Der Überflieger: Schalke 04 – VfL Bochum

Bundesliga statt Champions League. Ein Derby zwar, aber kein Spitzenspiel. Da halten sich die überregionalen Zeitungen heraus. Hier eine Auswahl dessen, was es zum Spiel der Königsblauen gegen den VfL Bochum an Kommentaren zu lesen gibt.

Wie gehabt: Zum hier an- und dort weiterlesen. Vielleicht meinungsbildend, vielleicht als Diskussionsgrundlage. Stoff für spannenden Gespräche in Bus und Bahn, am Arbeitsplatz oder um die Frau beim Frühstück damit zu nerven.



Alan Smithee kommentierte im Bochumer Zum Blauen Blog Konditionsschwächen des VfL:

Wie schon in der zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg letzte Woche ließ Bochum erheblich nach, viele Spieler wirkten nach einer Stunde platt, müde und unkonzentriert, der Gegner übernahm eindeutig das Kommando. Die Wiederholung legt die Vermutung nahe, dass hier ein generelles Konditionsproblem zu Grunde liegt.
Die Kreativabteilung fand im Grunde nicht statt. Slawo Freier sucht bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Bodenkontakt, um Freistöße zu schinden. Azaouagh machte viel, dabei aber auch viel falsch. Offensichtlich hatte er sich vorgenommen, Schalke im Alleingang zu bezwingen und sich so für seine nette Zeit in Gelsenkirchen zu bedanken. Obwohl Kapitän Marcelo Bordon nach einer Oberschenkelverletzung von der 27. bis zur 47. Spielminute mehr herumhumpelte als lief, gelang es nie, Schalkes Innenverteidigung entscheidend unter Druck zu setzen. Es gelang dem Brasilianer sogar, 90 % seiner Zweikämpfe zu gewinnen. Wie lautete noch ein älteres Zitat von „Tiger“ Gerland: „Die anderen sind schneller gehumpelt als unsere gelaufen sind“.

Daniel Vollbrecht sah für den VfL Bochum eine große Chance verpasst und schreibt im DerWesten-Blog 1848 Einwürfe:

Ja, die Bochumer präsentierten sich unter dem Strich als harmonische Einheit, ohne allerdings den im Veltins-Umfeld nötigen “Killerinstinkt” auszuspielen. Und genau an diesem Punkt muss die Kritik ansetzen: Vielleicht war es noch nie so einfach, einen prestigeträchtigen Auswärtssieg einzufahren, wie am gestrigen Nachmittag. Engelaar, Farfan und Neuer fehlten verletzt, Ernst sowie Kuranyi hatten die Pleite im Vicente Calderon offensichtlich noch nicht verarbeitet und Rafinha litt sichtlich an Eingewöhnungsproblemen nach seiner Rückkehr aus Peking. Der VfL bemerkte die Defizite beim Gegner, hielt aber sein stures, taktisch basiertes Sicherheitskonstrukt aufrecht, dessen Resultat als eine vergebene Chance bezeichnet werden muss.

In einem anderen Beitrag des gleichen Blogs ärgert sich Luis Reichert über das Applaudieren Rafinhas nach der Gelb-Roten Karte für Bochums Christian Fuchs:

Der Schiedsrichter zieht Gelb-Rot. Rafinha applaudiert nachhaltig.
Was für eine widerliche Unsportlichkeit. Weder war es eine besonders brutale Aktion von Fuchs noch war Rafinha selbst betroffen. Der Schiedsrichter hatte die Aktion gesehen und danach vollkommen zu Recht einen Platzverweis ausgesprochen. Christian Fuchs hat sich zudem darüber nicht beschwert Was erlaubt sich also Rafinha? Ein derartiges Verhalten ist ekelhaft, unsportlich und unkollegial. Nur gut, dass wenigstens Captain Maltritz dem Brasilianer deutlich die Meinung gesagt hat. Unser Abwehrchef weiß eben, was sich gehört und was nicht.

