Sport Bild: Schalke trennt sich von Roberto Di Matteo

Schalke 04 und Roberto Di Matteo hätten sich „einvernehmlich“ getrennt, das meldete Sport Bild auf seiner Webseite am Sonntag gegen 17:30 Uhr.

Um 18:18 Uhr meldet meldet Sky via Twitter die Trennung als bestätigt:

Nun sei gerade der Berater von Roberto Di Matteo auf dem Weg nach Gelsenkirchen, um abschließend zu verhandeln. Morgen soll der Auflösungsvertrag unterschrieben werden.

Nach den erbärmlichen Auftritten der Mannschaft in den letzten Spielen, und nach dem Aufruhr auf und um Schalke herum, war eigentlich klar, dass Schalke nicht mit Roberto Di Matteo in die nächste Saison gehen kann.

Egal ob offenes oder geheimes Training, egal ob Kloster-Trainingslager, ob Jugendspieler oder Routiniers, ob 3er oder 4er-Kette, es funktionierte nichts mehr. Hatte ich unter Jens Keller, bei Spielen wie der Pokalniederlage in Dresden, das Gefühl, dass es schlimmer nicht mehr werden könnte, lag ich falsch. Die Spiele gegen Köln, Paderborn und Hamburg waren nochmal eine ganze Stufe furchtbarer.

Schalkes Mannschaft wirkt wie ein Sauhaufen in dem die einen nicht mit den anderen können, der keine gemeinsamen Ziele verfolgt. Hierfür ist auch der Trainer verantwortlich und der angekündigte „Umbruch“ wäre unglaubwürdig, hätte es bei dieser Personalie keinen Wechsel gegeben. Da allerdings sehr ähnliche Probleme unter so verschiedenen Trainern wie Huub Stevens, Jens Keller und Roberto Di Matteo immer und immer wieder aufkommen, liegt nah, dass sie nicht durch Trainerhand alleine zu beheben sind. Und weil Schalkes Trainerposten ein Schleudersitz ist – die letzten 7 Trainer blieben im Schnitt gerade 15 Monate im Amt – und weil es ein Verein ist, in dem der Aufsichtsratsvorsitzende in Krisensituationen in der Kabine rumbrüllt und damit den sportlich Verantwortlichen mit Leidenschaft jede Autorität raubt, wird Schalke 04 auch keinen wirklich geeigneten Trainer bekommen können.

Der letzte Job

Da steht er nun. Die Mundharmonika spielt. Überall Staub.

Er hatte ein schlechtes Jahr. Probleme. Er wird mit ihnen nicht fertig, ist unorganisiert, lebt von der Hand in den Mund. Noch fühlt er seinen Stolz, ab man sieht ihn ihm nicht mehr an. Er wankt. Er versucht selbstsicher zu wirken, aber das nimmt ihm niemand mehr ab. Er ist froh, wenn er zur Ruhe kommen kann. Aber da ist noch ein letzter Job.

Da ist noch der Andere, den er zu erledigen hat.

Dem Anderen geht es noch schlechter. Vor 25 Jahren war der Andere noch eine große Nummer. Damals konnte er sich nicht mit ihm messen. Als er später selbst fast ganz oben war, hatte der Andere seinen Anteil daran, dass er doch wieder scheiterte. Doch danach ging es mit dem Anderen stetig bergab. Nun hat er ihn an der Kandare. Sie konnten sich noch nie leiden.

Der Andere darf ihm nicht entwischen. Das darf nicht auch noch passieren, jetzt, da sie eh schon alle auf ihn zeigen, über ihn reden. Er muss es schaffen, auch wenn er längst daran zweifelt, dass es ihm Genugtuung bringen wird. Letztlich sind sie sich doch arg ähnlich.

Überall Staub. Die Mundharmonika spielt. Da steht er nun. Und wankt.

Potenzierter Protest

Die Blauen gewinnen gegen Paderborn mit 1:0 und sichern sich damit die Europa League-Teilnahme für die kommende Saison. Das interessierte letztlich allerdings niemanden mehr. Schalke war so schlecht, dass man es schaffte, das ganze Stadion gegen sich aufzubringen.

Welch übler Fußball!

Schon gegen Stuttgart war die Leistung schwach. Gegen Köln war sie miserabel. Aber was da am Samstag, gegen des SC Paderborn, auf den Rasen gebracht wurde, spottete jeder Beschreibung. Wie muss es um die Psyche dieser Mannschaft bestellt sein, wenn man in einem solch wichtigen Spiel, nach dem x-ten Ankündigen großer Kampfbereitschaft, gegen diesen – mit Verlaub – nicht allzu angsteinflößenden Gegner, derart über den Rasen eiert?

