Malocherclub FC Schalke 04

Nee, wat hamse alle malocht! Die Kuzorras, die Szepans und die Klodts waren unter Tage tätig, haben trotzdem über Tage gespielt und für Schalke gewonnen. Außerdem kreiselten sie. Was zwei Schlussfolgerungen zulässt:

  1. Schalke war zur Zeit des Schalker Kreisels die technisch überlegene Mannschaft. Mit dem Mythos des Malocherclubs eine vermeintliche Tradition der Kämpfer gegenüber den Technikern aufzubauen, ist gegen die Tradition des FC Schalke 04.
  2. Auch die Stars von damals taten, was sie taten, für Kohle, für Penunzen, für Asche; für Geld! Auch Szepan und Kuzorra schufteten für ihr auskommen.

Und nun geht unser Arbeiterverein, unser Malocherclub hin, und sucht tatsächlich Leute, die sich verschenken, die ihre Tätigkeit für Lau erledigt. Schalke 04 sucht Leute, die Dinge umsonst tun, weil es weiß, dass es Leute gibt, die so doof sind. Wenn Herr Müller demnächst wieder vom Arbeiterverein Schalke 04 spricht, sollte er unbedingt gefragt werden, wie er Arbeit definiert.



9 Kommentare zu “Malocherclub FC Schalke 04”

  1. Trainer Baade sagt:

    Es hat schon etwas seltsam Anmutendes, wenn Leute ehrenamtlich ihre Zeit nicht mehr damit verschwenden, Omis über die Straße zu helfen oder neue Bäume zu pflanzen, sondern einem Riesenunternehmen (das zweitgrößte in Gelsenkirchen?) die Kosten für bezahlte Ordner und Hostessen zu ersparen.

    Man sollte die Leute mal auf Gehirnwäsche untersuchen. Kennt man doch, diese Filme, in denen Leute per Zwang aus Sekten herausgeholt und dann wochenlang versteckt und wieder „umgedreht“ werden, oder?

  2. scorer sagt:

    REPLY:
    wenn Du hergehst und nachbarschaftliches Engagement (die Omis) oder das Eintreten für die Bewahrung der Schöpfung (die Bäume) als Zeitverschwendung abtust, begibst Du Dich aber auf ziemlich vermintes und politisch inkorrektes Terrain. Du kachelst in der spiel- und trainingsfreien Zeit vermutlich lieber mit Deinem 3-er BMW die Autobahn runter, nehme ich an, ja?

    Und wem es unverständlich erscheint, daß es eine nicht geringe Anzahl vermutlich vorwiegend jüngerer Menschen als Volunteers versuchen, ein, wenn auch kleiner, Teil „ihres“ Fußballvereins zu werden, der wiederum kein kleiner Teil ihres Lebens ist, dann muß derjenige wohl ein Anhänger von Hoffenheim sein, oder -Gott bewahre- ein Vertreter des Sportevent-Entertainments a la USA.

  3. Dülp sagt:

    Solange er einem Deutschen ein Leibchen gibt, auf dem „Ordner“ steht, und damit das Recht, anderen Leuten zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben, solange muss muss kein Auftraggeber Geld in die Hand nehmen. Da muss man noch nichtmal ein Bundesliga-Fußballverein sein. Eine Dauer-Erektion ist Lohn genug.

  4. Ehrenamtsschimmel | Stadioncheck.de sagt:

    […] Supportersclub und Thorsten Wieland haben mich auf Twitter darauf aufmerksam gemacht, dass es auch bei Schalke ein Volunteers-Programm gibt oder zumindest gegeben hat. Ein entsprechender News-Artikel auf der Schalke-Webseite (wohl relaunchbedingt heute nicht mehr aufrufbar) wurde Anfang 2008 von Thorsten in seinem Königsblog kommentiert. […]

  5. Andreas sagt:

    Warum drischt man hier auf Volunteers ein?? Frauen/Männer Mädchen/Jungs die einfach einen Teil ihrer Freizeit opfern, um ihrem Verein näher zu sein als für viele Fans möglich ist, nahe Berührungen mit ihren Idolen etc. eingeschlossen. Mittendrin statt nur dabei…das Motto passt in diesem Fall einmal mehr.
    Diese Leute als doof zu bezéichnen und zu behaupten, sie würden sich verschenken ist eine Frechheit und zeigt welches Geistes Kind der/die Verfasser sind.
    Volunteers sind auch keine „Ordner“, sie haben mit den Ordnungsaufgaben in den Stadion wenig bis gar nichts zu tun.
    Ordner werden für ihre Aufgaben bezahlt..entweder vom Verein oder von den beauftragten Sicherheitsdiensten… also..erst informieren…dann Meinung bilden….

