Pause

Die WM ist vorbei. Wer nun wie geht ist mir egal, ich erwarte nichts mehr, weder Moral noch Humba. Zuletzt war mir alles vor und nach An- und Abpfiff eh zuviel. Demnächst ist alles wieder Schalke, aber auch das hat noch ein bisschen Zeit. Deshalb ist auch hier im Blog nun erst mal Pause. Weiter geht’s am 04. August, dem Montag nach dem Schalke-Cup.

Viel Dank fürs Lesen, Teilen, Mitdenken, Kommentieren und Diskutieren. Ohne dem gäbe es das Königsblog nicht, Ihr seid der wichtigste Teil des Ganzen. Nun also ein paar Mal ausschlafen, und dann geht’s in die nächste Saison. Glückauf.

Weltmeister 2014

Manuel Neuer
Kevin Großkreutz
Matthias Ginter
Benedikt Höwedes
Mats Hummels
Sami Khedira
Bastian Schweinsteiger
Mesut Özil
André Schürrle
Lukas Podolski
Miroslav Klose
Ron-Robert Zieler
Thomas Müller
Julian Draxler
Erik Durm
Philipp Lahm
Per Mertesacker
Toni Kroos
Mario Götze
Jérôme Boateng
Shkodran Mustafi
Roman Weidenfeller
Christoph Kramer

… und die Trainer und Du und alle und sogar der schwer erträgliche Mehmet Scholl und ich gar schon zum dritten Mal. Glückwunsch miteinander!

Kein Krul, kein Finale

Argentinien steht im Finale, weil Jasper Cillessen keine Elfmeter halten kann. Louis van Gaal hatte verpasst, Tim Krul einzuwechseln. Weshalb auch immer.

Schon gegen Costa Rica war es knapp. Louis van Gaal stand mit dem zweiten Torwart Tim Krul an der Seitenlinie und das Spiel wurde partout nicht unterbrochen. Die letzte Minute der Verlängerung lief bereits. Ich wunderte mich: Hatten Oranjes Spieler den Wechselwunsch tatsächlich nicht mitbekommen? Wieso schoss niemand den Ball ins Aus? Der gefühlt 68. Abseitspfiff rettete Hollands Trainer und ermöglichte so die Heldentaten des Tim Krul, der dafür sorgte, dass seine Mannschaft ins Halbfinale einzog.

Im Halbfinale gegen Argentinien brachte Van Gaal seinen zweiten Torhüter nicht. Welch ein Fehler! Jasper Cillessen machte seine Sache im Elfmeterschießen schlecht. Selbst wenn er in der richtigen Ecke war, vermochte er es nicht, einen Ball abzuwehren. Sein Versuch, Kruls Nervenkrieg nachzuahmen, den Gegner mit Gequatsche zu irritieren, wirkte hilflos.

Nach einem ganz schwachen Fußballspiel über 120 Minuten blieb also Argentinien als Sieger nach Elfmeterschieße übrig und trifft am Sonntag auf Deutschland. Ma’kucken.

Der eingebrannte Abend

7:1. Ein schier unvorstellbares Ergebnis bei einem Halbfinale gegen Brasilien, in Brasilien.

Das alles passierte einfach so. Wahnsinnig schnell. Eine Standardsituation zur 1:0 Führung. Danach einige Balleroberungen, als Brasilien in der Vorwärtsbewegung war, was Raum schuf. Raum, der mehrmals in der gleichen Form genutzt wurde: Pass nach außen, der Passgeber verlangsamt sein Tempo und entzieht sich der Übernahme durch den Innenverteidiger, Pass zurück, freier Zugang zum Tor. Es war nicht schwer zu verstehen, was man da sah. Es war nur kaum zu begreifen.
Alles schien überraschend einfach. Alles war einer Maschine gleich effektiv. Alles das führte früh zu einem Ergebnis in einer unglaublichen Dimension.

Ein Spiel, ein Ereignis, ein Abend, das und den keiner von uns jemals wieder vergessen wird. Weltmeisterschaften schaffen Erinnerungen. Ich habe dieses Spiel im Kreis meiner kleinen Familie erlebt. Meine Tochter (6) konnte sich nach dem 5:0 nicht mehr wach halten, verabschiedete sich aber mit der Bemerkung, dass sie sich sicher sei, dass Deutschland das schon gewinnen und nach dem Halb- auch ins Vollfinale einziehen würde. Mein Sohn hatte früh Mitleid mit den weinenden Brasilianern. Meine Frau feierte jedes Tor wie das erste. Und ich trank erstmals überhaupt ein „Augustiner Edelstoff“, empfand es als furchtbar dünn, plörrig, unwichtig, und werde wohl auch das nicht mehr vergessen können.

Und wie habt ihr das erlebt?

Leg Dein Ohr auf die Schiene der Geschichte

Das Spiel ist das Gleiche, die Kultur und die Geschichte des Fußballs ist eine andere, in Südamerika. Man kann die WM 2014 hierzulande leicht verfolgen ohne irgendwas „Fremdes“ mitzubekommen. Neben der sich um das DFB-Team kreisenden Berichterstattung gibt es aber auch andere Fundstücke. Wie eben das folgende, „für Freunde von Geschichten etwas abseits des Tagesgeschehens“, wie es der Freund formulierte, der mich darauf hinwies.

