Wann ist ein Fan ein Fan?

„Mir ist der FC Schalke 04 am liebsten. Ich bin aber nicht fanatisch, also auch kein Fan.“

… sagt Manni Breuckmann in einem Promotion-Interview. Und da muss ich doch gleich mit dem Kopf schütteln, weil ich nicht gedacht hätte, dass jemand, der so im Fußball drin ist, derart töricht die Strippe zieht, von fanatisch zu Fan.

fa|na|tisch: [lat.-fr.] Adj. Völlig begeistert u. blind eifernd; für vernünftige Argumente nicht zugänglich
Fan: [engl.] /fän/ der; -s; -s Person, die einer Sache, einem Verein, einer Person usw. enthusiastisch, leidenschaftlich anhängt, dafür schwärmt

Nee, blind eifernd bin ich nicht, und ich bin auch durchaus für vernünftige Argumente zugänglich. Mit der oben aufgeführten Definition für Fan komme ich schon besser klar. Aber ist es das wirklich schon? Wann ist ein Fan ein Fan?

Für mich persönlich habe ich mal festgelegt, dass ich nur in Leuten echte Fans sehe, die es ärgert, wenn ihr Verein verliert. So habe ich irgendwann festgestellt, dass das nichts wird, mit mir und Meiderich, und wenn Schalke verliert, ärgert mich das sehr.

Nun mag es aber auch gute Verlierer geben, die das völlig anders definieren möchten. Eigentlich eine große Frage, wie ich finde. Viel zu groß für dieses kleine Blog. Aber vielleicht klaut sie ja mal jemand mit dem geeigneten Besucherverkehr; ist ja schließlich ansonsten nix los.



7 Kommentare zu “Wann ist ein Fan ein Fan?”

  1. Igor sagt:

    also jeder Verein hat Fans, aber bei Schalke von Fans zu sprechen ist sicherlich falsch.
    Schalke ist doch eine Lebensphilosophie.

    Igor

  2. verschwender sagt:

    Als Fan führt man ja irgendwie eine emotionale Beziehung mit dem Verein. Als ich damals von der Verpflichtung Andreas Möllers erfuhr, habe ich mich so gefühlt als wenn meine Freundin mich betrügen würde. Ich wollte das nicht wahr haben. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Das erste Spiel gegen Köln habe ich nicht sehen wollen, noch nicht einmal im Fernsehen. Schalke und besonders Rudi hatten mich betrogen. Klar, nach ein paar Wochen ging es wieder. Wenn Du Dein Leben lang mit Deiner Traumfrau zusammen bist gehört ja schon einiges mehr als ein Seitensprung dazu um Dich von ihr zu trennen. Ich glaube man kann es nicht richtig festlegen ab wann man Fan ist, wenn es soweit ist fühlt man das schon rechtzeitig.

  3. Easyfunk sagt:

    REPLY:
    Es geht ja letztlich darum, wer denn das „Fan-Sein“ beobachtet und eine Entscheidung darüber fällt. So habe ich vor Kurzem von den Hertha Ultras berichtet (http://www.welt-hertha-linke.d.....erein.html), die quasi alle anderen als „Nicht-Fans“ abqualifizieren und dadurch eine Spaltung der Kurve provozieren. Und nur weil alles andere eben nicht Ultra und fanatisch ist, gelten deren Argumente nicht.
    In diesem Sinne sagt eine Unterscheidung immer mehr über den Beobachter als über das Beobachtete aus…
    Btw: Gro0oßes Thema! Davon sollten wir alle mehr schreiben.

  4. Herr Wieland sagt:

    REPLY:
    @ Verschwender

    Sehr interessant, Deine Darstellung. Mir könnte so was, dass mich die Verpflichtung eines bestimmten Spielers derart runterzieht, nicht passieren – glaube ich zumindest. Das ist immerhin noch Fußball.
    Was ich mir eher vorstellen kann, ist, dass der Verein eine Politik betreibt, die mir derart zuwider ist, dass mir die Identifikation mit dem, was mir da geboten wird, völlig flöten geht. Also eher Ereignisse im Nicht-Fußball-Bereich.

    Wenn diese Firma beispielsweise völlig den Charakter eines Fußballvereins verliert, mit Leuten auf den Zuschauerrängen, denen das Spiel mehr bedeutet als bloße Unterhaltung.
    Mag schwammig formuliert sein. Das liegt daran, dass ich jetzt noch nicht weiß, was es war, wenn es soweit ist.
    Aber vielleicht kommt’s ja doch nicht so weit.

