Artikel im Januar 2008

Westfalia, Teutonia, Fiderallala …

Er wurde in Gelsenkirchen geboren, spielte für Westfalia 04, Teutonia Schalke, und DJK Falke, und wurde doch von den Blauen als nicht gut genug erachtet. Er ging nach Essen, spielte für RWE, um dann doch noch endlich bei S04 zu landen. Er entschied sich für Deutschland, spielte mit 18 Jahren in der U21-Auswahl, bekam Bundesligaeinsatzzeiten, spielte Champions League.

Und dann wollten seine Berater pokern. Und dann reagierte Schalke über. Und dann meldete er sich plötzlich selbst zu Wort. Und nun ist seine Zeit auf Schalke viel zu schnell vorbei.

Özil kann in der Bundesliga gefahrlos eingesetzt werden, was für 19 Jährige nicht selbstverständlich ist. Er ist ein Fliegengewicht, zieht in Zweitkämpfen noch häufig den Kürzeren, ist aber schnell und technisch stark genug, dass er sich in der Enge des Mittelfelds zurechtfindet, den für ihn ungünstigen Situationen aus dem Weg gehen kann.
Er ist einer der das, was andere Profis nie lernen werden, schon kann, und der das, was alle Profis können, noch lernen muss.

Offensichtlich wollte Mesut Özil auf Schalke nicht verlängern. Offensichtlich war auch sein Berater an einem Wechsel interessiert. Offensichtlich hat Schalke für einen 19 Jährigen, der vor zwei Jahren ablösefrei verpflichtet wurde und der sich, bei allem Talent, erst noch durchsetzen muss, 5 Mio. Euro Ablöse kassiert. Offensichtlich können also alle zufrieden sein.

Ich finde es trotzdem scheiße.

[Bild: Teil des Mesut Özil-Starschnitts, s. mesut-oezil.com]

Schlimmer geht’s nicht

Ich weiß gar nicht, ob ich vor dem gestrigen Tag bereits einmal ein Elfmeterschießen via Radio verfolgt habe. Ich glaube nicht. Und wenn’s irgendwie geht will ich das auch nicht noch mal haben.

Wie furchtbar. Du weißt wer nun anläuft und Du weißt, dass er das gerade tut. Du hörst aber den Kommentator reden, weißt, dass er nicht bereit sein wird, sofort, unmittelbar entweder „TOR“ oder „VORBEI“ oder „GEHALTEN“ zu rufen. Er faselt, dabei interessiert nicht die Art des Anlaufs, das kann er später berichten, auch wohin der Schuss geht ist zweitrangig. „TOR“ oder „VORBEI“ oder „GEHALTEN“ ist entscheidend, alles was man wissen will. Schnell. Unmittelbar.

Aber schnell genug ist es nie. Immer sind die im Hintergrund zu hörenden Zuschauer schneller, immer interpretiert man das Geräusch, bis der Kommentator endlich das Urteil gesprochen hat. Selbst wenn er sich beeilt. Selbst eine halbe Sekunde lässt Zeit für Interpretationen. Eine Erfahrung auf die sich verzichten lässt.

Dagegen ist ein TV-Elfmeterschießen, bei dem man häufig schon während des Schusses Bescheid weiß, geradezu progressive Muskelrelaxion.

Schalke eben.

81. Spielminute:

„Nun die Schalker: Rafinha auf Asamoah, der auf Kobiashvili. Die Königsblauen spielen nicht auf Tor, aber auf Zeit“

22:15 Uhr.

Der Live-Ticker bei Spox.com: Kokolores!

Ich habe schon länger den Eindruck, dass das immer noch relativ neue Sportportal Spox.com mehr wert auf Optik denn auf Inhalt oder gar Fakten legt. Seit gerade fühle ich mich entgültig bestätigt: Ich habe mir den Live-Ticker des Portals mal näher angeschaut.

Was bringt einem ein hübsch animiertes, kleines Stadion mit zappelnden Zuschauern und einer taktischen Aufstellung, wenn die taktische Aufstellung nicht stimmt?
Wie Live ist ein Live-Ticker, wenn die Meldungen erst ca. 4-5 Minuten nach dem Ereignis erscheinen?
Und vor allem: Was bringt überhaupt das ganze nett anzuschauende Live-Flash-Gedöns, wenn die Zeitangaben allesamt völlig unstimmig sind?