Aus Protest gegen die Missstände im Club hatten Schalkes organisierte Fangruppen ein 45-minütiges Nichtunterstützen der Mannschaft angekündigt. Der gebotene „Fußballunfall“ von Roberto Di Matteos Mannschaft potenzierte diesen Protest. Ein Gefühlspingpong aus Gleichgültigkeit, Häme und Wut ging durch die Ränge. Deshalb war auch nach einer Halbzeit nicht Schluss. Deshalb protestierte letztlich nicht nur die Kurve, sondern das ganze Stadion. Man will solchen Mist einfach nicht mehr sehen. Ich auch nicht.

Als das Tor fiel, konnte ich mich nicht mehr freuen. Da war keine Spannung, die sich lösen konnte. Da hatte sich Frust festgesetzt. Um mich herum ging es vielen so. Ralf Fährmann tat mir leid, der nach dem Tor herumsprang, dem man die Erlösung anmerkte. Mein Sohn tat mir leid, der doch nur ein wichtiges Fußballspiel sehen wollte, der immer gewinnen und sich darüber auch freuen will. Ich will auch gewinnen, ich will mich auch freuen. Aber dazu wurde mir die Grundeinstellung nach und nach verleidet. Was die Protagonisten so entscheiden, was sie sagen, wie sie sich geben, welcher Fußball geboten wird: Das war vor allen in den letzten Wochen nicht mehr nachvollziehbar. Damit mag man sich nicht identifizieren, da fehlt es schon an Grundsympathie der Sache gegenüber.

Bitter.

Schalkes Stolz: Die Knappenschmiede

Schalkes U19 wurde zum vierten Mal in Folge westdeutscher Meister. Im Halbfinale der Endrunde zur deutschen A-Jugend-Meisterschaft trifft die Mannschaft von Norbert Elgert heute um 18:30 Uhr auf den Karlsruher SC. Schalkes Jugendarbeit liefert dem Profikader Top-Talente. Das war bisher schon nicht selbstverständlich, in Zukunft wird es noch schwieriger. Auch der Jugendbereich wird von Investorengeld überschwemmt.

Schalke geht steil, dieser Tage. Die Profis verlieren, der Boss schwadroniert, der Manager suspendiert. Horst Heldt steht in der Kritik. Auch ich schrieb, er sei mit seinem Latein am Ende. Wenn Schalkes Profis die Qualifikation zur Europa League verpassen, verliert Horst Heldt vermutlich seinen Job.

Wenn Schalke steil geht wird rundumgeschlagen. Heldts Transfers wären schlecht, heißt es, ohne die Spieler aus der Knappenschmiede bliebe nicht viel übrig von diesem Kader. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass die Knappenschmiede in ihrer heutigen Form erst unter der Führung Horst Heldts geschaffen wurde.

Horst Heldt hat die Jugendabteilung neu strukturiert. Er hat professionelle Trainer und Scouts für diesen Bereich verpflichtet. Er hat mit Oliver Ruhnert einen neuen „Direktor Nachwuchs“ eingesetzt. Unter seiner Führung wurde die Marke „Knappenschmiede“ kreiert und damit die Aufmerksamkeit für diesen Teil des Clubs erhöht. Vor allem hat Horst Heldt dafür gesorgt, dass die Schalker Talente zu allererst dem eigenen Profikader zu Gute kommen. Schalkes Ziel ist, in jedem Jahr zwei Jungs der Knappenschmiede in den Profikader zu bringen. Bislang klappt das vorbildlich.

Wie lange das noch so gelingt bleibt abzuwarten. Auch im Jugendbereich rücken Investoren auf den Plan. In der Süddeutschen Zeitung beschreibt Philipp Selldorf, wie Red Bull mit viel Geld erst das Know How aus Stuttgart, und dann möglichst alle Talente des Landes nach Leipzig holt, in ein neues, 35 Millionen Euro teures Nachwuchszentrum.

Um auch nur den Status Quo zu halten wird sich Schalke verbessern und verändern müssen. Sowohl im Profi- als auch im Jugendbereich. Horst Heldt hatte bislang ein Auge drauf. Bei aller Kritik, diesen Teil seiner Arbeit darf man nicht unterschlagen.

Hoffnungslos

Es ist egal, wer auf Schalke Trainer ist, denn wenn es drauf ankommt greift der Vorstand Sport zum Steuer und regelt die Dinge. Es ist egal, wer auf Schalke Vorstand Sport ist, denn wenn es drauf ankommt greift der Aufsichtsratsvorsitzende zum Mobiltelefon und regelt die Dinge. So gestaltet sich die Schalker-Hierarchie, und das ist leider kein Treppenwitz.

