Wer bloggt demnächst für die DFL und deren Franchises?

Fußballblogs wie die in meiner Blogroll, oder wie eben auch Drei Ecken, ein Elfer, sind heute. Aber wie lange noch heute ist, bzw. wann die DFL möchte, dass endlich morgen wird, ist völlig offen. Sehr weit weg scheint der Moment allerdings nicht mehr zu sein.

Die Story um die Klage des Würtembergischen Fußballverbands gegen hartplatzhelden.de ist mittlerweile berühmt.
Nun zitiert nolookpass in seinem Euro 2008-Blog aus den UEFA-AGB, nach denen jeder Besucher eines EM-Spiels anerkennen muss, dass Beschreibungen des Stadions und des Spiels über jegliche Medien, insbesondere auch dem Internet, untersagt sind. Kurz: Wer eine Karte kauft hat Blogverbot.

Der Beitrag schließt mit der Frage, ob das wohl rechtlich bindend sei. Das kann ich nicht beantworten. Aber klar erkennbar ist die Tendenz, dass die Verbände für jegliche Form der Darstellung eine Exklusivität erreichen wollen, um die entsprechenden Rechte verkaufen zu können.

Und so nennt beispielsweise auch Philip Banse vom dradio das, was wir Sportblogger so treiben, eine „kostenlose Berichterstattung“, mit der es „bald vorbei“ sein könnte. Damit hat er möglicherweise recht, und das war auch schon das Einzige, womit er in seinem siebenminütigen Beitrag mit dem Titel Sport im Web 2.0 wirklich ins Schwarze traf.

Ansonsten stellt er fest bzw. lässt auch Philipp Köster feststellen, dass „eigentlich originär journalistisch wenig gearbeitet wird“, zieht aber keinerlei Schlüsse aus dieser Erkenntnis. Einer, der ihn hätte aufklären können, Kai Pahl, kommt auch zu Wort. Allerdings blieb von dem, was er möglicherweise alles gesagt hat, lediglich übrig, dass Kai die Qualität eines Blogs als „grausam“ zerreißt – nachdem Herr Banse anmoderierte, dass Kai die „große Stärke der Sportblogger in deren Fachwissen“ sehe …

Also beharren Journalisten darauf, dass Bloggen nichts journalistisches an sich hat, und die Herren Sportproduktproduzenten in Frankfurt, Nyon und Zürich beharren auf das Gegenteil, um Geld damit verdienen zu können.
An solch einem Blödsinn nähren sich Blogs.

Der dradio-Beitrag des Philip Banse ist hier nachzuhören (direkt).



21 Kommentare zu “Wer bloggt demnächst für die DFL und deren Franchises?”

  1. Jens sagt:

    REPLY:
    *Aufsteh und Applaudier!*

    und das mein ich ganz ganz ehrlich!

    Das was Du im letzten Absatz schreibst ist mehr als wahr. Wie oft sehe ich in meiner Tagszeitung Schreib- oder Logikfehler im Satzbau….

  2. kurtspaeter sagt:

    Verstehe ich das falsch, oder kritisiert Kai nicht eher die Sportberichterstattung der kostenpflichtigen Presse über American Football als inhaltlich größtenteils falsch?
    Was, wenn es so ist, sicher richtig ist.

    Ansonsten fällt mir ein, das ich drei bis vier EM-Spiele im Stadion sehe und definitiv darüber schreiben möchte.
    Mal sehen, wie ich das anstelle.

  3. O-Jay sagt:

    Ich habe mich jetzt in die AGB noch nicht eingelesen, finde das ganze aber arg bedenklich und kann mir nicht vorstellen, dass das tatsächlich rechtsbindend ist. Bin gespannt auf die weitere Entwicklung.

    Betreffend des Radiobeitrages habe ich Kais Aussage auch so verstanden, als dass die Kritik sich eher an dpa, sid und Konsorten richtet. Deren Berichterstattung über das nordamerikanische Sportgeschehen ist ja auch wirklich größtenteils hanebüchen. Selbst bei der bloßen Nennung von Klubs und Ergebnissen haben die ja Probleme, da werden die Toronto Maple Leafs auch schon mal locker zu NBA-Basketballern.

