Artikel im August 2008

Kevin Kuranyi kann köpfen

Aber seine Füße sind keine Freunde des Balles. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Gegen Bochum erinnerte diese Tatsache immer wieder an das schlechte Schalke. Was das Vorhaben, einen guten Eindruck zu hinterlassen, erschwerte.

Das Madridspiel lastete auf Schalke. Nicht nur auf den Schultern der Spieler, allen im Stadion merkte man die Enttäuschung, den Frust an. Bei der Mannschaftsvorstellung wurden die Namen der Spieler von bedeutend weniger Fans gerufen als das sonst der Fall ist. Als Rafinha und Kevin Kuranyi vorgestellt wurden hallten Pfiffe durch die Arena.

Inwieweit es auch an der Stimmung lag oder ob es nur die Folge der „Schmach von Madrid“ war – in vielen Szenen der ersten Hälfte merke man den Spielern eine deutliche Verunsicherung an. Schalke spielte umständlich, brauchte meistens viel zu lange um den Ball aus der Abwehr nach vorne zu bringen. Kurze, auf Sicherheit bedachte Pässe machten das Spiel langsam. Das Gegenteil von umständlichem und langsamen Spiel brachte dann die Führung: Ein öffnender Pass von Bordon auf Rafinha, eine gefühlvolle Hereingabe in den Strafraum, ein Kopfball von Westermann. Tempo und Kopfbälle sind nach wie vor am schwersten zu verteidigen.

In der letzten halbe Stunde konnte sich Schalke spielerisch steigern. Dies hatte zum einen damit zu tun, dass Rutten nun vermehrt auf Flanken setzte, zum anderen mit der Einwechslung von Vicente Sánchez. Dieser lieferte dem Trainer einige Argumente, ihn demnächst Ivan Rakitic als linken Flügelstürmer vorzuziehen. War das, was Sánchez bislang in Blau ablieferte, meist brotlose Kunst, war er gestern äußerst effektiv. Er rannte sich nicht fest, er flanke schneller, spielte häufiger flach in die Mitte auf die nachrückenden Stürmer, oder wurde von den Verteidigern nur auf Kosten einer Ecken gebremst.

Und für das Spiel, in dem Flanken von der Grundlinie in den Strafraum geschlagen werden, hat Schalke 04 einen sehr guten Stürmer. Womit ich bei Kevin Kuranyi wäre.

Gestern hatte er in dieser letzten halben Stunde noch drei Kopfbälle, zwei davon gingen an den Pfosten bzw. an die Latte. Da machte er nicht viel falsch, da war auch Pech dabei, das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass Kevin Kuranyi nur in solchen Strafraumsituationen ein wirklich guter Stürmer ist.

Bei gradlinigem, bei eben diesem „vertikalen Spiel“, welches so zu nennen gerade modern ist, ist Kevin Kuranyi der falsche Mann in der vordersten Mitte. Dort braucht eine Mannschaft jemanden, der in vollem Lauf den Ball mitnimmt, sich gegen den letzten Verteidiger durchsetzt und dann möglichst platziert, zumindest aber überhaupt aufs Tor schießt. In geschätzten 95% der Versuche stoppt solch ein Vorgang bei Kevin Kuranyi beim der Ballmitnahme.

Nun mag jemand einwenden, dass Schalke dann eben über die Flügel spielen muss. Das versucht und kann es auch. Die Stärke in Standardsituationen, welche in der Regel nichts anderes als Flankenspiel mit ruhendem Ball sind, spricht Bände. Und Schalke ist, bei allen Rückschlägen, mit seiner Spielweise ein recht erfolgreicher Verein.
Aber diese Schwäche des Mittelstürmers limitiert die Schalker Taktik ungemein. Es gibt zahlreiche Mannschaften, die Flankenspiel wesentlich besser verteidigen können als der VfL Bochum. Gegen die muss es auch mal schnell durch die Mitte gehen können. Um es frei nach Beckenbauer zu sagen: In der Mitte steht schließlich das Tor.

Ich mag es nicht, wenn sich Zuschauer auf einen eigenen Spieler einschießen, auch wenn ich der Meinung bin, dass Pfiffe von Fans bei Schlechtleistungen nichts verwerfliches sind. Mir geht es bei der Kritik an Kuranyi um etwas Grundsätzliches, nicht darum ins gleiche Horn zu tuten. Sie wird an Gültigkeit nicht verlieren, wenn Kevin Kuranyi wieder ein paar seiner Kopfbälle versenkt hat und wieder der umjubelte Star ist. Sie verliert erst dann an Gültigkeit, wenn er sein Fußballspiel verbessert hat. Sich verbessern soll ja jetzt gehen. Ich hörte, Jürgen Klinsmann hätte für den Profifußball solch eine Neuerung eingeführt.

[Foto: Ralf Heid]

V. F. L. B. O. C. H. U. M.

Vier Dinger schenkte der VfL dem Maier Sepp ein, bevor er gegen die Bayern noch mit 5:6 verlor. Ich nehme an, der Foulelfmeter war unberechtigt.