  5. Herr Wieland sagt:

    REPLY:
    @ Easyfunk

    Achja, das Thema ‚Ultras’ erweitert meine ursprünglich auf das Gefühl des Einzelnen bezogene Frage um ein Vielfaches. Guter Beitrag, den Du da geschrieben hast. Und das verlinken funktioniert hier eigentlich: Hier geht’s lang.

    Auf Schalke ist der Graben zwischen Ultras und traditionellen Fans (noch) nicht so arg, jedenfalls meinem persönlichen Empfinden nach. Aber natürlich ist das auch auf Schalke ein Thema.

    Ich persönlich könnte prima ohne die Stadionpräsentationen der Ultras leben, konnte das früher ja auch. Ich brauche keinen Vorsänger, erst recht keine Choreographien oder Doppelhalter. Was ich allerdings schätze ist, dass es mit ihnen eine alternative Stimme von organisierten Fans gibt, neben der Linie des Fanclubverbands, der sich meiner Ansicht nach zu häufig zu sehr zurückhält. Denn es passiert heutzutage soviel scheiße im Umgang mit Fans, dass es dazu viel zu sagen gibt.

    „In diesem Sinne sagt eine Unterscheidung immer mehr über den Beobachter als über das Beobachtete aus“

    Ja, vielleicht. Dann bin ich mit meiner oben beschriebenen Definition in vielen Augen wohl eher ein Laschi.

    „Btw: Gro0oßes Thema! Davon sollten wir alle mehr schreiben“

    Watte sachs!

  6. verschwender sagt:

    REPLY:
    Es ist mir schon klar, daß Fußball immer nur Fußball ist. Doch wichtig ist die Emotion, die eine Niederlage, ein Sieg oder auch die Verpflichtung eines Spielers in einem auslöst. Andy Möller war zur damaligen Zeit der personifizierte BvB. Alles was man an diesem Verein nicht mochte, schien er darzustellen. Seine Schwalbe, seine Angst vor dem Zweikampf, sein Image wollte irgendwie nicht zum „Männerverein“ Schalke passen. Diesen Mann hatte man Jahre lang mit Taschentüchern begrüßt, mit Heulsusen Möller beschimpft. Seine Körpersprache nach seinem Elfmeter gegen England bei der EM 1996 wirkte nicht nur für einen Schalker lächerlich. In der Außenwahrnehmung eine schreckliche Diva. Diesem Spieler, der in Dortmund zu den Bestverdienern gehörte und eigentlich schon lange auf dem absteigenden Ast war, sollte ich nun zujubeln? Ich hatte noch Christensen und Mihajlovic im Hinterkopf, die in meiner Erinnerung den Verein nur der Insolvenz näher brachten. Schalke war erst seit kurzem so gut wie schuldenfrei, dafür waren Spieler wie Büskens, Nemec, Wilmots, Mulder, De Kock, verantwortlich. Eher Spielertypen der robusteren Sorte. Dazu war Möller damals bestimmt kein hoffnungsvolles Talent mehr. Also mich hat die Verpflichtung schon ganz schön getroffen. Daß der Möller im Endeffekt ein töffter Typ war, der noch mindestens eine super Saison auf Schalke spielte und dem Verein die Vizemeisterschaft ermöglichte, das konnte ich nicht wissen. Ich würde nie mehr ein böses Wort über ihn verlieren. Heute bin ich da schon ein wenig gelassener, als Schalker gehört man ja zu den Fußballfans, die es im Lauf der Jahre gelernt haben mit Enttäuschungen umzugehen und sich über Überraschungen zu freuen. Ich muß aber auch zugeben, daß ich mich schon ein Stück weit von Schalke entfernt habe. Wenn ich an unseren Hauptsponsor denke, wird mir einfach übel. Sicher bwin zockt den Ärmsten noch die letzte Kohle aus den Taschen, die Telecom setzt langjährige Mitarbeiter vor die Tür. Aber immerhin verprügeln dessen Besitzer nicht Homosexuelle und harmlose Demonstranten. Aber auch die Gazpromzeit wird ein Ende haben. Hoffentlich war Schalke dann wenigstens schon mal Meister.

  7. verschwender sagt:

    REPLY:
    Ich habe mich nicht von Schalke ein Stück weit entfernt, sondern von seinen momentanen Machern. Sonst hätte ich mich nicht so beim Spiel in Frankfurt aufgeregt, daß ich des öfteren von der Couch auf sprang, fluchte und im Endeffekt froh war, daß niemand zu Hause war der das hätte mitbekommen können;-)

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