  4. Nick sagt:

    Es ist schon ein Witz, dass es beim Fußball überhaupt so etwas wie ‚Radiorechte‘ geben soll, obwohl doch nur der Kommentator etwas produziert.
    Wenn zukünftig auch Blogger am Schreiben gehindert werden sollen, ist das in erster Linie eine Einschränkung der freien Meinungsäußerung – kann mir nicht vorstellen, dass die vor Gericht Bestand haben wird.

  5. Herr Wieland sagt:

    Gut, wenn ihr (Knut, O-Jay) beide das so verstanden habt, seid ihr mir gegenüber schonmal in der Mehrzahl. Und natürlich ergibt das auch mehr Sinn. Trotzdem halte ich den Beitrag dann für ungünstig geschnitten, denn der wörtliche Ablauf erfolgt so:

    Sprecher: „Die große Stärke der Sportblogger sieht Kai Pahl aber in deren Fachwissen, gerade wenn es um Randsportarten geht, wie American Football in Deutschland:“
    Kai: „Was dort qualitativ zu lesen war, das war mitunter grausam. Die Leute besuchen ein Spiel, haben eine begrenzte Ahnung von American Football und schreiben drüber; und teilweise strotzen die Dinger dann vor sachlichen Fehlern.“

    Was die Sache angeht: Bei nolookpass steht auch, dass der Passus, nachdem die angegebenen, persönlichen Daten an die UEFA weitergegeben werden können, keine Anwendung finden soll. Auch glaube ich nicht, dass sich irgendjemand die Mühe macht, aufzubröseln, welcher Blogger denn nun eine Karte gekauft hat (zB Knut), oder wer was schreibt, nachdem er das Spiel im Fernsehn geschaut hat (zB ich). Ausserdem berichte ich (beispielsweise) sehr selten von einem Spiel, sondern ich kommentiere die Geschehnisse. Für den Bericht verlinke ich für gewöhnlich nach kicker.de (weil die so schön bieder sind).

    Also: Ich denke nicht, dass es zur Euro wirklich Probleme geben wird. Vielleicht kocht das Thema aber auch noch hoch, und man erfährt ein paar fundierte Einschätzungen zur Rechtslage.
    Aber für bedenklich halte ich eben die grundsätzliche Richtung, in der die ganze Chose geht.

  6. Trainer Baade sagt:

    REPLY:
    Ich hab’s beim Hören auch so verstanden wie Herr Wieland und hab mich gewundert, was dogfood da erzählt. Gemeint ist es aber wohl so, wie es von den Vorkommentierern dargestellt wurde, dann ergibt es auch Sinn.

    Dass Du Dich jetzt hier wenig angesprochen fühlst, weil Du selbst selten live berichtest, finde ich aber ein bisschen kurzsichtig, fast alle, fooligan, Bolzplatz, auch ich, selten zwar, bloggen dann und wann live und allesaussersport besteht doch zu einem Großteil daraus.

    Okay, hätte für Dich keine Konsequenzen, aber das wäre nicht nur ein herber Verlust an Lesestoff, sondern auch an Keine-Ahnung-welche, aber irgendeine Freiheit. Ich fände es skandalös, wenn ich nicht mehr über das schreiben und veröffentlichen dürfte, was ich im Fernsehen sehe oder im Radio höre. Eigentlich könnte ich dann auch aufhören.

    Und dass das nicht zu finden sei, wer jetzt wo was geschrieben hat, halte ich auch für arg blauäugig. Nur weil Uli Hoeneß nicht googlen kann, heißt das nicht, dass Anwälte das nicht können.