Frank Goosen ist Bochumer und behauptet, dass das mit VfL-Fan gleichzusetzen ist. Ist trotzdem ein Sympath und schrieb ein gutes Buch über die 80er, für das ich – natürlich, irgendwie – empfänglich war. Sosehr, dass mir sogar die Verfilmung gefiel.

Leifeld Uwe Lotto. Für Schalke hat der Inhaber auch gespielt, erfolgreich war er aber beim VfL Bochum. Heute ist er unglücklich.

BOGESTRA Linie 302 kutschiert alle 2 Wochen reichlich Bochumer auf Schalke, die auf Frank Goosens Theorie pfeifen. Einmal pro Jahr tut sie das auch mit VfL Fans. Beamtig anmutend, eigentlich aber unberechenbar.

Ottokar heißt der Mann, der 27(!) Jahre lang Präsident des VfL war, Wüst mit Nachnamen. Zum Ende seiner Amtszeit stieg der Verein erstmals ab. Siehe auch U.

Castroper Straße. Die Adresse des Vereins und vor allem des Stadions, das Einzige, worum ich die Fans des VfL Bochum jahrelang beneidet habe.

Herbert Grönemeyer. widmete dem VfL eine Strophe und leitet den Song meist mit dem Steigerlied ein. Ist der Vorzeige-Ruhri, wenn die Medien einen brauchen. Lebt wahlweise in London oder Berlin.

Unabsteigbar war der VfL nur bis 1993, das Kunstwort war aber ein Kracher! Das Gegenteil von einem Kracher ist hingegen der Spruch, der nun die feinen, weißen Streifen auf dem blauen Trikot des VfL bildet: „Wir sind unbeugsam“. Klingt wie gewollt und nicht gekonnt.

MM. Marcel Maltritz, Marcin Mieciel und Mergim Mavraj können sich gegenseitig beim Signieren von Autogrammkarten unterstützen. Mehr als die Initialen lässt sich eh nie erkennen.



[Weitere Assoziationen sind herzlich willkommen. Muss ja nicht so ausführlich sein, ein Stichwort pro Buchstabe reicht völlig.]

Der Überflieger: Atlético Madrid – Schalke 04

Eine derart derbe Klatsche sollte doch genug Stoff für schöne Texte bieten. Tatsächlich sind in den meisten Portalen aber nur recht langweilige Spielablaufbeschreibungen zu lesen. Möglicherweise ist es den Schreibern nach einem Champions League Spiel zu spät, und am nächsten Morgen ist das Adrenalin bereits abgebaut.

Ein paar lesenswerte Beiträge habe ich trotzdem noch gefunden. Wie gehabt: Zum hier an- und dort weiterlesen. Vielleicht meinungsbildend, vielleicht als Diskussionsgrundlage. Stoff für spannenden Gespräche in Bus und Bahn, am Arbeitsplatz oder um die Frau beim Frühstück damit zu nerven. (mehr …)

Ein Häufchen Elend

Da kann man kaum noch sauer sein. Eher ist es einem peinlich. Schalke 04 präsentiert sich in Madrid als unterklassiger Gegner.

Da hofft man auf eine gut organisierte Defensive, und muss sehen wie die halbe Mannschaft dem Gegner zu viel Platz lässt. Da hofft man auf Zug zum Tor, und erlebt mutloses Quergeschiebe. Da hofft man auf gefährliche Standards, und die Eckbälle fliegen in einem Meter Höhe dem Gegner auf die Knie.

Schalke hatte einfach keine Antwort, mit der ersten guten Chance für Madrid stellten die Blauen das Fußballspielen weitestgehend ein. Ab da hatte ich ein schlechtes Gefühl, wenn der Ball Richtung Mathias Schober lief. Und Mathias Schober wohl auch.
Kobiashvili lief häufig durch den viel zu freien Raum und auch Christian Pander war völlig überfordert. Bordon wurde zur Hyperaktivität genötigt, versuchte überall zu sein, entsprechend fehlte er hier wenn er dort war, konnte er alleine nicht dicht halten, ohne Unterstützung.

Als ich oben aber peinlich schrieb, meinte ich mehr noch das Spiel nach vorne, als das mangelhafte Defensivverhalten. Vorne ging gar nichts.
Zwar durfte Schalke den Ball in der gegnerischen Hälfte führen, aber sie wussten mit ihm nichts anzufangen, waren spielerisch und technisch nicht in der Lage, den Gegner auszuspielen und Chancen zu generieren. Rakitic und Kuranyi wirkten richtiggehend lethargisch. Wenn der blasse Kuranyi bei einer Ecke in Großaufnahme gezeigt wurde, mit leerem Blick eine mögliche Chance erwartend, bekam ich Angst er würde jeden Moment mit Kreislaufproblemen umkippen! Ihn, dem man ansonsten zumindest Einsatz und Aggressivität nie absprechen kann, so zu sehen, machte mich tatsächlich sprachlos.

Jedenfalls hatte Atlético Madrid mehr Respekt vor Schalke 04, als Schalker Spieler an Selbstvertrauen im Gepäck hatten. Anders kann nicht erklärt werden, dass sich die Spanier nach der 2:0 Führung derart zurückzogen. Und Schalke konnte den geschenkten Raum trotzdem nicht nutzen.

