Am Ende gewinnt nur der Spieler

Im Profifußball sitzen am Ende die kleinen Prinzen am längeren Hebel. Das Schalke 04 Rafinha nach dem gewonnenen Verfahren nicht zurückbeordert ist lediglich aus dem Grund nachvollziehbar, es sich mit seinem besten Spieler nicht verscherzen zu wollen.

Dass das sofortig Zurückholen sportlich keinen Sinn machen würde ist jedenfalls Quatsch. Bis einschließlich 23.08., dem Tag des Endspiels beim Olympischen Fußballturnier, hat Schalke vier Pflichtspiele. Drei Tage später das Rückspiel in Madrid. Wenn Rafinha jetzt in 3 Tagen nicht in den Mannschaftsrhythmus finden kann, wird er es Ende August auch nicht können. Aus dieser Sicht ist jeder Tag, an dem er nicht hier ist, ein verlorener Tag.

Aber darum geht’s nicht. Mit Zwang kann man einem Profi nicht kommen. Womit will Schalke ihm drohen? Mit der Tribüne? Einen wertvollen Spieler bewusst an Wert verlieren zu lassen kann sich kein nach wirtschaftlichen Grundsätzen geführter Club erlauben. Mit einem Verkauf? Rafinha wird, wohin er auch wechselt, beim nächsten Club mehr verdienen, und dass er in Zukunft in England oder Spanien spielen wird ist eh klar.

Man muss die Prinzen bei Laune halten. Rafinha wie jeden anderen Profi auch. Die Bildzeitung wird weiter über ihn herfallen. Wie das Gros der Fans reagieren wird ist noch nicht abzusehen. Das alles fällt auf den Verein zurück, sorgt für Unruhe. Da gilt es gegen vorzugehen.
Andreas Müller nutzt das Urteil des CAS dazu, der FIFA und dem brasilianischem Verband den schwarzen Peter zuzustecken. Rafinha sei Opfer des immensen Drucks geworden, der vom brasilianischem Verband ausgegangen sei, und die FIFA sei Schuld, weil sie nicht rechtzeitig klare Regeln schuf. Es ist der Versuch, einerseits den Spieler aus der Schusslinie zu ziehen, andererseits das eigene Gesicht zu wahren. Eine Taktik, die nicht von Erfolg gekrönt sein wird, auf der es sich aber beharren lässt.

Letztendlich bleibt dem Verein nichts anderes, als eine gönnerhafte Miene zum bösen Spiel zu machen.



2 Kommentare zu “Am Ende gewinnt nur der Spieler”

  1. Casi sagt:

    Aber Du musst zugeben, dass Müller sich damit bestmöglich aus der Affäre zieht. Man läßt dem Spieler seinen Willen und hat im Grunde dennoch gegen die FIFA gewonnen. Es schien ja ne Weile so auszusehen, als ob Rafinhas und Müllers Aussagen so gar nicht mehr zusammenpassen wollen zukünftig… Und nun hat er Rafinha eben die Hand gereicht, in dem er ihn trotz Anspruch nicht zurückbeordert und hat mit FIFA und dem brasilianischen Verband gleich zwei Institutionen, an denen er sich abreagieren kann…

  2. Torsten Wieland sagt:

    REPLY:
    Ihm blieb nun kaum was anderes. Ihn dafür zu loben fällt mir schwer. Eher hätte ich mir gewünscht, dass er sich seiner Position früher bewusst geworden wäre und erst gar nicht soviel Tamtam gemacht hätte.
    Wohlgemerkt: Damit meine ich seine Position dem Spieler gegenüber. Dass er gegenüber der Fifa und meinetwegen dem brasilianischen Verband den Prozess angestrengt hat finde ich völlig ok, denn in der Sache hat er schließlich recht.

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