Artikel im April 2007

Die Saison geht weiter

Mit “Du sollst mal schnell Kerstin anrufen” weckte mich meine Dame des Herzens heute aus mittäglichem Geschlummer (ja, ich bin alt …). Es sei wichtig.

Richtig wichtig war es, eröffnete mir doch Freundin Kerstin, die mir vergangenen Freitag noch in Bochum vor Aufregung den Arm blau schlug und kratzte, dass sie eine Karte für mich für das Spiel gegen Nürnberg hätte!

Die Saison geht weiter und Leiden lohnt! Großartig!

Nun ist es Werder Bremens Magische Zahl

Nun ist es Werders Magische Zahl, nun ist es die 12.

Auch wenn ich gestern noch anderer Meinung war, mit der Schalker Niederlage ging auch die Magische Zahl verloren. Beim Kaffee machen ist mir gerade eingefallen, dass es schlecht noch Schalkes 11 sein kann, wenn Schalke nurnoch 9 Punkte holen kann …

Im Kampf um die Meisterschaft verlassen einen manchmal die mathematischen Fähigkeiten, damit bin ich nicht alleine. Werder hat noch vier Spiele zu gehen, während Schalke noch drei zu spielen hat.

Ma’kucken.

In die Scheiße getreten statt Meisterstück geliefert

Hätte ein netter Abend werden können. Problemlose Anreise (nicht immer normal). Gut das halbe Stadion voller Schalker, fast alle in weiß. Stimmung wie bei einem Heimspiel, tolles Wetter. Ein guter Platz in Block G. Die von mir erhoffte Startformation. Gut spielende Schalker in den ersten 30 Minuten. Führung durch Kuranyi. Alles im Soll.

Dann verliert Schalke innerhalb von acht Minuten Kopf, Ordnung und das Spiel, und der Abend endet damit, dass irgendein Trottel eine Papp-Meisterschale über dass Fangnetz wirft, diese im Rasen stecken bleibt und ein Motiv liefert, dass uns ab sofort die restliche Saison um die Ohren gehauen wird. Spiegel Online machte den Anfang, dass wir es auch in der ARD Sportschau sehen würden, prognostizierte ich noch im Stadion gegenüber einer Freundin.

Zu der gleichen Freundin sagte ich in der Halbzeit, dass es nun an der Zeit für Schalkes Meisterstück sei. Schalke lieferte es nicht. Die Mannschaft spielte aufwendig, nicht effektiv. Sie kämpfte, kombinierte nicht. Sie, präziser: jeder Einzelne rannte zuviel mit dem Ball, voller Willen, ohne Geist. Die für einen solchen Spielstand in einer solchen Situation viel zu wenigen Chancen entstanden eher zufällig, viel zu selten kam Schalke in den gegnerischen Strafraum.

Mit erträglichem Aufwand konnte Bochum immerwieder Überzahl in Ballnähe schaffen. Hamit, Özil, Ernst und Lincoln rieben sich ständig in 1:2 Situationen auf, keine Hilfe weit und breit. Pander fand, wie in eigentlich allen Spielen seit seinem zweiten Comeback in dieser Saison, nur an ruhenden Bällen statt.

Schalke hätte einen Elfer kriegen müssen, viel deutlicher kann ein Handspiel nicht sein und bei zwei in Ballrichtung ausgestreckten Armen kann auch wahrlich nicht von natürlicher Körperhaltung gesprochen werden. Vielleicht wäre dann in der Schlussphase noch was gegangen.

Trotzdem war Schalke einfach nicht gut genug, um sich einen Sieg nach einem Rückstand zu erspielen. Gegen einen VfL Bochum, der ordentlich, im Grunde aber auch nur wie erwartet gespielt hat. Das ist enttäuschend.

So wie die Meisterschaft nach dem Sieg gegen den statistischen Angstgegner und dem bestandenem Sander-Test nicht gewonnen war, ist sie nun nicht verloren. Bremen hat in dieser Saison noch nie sieben Spiele in Folge gewonnen. Aber natürlich ist es scheiße, auf andere schauen zu müssen.

