Es geht auch normal: Wolfgang Kleff

Wenn man das Extreme im Leben sucht, ist man als Fußballtorwart gut aufgehoben.

Dieser Satz stammt, unschwer zu erraten, von Oliver Kahn. Das Bild des Torwarts als Einzelkämpfer, der unter einem „immensem Druck“ steht, das ist das Erbe des ehemaligen Bayern-Keepers. Der Mann, der nach einem Fehler das nächste Spiel alleine gewinnen wollte, und der vermutlich selber daran geglaubt hat, das so was gehen würde.

Eine völlig andere Sichtweise der eigenen Position hat Wolfgang Kleff seinerzeit zu einem Top-Torwart werden lassen.

Es geht um die Akzeptanz, dass ein anderer einen Fehler machen darf, und darum, ihm dann zu helfen. Ich war der letzte Mann, ich durfte alle Fehler, die irgendwann passierten, reparieren. Und das ist mir meistens recht gut gelungen.

„Ja, damals“ sagen nun vielleicht einige Leser, da war der Fußball noch anders, da konnte der Kleff locker sein, sich seine Späßchen noch erlauben. Kokolores, entgegne ich da. Sicher war das Spiel an sich anders. Aber wer damals oben sein wollte, musste seine Ziele ebenso gradlinig verfolgen, ansonsten hätte er es nicht geschafft.

Im Bayerischen Rundfunk erzählte Wolfgang Kleff über sich und über verschiedene Situationen seiner Karriere. Wie er das WM-Endspiel 1974 erlebte, bei dem er als dritter Torwart auf der Tribüne saß. Wie er Hennes Weisweiler als herausragenden, aber auch strengen Trainer erlebte. Oder wie er als junger Amateur nach Mönchengladbach kam, wie er zunächst den Weg nicht fand und wie er, dort angekommen, zunächst nichts von „11 Freunden“ fühlte, sondern einen unfreundlichen Konkurrenzkampf zwischen den Profis erleben musste.

Dabei ist er angenehm normal, nervt nicht, wie so viele seiner Fußballergeneration, mit dem angeblich früher allem Besseren. Und auch den heutigen Fußball und dessen Protagonisten weiß er nüchtern einzuschätzen.

Da kann ich nichts mit anfangen.

… ist Kleffs Antwort auf den als Fußballweisheit angekündigten, oben zitierten Satz von Oliver Kahn.
Ich auch nicht.

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5 Kommentare zu “Es geht auch normal: Wolfgang Kleff”

  1. Trainer Baade sagt:

    Hach, herrlich.

    Beides.

    Also erstens made dieses Interview meinen prä-Freitag-Abend, aber sowat von, und ich danke dem MC Pottcast wie ich es immer zu solcher Gelegenheit tue. Wolfgang Kleff, herrlich unaufgeregt, und diese Überhöhung seines Jobs durch Oliver Kahn wird hier schön ad absurdum geführt. Dafür war es wirklich Zeit.

    Und zweitens merkt sich Deine Seite endlich meine Kommentiererdaten und ich muss sie nicht immer und immer wieder neu eingeben.

    Also ein doppeltes Danke.

    Und lachen und feiern nach verlorenen Spielen kann ich ebenfalls bis heute nicht verstehen.

  2. Roman sagt:

    Eier, wir brauchen Eier!

  3. SCUDETTO: Fußball-Blog - Ben Redelings » Fußball-Blogschau Folge 4: Ronaldos Heißhunger, Kahn ohne Jay-Jay und inszenierte Schwalben sagt:

    […] – Königsblau wagt den (inhaltlichen) Vergleich von Oliver Kahn und Wolfgang Kleff und verweist auf eine Reportage des Bayerischen Rundfunks mit Kleff […]

  4. Tag der Legenden - die Hemden der Legenden unter dem Hammer « Was die Liga bewegt! sagt:

    […] in der TdL-Auktions-Kategorie auf sport-auktion.de die Fußball Trikots der Stars von früher. Wolfgang Kleff, Jan Furtok, Stefan Effenberg oder Toni Polster! Keine Kommentare bis jetzt Einen Kommentar […]

  5. Stefan (Weltsicht Südtribüne) sagt:

    Das Schöne ist, dass Kleff damit viel näher am Fußball und an seiner Aufgabe als Fußballtorwart ist als Kahn. Den Satz sollte man jedem Torwart an den Spind hängen.

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