Rück- und Ausblick, Glaube und Hoffnung – Edition 2008/2009

Warum wird Schalke 04 Deutscher Meister?
Weil der Kader mit zwei guten Spielern verstärkt wurde. Weil kein Spieler, der im letzten Jahr eine Rolle gespielt hat, abgegeben wurde. Weil der neue Trainer zu Schalke passt. Weil sich weder Werder Bremen noch Bayern München nennenswert verstärkt haben.

Dies war der Versuch eines optimistischen Anfangs für diesen Beitrag. Wer will darf die Frage in den Kommentare gerne selbst beantworten. Tatsächlich weiß ich, dass der Münchener Kader nach wie vor der namentlich stärkste der Liga ist. Dass es Bremen immer irgendwie schafft, oben dabei zu sein. Dass in der Regel auch noch ein Club oben mitspielt, den man bislang nicht auf der Rechnung hat. Und ob Fred Rutten wirklich zu Schalke passt, ob Farfan und Engelaar einschlagen werden, dass muss auch erst abgewartet werden. Aber derart miesepetrig will ja niemand in die Saison starten.

Die Abgänge

… wiegen nicht besonders schwer. Nicht dass ich die Spieler schlecht reden wollte. Sören Larsen mag ein guter Stürmer sein, wenn er das Vertrauen des Trainers hat, wenn er regelmäßig spielt, wenn man ihn in Form kommen lässt. Auf Schalke hat er sich in einer solchen Phase immer verletzt. Und als Einwechselspieler war er schlecht.

Matthias Abel hat die ganze letzte Saison nicht gespielt, Mimoun Azaough spielte schon die Rückrunde für Bochum. Wobei die Beziehung zwischen Azaough und Mirko Slomka für mich eins der großen Rätsel der letzten Saison bleibt: Dass ein Spieler in der Vorbereitung überzeugt, viel Einsatzzeit bekommt und dann in der Saison nahezu nicht beachtet wird, ist schon ungewöhnlich. Aber sei’s drum, Trainer wie Spieler gehören der Schalker Vergangenheit an.

Der Abgang von Zlatan Bajramovic berührt da schon mehr. Ähnlich wie Levan Kobiashvili ist er ein verlässlicher, vielseitig einsetzbarer Spieler. Nun fiel er aber die gesamte Rückrunde verletzungsbedingt aus, Schalke hat ein Überangebot an Mittelfeldspielern und sein Vertrag endete im Juli. Ich denke, dass die Entscheidung, seinen Vertrag nicht zu verlängern, nachvollzogen werden kann, und dass für Zlatan Bajramovic ein Neubeginn in Frankfurt sportlich von Vorteil ist.

Die Zugänge

„Mal einen teueren statt drei billige Spieler“ war ein beliebter Satz auf und um Schalke in den letzten Jahren. Nun hat Schalke gleich zwei Leute geholt, die gesetzt sein dürften und die vom Talent her die Mannschaft verstärken sollten.

Jefferson Farfan schießt Tore. Jedenfalls hat er das in der Vergangenheit immer getan. Außerdem bringt er Kreativität mit und agiert über Außen, kommt also Kevin Kuranyi nicht in die Quere. Das alles entspricht ziemlich genau dem, was Andreas Müller als Anforderungsprofil ausgerufen hat, bevor überhaupt über Namen gesprochen wurde.

Im Gegensatz dazu wäre vor einem halben Jahr niemand darauf gekommen, dass Schalke 04 Orlando Engelaar bräuchte. Bei der EM hielt Engelaar den kreativen Kräften den Rücken frei, brachte das defensive Element ein, welches Van Bastens Mannschaft zuvor so häufig fehlte. Aber gerade im defensiven Mittelfeld wähnte sich Schalke seit langem stark besetzt, ja sogar mit am Besten besetzt, im Bundesligavergleich. Orlando Engelaar nur als defensiven Mittelfeldspieler zu sehen, greift aber zu kurz. In Enschede spielte er auf verschiedenen Positionen im Mittelfeld und war, wenn auch selbst nicht besonders torgefährlich, ein sehr ballsicherer Dreh und Angelpunkt im Spiel des FC Twente unter Cheftrainer Fred Rutten. Womit wir beim entscheidenden Neuzugang für die kommende Saison wären.

Fred Rutten kennt Farfan von zwei gemeinsamen Jahren in Eindhoven und Engelaar als seinen Kapitän beim FC Twente in der letzten Saison. Überraschungen sind da ausgeschlossen. Der FC Schalke 04 hat das System Rutten eingekauft, ob es den Club weiterbringt, wird man sehen. Alles was über Disziplin und anderem Umgang mit Spielern und Medien zu lesen war fällt hinter die Tatsache zurück, dass er Schalke 04 ein ordentliches Spielkonzept beibringen, und damit mindestens zweiter werden muss.