  7. Jens sagt:

    Also das man Liveblogging aus dem Stadion heraus verbietet – ok, kann ich ja irgendwo noch nachvollziehen! Aber das man mir das bloggen über das von mir erlebte verbieten will halte ich für absolut blödsinnig. Ich halte es ja auch eher so wie Du – ich kommentiere mehr das, was passiert ist. Meist beginnend mit einer kurzen Beschreibung WAS passiert ist mit abschliessender Verlinkung auf die entsprechenden Quellen :)

    Also, ich werde auch weiterhin bloggen – denn es sind MEINE Gedanken zu einem Thema. Und soweit ich weiss wurde das Denken – auch das „laute“ Denken – bisher in diesem Land nicht verboten.

    Und diese Witzfiguren die sich da laufend was ausdenken sollten sich mal Gedanken darüber machen, WEN sie hier gerade aufs Korn nehmen – die Menschen, die ihnen letztlich die tollen Beitragseinnahmen und Werbeeinnahmen bescheren…

  8. Herr Wieland sagt:

    REPLY:
    Da hast Du mich aber wohl falsch verstanden, Trainer. Es ist nicht so, dass ich denke, dass mich das Thema nicht beträfe – vergleiche dazu bitte den Titel des Beitrags.

    In dem Absatz unter den … wollte ich darstellen, weshalb ich glaube(!), dass eine strafrechtliche Verfolgung des Vergehens, einen solchen Beitrag ins Netz zu stellen, nach derzeitigem Stand(!) keine Chance hat.

    1. Weil die Datenweitergabe lt. DFB keine Anwendung finden soll.
    2. Weil das Verbot (noch) nicht generell ausgerufen wurde, sondern nur die Karteninhaber betrifft.
    3. Weil der nach Punkt 2 angeklagte Karteninhaber anführen könnte, dass der TV-Zuschauer das gleiche schreiben darf.
    4. Weil viele Blogger – und dabei führte ich mich als Beispiel an – gar nicht berichten sondern kommentieren.

    Den letzten Punkt hat Köster im Audiofile m.E. richtig beschrieben. Ich mache das durchaus bewusst, nicht wegen irgendwelcher Rechte, sondern weil ich denke, dass es mich für einen Bericht nicht braucht. Ich glaube aber, dass Banse und Köster nicht verstanden haben, dass viele das so bewusst machen.

    Mir ist völlig klar, dass bei einem generellen Verbot auch dieses Blog hier Schwierigkeiten kriegen könnte. Auch, weil ich, selbst wenn ich mich im Recht fühle, nicht die Mittel hätte, mich ausreichend zu verteidigen, bzw. hier dann flott die Kosten/Nutzen Rechnung negativ ausfallen würde.

  9. Herr Wieland sagt:

    REPLY:
    Zum letzten Absatz:
    Selbstverständlich fühle ich das auch so. Aber mit der emotionalen Schiene kommt man in solchen Fällen sicher nicht so weit, vergleiche dazu das sich verändernde Verhältnis Fan / Verein. Schalke hat eben auch an Samstagen, an denen ich keinen Beitrag online stelle, 61.482 Zuschauer.

  10. Max sagt:

    REPLY:
    Gut gebrüllt Löwe.

    Völlig überraschend sehe ich die Ankündigung gewisse Dinge zu verfolgen ebenfalls sehr sehr kritisch.

    Langsam aber sicher steigt einigenHerrschaften und Unternehmen die viele Kohle bedenklich in den Kopf. Mit gesundem Menschenverstand mal fünf Minuten drüber nachgedacht und man müsste eigentlich zu dem Ergebnis kommen, dass derartige Einschränkungen lächerlich und im Endeffekt (in the long run – um im business englisch zu schreiben) sogar kontroproduktiv zu den Zielen der großen Sportvermarkter verlaufen.

    Man verbietet immer mehr und denkt dabei immer weniger nach. Das jedenfalls ist mein Eindruck. Ich für meinen Teil, werde mein Recht auf freie Meinungsäußerung (auch schriftlich im Internet) nicht beschneiden lassen und berufe mich auf etwas das über dem Gesetz steht: die Verfassung der BRD! Das tue ich als Rechtsleihe, aber immerhin als rechtschaffener Bürger mit all seinen Rechten.

