Artikel im Juni 2008

Eine erste Reaktion

Und während Ribéry und Toni in der Champions League antreten …

… werden drei Helden beweisen, dass sich nicht nur mit Fußballspielen Millionen verdienen lassen.

Matías Aguirregaray: Schalkes nächster Spieler aus Uruguay?

Ich weiß nicht, wie viele Scouts in Südamerika für Schalke 04 tätig sind. Einer wird jedenfalls in Montevideo ansässig sein. Der Mann ist produktiv. Und wenn die Verhandlungen mit knauserigen Niederländern nerven, besinnt man sich eben auf alte Geschäftsfreunde …

Jedenfalls gibt es Meldungen, nach denen Schalke 04 an einer Verpflichtung von Matías Aguirregaray interessiert ist: 19 Jahre jung, rechter Verteidiger, in Brasilien geboren und derzeit in Diensten des Club Atlético Peñarol in Montevideo. Dabei handelt es sich um den Club, für den Dario Rodriguez spielt, seit er von Schalke 04 aus familiären Gründen aus seinem Vertrag entlassen wurde. Als Ablösesumme ist ein Betrag von 2,3 Mio Euro im Gespräch.

Diese Story lässt natürlich erfrischend viel Raum für Spekulationen. Er ist erst 19. Möglicherweise eine Investition in die Zukunft. Andererseits war der aktuelle, ebenfalls brasilianische Rechtsverteidiger des FC Schalke bei seiner Ankunft in Gelsenkirchen auch erst 19, übernahm umgehend seine Position und spielte in 92 der 100 Bundesligapartien, die seit seiner Ankunft stattfanden. Nun hat er angeblich Stress mit Schalke, weil er nicht zu Olympia darf, und ebenso angeblich möchten ihn finanziell potente Clubs verpflichten.

Möglicherweise ist auch gar nichts dran. Aber schön, dass man mal von dem Godot des Jahres 2008 abgelenkt wird.

[Mit freundlichem Dank an GeSc04]

Die UEFA und die Zensur: Allmachts-Phantasien alter Männer

Das TV-Bild fällt aus, Lahm spielt 89 Minuten schwach und schießt in der 90. Minute dennoch das entscheidende Tor. Während sich Deutschland ins Finale rumpelt wirft die Fußballwelt unverhofft einen Blick auf die Schattenseite der Euro 2008. Als in Wien das „offizielle“ TV-Bild der UEFA (dank Petrus) ausfällt, erhält der deutsche Zuschauer (mit Hilfe von ganz oben, sozusagen) einen Blick auf das wirkliche Geschehen in Basel. Das ZDF schleift das (nicht-zensierte) Bild des Schweizer Fernsehen durch und es dauert nur wenige Minuten, da ist der erste Flitzer der Euro 2008 in deutschen Wohnzimmern. Der erste Flitzer der Euro?

Ganz sicher ist der Flitzer nicht der erste aufmerksamkeit-suchende „Fan“. Aber die wenigen Minuten dieser Notübertragung stellen die unterdrückte Kritik an der Zensur der UEFA ins Rampenlicht. Scheinbar nur in der Schweiz wird ernsthaft schon vor Beginn der Meisterschaft über die Aushebelung der Pressefreiheit diskutiert (siehe nachfolgende Links). Bilder von Ultras, von Rauchbomben, von Ausschreitungen werden systematisch unterdrückt, Kritik wird nicht geduldet. So sind es kleine Regionalzeitungen und YouTube die öffentlich machen, was keiner sehen darf: Wo Licht ist, ist auch Schatten.

All das ist nicht neu. Auch 2006 wurde viel gemutmaßt, was Hinter den Kulissen abging. So erzählte uns ein Bundeswehrsoldat, den wir zufällig in der U-Bahn trafen, von seinem Einsatz beim Endspiel. Auf die Nachfrage, wie es sein kann, dass er als Bundeswehrsoldat beim Endspiel eingesetzt wurde, antwortete er: es wäre besser, die Öffentlichkeit würde nicht wissen, was dort im Hintergrund gelaufen ist.
Ein Spinner? Interessanterweise gibt ausgerechnet das Sommermärchen einen Ausblick auf die Wahrheit, dort ist er (und seine Kameraden) nämlich zu sehen, dem deutschen Mannschaftsbus zuwinkend. Ein Freizeitausflug einer Bundeswehrbrigade in Uniform?

Ein Blick ins Internet lohnt, um sich die gestohlenen Informationen zurückzuholen, zum Beispiel hier:

[Ein Gastbeitrag der Familie Butz]

O – GS – SCH – SG – Ü

Ordentlich, grottenschlecht, schwach, sehr gut, übel.

Es kommt eben nicht darauf an, immer gut zu spielen. Sondern darauf, in den richtigen Spielen nicht das Quäntchen zu schlecht zu sein.

Bisschen peinlich, aber wahr.

Piep, Piep, Piep

Weil das Thema gerade so aktuell ist und weil mir gerade diese Fahne begegnete: Ich halte zu denen mit den schwarzen Hosen.

Von Deutschland-Spielern, Türkei-Spielern und sonstigen Weltbürgern

Der Deutschland-Spieler Philipp Lahm spielt zweifellos ein starkes Turnier, ist auf seiner Position sicher einer der besten Spieler bei dieser EM. Mit seinem Auftreten auch außerhalb des Fußballfeldes hat er den Türkei-Spieler Hamit Altintop derart beeindruckt, dass dieser ihn ‚Manager’ nennt, weil Lahm so breit talentiert sei, so Altintop bei Spiegel Online, er sich sicher ist, dass Lahm mal auf dem Sessel von Uli Hoeneß oder Oliver Bierhoff sitzen wird.

Interessanter als solches Geplauder ist die Formulierung, mit der Autorin Cathrin Gilbert das Türkisch-Sein des Hamit Altintops umschifft: ‚Türkei-Spieler’.

In Zeiten der Globalisierung, in denen Stürmer ihre Tore aus Respekt vor ihrer in aller Herren Länder verteilten Verwandtschaft nicht mehr bejubeln, rettet uns Frau Gilbert aus einem Political Correctness-Dilemma. Herr Neuville beispielsweise ist im Zweifelsfall weniger deutsch als der Budentürke, und würde möglicherweise auch nach 12 Jahren Bundesliga den Deutsch-Test im Einbürgerungsverfahren nicht bestehen. Ein Deutschland-Spieler ist der WM Held aber auf jeden Fall, und wenn Joachim Löw so lange Bundestrainer bleibt, wird er das auch noch bei der WM in Afrika sein.

Ob nun Nasri Franzose, Boulahrouz Niederländer oder Guerreiro Pole ist: Was soll’s? In jedem Fall ist Ramazan Özcan Österreich-Spieler und Deco spielt für Portugal, möge er neben seinem portugiesischem und brasilianischem Pass auch noch zwölf andere haben.

Insofern hat es Frau Gilbert auf den Punkt gebracht. Auch wenn es den Anschein hat, dass sie Hamit Altintop einfach nur nicht als Türken sehen möchte. Ob er im Herzen Deutscher sei, fragt sie ihn. „Nein“, sagt Altintop, „vielleicht beides“. Manchmal passt sich die Realität freundlicherweise auch einem Text an.