In der Tabelle ist Schalke heute erster. Somit ist es auch noch Schalkes Magische Zahl, wenngleich sie weiter bei 11 steht und akut verloren zu gehen droht. Noch drei Spiele zu spielen.

Update: Mein vorletzter Satz waren leider kompletter Blödsinn.

Das immer schwerste Spiel: VfL Bochum

Bochum hat Kuntz. Der ist mir sympathisch. Das wars dann auch schon.

Seit die Bochumer bestens absteigbar geworden sind, hält überhaupt kein Prädikat mehr an diesem Verein. Natürlich ist es nett, ein Stadion mehr vor der Haustür zu haben, es soll Orte in Deutschland geben, in deren Umkreis von zwei Autostunden kein Bundesligafussball zu sehen ist; grauenhafte Vorstellung. Aber ansonsten finde ich den VfL so spannend wie Hertha BSC …

Zugegeben, der Betonkasten aka rewirpowerSTADION fka Ruhrstadion afka Stadion an der Castroper Straße war schon ein zum fussballkucken höchstgeeignetes Stadion, als es anderswo noch Bäume und Tartanbahnen im weiten Rund gab und als noch nicht jede zweite Spielstätte Arena gerufen werden musste weil Kampfbahn nicht mehr in ist. Gut kucken kann man da schon immer!

Wieso ich dafür aber mehr zahlen muss als beispielsweise ein Fan von Werder Bremen, erschliesst sich mir nicht. Zumal wenn ich feststellen darf, dass auch HSVer und Aachener Alemannen Top-Zuschläge zu zahlen haben! Gut, immerhin musste ich nicht gleich noch ein Ticket für Bochum gegen Hertha erwerben, um heute Schalke sehen zu können. Wäre nicht ungewöhnlich gewesen beim VfL: Ein Ticket für das Spiel gegen die Bayern bekam auch nur, wer sich das gegen Cottbus antat …

Bochum spielt nach wie vor gegen den Abstieg, liegt lediglich 3 Punkte vor Platz 16, hat den Toptorschützen der Liga und ist fürchterlich unkonstant. Bochum ist schnell und mag Konterspiel. Auf die Frage, wie Schalke Gekas, der ja einen Lauf hätte, stoppen wolle, antwortete Slomka, dass Schalke nun dreimal in Folge zu Null gespielt und demzufolge ebenfalls einen Lauf hätte, hinten!

Der Kicker sieht in seiner Vorschau Kobiashvili vorne links, dort wo zuletzt Özil zweimal startete. Der Kicker hat sein Ohr sicher näher dran, mir erschliesst sich das dennoch nicht. Kobiashvili ist vielseitig, aber defensiver als Özil. Ich würde denken, dass Slomka, sollte er Özil tatsächlich auf die Bank setzten, eher Halil bringen würde. Ich persönlich würde an der Startformation gegenüber der letzten beiden Spiele nichts ändern.

Wir werden es sehen. Proppevoll wird es werden, im Betonkasten, und Schalke wird ein Quasi-Heimspiel haben. Auch ich werden dabei sein, mein letztes Ticket in dieser tollen Saison, die letzten Spiele werde ich in der Kneipe meines Vertrauens und – gegebenenfalls, sollte es tatsächlich soweit kommen – im altehrwürdigen Parkstadion verbringen müssen / dürfen. Aber soweit zu denken schickt sich nicht.

Jetzt sind noch vier Spiele zu gehen. Schalkes Magische Zahl ist die 11!

Gelsenkirchen die Nr. 1: Auch beim WM-Vögeln!

Die Zeit meldete im März, dass Geburtskliniken 9 Monate nach dem deutschen Sommermärchen bis zu 30% mehr Geburten zu verzeichnen hatten. Der Zusammenhang zwischen Fussball-WM und Babyboom ist offensichtlich. Nun meldete das hiesige Marienhospital gar einen Anstieg um 35% und hievt Gelsenkirchen an die Spitze dieser Statistik!