    Wir besetzen durch das Blogging doch keinen Konkurrenzpfad zu professioneller Berichterstattung. Wir können in Sachen Aktualität, Darstellung und Reichweite kaum einem das Wasser reichen, haben nicht die Ressourcen und Kapazitäten etc. um es mit großen Medienkonzernen und Rechteinhabern aufzunehmen, aber wir können einen anderen Einblick , einen persönlichen, in gewisse Dinge geben, die wir erlebt haben und dazu haben wir auch das Recht.

  11. nolookpass sagt:

    REPLY:
    Also. Wir reden hier von Besuchern eines EM-Spiels, die über den Privatgebrauch hinausgehend (wo immer der im Zweifel enden mag) das Spiel oder Stadion beschreiben. Das heißt, jegliches Bloggen vor dem Fernseher ist davon natürlich unbetroffen und selbstverständlich so was von erlaubt, was auch die vom Trainer angesprochenen Sportblogger betrifft. Das EM-Finale kann also beschreibend, berichtend, kommentierend oder fernsehabfotografierend per Blog begleitet werden, das wäre ja noch schöner.

    Zweite Klarstellung: Die Frage, ob das rechtlich bindend ist, bezog sich zwar auf den zweiten im EM-Blog angesprochenen AGB-Passus (Kann der DFB die Daten vor der Uefa schützen?), stellt sich aber hinsichtlich dieser komischen Formulierung „Beschreibungen des STADIONS oder des SPIELS zum Privatgebrauch verboten“ natürlich auch.

    Das Dilemma ist wohl die unscharfe Trennlinie zwischen privat, öffentlich und kommerziell. Blogs wuseln da je nach Ausrichtung mittenmang und sind dann eben je nach Ambition private Internetschreiber, die zufällig von ein paar Freaks gelesen werden und die Uefa-Anwälte eher zum Schmunzeln denn zum Mahnen bringen oder eben Quasi-Journalisten, die über Adsense ein paar Euro verdienen und somit auch nicht gänzlich unkommerzielle EM-Kartenbesitzer sind.

  12. verschwender sagt:

    geht es der UEFA wohl darum, findige Geschäftsmodelle zu unterbinden. UMTS, 5Mpixel Handy und schon läuft der Liveticker auf meinem Blog. Je nach Handy auch der Livestream per Videotelefonie. Den entsprechenden Ankündigungspost ordentlich auf Yigg oder adäquater Alternative gehyped und schon hat man entsprechende Zugriffe auf seiner Webpräsenz, die natürlich mit Werbung zugekleistert ist. Und jetzt erklär mal Deinen Kunden, die für die Übertragungsrechte und Akkreditierungen Millionen hinlegen müssen, wieso Herr Li aus Nan-Ning auf seinen Blog Livebilder vom Finale zeigen kann. Und das alles auch noch für lau (500 Euro für die Karte, sind für die Rechteinhaber ja quasi umsonst;-)). Ich kann die Intention der UEFA schon verstehen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die UEFA Besucher eines Spieles, die am nächsten Tag von ihren Erlebnissen beim Spiel bloggen im Visier haben. Nur können sie das gar nicht so formulieren, da der findige Herr Li aus Nan-Ning dies sofort auszunutzen wüßte. Ob der Passus Herrn Li jedoch von seinem Geschäftsmodell abhält, ist fraglich. Genauso fraglich wie das Szenario der Herausgabe der Daten der Karteninhaber seitens der UEFA an Abmahnanwälte. Obwohl dies sicherlich nur eine Frage des Preises wäre;-)

  13. dogfood sagt:

    Ganz ehrlich: ich weiß nicht mehr was ich da gesagt habe. Das ist nun auch schon länger her (Interview fand am 29.11. statt). Ich kann mich aber nicht erinnern konkrete Blogs angepflaumt zu haben, sondern in der Tat eher darauf abgezielt zu haben, dass Blogs Randthemen besetzen können, die die Journalisten als Generalisten/Pauschalisten nicht abdecken, was dann in der Regel zu qualitativ schlechten Berichten führt, wenn über solche Themen wie Football berichtet wird.

