Artikel im Februar 2008

FC Schalke 08/15?

Man weiß es nicht. Präsident Schnusenberg hat es nicht formuliert. Manager Müller hat dem widersprochen. Von Geschäftsführer Peters war nichts zu lesen. Die Geschichte von den zwei Endspielen stand nur in den Zeitungen. Aber es riecht tatsächlich danach, dass die nächsten beiden Spiele die weitere Vorgehensweise des Clubs bestimmen. Es wäre schrecklich!

Gäbe es tatsächlich dieses Ultimatum, für die Vereinsführung wäre es ein Unfähigkeitsbeweis. Jeder klar denkende Fan wird Mikro Slomka nicht den zur Niederlage führenden Gegentreffer in Leverkusen vorwerfen, sondern die Art und Weise, wie Schalke (keinen) Fußball gespielt hat. Vom Vorstand muss ich noch mehr erwarten dürfen, den Blick nach vorne, das Perspektivische. Es heißt Vereinsführung, nicht Vereinsreaktion.

Ein Vorstand sollte mit einer Stimme reden. Einer dagegen, einer dafür und einer sachtnix – das ist per se ein schwaches Bild. Weiter muss der Vorstand wissen, ob er die Arbeit des Trainers schätzt oder nicht. Also hat er ihn zu verteidigen oder rauszuschmeißen. Natürlich darf sich die Meinung des Vorstands ändern, aber wenn er sich zusammensetzt um über den Trainer zu beraten, wie angeblich letzten Sonntag geschehen, hat er eine klare Entscheidung zu treffen. Diese Entscheidung den Unwägbarkeiten von ein oder zwei Fußballspielen zu überlassen wäre ein Stehlen aus der Verantwortung.

Josef Schnusenberg gibt sich längst nicht mehr als Diener des Vereins, sondern macht auf Big Boss. Ein Ultimatum an den Trainer wäre ein weiteres Indiz einer unsouveränen Vereinsführung. Bald darf auf der Jahreshauptversammlung bestimmt auch wieder gesoffen werden.

Nix zu hören?! Heute vor 35 Jahren

… röhrte die Werbung in den Fußball.

Am 28.02.1973 genehmigte der DFB Reklame auf Fußballtrikots und verließ den Pfad der Tugend. In der WDR-Sendung Zeitzeichen erinnern Ronald Feisel und Ralf Gödde an diesen Tag. Und sie stellen den Weg dar, von dem Tag, an dem ein Schiedsrichter mit einem Maßband die Brust der Spieler abgemessen hat weil die Werbung nur 14 cm groß sein durfte, bis heute, wo auf den Anzeigetafeln keine Information mehr ohne Reklame präsentiert wird, wo neben dem Rasen, auf Trommeln und Fahnen, Bechern, Banden, Fassaden und überall sonst Werbung zu finden ist.

Es macht keinen Spaß, die Ausführungen weiterzudenken. Es ist bedrückend, wenn einem bewusst wird, wie relativ erfolgreich man den Verkauf des Fußballs ausblendet, wie schlimm es tatsächlich ist.

Aber hörenswert ist dieses Stück Ton trotzdem.

Direkt / Feed

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„Vielleicht brauchen wir auf Schalke mal einen Coach, der großes internationales Standing hat.“

Ja, vielleicht wäre das gut.

Ganz sicher gut für Schalke 04 wäre ein souveräner Präsident.

Einer, der damit umgehen kann, plötzlich als erster Mann eines von den Medien sehr beachteten Fußball-Clubs dazustehen. Einer, der versteht, dass die Journalisten zu sportlichen Themen nichts Kluges von ihm erwarten, dass sie nur auf was Druckbares hoffen. Einer, der sich bei Themen, bei denen er nicht auf dem aktuellen Stand ist, zurückhält, der nicht um des Sprechens willen spricht. Einer, der sich von dem augenscheinlichem Interesse an ihm nicht gebauchpinselt fühlt, der sich selbst nicht wichtig nimmt. Einer, der versteht, dass es um den Club geht.

Einer, der es nicht nötig hat, über die Öffentlichkeit Druck auf die eigenen Mitarbeiter auszuüben, weil er gut kommunizieren kann, den Mitarbeitern seine Erwartungen und Ziele längst deutlich gemacht hat. Einer, der Personalgespräche nicht per Zeitung sondern per Telefon ankündigt.

