Deutschland sucht das Fußball-Arschloch

2. September 2008, Torsten Wieland

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Und wie es scheint wurde es gefunden: Man hat sich auf Rafinha geeinigt!

Herzlichen Glückwunsch, eine wirklich hervorragende Wahl. Schließlich braucht es für einen Titel das Herausstechende, mehr als das Alltägliche. In einem Sport, in dem vergötterte Weltfußballer ihre Gegner mit Kopfstößen niederstrecken, in dem Trainer Männer zu Mannschaftsführern ernennen, die ihre Gegner mit Beleidigungen bis aufs Blut reizen oder ihnen auf den Kopf schlagen, einem Sport in dem Spiele durch betrügerisches Fallen entschieden werden, in dem gekratzt, gebissen, sich angespuckt oder in die Eier gekniffen wird, in dem es mittlerweile die Regel ist, im Luftkampf dem Gegner den Ellebogen ins Gesicht zu hauen, da wird das Simple zum Besonderen, das Einfache zum wahrhaft Perfiden, da schafft man es mit dem Beklatschen einer Roten Karte zum Titel.

Und wie bei jeder „Deutschland sucht“-Wahl geht es auch hier in erster Linie um Unterhaltung. Da war die Auswahl der Laudatoren schwierig, denn im bierernsten Fußball ist Humor eine Seltenheit. Aber, sie gelang!
Denn tatsächlich ist es wirklich witzig, wenn der 1,74 Meter messende Mimoun Azaouagh mit gespielter Wut den 1,72 Meter großen Preisträger als „Gnom“ beschimpft und Marcel Maltritz, Fußballprofi(!), das Bild vom Söldner zeichnet. Rund machen die Geschichte dann all die ganz harten Schalke-Fans, die eben solche „Söldner“ verachten, die fordern, dass Spieler wieder für die Ehre spielen, dass sie sich identifizieren, und die kräftig bepfeifen, dass sich da einer immerhin für eine Weile gegen den reichen Proficlub mit seiner zusammengekauften Mannschaft und für die Ehre, für ein Land zu spielen, entschieden hat. Wem das kein Lächeln ins Gesicht zaubert, ist selber schuld.

Auch von mir: Herzlichen Glückwunsch Rafinha!
Und allen vielen Dank für die Show.

[Foto: Ralf Heid]

Kommentare

9 Kommentare zu “Deutschland sucht das Fußball-Arschloch”

  1. berka am 2. September 2008, um 20:41 Uhr

    Die Widersprüchlichkeiten in der Geschichte fein herausgearbeitet, immerhin ging es ihm um Fußball. Der kleine hat das ja Samstag scheinbar gut weggesteckt, sich beim Warmmachen demonstrativ der Nordkurve zugewandt ohne die große Geste zu machen und durch Leistung überzeugt. Trotzdem hoffe ich dass das Thema nun bald abgehakt ist und guck mir solange Rafinha auf meinem S04-Kalender, Monatsblatt September an :)

  2. Rafinha ein mieser Typ? - FC Schalke 04 | Die Saison 2008-2009 am 2. September 2008, um 23:04 Uhr

    [...] sehr gelungenen Beitrag zu diesem Thema hat Thorsten Wieland (Königsblog) geschrieben: ‘Deutschland sucht das Superarschloch‘ Tags: [...]

  3. Kai am 2. September 2008, um 23:08 Uhr

    Sehr gelungener Beitrag. Trifft sozusagen den Nagel auf den Kopf.

  4. Jim am 3. September 2008, um 08:44 Uhr

    Gerade vor dem Hintergrund, dass solche Dinge wie Karten fordern sowieso an der Tagesordnung sind, besonders im internationalen Bereich, und sowieso niemals geahndet werden, fand ich es zum Brüllen komisch, wie der kleine Rafinha sich da “aufbaut” und applaudiert und dann auch noch diesen Deppen von Maltritz einfach auslacht… Echt zum Schießen. In meiner Fußballrunde haben alle gegrölt vor Freude ;)

  5. maexchen am 3. September 2008, um 09:05 Uhr

    Na ja, warum sollte auch immer nur ein Spieler für die Verfehlungen der kompletten Liga hinhalten müssen. Nehmen wir Andi Möller, Schwalbe, anschließend Sperre, was hat sich geändert? Nichts, heute ist man doch “clever”, wenn man einen Elfer “rausholt” und das Karten fordern gehört genau so dazu. Wer nicht fordert, wird auch nicht vom Schiri erhört, wer nicht fällt, bekommt auch keinen Freistoß! Diese Sache ist übrigens der ARD und dem ZDF zu verdanken, die sich damals über den Boulevard-Jornalismus von Arena, Sat1 und DSF brüskiert haben, aber den gleichen Mist heute als objektiven Journalismus verkaufen. Bild lässt Grüßen;)

  6. Rafinha wird durchs Dorf getrieben | SchalkeFieber am 3. September 2008, um 10:14 Uhr

    [...] Dass nicht alle Fans kritiklos einstimmen ins Pfeifkonzert, zeigt übrigens dieser aus meiner Sicht hervorragende Beitrag auf dem Königsblog: Deutschland sucht das Fußball-Arschloch [...]

  7. nedfuller am 3. September 2008, um 10:44 Uhr

    nach dem Spiel Schalke HSV wird hier doch wieder auf Jarolim eingeprügelt. Dann ist Rafinha nicht mehr das Arschloch der Nation :)

    Guter Beitrag.

  8. Stefan (Weltsicht Südtribüne) am 3. September 2008, um 14:31 Uhr

    Aber nur weil es größere Arschlöcher gibt, heißt das ja nicht, dass Rafinha nicht auch ein Arschloch ist, oder?

  9. BL 4. Spieltag / BVB 3-3 S04 « Any Given Weekend am 14. September 2008, um 00:17 Uhr

    [...] mit dem Schiedsrichter anfangen? Kein guter Tag für Lutz Wagner. Schalkes Rafinha (dem der Sieg bei DSDFA nicht mehr zu nehmen sein dürfte) hätte sozusagen mehrmals vom Platz fliegen müssen, zum ersten [...]

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