Ja, Schalke kam zu Chancen. Es flogen hohe Bälle in den Madrider Strafraum, und der Knicker flipperte an Freund und Feind vorbei, jeweils knapp daneben. Als diese Phase begann durchfuhr mich tatsächlich der Gedanke, dass das Schalker Tor, wenn es denn fiele, bitte bitte möglichst spät fallen soll, weil ich mir sicher war, dass Atlético, würden es nur wieder normal spielen, jederzeit weitere Großchancen generieren könnte.

Das Schalker Tor fiel nicht, weil das Schalker Spiel zu sehr auf Zufall aufgebaut war. Weil Schalke einfach schlecht war. Weil eine gute von insgesamt 4 Halbzeiten nicht ausreicht. Da war kein Pech dabei, keine entscheidende Schiedsrichter-Fehlleistung. Schalke hatte es in der Hand, und Schalke hat’s versaut.

Jetzt fällt mir gerade wieder ein, am Samstag geht’s gegen Bochum.

Schranke im Kopf

Wenn ich mich konzentriere fällt mir ein, dass Schalke kommenden Samstag gegen den VfL Bochum spielt. Darauf freue ich mich sogar noch ein bisschen mehr als sonst, weil ich seit langer Zeit mal wieder ein Spiel gemeinsam mit Freundin Kerstin – die, die einem immer den Arm blau haut – erleben werde. Gefühlt ist es aber noch ein Ewigkeit bis dahin.

Dinge die einen sehr beschäftigen lassen keine Gedanke an ein danach zu. Überhaupt bin ich so ein ein-Ziel-Verfolger, ich schließe gerne ab bevor ich neu beginne. Wer das negativ sehen will wirft mir vor, dass ich nicht Multi-Tasking-fähig sei. Klugscheißer der ich bin erkläre ich dann, dass es Multi-Tasking beim Menschen nicht gibt, dass der Kopf immer nur an eine Sache gleichzeitig denken kann. Und denke ich an Fußball ist alles heute, alles ist Madrid.

1:0! Nur 1:0. Zu Null! Ein Tor machen, irgendwie. Dicht halten, mit aller Kraft.

Hoffentlich wird es kein Spiel wie in Valencia, wo Schalke jedes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten vermissen lies. Gerne sähe ich eine Schalker Mannschaft, die das Mittelfeld kontrolliert, die den Ball vom eigenen Strafraum weghält und selbst zu Chancen kommt. Aber wer wünschte sich das nicht …
Atlético redet sich derweil stark. Seit einer Woche vergeht kein Tag, an dem nicht ein Spieler der Madrilenen in einem Interview die absolute Gewissheit formuliert, Schalke aus dem Wettbewerb zu schmeißen. Ideal für Atlético, zu diesem Spiel mit Sergio Aguero einen Heilsbringer präsentieren zu können, dessen Image durch die Niederlage in Gelsenkirchen nicht besudelt wurde, der vielmehr als Champion von den Olympischen Spielen zurückkehrte.

Aber hey, Schalke wird sich den Respekt erarbeiten, und Schalke führt. Schalke wird sich nicht hinten reinstellen, es wird zu Chancen kommen, und bestimmt irgendwann auch mal zu einem Freistoß aus aussichtsreicher Position. Und dann werden plötzlich nicht mehr so selbstsichere Gesichter über den rotgestreiften Trikots zu sehen sein, wenn sich Christian Pander den Ball zurechtlegt.

Ich glaube dran. Glückauf ihr Knappen!

[Foto: Héctor Sánchez]

Doping ist doof

Frau Schmitt kann laufen. Frau Schmitt kann schreiben. Und vorlesen kann Frau Schmitt auch.

Aus Hessen ist sie. Woher genau weiß ich nicht. Ob sie die Kickers mag, die Eintracht oder gar den FSV, ob sie für Fußball überhaupt etwas übrig hat, ich weiß es nicht. Frau Schmitts Thema ist das Laufen, und ich kennen niemanden, der die Gefühle und Gedanken, die ein Jeder bei der Teilnahme an einem Volkslauf erlebt, besser oder unterhaltsamer beschreiben könnte.

Nun hat sie einen Text über Doping geschrieben, und auch dieses Thema geht sie mit der ihr gegebenen Leichtigkeit an. Sicher, Doping im Fußball gibt’s nur in Italien! Ich war dennoch mal so frei, diesem Podcast hier ein Plätzchen zu schaffen. Die an die Reinheit der Bundesliga Glaubenden mögen es mir verzeihen.

Hören:

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mp3-Datei / Podcast-Feed

PS: Gernehörern mit Interesse am Laufen kann ich als Einstieg Frau Schmitts Klassiker „Monolog mit Biber“ oder „Out of Egelsbach“ empfehlen. Und danach alles andere.

Blitztransfer: Luca Toni zu Schalke 04?

Vielleicht ist aber auch nur tvtv.de nicht ganz auf der Höhe.