    Das Zitat von Köster ist mir serviert worden. Ich habe darauf zweierlei geantwortet: Blogger müssten nebenbei noch in einem „richtigen“ Job Geld verdienen, was aufwändige Recherche schwer macht und man sollte nicht den Fehler machen und EIN Blog gegen EINE Zeitung oder Sender stellen oder darauf warten das irgendwann das Überblog erscheint, dass dem KICKER Konkurrenz macht. Stattdessen muss man auf die gesamte Blogosphäre blicken, also das was z.B. alle bzw. viele Sportblogs hergeben.

    Eine Stunde nach dem Interview hab ich mich dann angefangen zu ärgern, dass ich just bei dieser Frage nicht noch was anderes reingebracht habe: nämlich den Status von Blogger, der“originär journalistische Arbeit“ extrem erschwert.

    Die Pressestellen bei denen ich bislang mit „ich bin Sportblogger und hätte da ein paar Fragen“ oder „ich bin Sportblogger, bitte setzen Sie mich auf Ihren Verteiler“ gescheitert bin, sind Legion.

    Als Berufstätiger kann ich es mir nicht leisten, zwanzig Anlaufstellen der ARD abzuklappern um dann doch noch mit Pressemitteilungen versorgt zu werden oder bei Borussia Mönchengladbach Telefonterror anzufangen um ein Statement zu bekommen.

    Ich tue mich mit der Frage Blogs vs. Journalismus etwas schwer, weil beide Gruppen nicht an die Wand zu nageln sind. Bei Journalismus reicht die Spannbreite von Hans Leyendecker bis zu den Praktis die die WELT online angeheuert hat, um jeden Abend ASAP zwei bis drei Fernsehkritiken auf WELT Online hochzuladen.

    Wenn man einige Edelfedern ausnimmt, kommt man schnell auf ein Niveau bei dem Blogger mithalten können. Zum Beispiel weil sich Journalisten und Blogger immer stärker aus dem gleichen Rohmaterial von Agenturmeldungen oder Live-Bildern bei Nachrichtensender bedienen.

    Wenn ich meine Medienrezeption der letzten Jahre ansehe, benütze ich vorallem zwei Formen des professionellen Journalismus: Rohmaterial z.B. in Form von Liveübertragungen und kompakt aufbereitete Analysen (z.B. in Wochenzeitschriften). Das ist es mir wert, da zahle ich Abonnements und Gebühren.

    Alles andere ist zu einem kuriosen Mischmasch geworden. Die Sport-Journalisten vom Guardian sind für mich fast die Kumpels von nebenan geworden, mit denen man sich über Fußball unterhält.Sportartikel in Zeitungen lese ich nicht anders als die Einträge von Sportblogger. Ganz selten dass da was dabei ist, was die normale Fallhöhe übersteigt.

    Wenn ich etwas bei meiner Bloggerei vermisse, dann ein Lektor der die zahlreichen Flüchtigkeitsfehler raushaut. Das haben die professionellen Medien voraus. Besser: das *sollten* sie voraus haben. Aber je schneller man die Praktis die Artikel raushauen läßt, desto mehr gleichen sie aufgezwungenen Blogeinträgen. Und an die Nuttigkeit die viele Online-Auftritte mit ihren Bildergalerien, eingekauften Werbelinks oder mühsam umformulierten PR-Artikeln an den Tag legen, kommt kein einziges Blog ran.

  14. Philipp (11 Freunde) sagt:

    REPLY:
    Ich habe lediglich festgestellt, dass in vielen Blogs zentrale Darstellungsformen wie Interviews, recherchierte Geschichten und Vor-Ort Reportagen unterrepräsentiert sind und stattdessen die Kommentare dominieren. Ist doch so. Aber so sind Blogs doch auch gedacht und nicht als Konkurrenz zu den Sportteilen der Tageszeitungen.