Du darfst Dir nun aussuchen, ob es rund um Schalke fünf Prozent triebhafter zuging als anderenorts oder ob wir hier noch fünf Prozent dichter waren, um uns rechtzeitig um vermeintlich Gegebenes zu kümmern.

(Quelle: WAZ)

Lattekeske Fußballrhetorik: Mit Leichtigkeit

“Noch nie war es so leicht wie dieses Jahr, Meister zu werden!”

Karsten vom Werderblog hats gesagt. Zugegeben, in einer Variante. Dennoch.
Es ist nicht sein Satz und er ist nicht alleine. Jedes Jahr findet sich irgendwann irgendwo ein Lattek. Ein großartiger Satz: Er passt immer!

Schalke hatte seine Krise. Ab dem 22. Spieltag nur ein Sieg in sechs Spielen. Und trotzdem waren die anderen zu blöd, vorbeizuziehen. Nie war es für Schalke einfacher.
Bremen zeigte auch eine wechselhafte Saison. Trotzdem sind sie wieder dran. Auch dank der Schalker Kriese. So geht es nicht jedes Jahr, so einfach ists nicht immer.

Nächstes Jahr dominiert vielleicht mal wieder eine Mannschaft ab dem 20. Spieltag durchgehend mit solidem Punktevorsprung die Liga. Vielleicht Werder oder Schalke. Vielleicht auch die Bayern, die sind ja jedes zweite Jahr dran und Klose ist in der Liga ja Weltklasse ;-)

Wenn die einen, die anderen oder Schalke dann so vorne wegmaschieren, wird wieder über die schwache Konkurrenz debattiert werden. So leicht, werden wir lesen dürfen, werde es dem Tabellenführer auch nicht jedes Jahr gemacht.

Vielleicht ist Meister werden aber auch kackeschwer und nur dieser Satz schreibt sich mit Leichtigkeit. Auch Fussball ist relativ.

Eine Stadt, tausend Züge: Das Ruhrgebiet

Eigentlich brauche ich ca. eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis auf Schalke …

21.04.07, Schalke gegen Cottbus, Herr Wieland ist Kartenbesitzer.

Gegen 12:50 stehe ich an der Bushaltestelle. In einer Minute soll er kommen, der Bus. Ist nicht weit zum Bahnhof, aber wieso laufen wenn ein Bus fährt?
Fährt kein Bus. Kommt jedenfalls keiner, wieso auch immer. Laut Plan muss er kommen, kommt aber nicht. Ist schon kurz nach eins! Laufe ich halt.

Der Regional Express 3 (RE3) ist gerade weg. Naja, Duisburgs Bahnhof ist groß genug, da fährt ständig ein Zug nach Gelsenkirchen. Da steht ja gerade der RE5 vielleicht … ich frag mal den Schaffner!
“Ne, der fährt nicht über Gelsenkirchen. Da müssen sie den RE3 nehmen. Der ist aber gerade weg.” Stimmt. Doofmann.

Setzte ich mich also an Gleis 1. Da fährt um 13:35 die S-Bahn Linie S2 in Richtung Gelsenkirchen. Ist ja noch Zeit.
Nachdem ich ca. 3 Minuten damit verbracht habe, meiner Frau eine SMS zu tippen – ich habe ja Zeit – höre ich eine Durchsage. Irgendwas mit “Gleisarbeiten … S2 … auf Gleis 1 … fällt leider aus”! Na Toll! Und Nun? Auch der RE2 auf Gleis 8 um 14:02 ist betroffen, höre ich beiläufig, auf dem Weg zur DB-Auskunft.

Eine relativ lange Schlange vor dem Schalter. Aber einer der 1.000 Freunde in königsblauem Gewand kommt bereits wohlinformiert des Weges – anquatschen spart Zeit!
“Gleis 9, dann in Mülheim auf Gleis 4 umsteigen” sagt er. Super sag ich, ich häng mich mal an Dich dran. “Nee” sagt er, er müsse noch telefonieren. Ok, Gleis 9 find ich auch alleine.