Clemens Tönnies ist Vorsitzender des Aufsichtsrates. Eigentlich ein mehrköpfiges Gremium, dessen Aufgabe das Bestellen und die Kontrolle des Vorstandes ist. Eigentlich ist es Aufgabe des Vorstandes, eigenverantwortlich die Belange des Vereins zu regeln und den Verein in der Öffentlichkeit darzustellen. In einem Interview in der Sky-Sendung „Audi Star Talk“ hat Clemens Tönnies gestern Abend allerdings wieder einmal deutlich gemacht, dass er seinen Posten längst zum alleinigen Boss ausgebaut hat.

Er ist derjenige, der via SMS den Anstoß zu Spielerfreistellungen gibt. Er ist derjenige, der mit den Spielern spricht, ihnen die „Schalker Werte“ aus seiner Sicht schildert. Er ist derjenige, der feststellt wann sich wer verändert hat und plötzlich nicht mehr zu „unserem Schalke“ passt. Er ist derjenige, der „erst die Maloche“ fordert, womit er die Qualifikation zur Europa League meint, bevor er Horst Heldt den Vertrag verlängert.

Ob nun Horst Heldt seinen Job über die Saison hinaus weitermachen darf oder nicht: Jedem Zuschauer der gestrigen Sendung wurde schnell klar, dass auch ein Nachfolger vor allem das zu „entscheiden“ hat, was ihm von Clemens Tönnies vorgegeben wird. Schalke braucht Ruhe, Fußballfachleute sollen Konzepte verfolgen, Krisen überwinden? Hoffnungslos. Auf Schalke regiert der Mann aus der Fleischbranche nach Gutsherrenart.

Heldts Zeugnis der Ohnmacht

Schalke verliert in Köln 0:2 und zeigt sich dabei nicht bundesligatauglich. Nach dem Spiel stellt sich Manager Horst Heldt vor die Mikrofone und lässt ordentlich Dampf ab. Das mochte im ersten Moment sympathisch wirken. Letztlich beweisen die Aussagen des Managers aber vor allem, wie ohnmächtig er der Situation gegenüber steht. Mehr noch, dass er mit seinem Latein am Ende ist.

Wir werden in den nächsten 14 Tagen schauen, wer noch mitzieht. Unabhängig von der Vertragslaufzeit: Wenn uns einer nicht mehr passt, dann spielt er nicht mehr für Schalke. Das ist die Verantwortung des Trainer und mir, trotzdem lassen wir uns das nicht mehr bieten, was da heute abgelaufen ist. Das ist ja nicht das erste Mal. Wir werden genau beobachten, wie der Einzelne sich präsentiert, im Training zuhört und ob er konzentriert arbeitet. Und wenn einer nicht zu hört und nicht konzentriert arbeitet, dann wird er das nächste Training halt auch nicht mehr erleben.

… so Horst Heldt gegenüber Sky. Vielleicht sucht sich Horst Heldt nun ein oder zwei Bauernopfer. Dann muss der Prince eben bis zum Sommertransfer auf die Tribüne, oder mit Spielern wie Höger oder Barnetta wird nicht mehr über eine Vertragsverlängerung gesprochen. Dass es Spieler mit einem Wert für Schalke trifft, Leute wie Goretzka oder Choupo-Moting, ist unmöglich, auch wenn sie aktuell ebenso unterirdisch spielen wie der Rest der Truppe. Das kann sich Horst Heldt schlicht nicht leisten.

Letztlich ist es einfach plump, den Spielern ein nicht Wollen zu unterstellen. Wir hören und lesen das nun seit Jahren immer wieder. Ab und an sitzt auch noch der Aufsichtsratsvorsitzende in Talkrunden und bestätigt, dass aussortiert werde wer nicht mitziehe. Wenn dann einer der Angesprochenen im nächsten Spiel gen Tor schießt und der Ball, mal hier, mal dort abprallend, den Weg ins Tor findet, heißt es bestätigend, dass dieser eben könne, wenn er denn wollte. Diese Stammtischparolen schreien zum Himmel.

In anderen Clubs entscheidet man sich für einen Trainer, überlegt, welchen Fußball man spielen will, und stellt sich nach und nach seine Mannschaft zusammen. Auf Schalke beschäftigt man in rasender Abfolge Trainer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, die für grundlegend unterschiedlichen Spielweisen stehen. Zum aktuellen Kader gehören Spieler, die unter den Einflüssen von 6 verschiedenen Trainern verpflichtet wurden. Auch wenn es für die verschiedensten Verpflichtungen einzeln betrachtet gute Argumente gegeben hat, ist der Kader am Ende doch ein Wildwuchs, der zu keinem der „ausprobierten Trainer“ wirklich passte.