    Meine Ausführungen waren deshalb auch nicht als Vorwurf formuliert (warum auch) und schon gar nicht war es ein weiterer Meinunsgebeitrag zur sagenhaft öden Journalisten vs. Blogger-Diskussion. Dass sie als solches gewertet werden, ist schade. Zumal der Hinweis auf die begrenzten Kapazitäten der Blogger von Kai ja ebenso richtig ist wie die mangelnde Anerkennung von Sportblogs durch offizielle Stellen.

    Letzteres wird sich aber sicher noch ändern. Wenn man sich anschaut, welchen Status manche Internetmagazine wie schwatzgelb.de inzwischen besitzen, wird sich auch die Wahrnehmung von Sportblogs verändern, über kurz oder lang.

    Viele Grüße
    Philipp

  15. Herr Wieland sagt:

    REPLY:
    @ Philipp:
    Mir ist gerade nicht ganz klar, ob Du Deine Aussagen von mir oder von Kai als falsch gewertet erachtest.

    „Ist doch so.“

    Ja, denke ich auch, dass das so ist.

    „Aber so sind Blogs doch auch gedacht und nicht als Konkurrenz zu den Sportteilen der Tageszeitungen.“

    Eben. Nur finde ich, dass genau das in den Audio-Beitrag nicht rüber kam.

    Da wird von zwar vielen Blogs, aber ähnlichen Inhalten gesprochen. Klar, alle schreiben über Sport, aber allesaussersport, trainer-baade und Vereinsblogs wie Breitnigge, Bolzplatz oder dieses Blog hier haben weniger gemeinsam als kicker, sportal und sport1.

    Da wird gesagt, dass Blogs „Aktivitäten gegen Gefälligkeitsjournalismus“ seien, aber wenn man auch nur mal zwei Tage durch die Blogs tourt kann man sehen, dass Kritik an Journalisten vergleichsweise selten vorkommt.

    Da wird völlig korrekt von den beschränkten Möglichkeiten gesprochen. Aber es ist nun mal nicht so, dass darüber viel gejammert wird. Wenn Kai oben schreibt, dass er hauptsächlich einen Lektor vermisst, macht das doch durchaus den Eindruck, das er klarkommt.

    Dies alles wird in den ersten fünf Minuten eines Siebenminutenbeitrag aneinandergekettet, abgeschlossen mit einem O-Ton von Kai, der das Gegenteil des in der Anmoderation beschriebenen Sachverhalts beinhaltet (s.o.). Das lässt meiner Meinung nach den Eindruck von vielen ähnlichen Blogs entstehen, die gerne die besseren Sportjournalisten wären, das aber auf Grund ihrer beschränkten Möglichkeiten nicht schaffen.

    Und das ist eben falsch, siehe das zweite Zitat oben.

  16. Trainer Baade sagt:

    „In deutscher Sprache erscheinen mehrere Tausend Blogs und Podcasts. Geschätzte 120 von ihnen widmen sich dem Sport.“

    Noch mal kurz angemerkt halte ich die Zahl von „ca. 120 Sportblogs“ in Deutschland für einen schlechten Scherz. 120 kriege ich mittels dieses Beitrags in einer Minute zusammen, und das ist nur Fußball, dann fehlen mir aber immer noch die x anderen, vor allem eben kleineren Blogs, die alle zusammen die Zahl von 120 um das x-fache übersteigen.

    Wie kommt man auf nur 120 Sportblogs in ganz Deutschland? Doch wohl allein dann, wenn man nur die Drachenfliegen-Blogs zählt.

    Es klingt aber so verdammt „wahr“, wenn man das so formuliert. Und dann stellt sich die Frage nach der Qualität, zumindest aus meiner Warte, wenn es doch so offensichtlich falsch ist, dass es nur „ca. 120 Sportblogs“ in Deutschland gibt.

    Österreich und Schweiz fehlen da übrigens meistens noch, schließlich sprechen die auch mehrheitlich deutsch.