Als ich auf Gleis 9 ankomme, kommt auch schon der Zug gen Osten. Gut dass ich direkt hin bin, zum telefonieren war da kaum Zeit, denke ich so.
Zwischenstop in Mülheim Styrum. Gelassen lasse ich den Blick schweifen, als ich plötzlich den wohl doch eher tausendersten Freund im königsblauen Gewand auf dem Bahnsteig entlang schlendern sehe! Styrum! Styrum ist nicht Mülheim! Ok, doch, ein bisschen, aber Mülhein-Styrum Bahnhof ist eben nicht Mülheim Bahnhof!

Nächster Halt ist Mülheim Hauptbahnhof. Am Hauptbahnhof Mülheim an der Ruhr gibt es kein Gleis 4 …

Nach Gelsenkirchen geht hier garnix, jedenfalls nicht innerhalb der nächsten Stunde. Eigentlich bin ich um 15 Uhr mit Herrn P. aus W. am Bierstand der Nordkurve verabredet. Am Besten ich schreib schonmal ‘ne SMS …

Via Essen ist die einzige Chance, das ist wenigstens ein richtiger Bahnhof! Dahin fahren gleich 2 Züge, Gleis 1 und 2, ist die gleiche Plattform, ich nehme den ersten! Der erste hat natürlich Verspätung, wodurch der zweite zum ersten wird.

In Essen sind bereits arg viele Königsblaue zu sehen. Beruhigt doch ein wenig. Ist ja auch noch Zeit. Gleis 21 kommt die nächste Bahn nach Gelsenkirchen.

Gleis 21 ist von Polizisten in Kampfanzügen arg gut bewacht. Auf dem Bahnsteig stehen schwarz gekleidete Glatzen, mit Fahnen in Schwarz-Weiss-Rot. Alle eher halbstark, nicht wirklich fürchterlich aussehend. Trotzdem ist da nichts Blaues weit und breit und es sieht auch nicht so aus als sei ein Schalkeschal die Eintrittskarte zu diesem Gleis.

Auf Gleis 4 kommt der nächste Zug Richtung Gelsenkirchen, reicht auch. Hier sind viele Königsblaue, eigentlich alle … Kurz darauf bin ich in endlich in GE!

Schnell noch ein Bier holen, den in der Arena geht das gleich nicht mehr. Dann ab in die Bahn. Die 302 fährt knappe 20 Minuten, dann noch ins Stadion, 15 Uhr kann ich schaffen.

Klar ist die Bahn voll. Trotzdem sitze ich immer. Immer ganz vorne an der ersten Tür anstellen, die rennen grundsätzlich alle in die Mitte. Vorbei an der Glückauf-Kampfbahn, Schalker Geschichte. Am Ernst-Kuzorra-Platz steigen immer welche zu, egal wie voll die Bahn ist.

Irgendwie gehts nicht weiter. Eine erste Durchsage des direkt vor mir sitzenden Fahrers verstehe ich nicht. Die zweite dann schon. Eine Tür geht nicht ganz zu, die Leute sollen mal Platz machen. Ein viertes, fünftes mal piepst es, das akustische Warnsignal vor dem Schliessen der Türen, doch es schliesst sich nichts.

Ein Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft hilft bereits. “Getz zeigt et Fehler C an!” höre ich den Fahrer rufen! Herr P schickt mir eine SMS, wie weit weg ich noch sei …

10-12 Minuten am Ernst-Kuzorra-Platz. Cirka 15 Uhr an der Haltestelle der Arena. Eingang West ist zu voll, weiter … am Eingang Nord gehts: Glück gehabt, wenigstens einmal!

Um 15:15 stehe ich in N5. Immerhin. Und gewonnen. Hätte schlimmer kommen können. Gut, dass das Ruhrgebiet ein so dichtes Schienennetz hat …