Der Bestand

In der Vorbereitung hat Fred Rutten zumeist mit einem Stoß- und zwei Außenstürmern spielen lassen. Niederländisch. Da dies auch die favorisierte Spielweise Mirko Slomkas war, ist das entsprechende Personal vorhanden. Buchstäblich mehr als genug.
Offensiv sind alle Positionen mindestens doppelt besetzt. Kuranyi und Farfan werden spielen. Die Besetzung der restlichen Offensivpositionen hängt von Ivan Rakitic ab. Er kann über links kommen, in einem 4-3-3-System im Sturm. Oder er spielt im offensiven Mittelfeld, in einem 4-4-2-System, vor oder neben Engelaar. In jedem Fall braucht Schalke einen guten Rakitic für eine erfolgreiche Saison, und ich hoffe, dass er von der Anwesenheit Engelaars als Anspielstation im Mittelfeld profitieren wird.

Vicente Sanchez sehe ich gerne wirbeln, aber man muss zugeben, dass er bislang nicht besonders effektiv spielte. Carlos Grossmüller sehe ich überhaupt nicht gerne spielen, Manager Müller hört aber nicht auf von ihm zu schwärmen und es ist positiv zu vermerken, dass er früher aus dem Urlaub zurück kam um bestmöglich vorbereitet in die neue Saison zu starten.

Wer auch spielt, auf der Bank wird’s eng. Es kann durchaus vorkommen, dass dort mit Gerald Asamoah, Halil Altintop, Albert Streit, Carlos Grossmüller, Peter Lövenkrands und Vicente Sanchez 6 gestandene Offensivkräfte nebeneinander sitzen. Plus der nicht spielenden Abwehrspieler natürlich, und den jugendlichen Talente. Zé Roberto habe ich mal direkt rausgelassen, ich vermute, dass er die meiste Einsatzzeit auf Schalke schon gehabt hat. Und bei Varela ist es wie vor der letzten Saison: Ist er fit, kann er ein Plus sein, rechnen sollte man mit ihm nicht.

Vor der Abwehr werden Ernst und Jones wohl weiterhin ihren Job machen dürfen. Allerdings sollten sie mit mehr Auswechslungen als in der Vergangenheit rechnen. Bei taktischen Veränderungen zugunsten einer offensiveren Ausrichtung wird das Auflösen eines der beiden 6er durch die Anwesenheit des auch defensiv denkenden Engelaar praktikabeler.

In der Abwehr wird Rafinha flott wieder eingebaut werden, sobald er aus Peking zurück ist. Marcelo Bordon zeigte in der vergangenen Saison sehr unterschiedliche Leistungen. Von sehr gut bis ziemlich alt war alles dabei. Mladen Krstajic hatte auch gute Spiele, wird aber auch nicht mehr schneller. Das Westermann da nicht längst zum wichtigsten Innenverteidiger geworden ist, liegt nur daran, dass der Posten des linken Verteidigers das größte Loch im ganzen Schalker Gefüge darstellt.

Schalke geht nunmehr in die vierte Saison, in der diese Position für Christian Pander freigehalten wird. Defensiv kein besonders starker Spieler, offensiv mit enormem Potential. Ihm wünscht man Kontinuität, man will sehen, dass er defensivtaktisch dazulernt. Dazu kommt es aber nie, er fehlt einfach zu häufig wegen Verletzungen. Ein Talent und ein Sympath, aber eben im Ergebnis nicht das, was eine Club mit den Ansprüchen des FC Schalke 04 auf dieser Position aufbieten sollte.

Trotz aller Fragezeichen und Unklarheiten freue ich mich riesig auf diese Saison.
In der Sommerpause, wenn man nur Mist zu lesen bekommt, wenn einen die Ticketvergabe ankotzt und Neuigkeiten über Gazprom-Büros oder sonstige Identitätsverkäufe die Laune verderben, fragt man sich doch schon mal, wieso man da noch mitmacht. Aber dann beginnt man das Spiel zu vermissen, das sich über Fehler Ärgern, das sich an Unerwartetem Erfreuen. Das darüber Reden und auch das darüber Schreiben.

Endlich geht’s wieder los.



6 Kommentare zu “Rück- und Ausblick, Glaube und Hoffnung – Edition 2008/2009”

  1. Fagargo sagt:

    No entiendo lo que pones arriba, pero me da igual ya que solo me gustaría expresar mi apoyo a vuestro equipo para el encuentro de mañana ante el Atlco. De Madrid.
    Me gustaría que supieseis que toda la hinchada sevillista estará con vosotros y que estaremos animando para que salgais victoriosos.
    Arriba Schalke 04 , viva el Sevilla FC , Antonio Puerta 16 eterno en nuestros corazones

  2. Torsten Wieland sagt:

    REPLY:
    Gracias, para encontrar su camino a mi blog. Y Gracias por su felicitaciones!

