Artikel im November 2007

Volle Buxen

(Zum Spiel FC Valencia – FC Schalke 04)

„Wir haben das Endspiel, das wir uns alle erhofft haben.“

… hat Manager Müller gesagt – und damit das Positive des gestrigen Abends schon abschließend behandelt. Valencia war nicht gut und Schalke war noch schlechter. Engagiert zwar, aber zu hektisch und unpräzise. Schalke war zunächst kaum in der Lage, sich ordentliche Chancen herauszuspielen. Später wollte Schalke das auch nicht mehr wirklich, was Trainer Slomka indirekt zugab:

„Unser Spiel war geprägt von Sicherheit. Wir wussten natürlich über das Ergebnis in Trondheim Bescheid.“

Ich kann verstehen, dass Schalke – nach der Erfahrung im Hinspiel, als Valencia eine einzige Chance zum Sieg reichte – nicht unbedingt auf Sieg spielten wollte. Das ist nicht schön anzuschauen und für Fußballpuristen vielleicht sogar moralisch verwerflich. Aber es geht um das Ziel „Weiterkommen“, und wenn Slomka als Verantwortlicher entscheidet, dass er einen Heimsieg gegen Trondheim als leichter zu erringen erachtet, bzw. die Gefahr einer Niederlage in Valencia bei einer offeneren Spielweise als zu groß einstuft, dann kann man das akzeptieren.

Doch speziell gestern hat das überhaupt nicht funktioniert.
Mag das Schalke Spiel vielleicht in seiner Planung von Sicherheit geprägt gewesen sein, was dabei heraus kam war an Wackeligkeit kaum zu überbieten. Schalke hatte die Hosen gestrichen voll, wieder mal Angst, dass doch was schiefgehen könnte. Wieder kein festes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, allen starken Sprüche zum Trotz. Und benahe hätte es auch wieder geklappt, mit der Self Fullfilling Prophecy, der Bestätigung des Schalker Bildes der ewigen Zielgeradenstrauchler.

Es ist noch mal gut gegangen. Mit Massel und ohne sich dafür entschuldigen zu müssen, weil Valencia auch nicht so gespielt hat, dass es einen Sieg verdient gehabt hätte.

Nun also das Endspiel gegen Trondheim. Ich freu’ mich drauf. Es sollte nur nicht zu lange spannend bleiben.

Jones sieht schlecht aus

Angeblich soll er ja fit sein, eventuell sogar gegen Valencia in der Startformation stehen. Fit aussehen tut er definitiv nicht.


Jermain Jones auf schalke04.de

Schalke zu Gast im Estadio Mestalla

(Das immer schwerste Spiel: FC Valencia)

… und doch mit einem Ohr in Trondheim.
Schalke kann aus eigener Kraft die nächste Champions League-Runde erreichen. Dazu muss es in jedem Fall in zwei Wochen auf Schalke gegen Rosenborg Trondheim gewinnen. Zusätzlich muss Schalke heute in Valencia punkten: Drei Punkte müssen es sein wenn Rosenborg gegen Chelsea gewinnt, falls nicht reicht ein Punkt.
So sieht’s aus.

Apropos Aussehen: Sieht dieses Stadion Mestalla nicht grandios aus? Nein, ich war nie dort und werde es wohl auch nicht mehr schaffen. 2009 eröffnet auch in Valencia eine „Arena“, selbst wenn sie nicht so heißen wird. Ein Gebilde das an eine aufgeschlitzte Version des Münchener Schlauchboots erinnert.
Ein Jammer, denn das alte Mestalla ist ein pures Stadion, Fußball eben: Eng, schweinehoch, mittendrin. Einzig dem Zweck verpflichtet, Fußball zu präsentieren. Matthias, ich bin neidisch. Aber ich freue mich auf die Fotos und den Bericht, wo immer er auch zu lesen sein wird.

Was das Spiel angeht, habe ich eigentlich ein ganz gutes Gefühl. Wenngleich ich das auch nicht wirklich begründen kann. Schalkes Abwehr ist recht wackelig derzeit und Valencia braucht wenig Chancen. Andererseits hat Valencia derzeit reichlich Probleme mit sich selbst und stellt tatsächlich freiwillig Canizares ins Tor.

Jones hat sich fit gemeldet und wird möglicherweise für Bajramovic auflaufen. Ansonsten erwarte (nicht nur) ich die Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit in Hannover auf dem Platz stand, mit Özil & Rakitic im Mittelfeld und Kuranyi & Altintop im Angriff.
Ma’kucken.