    „Im Netz suchen vor allem Amateure ein Publikum.“ Was soll das nun wieder heißen? Amateure? Wenn man das als „Liebhaber“ interpretiert, kann man damit wohl gut leben, wenn man das als Abgrenzung zu einem Medien-„Profi“ versteht, ist es arrogante Scheiße, die Teil genau jener Diskussion ist, die ich schon bei wirres.net oder Thomas Knüwer nicht mehr lesen kann, weil sie vollkommen einseitig von Köpfen angezettelt ist, die mehrheitlich kaum Ahnung haben, was hier überhaupt passiert und vor allem: warum.

    Abgesehen davon würde ich fast behaupten, dass die Amateure von SPON, WELT, Süddeutsche, taz, FAZ etc. pp. ebenfalls „im Netz“ ihr Publikum suchen. Alles Amateure?

    Außerdem sollte endlich Jürgen Kalwa seinen zumeist reflektierten, aber ähnlich unlektorierten Senf wie dogfood hier beitragen.

    Amateure wie wir.

  17. dogfood sagt:

    REPLY:
    @Philipp: Ich habe dein Zitat auch nicht als Angriff verstanden. Dazu fehlte mir der Kontext und wenn man schon mal öfters in Medien zitiert wurde, weiß man was dabei alles passieren kann.

    Wenn ich mal kurz den „alten Hasen“ geben darf, der nun schon länger beim Bloggen dabei ist und als Herausgeber eines Blog-Buchs vor einigen Jahren sich eine Zeit lang intensiv mit der Blogs vs. Journalimus-Diskussion abkaspern musste:

    Die Fronten haben sich im Laufe der letzten 3-4 Jahre nicht ein Jota verändert. Ich habe das Gefühl dass der „deutsche Journalismus“ (wenn ich pauschalisieren darf) im Gegensatz zu Frankreich oder angelsächsischen Ländern in dieser Frage wie Betonköpfe und Apparatschiks verhalten. Das macht die Diskussionen im Laufe der Jahre schlichtweg ermüdend und langweilig.

    Der Beitrag von Philip Banse ist in der Qualität etwas überraschend, da Banse in Sachen Blogs nicht unbeleckt ist: selber Blogger, Podcaster und Redakteur der „Blogspiel“-Strecke im Deutschlandradio Berlin. Ich würde es unter „Shit happens“ abhaken, statt an ihm die Blogs vs. Journalismus-Diskussion aufzuhängen.

    Es wird Mitte Februar eine zweitägige Konferenz vom Sportnetzwerk geben: „Unter Druck: Qualitätssicherung im Sportjournalismus“. Da werden auch Blogs thematisiert. Oliver Fritsch und aller Wahrscheinlichkeit nach meine Wenigkeit werden ein Referat zum Thema geben.
    (http://sportnetzwerk.eu/?page_id=74)

    Was ich im Vorfeld gehört habe, deckt sich mit dem was ich aus anderen Ecken gehört habe: die Unkenntnis von Journalisten über dieses merkwürdige Online-Ding (nicht nur Blogs), sind erschreckend. Egal ob auf Konferenzen, Kongressen oder Seminaren mit Journalismus-Studenten. Wohlgemerkt nicht nur die faktische Unkenntnis, sondern auch eine nicht existente Neugier diese Form der Kommunikation auszuprobieren. Wenn ich vergleiche was ich als Web-Designer alles machen und an Infos aufnehmen muss (neue Software, neue Technologien, Überlegungen zu strategischen Ausrichtungen), um im meinen Geschäft auf dem Laufenden zu bleiben, kann ich die Borniertheit des „Journalismus“ (obacht, Pauschalsierung) für neue Kommunikationsformen nicht nachvollziehen.

    (Zumal dieser Konservatismus bei Journalisten dann auch dazu führt, das permanent die gleichen Sportarten, Thesen und Interviews gezeigt, geführt und wiedergekäut werden und man dann ganz erstaunt sind, dass es Interesse für Handball und Rugby hierzulande gibt)

    Ich halte den Beißreflex vieler Blogger gegenüber Journalismus für eine Folge für dieser Ignoranz, dieser Scheuklappen.

