Hilf Dir selbst, Ailton
Nein, ich weiß auch nicht mehr. Ich kenne ihn auch nicht näher, kenne auch nur all die Schlagzeilen über Aílton Gonçalves da Silva. Die Ailton musse mache Tor-Sprüche, das Bild vom Torhamster.
Und dann ist da noch die Geschichte, die Christoph Biermann in seinem Buch ‚Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen’ erzählt. Er sollte ein Interview mit dem Stürmer führen, und es graute ihm davor. Ihm schien es unmöglich, genug kluge Sachen über Fußball aus Ailton herauszupressen, um die geforderten Zeilen zu füllen.
Und dann ließ er ihn über Brasilien reden. Und Ailton erzählte vom Rodeo, wie man einen Kuhschwanz zu packen hat, und von Heimweh, wie ihn seine Mutter wieder zu dem Profis schickte, nachdem er nach zwei Tagen nach Hause gekommen war. Biermann entdeckte den Unterschied zwischen dem von ihm als Dummkopf eingestuften Profi und Aílton Gonçalves da Silva.
Immer mehr vergaß er, während er so sprach, seine übliche Aufführung „Fußballstar Ailton“. Denn nicht nur sein Stummel-Deutsch lässt ihn sonst so beschränkt erscheinen, mehr noch sind es seine abgeschauten Posen eines coolen Stars. Vielleicht glaubt Ailton, dass er auf diese Weise die Erwartungen des Publikums bedient, vielleicht sind es aber auch nur seine eigenen.
Nun aber, einen Moment lang selbstvergessen, erkannte man den netten Kerl, weshalb ich Ailton, wenn er mal wieder irgendwo seine schlechte Aufführung vom Fußballstar Ailton macht, im Geiste die Kuh am Schwanz ziehen lasse.
Ich weiß nicht, ob er das Geld so nötig hat oder weshalb es ihn treibt, weiterzuspielen. Ich wünsche ihm Glück, habe das schon bei seinem Engagement in Duisburg getan, wohin er aber wohl nicht geholt wurde weil der Trainer ihn wollte, sondern weil sich der Präsident gerne mit Größen des Sports ablichten lässt. Ich hoffe Ailton schafft bald den Absprung. Und dass es endlich aufhört, unwürdig zu sein.
Lesen:
‚Wie ich einmal vergaß, Schalke zu hassen’ von Ch. Biermann
Kommentare
3 Kommentare zu “Hilf Dir selbst, Ailton”
Einen Kommentar schreiben




Ich befürchte für Ailton, dass er tatsächlich einige Schulden hat und “weiterspielen muss”. Gab’s da vor einigen Monaten nicht mal Gerüchte, dass es genau an dem wäre?
Gerade über einen Kommentar von Dir auf meiner eigenen Seite noch mal hierhin gefunden. Und obwohl ich eigentlich zumindest beim neuen URL von Anfang an schon bei Dir mitlese, ist mir dieser Eintrag irgendwie nicht haften geblieben.
Und gerade jetzt ist er auch wieder aktuell.
Ja wirklich. Ein Trauerspiel. Ein einst grandioser Stürmer, dem man beim Zuschauen gut finden musste. Und heute macht sich einer wie Herr Beckmann in der Sportschau über ihn lustig.