Einer, der klug genug ist, seinen Trainer nicht zu demontieren, wenn er ihn noch im Amt lassen will.
Einer, der seine Sätze nicht mit Vielleicht beginnt.

Training ohne Räucherstäbchen

Dass Manuel Neuer einen Mentaltrainer beschäftigen soll, bestreitet dieser. Er flachst dann herum, dass dafür nur Toni Tapalovic in Frage käme, und dieser schließlich nicht studiert hätte. Dabei könnte Manuel Neuer sicher von einem Mentaltrainer profitieren. Die meisten, vielleicht alle Bundesligaprofis könnten dies. Aber das Thema ist den Profis peinlich, der Umgang damit fällt schwer, solange solch ein Training in der Öffentlichkeit als Eingeständnis von Schwäche angesehen wird.

In Berufen mit großer Verantwortung oder für Menschen in Führungspositionen sind regelmäßige Trainings zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit oder zur Stressbewältigung völlig normal. Buchläden sind voll von Sachbüchern, in denen vermittelt wird wie man sein Gedächtnis trainiert, wie man schlagfertiger wird, wie man sich in bestimmten Gesprächssituationen am besten verhält. Diese Bücher werden von Leuten gekauft die sich auf einem bestimmten Gebiet verbessern wollen, sie bilden sich fort. Und wohl nur sehr einfältige Zeitgenossen würden ihr tun als Schwäche werten.

Im Fußball ist das völlig anders. Wenn ein Profi mal die Vorzüge solcher Trainings für den Kopf darstellt, merkt sich das niemand. Im Gedächtnis bleibt, dass Christoph Daum mit seinen Spielern über Scherben liefen, oder das Psycho-Coach Peter Boltersdorf Schalker Spieler in Shirts mit der Aufschrift ‚Totale Dominanz’ steckte und sie nach ihren sexuellen Vorlieben befragte. Den zweifarbig Denkenden ist klar, alles wo Mental drin vorkommt ist schwarz. Und da es im deutschen Profifußball üblich ist, Themen, die im Fall des Misserfolgs auf einen zurückfallen könnten, zu vermeiden, wird dieses Thema so gut es geht totgeschwiegen.

Aber das Training der kognitiven Fähigkeiten gehört mittlerweile zum modernen Sport, und wer über moderne Methoden im Fußball spricht, kommt an diesem Thema nicht vorbei. Was dazu führt, dass prominente Sportler zwar positiv über Mentaltraining sprechen, aber meistens großen Wert darauf legen, dass sie selbst es eigentlich nicht bräuchten.

Thorsten Frings zum Beispiel referierte auf Einladung einer Supermarktkette vor Auszubildenden zum Thema ‚Motivation und mentale Stärke’. In einer ZDF Sportreportage dazu erklärte er, wie gut es gewesen wäre, dass mit Hans-Dieter Hermann ein Sportpsychologe zum Betreuerteam der Nationalmannschaft gehört hätte – nicht ohne vor der Kamera anzumerken, dass Hermann wenig zu tun gehabt hätte, sie seien schließlich erfolgreich gewesen.

Selbst der Revolutionär Jürgen Klinsmann tat sich auf eine konkrete Frage schwer. In der Planungsphase vor der WM, vor Hermanns Verpflichtung, gab er 3Sat ein Interview, in dem er ausführlich über die Vorzüge des mentalen Trainings sprach. Dass es heutzutage normal sei, dass es in Amerika schon lange so sei, schließlich wohne er ja seit 6 Jahren usw. usf. … Bezogen auf die Nationalmannschaft sprach er sehr bewusst ausschließlich im Konjunktiv, und auf die konkrete Frage, ob er denn schon einen Namen im Kopf hätte, konnte er Verlegenheit nicht unterdrücken. Wie ein Lausbub, den man bei einer Peinlichkeit erwischt hat, gab er ein knappes, halbverschlucktes Nein zur Antwort, mit hochroten Wangen und dem Lächeln, das ihm sonst in allen Lebenslagen hilft.

