s erst am 04. Mai, nach dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. Statt Schalke 04, den VfL Wolfsburg und Mainz 05 schaue ich mir bis dahin die Mets, die Marlins, die Red Sox und die Blue Jays an. Und ein bisschen drum herum.

Bei allem ständig wiederkehrendem Tullus bin ich doch gerne Schalker. Jedes Spiel der Blauen titscht mich an, mir wird es nie genug. Aber mein eigentlicher Lieblingssport ist Baseball.

Vor nunmehr 25 Jahren verliebte ich mich in dieses Spiel. Mit 4 Freunden gründete ich die Baseball-Abteilung der Duisburg Dockers. 12 Jahre stand ich zumeist als 1st Baseman auf dem Platz, eine Weile war ich zusätzlich als Umpire unterwegs. Exakte heute vor 18 Jahren betrat ich erstmals ein Baseballstadion in den USA, Dodgers Stadium at Chavez Ravine, Los Angeles, Kalifornien.

Vor 25 Jahren musste man in Deutschland noch zum Freak mutieren, wenn man die US-Profiliga verfolgen wollte. Per Abo bekamen wir einmal pro Woche die VHS-Aufzeichnung eines rund eine Woche alten Spiels zugeschickt. Mehrmals wöchentlich kaufte ich mir am Bahnhof die „USA Today“, nur wegen der 2 Seiten mit Baseball-Statistiken. Playoff-Spiele verfolgten wir des Nachts im Radio, über irgendwelche US-Mittelwellen-Millitärsender – und natürlich knarzte es stets in den wichtigen Momenten. Heute habe ich es leicht, heute habe ich ein MLB.TV-Season-Ticket und kann übers Internet alle Spiele aller Clubs live verfolgen.

Sonntag werde ich nach 16 Jahren erstmals wieder in einem US-Stadion sitzen. Mit Frau Wieland in New York City, bei einem Spiel der Mets, dem Nachfolgeclub der einst nach Kalifornien umgezogenen Brooklyn Dodgers und New York Giants. Wenn wir schon mal da sind schauen wir uns auch die Stadt an – Frau Wieland meinte das müsse so sein … Danach geht’s die Küste entlang, Connecticut, Rhode Island, Cape Cod / Massachusetts, um letztlich auch noch Boston erleben zu dürfen. Den 1912 eröffneten Fenway Park, die Red Sox

Wir sind dann mal weg. Right through the very heart of it.
Bis die Tage.



Foto: eviltomthai

Schalke Schuld-Bescheinigung

Der FC Schalke hat 04 Mal in Folge nicht gewonnen und macht demnach alles grundsätzlich falsch, dessen ist sich der blaue Kosmos einig. Aber Schalker sind viele und in Nuancen unterscheiden sich die Beschuldigungen doch noch. Da verliert man sich schnell in Details, das ist nicht gut.

Um jedem Schalker eine möglichst klare Klage zu ermöglichen, entwarf der werte RJonathan – langjähriger Kommentator dieses Blogs – das folgende Formular. Analysierend, schonungslos und alle 8 Monate, spätestens aber 12 Wochen nach jedem Trainerwechsel zu gebrauchen.


Am Erwarteten gescheitert

Schalke 04 kommt im Heimspiel gegen des SC Freiburg nicht über ein 0:0 hinaus. Mittlerweile sind die Blauen seit drei Spielen ohne Torerfolg und seit 4 Spielen ohne Sieg. Dabei war nichts überraschend, weder der Gegner noch das Scheitern.

Freiburg ist eine Mannschaft, die im 4-4-2 sehr strukturiert spielt, viele Spieler hinter den Ball stellt und wenig Raum lässt. Da müssen wir gut, geschickt und geduldig sein, um Räume zu schaffen und die Spieler zwischen die Linien zu bekommen, um Chancen herauszuspielen.

… skizzierte Roberto Di Matteo den SC Freiburg vor dem Spiel. Genau so stellte sich die Aufgabe später dar. Schalke war nicht gut und geschickt genug. Räume zu schaffen gelang nicht, die Anspiele zwischen die Linien konnten kaum mal verwertet werden. Allenfalls Geduld war zu erkennen, vor allem in der ersten Halbzeit, leider.

Schalke war darauf aus, zu Abschlüssen zu kommen, aber wirklich gefährliche Situationen waren Mangelware. Der Fernschuss von Max Meyer, der Kopfball von Eric Maxim Choupo-Moting, beide Chancen in der 63. Minute, die von Freiburg-Keeper Roman Bürki großartig pariert wurden – mehr Mühe haben die Blauen ihm aber auch nicht gemacht. Erschreckend wenig, wenn man bedenkt, wie laut der ganze S04-Kosmos die Wichtigkeit dieses Spiel hervorhob. Auch erschreckend erwartet, denn wenn man sich vor dem Spiel umhörte glaubte tatsächlich kaum jemand daran, dass plötzlich Schalker Spielwitz explodiert. Und dass Schalke auch körperlich keinerlei Vorteile auf den Platz bringen konnte, obwohl man sich vorbereitete während Freiburg unter der Woche im DFB-Pokal ranmusste, ist leider ebenfalls bemerkenswert.