Das Pokalspiel der Schalker in Wolfsburg begann ca. 10 Minuten verspätet. Das juckte den Ticker nicht, die Spielzeituhr startete Punkt 19:30 Uhr und ließ sich nicht beirren.
Als also Edin Dzenko in der 4. Spielminute in Wolfsburg netterweise die erste Chance des VfL vergab, erschien 4 Minuten später die entsprechende Nachricht bei Spox.com. Die Chance wurde allerdings zunächst als Ereignis der 18. Minute ausgegeben! Nach einigen Sekunden wurde die Spielminutenangabe für das Ereignis korrigiert, die Spielzeituhr aber nicht. Somit lagen die neusten Ereignisse und die Spielzeituhr immer rund 14 Minuten auseinander.
Die 45. Minute dauerte dann doch ziemlich lange. Und in der zweiten Halbzeit wurde die Spielzeituhr zur Abwechslung ca. 6 Minuten zu spät gestartet …

Wenn man also nicht gerade parallel Radio hört und sich ausschließlich über einen Ticker informieren will, sollte man vielleicht lieber Abstriche in der Optik in Kauf nehmen.

Mach’s wie damals: Hören statt sehen!

DFB-Pokal. Da könnte ich mich wieder darüber aufregen, dass Übungsspiele im Fernsehen live zur Schau gestellt werden, dass aber von 8 interessanten Pokalspielen nur eins übertragen wird. Aber das hatte ich schon mal.

Muss mal also das Beste draus machen, und zufällig hörte ich heute morgen auf WDR2, dass eben dieser Sender eine Pokal-Sondersendung ausstrahlt.
Nicht über UKW, da gibt es wieder viel Amy Grant und wenig Manni Breuckmann. Aber über die Mittelwellen-Sender Bonn (774 kHz) und Langenberg (720 kHz) sowie im Digitalradio und als Internet-Livestream! Sendebeginn ist heute wie morgen 19 Uhr.

Also werde ich mich morgen wie zu besten Hansch-Zeiten vor ein Gerät setzen und der Dinge lauschen, die im fernen Wolfsburg passieren. Es wird nicht so schön sein wie damals, das ist es nie. Aber vielleicht wird’s trotzdem nett. Kommt auch ein bisschen auf Schalke an.

Zur Sportseite bei WDR2 geht’s hier.
Direkt zum WDR2-Livestream geht’s hier.

[Die Puppe auf den Bild heißt/hieß übrigens Kerstin. Aber nein, ganz so alt bin ich dann doch nicht. Das Bild stammt vom Sohn der jungen Puppenbesitzerin und wurde von ihm, wie weitere schöne Bilder, auf flickr.com eingestellt.]

In der dicken Hose fehlt der Arsch

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Aufdiekackehauer. Meinetwegen sollte sich ein Manager des FC Schalke 04 meinungsfreudig geben und seine Meinung auch mit Nachdruck vertreten.

Manager Müller ist bislang eher durch moderate Töne aufgefallen. Nur im Fall Özil gab er sich plötzlich knochenhart. Eben ausgerechnet in der Kategorie ‚Umgang mit eigenen Spielern’, in der ich mir zwar einen klaren Weg, aber ebenso eine smarte Öffentlichkeitsarbeit wünschen würde. Plötzlich wurde die Bildzeitung zum Sprachrohr des FC Schalke, wurde gepoltert, was das Zeug hielt. Dass Özil nie mehr für Schalke spielen würde, dass er, sofern bis Ende Januar kein Transfer mehr gelänge, bis zum Sommer nurnoch trainieren würde, gab der Manager zu Protokoll.

Albern, wie ich finde. Mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Aber wenn, wenn es denn wirklich die dicke Hose sein soll, ja dann sollte der Manager auch sicherstellen, dass sich nicht am nächsten Sonntag ein anderer leitender Angestellter des Clubs vor eine Kamera setzt und töricht Sätze formuliert, die dem Focus Überschriften wie „Schalke knickt gegen Özil ein“ ermöglichen!

Hanebüchenes Schauspiel.

Inspired by the African Cup of Nations