Direkter ging Josip Simunic mit dem Thema um. Als er von einer Zeitung in die Schublade des psychisch Kranken gesteckt werden sollte, ließ er über seinen Verein Hertha BSC eine offizielle Mitteilung verbreiten:

„Nach zuletzt vier Platzverweisen in sieben Monaten war mir klar, dass es so nicht weitergehen kann. Darum habe ich beschlossen, mit einem Mentaltrainer zusammenzuarbeiten. Da aber Teile der Medien sich schwer tun, mit diesem Thema sachlich umzugehen, mache ich zu Details keine weiteren Ausführungen.“

Meist sind es aber die Trainer und Funktionäre, die sich mühen das Thema auf eine sachliche Ebene zu bringen. Simunic’ Chef Dieter Hoeneß zum Beispiel, oder der Meister der sachlichen Statements, Thomas Schaaf. In der oben erwähnten ZDF Sportreportage machte er klar, dass die Experten nicht erst bei Problemen in Anspruch genommen werden, sondern bereits zuvor, um erst gar keine größeren Probleme aufkommen zu lassen. Dass es darum geht, sich selbst zu stärken.

Auch wenn jeder Profi seine kognitiven Fähigkeiten trainiert, wird es noch Verlierer geben. Schließlich gibt es auch in jedem Zweikampf einen Verlierer, obwohl jeder Profi Zweikampfverhalten trainiert. Das Niveau zu heben ist das Ziel.
Das sollte doch eigentlich jeder verstehen können.

Links:
Die erwähnte ZDF Sportreportage ist hier zu sehen.
Das 3Sat-Interview mit Jürgen Klinsmann ist hier zu sehen.
In ‚ZEIT Wissen’ gab es vor einiger Zeit einen Beitrag zum Thema Sportpsychologie.

[Das Simunic-Zitat stammt aus der Berliner Morgenpost vom 15.11.07]

Ausgemachte Sache

Die Schalker Kreise hielten bislang wohl dicht, denn von der ausgemachten Sache, von der Andreas Berten heute berichtete, habe ich bislang nirgends auch nur ansatzweise etwas gelesen:

„Bei den Schalker Verantwortlichen hatte sich so viel Gesprächsbedarf aufgestaut, dass noch für den Sonntagabend eine Krisensitzung anberaumt wurde. „Der Aufsichtsrat”, verriet ein Insider, der nicht genannt werden wollte, „ist in heller Aufruhr”. Dass Slomka in der nächsten Saison nicht mehr Schalke-Coach ist, gilt im Schalker Umfeld als ausgemachte Sache. Spätestens bei einem Aus in der Champions League am 4. März in Porto wäre Slomka nicht mehr zu halten. Es ist aber nicht auszuschließen, dass er nicht mal mehr am Samstag gegen München auf der Bank sitzt.“

Ausgezählt

Eine Befragung von 9.600 fußballinteressierte Menschen aus 16 europäischen Ländern hat ergeben, dass Real Madrid in Deutschland mehr Fans als Schalke 04 und Borussia Dortmund zusammen hat.

Eine an rund 1,3 Milliarden Internetnutzer gerichtete Befragung hat ergeben, dass ich mit meiner kleinen Derbybahn-Geschichte den viertbesten deutschsprachigen Sportblog-Beitrag des Jahres 2007 geschrieben habe.

Ein fröhliches Dankeschön für das Lob der Wähler, ein herzliches Willkommen den neuen Lesern, und den 6,1 Millionen Real-Fans im Land mein Bedauern, dass ihr Club noch nie gegen Schalke spielen durfte. Die Königlichen gegen die Königsblauen wäre ja quasi überall in Deutschland ein Derby.

Die „Schalker Realität“

Der FC Schalke 04 hat in der Winterpause drei Hoffnungsträger verpflichtet und Platz 3 als Saisonziel bekräftigt. Um das zu erreichen wolle man 68 Punkte holen, sagte Trainer Mirko Slomka in einem Interview.

Am Ende der Saison sollen also 2 Punkte pro Spiel eingefahren worden sein.
In der Sidebar dieses Blogs wird fortan die Schalker Realität dargestellt, also der tatsächliche Punktedurchschnitt der aktuellen Saison.

Der +/- Wert unterhalb des Durchschnitts gibt den Unterschied zum aktuell für Platz 3 ausreichenden Durchschnitt an. Der 2-Punkte-Schnitt wäre schließlich egal, stünde Schalke am Ende der Saison mit weniger als 68 Punkten auf Platz 3. Aber das sind Luftschlösser:
Das Ziel ist ein 2,00 Schnitt, die Schalker Realität ist rechts abzulesen.

Glück auf.