    Sie bieten gerade den Service für Benachteiligte, Fremde…Hilfsbedürftige etc. an, die man mit Geld nicht bezahlen kann, weil diese Hilfe aus dem Herzen kommt und nicht gekauft ist.

    Polemisch könnte man nun zum Abschluß antworten, um sich auf das Niveau des Artikelverfassers herab zu lassen…..
    Volunteers verschenken sich nicht….sie sind lediglich nicht käuflich!!

  6. Torsten sagt:

    Ich habe nicht gedroschen sondern angeklagt, und sehr viel weniger die Mitmacher als viel mehr den Verein. Warum? Weil ich nicht glaube, dass diese Tätigkeiten nicht von Angestellten erledigt werden könnten. Weil es mich ankotzt, dass sich der Club, der sich in so vielen anderen Bereichen, wenn es ums verdienen geht, längst nicht mehr als Verein, sondern als millionenschweres Wirtschaftsunternehmen gibt, der Leute bedient, die guten Willens sind.

    Dieses System drückt die Preise für diejenigen, die auf Arbeiten angewiesen sind. Schalke 04 handelt nicht deshalb so, weil man nicht zahlen könnte, sondern weil gespart werden soll, um am Ende für andere Dinge mehr übrig zu haben. Das finde ich übel, sehr sogar. Im Falle des „Arbeiter- und Malocherclubs“ ist es erst recht daneben.

  7. David04 sagt:

    1904% Zustimmung!

  8. Matthias sagt:

    Gehe mit Torsten absolut konform. Volunteers können es sich nur leisten, Volunteer zu sein, weil sie ihren Lebensunterhalt auf andere Weise verdienen.

    Es gibt jede Menge Vollzeit-Jobs, die anstatt von einem Hauptberufler auch von zwei Nebenberuflern ausgebübt werden können. Oder von vier Viertelkräften, oder acht Teilzeit-Jobbern, oder 12 Schülern oder eben auch von 20 Volunteers für umme. Und schwupps ist schon wieder ein Mitarbeiter überflüssig geworden. Den Arbeitgeber möchte ich sehen, der sich danach in die Öffentlichkeit stellt, um sich für sein Volunteer-Programm feiern zu lassen.

    Auf der einen Seite ist es gesellschaftlicher Konsens, dass 1-Euro-Jobs Arbeitsplätze zerstören. Auf der anderen Seite ist dann aber der 0-Euro-Volunteer-Job etwas so edles, dass man sich noch nicht einmal Gedanken darüber machen darf, ohne „eines Geistes Kind“ genannt zu werden? Verstehe ich nicht.

    Vor allem aber verstehe ich nicht, dass der FC Schalke die Traute hat, das ganze als „Volunteer-Programm“ zu kennzeichnen. Ursprünglich wurden diese „Volunteers“ mal bei einzigartigen Großveranstaltungen gecastet, bei Olympia, einer Fußball-WM oder meinetwegen auch dem Eurovision Song-Contest. Wer da „Volunteer“ war, konnte das danach in seinen Lebenslauf schreiben. Was schreiben die Volunteers auf Schalke in ihren Lebenslauf? „Ich helfe seit Jahren einem gewinnorientieren Unternehmen dabei, Lohnkosten zu sparen“? Viel Spaß bei der Suche nach einem normal bezahlten Job!

    Jedem sein Hobby. Ich habe gar nichts gegen die Volunteers auf Schalke. Aber ich werde sie ganz bestimmt nicht auf ein Podest heben und für ihren selbstlosen Einsatz für die Gemeinschaft loben.

    Arbeit ist Arbeit und Arbeit muss entlohnt werden. Darauf basiert das gesamte System. Und auch die Volunteers profitieren davon, dass ihr Hauptjob eben nicht von einem Freiwilligenteam gemacht wird, sonst könnten sie sich den Spaß gar nicht leisten.

  9. Bene sagt:

    Große Arbeitgeber trauen sich tatsächlich nicht, das Ganze Volunteer Programm zu nennen, da heißt das lieber „zwei Wochen unbezahltes Praktikum ohne Übernahme für Arbeitslose“ wie zum Beispiel bei Amazon: (http://www.sueddeutsche.de/wir.....-1.1186410)
    Hoffentlich gehen jetzt nicht all die herzensguten Amazon-Packer auf mich bösen Kapitalisten, der der kaltherzigen Meinung beipflichtet, dass ein Arbeitsnehmer von seinem Arbeitgeber bezahlt werden sollte, los, weil sie ja nur wollen das unsere Weihnachtsgeschenke möglichst billig sind und immer rechtzeitig ankommen…

Schreibe einen Kommentar