    Dos juegos muy importantes a principios de año. Cabe esperar que Schalke tendrá éxito y obtener el necesario impulso para la próxima temporada.
    Los mejores deseos para usted y el Sevilla FC. Y lo siento sobre mis google-español. No podría hacerlo de ninguna otra manera.

  3. kurtspaeter sagt:

    Du sprichst spanisch?
    Daneben, ich hätte wohl nichts anderes geschrieben als Saisonausblick.
    Die Abgänge sind sportlich eher belanglos, die Zugänge inklusive Trainer schwerlich beurteilbar, den reinen Meriten nach aber Verstärkungen und die Mannschaftsteile richtig analysiert.

    Erstaunlich bleibt aber, das Pander, nach vier Jahren, in denen man auf ihn wartete, auf einmal in Frage gestellt wird. Da heißt es, daß man eventuell den defensiv stärkeren Kobiashvili oder gar wieder Westermann (wenn Rafinha zurück ist) auf links stellt.
    Man wusste immer, der Kerl ist verletzungsanfällig, der Kerl ist defensiv keine Granate, der Kerl ist aber offensiv mit seinen Standards für die Art Fußball a la Schalke 04 der letzten Jahre quasi unersetzlich.
    Ergibt, entweder holt man schon seit Jahren einen externen wirklichen Linksverteidiger (Eichner, Dede, Jansen o.ä.), man setzt auf Sebastian Boenisch, der bei Werder in der Verlosung hinten links ist oder man vertraut ohne wenn und aber weiter auf Pander.

  4. berka sagt:

    Jetzt fühl‘ ich mich auch gut vorbereitet, hoffentlich so wie die Mannschaft. Bin gespannt auf heute abend.
    Danke und
    Glückauf!

  5. Torsten Wieland sagt:

    Nee, leider nicht.
    „Y lo siento sobre mis google-español. No podría hacerlo de ninguna otra manera.“ bedeutet ungefähr „Entschuldige mein Google-Spanisch. Anders kann ich es nicht.“.

    Vielleicht liegt es am neuen Trainer, dass Pander hinterfragt wird. Vielleicht wird er auf Schalke auch gar nicht hinterfragt, möglicherweise wurde das in der saure Gurken Zeit nur zur Geschichte gemacht, nachdem in der Vorbereitung auch mal Kobiashvili auf der Position spielte.
    Ich habe hier allerdings schon immer geschrieben, dass ich mich auf ihn nicht verlassen würde. Natürlich ist die Aussicht auf einen dauerhaft spielenden, sich weiterentwickelnden Pander schön. Aber in der Realität wird auf links seit Jahren rumgefrickelt.

    @ Berka:
    Und ich erst. Glückauf.

  6. hellwach sagt:

    Das hängt von Klinsi ab.
    Nee, es ist falsch sich zu wünschen, dass der Gegner geschwächt wird, Klinsi erst im Mai 2009 seine Abfindung verbuchen muss.

    Warum haben heute abend Menschen (es waren viele, sie taten es sehr laut) gepfiffen?

    Ja, Engelaar ist limitiert, konditionell offenbar dem Niveau noch -hoffentlich- nicht gewachsen. Ja, gegen 10 Mann, die in der Saison 14 Tage später dran sind, kann man mehr versuchen. Ja, die Mannschaft aus Madrid hat bessere Fußballer, die den Ball in den eigenen Reihen besser laufen lassen. Ja, Kevin hat -mal wieder?!- unglücklich gespielt.

    Aber pfeiffen? Das ist der vierte der spanischen Liga. Verstärkt. Deren Höwedes heißt Heitinga. Und in der Bundesliga spielt keine Mannschaft so einen Ball. Vielleicht sind die Bayern gleich gut besetzt. Aber diese Fähigkeit, den Ball über 5,6,7, oder mehr Stationen mit jeweils nur einer Berührung zirkulieren zu lassen, haben auch die Münchener nicht. Und unsere haben in der zweiten Hälfte jeden Ball -> angenommen, kontrolliert, auf den richtigen Fuß gelegt… und viele davon abgenommen bekommen.

    Meine Frau -Gelegenheits-Fußball-Guckerin- hat mir in der ersten Hälfte gesagt, dass unser Spiel arg rechtslastig ist. In der zweiten hat die 17 auf links stark nachgelassen, die 10 sich auf rechts nicht gesteigert.

    Mirko ist weg. Kein Wechsel nach 60 Minuten. Wohltuend. Haben Intuition und Leidenschaft wieder eine Chance gegen Datenbanken?

    Vor dem Spiel fiel mir ein Junge auf, der eine Mpenza-Trikot trug. Das ist mir 45 Minuten lang nicht aus dem Kopf gegangen wenn ich die Nr. 17 in Aktion gesehen habe. Ich freu mich auf die Saison.

    Hab mich gefreut auf das Spiel. War 45 Minuten klasse. War 45 Minuten nicht gut. Hab den kommenden Deutschen Meister gesehen.

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