Schalke hätte einen Elfer bekommen müssen und Freiburg hat seinen zum Glück vergeben. Das waren die sportlichen Aufreger. Der Rest war enttäuschende Trostlosigkeit. Schalke ist zurück in der alten Spielformation, im alten Trott, im schon so häufig zu langsamen Tempo. Nun auch noch erfolglos. Ein Jammer.

Eine Frage des Geldes

Schalke 04 droht eine europapokallose Saison. Mir droht eine unvermutete Geldschwemme. Gut, für den Tönnies-1000er wird’s nicht reichen, aber die Hälfe kann es schon werden. Zumindest im Vergleich mit guten Zeiten.

2010/2011 war eine furchtbare und tolle Saison zugleich. Es gab Tullus mit Magath und am Ende zog Manuel Neuer von dannen. Man strandete in der Liga auf Platz 14 und machte sich zwischendurch tatsächlich Sorgen, aber Rangnick kam zurück und schuf Hoffnung. Man kam in der Champions League bis ins Halbfinale und man gewann den DFB-Pokal!

Abzüglich des Champions League-Endspiels bedeutete diese Saison für die Blauen die maximale Anzahl möglicher Pflichtspiele; und für die Fans entsprechend die maximalen Ausgaben für das Erlebnis „FC Schalke 04“.

Als fröhlicher Inhaber einer „Schalke Total“-Dauerkarte lasse ich mir die Eintrittspreise der diversen Europapokalauftritte gleich automatisch abbuchen. In meinem Block liegt der Tageskartenpreis knapp über 40 Euro. Bezüglich des Getränkekonsums sind wir Schalker traditionell stark. Aber ich liege da selbstverständlich an der unteren Grenze, schließlich liest meine Frau mit, rechnen wir also mit 10 Euro Kioskkosten pro Spiel. Der Familie wegen verzichte ich grundsätzlich auf Auswärtsfahrten. Sämtliche Auswärtsbegegnungen der Blauen verfolge ich stattdessen in der Schalke-Kneipe meines Vertrauens, was mich jedes Mal rund 15 Euro kostet.

Büßt Schalke bis Saisonende noch 3 Punkte ein, rutscht Schalke damit auf einen Nicht-Europapokal-Platz, und scheidet Schalke auch nächste Saison wieder gegen einen angsteinflößenden Drittlistigen in der ersten Pokalrunde aus, beschert dies dem Club zwar Mindereinnahmen, aber auch eine entspannte Saison, mit lediglich 35 Pflichtspielen. Unsereinem würde dieses Szenario – verglichen mit der Saison 2011 – eine Ersparnis von rund 500 Euro bescheren.

Was ich damit mache, weiß ich noch nicht, vielleicht was mit der Frau.
Andererseits wären es aber auch 128 Veltins auf Schalke …

Schalke ist zu schwach für die Champions League

Aber man tut so als hätte man es noch nicht gemerkt
 

Schalke kann auch in Augsburg nicht gewinnen und redet doch gleichzeitig weiter von der Champions League-Qualifikation. Das ist peinlich. Wie viel Wirklichkeit braucht es noch, wie viel Realität, mit der flachen Hand ins Gesicht dieses Clubs?

Man müsse weiter von Spiel zu Spiel denken. Man wolle eine Serie starten. Wenn die Mannschaften oben straucheln, wolle man da sein. Das waren die Sprüche von Schalker Seite, nach dem Spiel. Max Meyer und Ralf Fährmann sagten, es hätte in Augsburg an Glück gefehlt. Roberto Di Matteo wollte gar ein gutes Spiel seiner Mannschaft mit vielen Chancen gesehen haben, ein Spiel, das seine Mannschaft „ganz gut kontrolliert“ hätte.

Nein.

In der ersten Hälfte war Augsburg die bessere Mannschaft. Zwar funktionierte Roberto Di Matteos taktische Umstellung zur Halbzeit und Schalke hatte fortan mehr von Spiel. Aber wirklich zwingende Chancen hatte Schalke gerade mal zwei: Ein Kopfball von Joel Matip nach Eckball in der 10. Minute und die Großchance Klaas-Jan Huntelaars in der 54. Minute, welche auf zum Haareraufen animierende Art vergeben wurde. Wenn man mehr nicht zu erzwingen in der Lage ist, ist das kein fehlendes Glück. Dann ist man eben nicht besser als der Gegner.