Übrigens wurde die Fledermaus, die das Wappen des FC Valencia ziert, aus dem Stadtwappen übernommen. Nur so, falls das jemand noch nicht wissen sollte. Das Wappen des ebenfalls in Valencia beheimateten UD Levante enthält auch eine Fledermaus.
Hätte Schalke in sein Wappen den Löwen der Herren von Horst aufgenommen, ob das in der Gegend um Valencia jemand bloggen würde?
Also lass’ ich’s nun gut sein mit solchem Mumpitz und schaue mir lieber noch ein paar Bilder von diesem coolen Stadion an …

[Bild: Azul Buho]

José Roberto de Oliveira

Die Bildzeitung hat es schon seit Wochen als fest verkauft. Überall sonst war nichts klares zu lesen. Der Aufsichtsrat, namentlich auch Olaf Thon, sei gegen den Transfer, las ich irgendwo. Das noch nichts fix sei, was alles und nichts heißen kann, verkündete Tönnies in der RevierSport.

Gestern vermeldete kicker.de, in einem Beitrag dessen Schlagzeile sich auf Özil und Altintop bezog, dass José Roberto de Oliveira bei Schalke einen Vertrag bis 2011 erhält. So langsam glaube ich es nun.

In 12 Tagen wird der Mann 27 Jahre alt. Mitte des Jahres war bei fifa.com zu lesen, dass er mit seinen „überragenden Spielmacherqualitäten“ seinen – übrigens 1904 gegründeten – Club Botafogo RJ zu einem Meisterschaftsfavoriten gemacht hätte. Vor dem letzten Spieltag steht Botafogo nun mit 23 Punkten Rückstand auf Rang 9, Roberto erzielte zwei Tore und erhielt vier gelbe Karten. Laut transfermarkt.de hat er einen bis 2008 gültigen Vertrag bei Botafogo.

Mehr weiß ich nicht. Bei jeglicher Suche kommt einem der große Bebeto in die Quere, der mit richtigem Namen José Roberto Gama de Oliveira heißt und übrigens auch mal für Botafogo spielte.
Klar habe ich auch mitbekommen, dass Zé Roberto mal kurz in Lissabon spielte und dort nicht zurecht kam. Weshalb und warum, dazu ist alles und nichts zu lesen. Wäre ich des Portugiesischen mächtig, hätte ich vielleicht eine Chance gehabt, so nicht. Von „Unstimmigkeiten“ bis „Drogen“ war alles dabei.

Er kommt also. Ob das eine gute Geschichte wird, weiß man vorher nie. Jedenfalls halte ich den Versuch, Qualität in den Kader zu bringen, für absolut richtig. Ich bin sehr dafür, dass Rakitic und Özil ihre Einsatzzeiten bekommen. Aber diese Jungs, so talentiert sie auch sind, sind 19 Jahre jung! Wenn Schalke oben mitspielen will, sollte es sich nicht auf zwei derart junge Spieler verlassen müssen. Und nach allem was bislang zu sehen war, auf Grossmüller besser auch nicht.

320

Hamburg braucht spätestens im nächsten Sommer einen. Aachen eigentlich sofort, sofern Schmadtke keinen Spaß dran findet. In Frankfurt haben die Fans keine Lust mehr auf ihren. In Dortmund fordert der große Geschäftsführer schon „mehr Identifikation und Leidenschaft“ … Und Bielefeld schmeißt seinen als Besten des Jahrhunderts gewählten vermutlich bald zum dritten mal raus.

Grundsätzlich kann es natürlich jeden treffen. Und sind die erstmal weg, sollte jeder Club im folgenden Pool eine Alternative finden können. Nicht lange zaudern. Is’ ja eh nicht für lange.

