Von Deutschland-Spielern, Türkei-Spielern und sonstigen Weltbürgern

Der Deutschland-Spieler Philipp Lahm spielt zweifellos ein starkes Turnier, ist auf seiner Position sicher einer der besten Spieler bei dieser EM. Mit seinem Auftreten auch außerhalb des Fußballfeldes hat er den Türkei-Spieler Hamit Altintop derart beeindruckt, dass dieser ihn ‚Manager’ nennt, weil Lahm so breit talentiert sei, so Altintop bei Spiegel Online, er sich sicher ist, dass Lahm mal auf dem Sessel von Uli Hoeneß oder Oliver Bierhoff sitzen wird.

Interessanter als solches Geplauder ist die Formulierung, mit der Autorin Cathrin Gilbert das Türkisch-Sein des Hamit Altintops umschifft: ‚Türkei-Spieler’.

In Zeiten der Globalisierung, in denen Stürmer ihre Tore aus Respekt vor ihrer in aller Herren Länder verteilten Verwandtschaft nicht mehr bejubeln, rettet uns Frau Gilbert aus einem Political Correctness-Dilemma. Herr Neuville beispielsweise ist im Zweifelsfall weniger deutsch als der Budentürke, und würde möglicherweise auch nach 12 Jahren Bundesliga den Deutsch-Test im Einbürgerungsverfahren nicht bestehen. Ein Deutschland-Spieler ist der WM Held aber auf jeden Fall, und wenn Joachim Löw so lange Bundestrainer bleibt, wird er das auch noch bei der WM in Afrika sein.

Ob nun Nasri Franzose, Boulahrouz Niederländer oder Guerreiro Pole ist: Was soll’s? In jedem Fall ist Ramazan Özcan Österreich-Spieler und Deco spielt für Portugal, möge er neben seinem portugiesischem und brasilianischem Pass auch noch zwölf andere haben.

Insofern hat es Frau Gilbert auf den Punkt gebracht. Auch wenn es den Anschein hat, dass sie Hamit Altintop einfach nur nicht als Türken sehen möchte. Ob er im Herzen Deutscher sei, fragt sie ihn. „Nein“, sagt Altintop, „vielleicht beides“. Manchmal passt sich die Realität freundlicherweise auch einem Text an.



3 Kommentare zu “Von Deutschland-Spielern, Türkei-Spielern und sonstigen Weltbürgern”

  1. Tim sagt:

    Cathrin Gilbert ist ein Produkt der „BLÖD“. Sie weiss nicht worüber sie schreibt!

  2. La-Mannschaft.de sagt:

    Also für Altintop gibt es doch den wunderschönen Turkzismus „Deutschländer“. Der sollte viel öfter verwandt werden, weil er beides ist, Deutsch und Türkisch.

  3. Herr Wieland sagt:

    REPLY:
    Erinnert mich zu sehr an wienerisch knackige Fleischstangen.

    Noch von wegen Altintop: Er sagt, dass er sich in Gelsenkirchen, ob des entsprechenden Umfelds, eher türkisch, in München eher deutsch fühlt. Deutsch spielt er zweifellos besser.

Schreibe einen Kommentar