Gerüchten zufolge scheiterte eine Verpflichtung Thomas Tuchels für Schalke 04 an dessen Forderung, maßgeblich über Spielerverpflichtungen entscheiden zu wollen. Schalke verpasste in den letzten Jahren nicht nur die geeignete Trainerverpflichtung. Schalke verpasste auch den konzeptionellen Wechsel, weg von einem „Managerclub“, hin zum Club eines starken und entscheidenden Trainers, wie er in allen anderen, erfolgreichen Bundesligaclubs vollzogen wurde.

Nur da, wo das Konzept und die Mittel fehlen, muss gepoltert werden, dass die Stammtische wackeln.



Zitat via Hassan Talib Haji

Wat so im Gespräch is’

Am Sonntag spielt Schalke also in Köln beim FC, dem Club, der in 15 Heimspielen acht Mal Unentschieden spielte. Klaas-Jan Huntelaar ist gelbgesperrt und ob Jefferson Farfán fit genug sein wird, um wieder von Beginn an zu spielen, ist noch unklar. Das Training des Peruaners wurde in dieser Woche reduziert, noch als Folge seiner langen Verletzung.

Aber während Schalke auch in Köln um die Europa League-Teilnahme kämpft, welche dem Club in der Gruppenphase rund 10 Millionen Euro garantieren würde, ist der zukünftige Kader der Blauen ein mindestens ebenso großes Thema wie das aktuelle Spiel.

Benni Höwedes‘ Vertrag beinhaltet eine Ausstiegsklausel, das ist bekannt. Der Stichtag zum ziehen dieser Option läge Anfang Juni, schreibt Manfred Hendriock. Für diesen Sommer läge die festgeschriebene Ablöse bei rund 18 Millionen Euro. Im Sommer 2016, bei nur noch einem Jahr Vertragsrestlaufzeit, könne Höwedes die Blauen für rund 13 Millionen Euro verlassen.

Stand heute schlagen am Saisonende Felipe Santana und Kyriakos Papadopoulos wieder auf Schalke auf. Beide sind nur bis Saisonende verliehen. Ihre derzeitigen Clubs Olympiakos Piräus und Leverkusen haben keine vertraglich festgelegten Kaufoptionen und haben auch noch keine Angebote abgegeben. Dagegen hätte der MSV Duisburg gerne Stürmer Felix Platte für die kommende (für den MSV dann möglicherweise Zweitliga-) Saison ausgeliehen, weiß Andreas Ernst zu berichten. Dies hätte Horst Heldt allerdings abgelehnt. Platte würde nicht abgegeben sondern soll ab Sommer fest zum Schalker Profikader gehören.

Weitere interessante Meldungen zum Schalker Nachwuchs liefert kicker. Demnach findet der im März bereits von Gazzetta dello Sport als fix gemeldete Wechsel Thilo Kehrers (18) zu Inter Mailand doch nicht statt. Schalke habe eine Option gezogen, die den Vertrag des Spielers bis 2016 verlängert. Gleiches gilt für Maurice Multhaup (18), dem ebenfalls Angebote anderer Vereine vorliegen. Bislang bemühte sich Schalke vergeblich, diese beiden Talente langfristig zu binden.

Parallel wärmt Bild aktuell mit Freiburgs Oliver Sorg, Düsseldorfs Charlison Benschop und Stuttgarts Martin Harnik drei Namen auf, die schon länger als mögliche Zugänge durch die einschlägigen Foren wabbern. Neu hingegen ist die Meldung, dass Schalke über eine Verpflichtung Jordy Clasies (23) von Feyenoord Rotterdam nachdenke. Er sei ein „Plan B“, falls Sami Khedira doch nicht … dieses Thema eben …

Keine Spekulation sondern ohne Wenn und Aber auf uns zukommende Zukunft ist, dass Gerald Asamoah in 15 Tagen für die Regionalliga-Mannschaft der Blauen sein letztes Karriere-Pflichtspiel absolvieren wird. Und weil er vielleicht nicht der beste aller Zeiten, aber eben auch Lichtjahre davon entfernt ist nur irgendein Schalker zu sein, weil solch Clubverbundenheit, wie er sie zu den Blauen lebt, heutzutage ein seltenes Gut ist, macht Schalke alles richtig und feiert sich und ihn selbst (was wir ja bekanntlich am liebsten tun). Am 14. November, in der Arena, mit allem Pipapo.
Ehrlich gesagt, darauf freue ich mich mehr als auf das Spiel gegen Köln.