Ein Unentschieden wie eine Niederlage

(Zum Spiel Hansa Rostock – FC Schalke 04)

Nicht, dass ich es nicht geahnt hätte. Allerdings dachte ich eher an einen unglücklichen Spielverlauf, nicht an eine solch miserable Leistung.

Schalke muss sich gedacht haben dass es schon reichen würde, hinten ordentlich zu stehen und vorne auf Rostocker Fehler zu hoffen. Zunächst schien das sogar zu funktionieren. In der ersten Hälfte kam Schalke zu ein paar wenigen Chancen, die aber allesamt nicht aus irgendwelchen Passkombinationen oder Geistesblitzen Schalke Spielern, sondern aus Rostocker Unzulänglichkeiten oder Standardsituationen entstanden sind. Selbst Asamoahs Tor war eher ein schön anzuschauender Abstauber denn ein Produkt Schalker Überlegenheit.

Grossmüller spielte für Rakitic von Beginn an. Das er sich gut einfügen würde, sagte der Premierekommentator. So kann man es auch nennen, er war genauso schwach wie der Rest der Mannschaft. Einer Mannschaft, die in der zweiten Hälfte genauso ideenlos und pomadig weiterkickte wie in Halbzeit 1, die nun aber auch nicht mehr zufällig zu Chancen kam, weil Hansa defensiv konzentrierter zu Werke ging.

Offensiv fiel Hansa allerdings auch in der zweiten Hälfte genauso wenig ein wie den Königsblauen. Jedem, der in der ARD-Sportschau was davon gehört hat, dass Hansa nun Druck gemacht oder Schalke eingeschnürt hätte, sei im Hinblick auf die zukünftige Fernsehrechteverteilung gesagt: Auch eine DFL-eigene TV-Produktion hätte dies nicht reißerischer und falscher darstellen können. Hansa hat zweimal aus der zweiten Reihe auf das Schalker Tor geschossen. Und dann war da eben noch Neuers Fehler.

Es ist Neuers Stärke, das Spiel schnell zu machen, Angriffe einzuleiten, wenn der Gegner nach Offensivaktionen zu gemächlich zurücktrabt. Häufig wurden damit Chancen generiert. Diesmal setzte Neuer voraus, das Rafinha starten würde, der machte aber keine Anstalten. Ein Fehler, der mit einem Rückpass eines Verteidigern in Richtung Tor statt daneben zu vergleichen ist. Mit Massel geht’s gut und es passiert nichts. Gestern reichte es Rostock zu einem Punkt. Ärgerlich.

Noch ärgerlicher war für mich aber, dass Schalke selbst nach diesem Ausgleich den Druck nicht erhöhen konnte. Und das Mirko Slomka nicht reagierte! 75 Minuten spielte Schalke offensichtlich schwach, bis in der 76. mit Sören Larsen für Asamoah ein Stürmer ausgewechselt wurde. Da die Mannschaft gestern nicht in der Lage war, den Knicker ordentlich vor das Hansa-Tor zu bringen, wäre auch eine Einwechslung Ruud van Nistelrooys ähnlich erfolgreich gewesen.
Rakitic kam in der 85. Minute. Bis dahin hatte der schwache Schiedsrichter Sippel das Fußballspiel aber längst in seine Bestandteile destilliert.

Wochenlang erspielte sich Schalke regelmäßig viele Chancen, machte zuwenig Tore und die Leute haben sich aufgeregt. Nun lassen sie das mit den Chancen eben auch sein. Vielleicht sollte ich den kommenden Mittwochabend mit der Familie verbringen.



5 Kommentare zu “Ein Unentschieden wie eine Niederlage”

  1. kurtspaeter sagt:

    Da bin ja froh, das das nicht nur im Stadion so grauenvoll aussah…

    Sich auf Berichte der Sportschau zu verlassen ist seit Jahren unsinnig. Wahrscheinlich müssen die die Marke Bundesliga schönreden um Zuschauer zu generieren.

  2. Stefan (blog-g.de) sagt:

    REPLY:
    … dass es völlig egal ist, ob man Berichte der öffentlich Rechtlichen oder einer Marketingagentur vorgesetzt bekommt. Immer wieder erstaunlich, was da von einem Grottenkick zusammengestellt wird.

    Ich meine es war sogar mal, vor Urzeiten, RTL mit „Anpfiff“, die von einem die sich getraut haben, von einem Fehlpassfestival zwei Minuten nichts anderes als eben diese Fehlpässe zu zeigen. Those were the days.

  3. verschwender sagt:

    REPLY:
    War man Samstags im Stadion und schlägt Montags die Zeitung auf, ist das tragische und hochspannende 0:0 plötzlich ein Grottenkick. Hört man Samstags Radio stöhnt Breukmann was von „Ich wäre jetzt lieber auf meinem Balkon bei einem Stück Pflaumenkuchen“, in der Sportschau bekommt man aber ein höchst dramatisches und spannendes 0:0 präsentiert. Schaut man ein Spiel live im ZDF wird jeder Pass des Gegners als Weltklasse bewertet, die Leistung der eigenen Mannschaft dafür jedoch höchstens als unterirdisch angeprangert. Ich glaube ein Spielbericht kann gar nicht wirklich objektiv sein. Im Falle der Sportschau muß man aber eingestehen, daß sie sich nicht nur aufgrund der vielen Werbeblöcke immer mehr dem unsäglichen und aufgeregtem Sat 1 Format Ran annähert.

  4. Herr Wieland sagt:

    REPLY:
    Natürlich ist so was eine Sache der Empfindung. Aber von Einschnüren zu berichten wo kein Einschnüren stattgefunden hat?

    Tja, da wollte ich in Erinnerungen schwelgen, gab „anpfiff rtl“ in die Googlesuche ein und plötzlich kuckt mich der Bürgermeister Bad Bertrichs an, wieso auch immer …

  5. verschwender sagt:

    REPLY:
    Zum einem vom „freundlichen jungen Mann“ zum anderem vom Einschnüren. Ich muß zugeben, daß ich keine Sportschau gesehen und Samstag nur nebenbei Radio gehört habe. Irgendwie hat Fußball nach dem 1:1 für mich nicht mehr stattgefunden. Aber in Sachen Sportschau stellt man sich während der Zusammenfassung schon desöfteren die Frage, was die da eigentlich gerade zeigen. Da wurde in letzter Zeit auch schon mal der eine oder andere nicht gegebene Elfmeter unterschlagen, dafür aber mindestens zwei oder drei nicht erwähnenswerte Minichancen. Jedenfalls subjektiv gesehen;-)

Schreibe einen Kommentar