Für seine Radiosendung „Wissen“ produzierte der SWR das Hörstück „Wie der Fußball nach Südamerika kam“. Sehr kurzweilig wird darin vom Beginn und von Aufstieg des Fußballs in Brasilien, Argentinien und Uruguay erzählt. Dabei geht es keineswegs nur um Helden, sonders vor allem auch um Umstände. Wie der Handel mit Großbritannien das Spiel in diesen Teil der Welt brachte. Wie sehr der Fußball in Brasilien anfangs unter Rassismus litt. Wie sich das kleine aber damals reiche Uruguay zur ersten Fußball-Großmacht aufschwingen konnte. Wie sich der argentinische Fußball vom britischen Einfluss emanzipierte.

Die Zeitreise geht bis in unsere Tage und endet, wie sollte es anders sein, in Brasilien. Ein Land, dessen Fußball ausblutet, weil es Weltmeister im Export von Spielern ist. Ein Land, das sich die WM eigentlich nicht hätte leisten sollen, wie viele meinen.
 

Meines Erachtens eine tolle halbe Stunde:

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(27:38 Min)
mp3-Datei / SWR2 Wissen Podcast-Feed / SWR2 Webseite




Der Titel dieses Blogbeitrags ist natürlich dem gleichnamigen Song der Gruppe Freundeskreis entliehen. Nachhören geht hier.

Deutschland kämpft sich erdig Richtung WM-Titel

Deutschland gewinnt 1:0 gegen Frankreich und steht damit im Halbfinale. In einem der am wenigsten spektakulären Spiele dieser WM war Deutschland von zwei gut organisierten Teams das einen Tick bessere.

Das Tor fiel nach einer Standardsituation in der 12. Minute. Das nächste Mal schoss Deutschland in der 82. Minute auf das Tor der Franzosen. Auf der anderen Seite gab es mehr Schüsse zu verzeichnen, wirklich gefährlich war aber eigentlich nur Karim Benzemas Chance in der Nachspielzeit, die Manuel Neuer nur mit einer überragenden Reaktion zu Nichte machen konnte.

Alles andere war gute Defensive, nicht mehr aber auch nicht weniger. Mats Hummels war überragend, Benedikt Höwedes nahezu fehlerfrei, die anderen deutschen Spieler standen den beiden kaum nach. Wenn das so funktioniert, wenn das Defensivverhalten so gut ist, dass man sich eine Offensive mit wenig Glanz leisten kann, ist Deutschland tatsächlich ein WM-Favorit.

Seit 1972 war Deutschland noch nie so lange ohne Titel bei Welt- oder Europameisterschaften wie jetzt. Von 1996 bis 2006 wurde gehadert, seitdem ging es Fußballdeutschland trotzdem gut. Denn unter Klinsmann und Löw wurde plötzlich mitreißender und offensiver Fußball geboten. Im achten Jahr unter Joachim Löw scheint die Mannschaft nun reif für den Titel zu sein, aber eben nicht im so lange gefeierten löw’schen Spielstil, sondern auf so zweckmäßige Art wie zuletzt unter Berti Vogts.
Verrückte Geschichten schreibt er, der Weltfußball.

Missverständnis beendet: Szalai verlässt Schalke 04

Offiziell bestätigt ist noch nichts, allerdings sind sich die Medien einig und die Umstände sind nachvollziehbar, daher gehe ich davor aus, dass es stimmt: Adam Szalai wechselt nach nur einer Saison auf Schalke zur TSG Hoffenheim. Die Ablösesumme soll um die 6 Millionen Euro betragen. Als neuen Stürmer verpflichtet Schalke den vorherigen Mainzer Maxim Choupo-Moting ablösefrei.

Schalke trenne sich von Adam Szalai, weil seine Spielanlage der von Klaas-Jan Huntelaar zu ähnlich sei, ist nun zu lesen. Das stimmt sicherlich. Das stimmte allerdings auch schon vor einem Jahr.

Damals machte gerade die Ähnlichkeit der Spielanlage Adam Szalai zum perfekten Backup für Klaas-Jan Huntelaar. Es war klar, dass der Wechsel nach Gelsenkirchen für den Ungarn nicht leicht werden würde. Champions League hatte er zuvor noch nie gespielt, die Hoffnung war, dass er von Klaas-Jan Huntelaar lernen kann. Da sich der Niederländer allerdings früh schwer verletzte, musste Adam Szalai gleich von 0 auf 100 durchstarten. Bis zur Winterpause kam er auf 30 Pflichtspieleinsätze, ein Halbjahr mit einer solch hohen Belastung gab es für ihn in seiner Karriere zuvor nicht. Anfangs lief es ordentlich, dann ließ er mehr und mehr nach. Als Klaas-Jan Huntelaar nach der Winterpause wieder zurück war, wurde Adam Szalai bis April nur noch minutenweise eingesetzt. Eine Halbzeit, in der er gemeinsam mit Huntelaar auf dem Platz gestanden hätte, gab es nie.

Nun also Maxim Choupo-Moting. Ein toller Spieler, der allerdings auch noch nie Champions League gespielt hat, für den Schalke 04 auch einen beträchtlichen Karriereschritt bedeutet. Ich hoffe inständig, Horst Heldt und Jens Keller sind sich diesmal darüber im Klaren, was für einen Spieler sie verpflichtet haben und wie sie ihn einsetzten wollen.