Matthias in der Weide verzeiht ob der verletzungsbedingten Ausfälle das „Slomkaeske“ im Schalker Spiel und schreibt bei Schalkefan:

Die Tabellenführung ist eine tolle Momentaufnahme, der mittlerweile auf fünf Punkte angewachsene Vorsprung auf den Mitkonkurrenten Werder Bremen ebenso. Schalkes direkte Gegner im Kampf um die Tabellenspitze in den kommenden Wochen heißen Dortmund und die Transferrekordhalter aus Hamburg. Gegen beide muss Schalke in absehbarer Zukunft antreten. Bleibt dann zu hoffen, dass die Verletzten Neuer, Engelaar und Farfán wieder ins Team zurückkehren und Marcelo Bordon seine am Samstag erlittene Blessur auskuriert hat. Dann kann auch Fred Rutten endlich den Fußball spielen lassen, den sich die Fans von ihm erhoffen. Bislang aber rumpelt sich Schalke in bester Mirko-Slomka-Manier durch das Ligageschehen.

Norbert Neubaum sieht Schalke 04 von Trainer Rutten falsch aufgestellt und schreibt bei Westline darüber:

Im Schalker Mittelfeld spielen allesamt respektable Fußballer. Einen Spielgestalter hat Schalke nicht. Bei Carlos Grossmüller scheinen die Verantwortlichen die Hoffnung aufgegeben zu haben – er saß gegen den VfL nicht mal auf der Bank. Ivan Rakitic wäre so ein potenzieller Gestalter. Den lässt Trainer Fred Rutten auf Linksaußen spielen, was weder bei Rakitic noch beim Publikum Begeisterungsstürme provoziert. Auch Rakitic ist auf dieser Position lediglich eine „Aushilfe“ – dabei hat Schalke mit Sánchez und Løvenkrands zwei „echte“ Linksaußen. Den Grund, warum er Rakitic auf Linksaußen „verschenkt“, wollte Rutten am Samstag nicht verraten.

Auch Manfred Hendriock geht für die Westfälische Rundschau auf die Aufstellung der Königsblauen ein und mag scheinbar Ruttens Aussendarstellung:

Noch ist Rutten das Risiko zu groß, mit drei Stürmern und einem offensiven Rakitic im Mittelfeld zu beginnen; das Spiel in Madrid hat gezeigt, wie labil das Team noch ist. Aber wenn erst einmal größere Sicherheit gefunden ist, wird dieser Positionswechsel ein Thema sein. Öffentlich wird sich der Trainer an dieser Diskussion nicht beteiligen: „Es macht Spaß, dass im Fußball jeder seine Meinung hat. Aber ich halte meine Meinung in der Kabine.”
Rutten ist da so wie Huub Stevens: Er spricht nur über die Mannschaft („Wir haben Charakter gezeigt”) – nicht über Einzelne. Doch die Zeit unter Stevens ist in Schalke ja keine schlechte Referenz …

Und Wolfgang Kerkhoff sah für die WAZ Schalke schlecht und Bochum schlechter:

„Wenn man die Schalker Reaktion nach dem Schlusspfiff gesehen hat, dann konnte man doch sehen, wie froh die über den Sieg waren“, sagt zum Beispiel Philipp Bönig.
Der Eindruck war schon richtig, als die Schalker erschöpft aus den Latschen kippten. Aber daraus abzuleiten, man hätte seinerseits gewinnen können, ist schon ziemlich abwegig. Denn eine richtige Torchance hatte der VfL nicht, bestenfalls die eine oder andere Zufälligkeit. Trainer Marcel Koller hätte gerne mehr von seiner Mannschaft gesehen. Dann hätten sich seine Hoffnungen vielleicht erfüllt, die da waren: „Wir dachten, wir könnten nach Madrid die Verunsicherung bei Schalke ausnutzen. Als das Publikum anfing zu pfeifen, hatten wir sie eigentlich so weit. Aber genau zu dem Zeitpunkt haben die Schalker dann ihr Tor geschossen.“



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