Adriaanse, Aigner, Albert, Alberto Pazos, Alexander, Amisse, Amorim, Amorrortu, Andersson, Augenthaler, Ballardini, Baric, Barreto, Behnert, Belke, Bellotto, Berger, Bernhardt, Bialas, Blättel, Böger, Bölöni, Bonev, Bongartz, Boskamp, Bostanci, Brehler, Brehme, Brio, Brooking, Broos, Brunner, Bubenko, Buchmann, Buso, Buxton, Caers, Calderon, Calimbay, Campos, Case, Caso, Chaló, Chatzinikolau, Chauveheid, Chiappa, Ciccolini, Colomba, Conti, Costa, Cotterill, Couceiro, Dämgen, Davies, Dekker, Deman, Denoueix, Deutinger, Di Cicco, Dietz, Dietzsch, Dihanich, Dittrich, Dodds, Dragan, Drljaca, Drüke, Dufour, Duguépéroux, Eck, Eggen, Egli, Ehrmantraut, Englund, Eo, Erdmann, Erlachner, Erlandsen, Evans, Ferl, Fernandez, Fischer, Fischer, Fournier, Franke, Freudenstein, Frontzeck, Galeone, Galia, Galis, Gascoigne, Gauthier, Gerber, Gerstel, Gillot, Giordano, Gomez, Gómez Cos, Görlitz, Götz, Götz, Gregory, Gries, Griga, Große, Gudelj, Guimaraes, Günes, Hagi, Halata, Hassler, Hausdörfer, Hay, Heath, Hemp, Himsl, Hirsch, Hoddle, Höhn, Homberg, Hotic, Houston, Houston, Hrebik, Hüseyin, Hutchings, Hutting, Jara, Jewell, Johannssson, Johansson, Jurcevic, Jurkemik, Kampmann, Kanacki, Kapsal, Kasper, Kastenmaier, Kember, Kerr, Kienemund, Kinnear, Klaus, Klinsmann, Kober, Kohler, Köppel, Körver, Köstner, Krenn, Kunkel, Kunz, Kurbasa, Le Dizet, Leclercq, Leclerq, Lellek, Lenz, Letsch, Lettieri, Libregts, Linz, Linzmaier, Lippert, Lippi, Lok, López Alfaro, Lukic, Lusch, Makarian, Malesani, Mankowski, Marmon, Marzban, Matthäus, Maturana, Matzourakis, Maurer, Mazzone, McAllister, McClaren, McIlroy, Meeuws, Meissner, Menichini, Menze, Mikulski, Miranda, Mirnegg, Moors, Morais, Morales, Moser, Mourinho, Müller, Müller, Muñoz Manrique, Murdoch, Nastl, Neumann, Neururer, Norton de Matos, Nunweiler, O Leary, Oevermann, Oliva, Özdilek, Pajic, Passarella, Peischl, Pereira, Persigehl, Petersen, Petkovic, Pezzaiuoli, Pflug, Pivarnik, Piwowarski, Pohl, Polak, Preljevic, Pröger, Prohaska, Ränke, Rau, Rauscher, Reid, Reimann, Reinders, Rix, Röber, Rodrigues, Roelofsen, Romantzev, Rommel, Röser, Rossi, Roth-Lebenstedt, Rotter, Royle, Rudinski, Russo, Salov, Santini, Santrac, Sasic, Scala, Scasny, Schäfer, Schaller, Schock, Schödel, Schönwetter, Schulz, Schwickert, Sebert, Seering, Seitz, Sensini, Siebert, Simonelli, Simonsen, Simpson, Sinkgraven, Slade, Smajic, Smith, Söndergaard, Souness, Sousa, Stankovic, Stolina, Storck, Straka, Strehmel, Streich, Svalina, Tagan, Taylor, Tegge, Tenhagen, Thom, Thomale, Tigana, Timme, Tipurcic, Turner, Turowski, Ugur, van de Velde, Vandenbrouk, Vazakas, Vázquez, Vermezovic, Vialli, Vigo, Vogel, von Heesen, Vonk, Wadsworth, Walpurgis, Waseige, Wasikiewicz, Weber, Weidemann, Weiß, Weusthof, Wiest, Wigley, Wilkins, Williamson, Wilmots, Wlecialowski, Wolf, Wortman, Wotte, Zaccheroni, Zaki, Zick und Zoff.

[Liste aus transfermarkt.de]

Der Schalkekranz

Es war wohl Kuranyi, der als erster den Spruch von den 4 Siegen in 4 Spielen raushaute. Ernst soll das auch diktiert haben, Slomka hat es übernommen.

Eigentlich keine große Sache. Sicher ist es auch das Ziel von einigen anderen Bundesligisten, die restlichen Spiele bis zur Winterpause zu gewinnen. Aber klare Ziele zu benennen ist eben ein Tabu, wenn man nicht gerade der FC Bayern ist.

Zumal wenn der Trainer angreifbar ist, weil die bisherigen Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück geblieben sind. Schalke hat bislang eben kaum gewonnen, hat sich genau damit schwer getan, Spiele zu entscheiden.