Schon vor zwei Wochen war Schalke nicht besser als der Gegner, im Gegenteil, gegen Leverkusen unterlag man verdient. Und während auf Schalke der Vorstandsvorsitzende per Sportbild vollen Einsatz fordert, fieselt die „Clubs oben“ ihre Gegner mit jeweils vier Treffern ab.

Am 20. Spieltag gewann Schalke gegen Borussia Mönchengladbach mit 1:0, es war meines Erachtens das beste Saisonspiel der Blauen. Seitdem hat Gladbach kein Bundesligaspiel mehr verloren, aus den folgenden 7 Spielen holte Lucien Favres Team 17 Punkte. Leverkusens Serie begann zwei Spieltage später. Seit dem 23. Spieltag gewann die Werkself fünfmal in Folge, alle Spiele ohne Gegentor. Von Serien gesprochen wird hingegen vor allem auf Schalke. Dabei ist es vor allem Schalkes aktuelle Serie, eben nicht zu gewinnen.

6 der letzten 7 Bundesligaspiele konnte Schalke nicht gewinnen und kam dabei gerade mal auf 6 Punkte. Von 13 Auswärtsspielen konnte Schalke 10 nicht gewinnen: 4 der restlichen 7 Saisonspiele finden auswärts statt. Seit Einführung der 3-Punkte-Regel landete am Saisonende nie ein Club auf den ersten vier Plätzen, der 8 Spieltage vor Schluss mit mehr als 3 Punkten zurücklag: Schalke liegt 7 Spieltage vor Schluss 8 Punkte zurück.

Schalke wird sich in dieser Saison nicht für die Champions League qualifizieren. Dazu war Schalke viel zu oft nicht gut genug. Weiter offen ist, ob Schalke gut genug ist, sich für die Europa League zu qualifizieren. Wenn man weiter davon ausgeht, dass es reicht, sich zwei gute Chancen zu erarbeiten und auf Glück zu hoffen, wird auch dies nicht gelingen.

Frohe Ostern!

Als aber die Länderspielpause vorüber war und der erste Spieltag der Folgezeit anbrach, kamen Fans, um nach dem Medicos zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn Charly kam vom Himmel herab und trat hinzu. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Und er sprach zu den Fans: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr die Vergessenen sucht. Sie sind nicht hier; sie sind auferstanden. Kommt her und seht die Stätte, wo sie sich für ihr Comeback vorbereitet hatten; und geht eilends hin und sagt den anderen, dass sie zurück sind von den Nichtbeachteten. Und siehe, sie werden hingehen nach Augsburg; dort werdet ihr sie sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

Und sie gingen eilends weg vom Medicos, mit Furcht und großer Freude, und liefen, um es der blauweißen Gemeinde zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Ralf und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Hände und fielen vor ihm nieder. Da sprach Ralf zu ihnen: Lasst den Quatsch! Geht hin und verkündigt es meinen Mannschaftskollegen, dass sie nach Augsburg gehen: Dort werden sie mich im Kasten sehen.

Und so wurde Tag nach der Nacht, und Leben nach dem Tod.
Und Champions League nach dem Versagen … naja … vielleicht … ma’kucken.



Zum Nachlesen der ewigen Geschichte vom Guten nach dem Schlechten empfehle ich bibleserver.com

Schalkes Schatten-Sami

Schalke redet über Sami Khedira. Fans, Journalisten, Experten und Boulevardschreiber: Sie alle zerkauen ein Thema, das ihnen von Schalke 04 bereitwillig hingeworfen wurde.

Eigentlich sollte ich mich ja freuen. Ich schreibe über Schalke, und über Schalke gibt’s eben immer was zu schreiben. Schalke verdient gut daran. Nur sehr indirekt an mir, aber eben daran, dass Schalke immer im Gespräch ist. Egal wie wenige Titel auch gewonnen werden, der Club hat Fans im ganzen Land, und gegenüber anderen Fans wirkt er polarisierend. Schalke ist kaum jemandem egal, was über Schalke geschrieben wird kann verkauft werden. Deshalb produziert Schalke Schlagzeilen am Fließband.

Gerade Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender prescht da gerne vor. Ein Profi von Real Madrid, ein Weltmeister, der mit den Blauen in Verbindung gebracht wird? Da ist Schalke sofort gernegroß, da gibt man Interviews, das bläst man raus, damit es auch jeder mitbekommt. Schalkes aktuelle Mannschaft, mit den Top-Verpflichtungen der vergangenen Jahre, verspielt durch Niederlagen und Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen den zur Champions League qualifizierenden Tabellenplatz, aber Schalke diskutiert über Sami Khedira.

Bis der Deal im Sommer klappt oder platzt ist die Sache ausgelutscht und jeder hat sich an seiner Meinung festgekaut. Das ist weder gut für den Start eines Spielers noch für einen Club, wenn er letztlich ohne die erwartete Verpflichtung dasteht.