  18. Jürgen Kalwa sagt:

    REPLY:
    Ich habe hier vor einer Weile einen Kommentar abgegeben, der leider nicht auftaucht. Was blöd ist, weil ich den Text beim besten Willen nicht rekonstruieren kann. Was mache ich falsch?

  19. Jürgen Kalwa sagt:

    REPLY:
    Gut. Die abschließende Frage nehme ich zurück. Es war vorhin wohl noch zu früh am Morgen. Ich versuch’s nochmal.

    Im Kern wollte ich dieser Debatte folgendes hinzufügen: Ich finde den Banse-Beitrag nicht weiter des Aufregens wert und sehe keinen Grund, die Goldwaage auszupacken. Normales Informations-Radio. Die Gedankenlinie kennen wir schon seit den Stamokap-Diskussionen: Macht und Geld essen Seele auf. Die Beweisführung mit Hilfe der Hartplatzhelden macht Sinn. Der Rest ist Dekoration und Illustration.

    Im Prinzip bin ich immer froh, wenn auf solchen Wegen über das Thema (Sport)Blogs ein größeres Publikum angesprochen wird. Wir haben alle (mich eingeschlossen) einen Hang zur Esoterik. Ich bin deshalb auch auf die Veranstaltung des Sportnetzwerks in Dortmund gespannt, wo eine Zielgruppe von Journalisten und Medienwissenschaftlern angesprochen wird.
    Deren Nachholbedarf finde ich übrigens viel relevanter für die Fortentwicklung als die hausrechtlichen juristischen Klimmzüge der UEFA über die AGB (wir haben ja – noch – ein Grundgesetz).

    In den etablierten Medien jedoch sitzen die Leute, denen man so vieles an dem gegenwärtigen Zustand ankreiden muss: mangelnder Sachverstand, Cheerleader-Attitüde, fehlende Neugier und Distanz, zu wenig Kritikbereitschaft und zu wenig Neigung zum Aufdecken von Missständen, Denken in Formaten und Schablonen und so weiter und so fort.

    Wenn sich daran nichts ändert, werden Sportblogger ganz automatisch immer mehr Zuspruch erhalten. You can fool some of the people some of the time. But you cannot fool all of the people all of the time.

  20. Peter Schmitt sagt:

    …nicht mehr ganz so laut.

    Abartig! Als ob ein Blog mit einem journalistischen Beitrag gleichzusetzen wäre, der zeitnah so einem Spiel geschrieben würde, dass er hier in einem Wettbewerb mit den übrigen Medien stünde.

    Genau das ist es nämlich nicht!

    Und genau hier muss ein Jurist ansetzen!

    Solche Entwicklungen sind natürlich bedenklich. Aber wir müssen uns nicht alles gefallen lassen. Das tut die Journaille auch nicht: Zahlreiche Nachrichtenagenturen boykottieren heute schon Veranstaltungen, auf denen man ihnen genau vorschreiben will, ob sie Fotos machen dürfen, wann sie diese machen darf und welche überhaupt. Alles funktioniert nicht.

  21. dogfood sagt:

    REPLY:
    Re: „Zahlreiche Nachrichtenagenturen boykottieren heute schon Veranstaltungen“

    Tun sie leider nicht. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen bei denen sich die Agenturen und Zeitungsverlage Beschränkungen gefallen lassen: Fußball-WM, Rugby-WM oder aktuell dei Dachorganisation des US-Collegesports. Das höchste der Gefühle ist ein Boykottaufruff im Vorfeld durch Journalisten, bei dem sich dann FIFA und IRB generös zeigen und *einige* (aber nicht alle) Einschränkungen fallen lassen. Dann dürfen halt 2-3 Photos mehr pro Halbzeit „zeitnah“ auf der Zeitungswebsite publiziert werden.

    Den Boykott leistet man sich vornehmlich bei Musikkonzerten, aber nicht beim Sport.

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