Für Slomka geht’s um seinen Job. Ohne diese Punkte wird bei der angekündigten Bestandsaufnahme in der Winterpause der Blick auf die Tabelle trübe ausfallen. Für ihn ist es die Flucht nach vorn, die Chance, ehedem notwendige Siege als einen besonderen Auftrag zu präsentieren.

Da bin ich doch dabei und präsentiere mit!
4 Siege an 4 Wochenenden bis Weihnachten: Da liegt das Bild doch nah. Für jeden Sieg wird nun in der Sidebar dieses Blogs eine virtuelle Kerze angezündet. Die für die 3 Punkte aus Hannover brennt bereits.
Im christliche Brauch zum Advent sollen die Kerzen das Licht darstellen, dass durch Christi Geburt in die Welt gebracht wurde. Mögen vier Siege bis Weihnachten wenigstens ein bisschen Hoffnung für den weitern Verlauf der Schalker Saison bringen.
Amen.

Ein erstes Lichtlein flackert

(Zum Spiel Hannover 96 – FC Schalke 04)

Wo ist sie nur, diese beste Abwehr der Liga aus der vergangenen Saison? Das defensiv so starke Schalke, das letztes Jahr 14 mal zu Null spielen konnte?

Bordon patzt mittlerweile in jedem Spiel. Das er tatsächlich laut kicker-Noten der zweitstärkste Verteidiger der Saison sein soll beweißt, dass man sich kein Urteil anhand dieser Noten bilden sollte. Krstajic ist nicht fit. Westermann muss mangels Alternativen die Linie entlang rennen. Ernst ist sich im Abwehr-Tohuwabohu meist nicht schnell genug darüber im klaren, welches Loch am nötigsten gestopft werden muss. Und Neuer setzt das Erfahrung sammeln fort.

Gegen Hannover traf Schalke zum Glück auf einen Gegner, der häufig genug ähnlich unkoordiniert verteidigte. Außerdem wollte auch Robert Enke, der Torwartmessias aller gewollt anderen Fußballexperten, mal nicht so sein und zeigte, dass auch er scheiße spielen kann. Also entwickelte sich das, was häufig ein offenes Spiel genannt wird …

Jetzt mach’ aber mal halblang mit diesem miesepetrigem, achso kritischen Geschreibsel! Nervt es Dich nicht selbst, immer was zu kacken zu haben? Ein spannendes Spiel, fünf Tore und gewonnen – sei gefälligst mal zufrieden!

Tatsächlich war es ein sehr unterhaltsames Spiel! Es war nie langweilig, der Schiedsrichter und sogar der Premiere-Kommentator hatten gute Tage.
Schalke spielte nach vorne, 90 Minuten lang. Und es wollte spielen, es wartete nicht auf Standardsituationen. Rakitic ackerte viel, seine Pässe waren allerdings meist zu unpräzise und im Abschluß traute er sich nicht viel zu, wieso auch immer. Özil war effizienter, tauchte aber zeitweise etwas ab, was möglicherweise noch seiner gerade überstandenen Verletzung geschuldet war. In jedem Fall belebten die beiden das Offensivspiel der Schalker, brachten Bewegung in das zuletzt so statische offensive Mittelfeld.

Kuranyi war der beste Spieler auf dem Platz. Es gelang nicht alles, aber er war immer in Bewegung und trieb auch seine Mitspieler an. Seine Tore waren nicht toll, aber er war da und hat den Knicker reingedrückt. Seine Vorlage zum entscheidenden dritten Tor war allerdings wirklich klasse.

Endlich mal wieder ein richtiges Tor!
Kein abgefälschter Ball wie gegen Hamburg, kein eigentlich haltbarer Freistoß wie gegen Bremen. Kein irgendwie aus einem Pulk reingeprügelter Ball.
Eine gute Ballannahme und ein sehenswerter Direktpass von Kuranyi, ein gewonnenes Laufduell und ein präziser Abschluss Marke „echter Stürmer“ durch Halil Altintop: 3:2 gewonnen. In Bremen oder München mag so was Standard sein, auf Schalke wurde man zuletzt wahrlich nicht verwöhnt.

Meine Hoffnungen sind jedenfalls noch mal angefacht worden. Mit Rakitic und Özil lassen sich Chancen generieren, mit Kuranyi und Altintop lassen sich Tore schießen.

Aber hinten war’s trotzdem schrecklich.