Ein Saisonstart voller Momentaufnahmen
Stichwörter: Schalke 04
„Weltklasse!“ tönte der das Spiel Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt kommentierenden 90elf-Reporter in sein Mikro. In der ersten Halbzeit, es stand noch 0:0. In der zweiten Hälfte verrenkte er sich dann zu einem Satz wie diesem: „Diese Führung wird sich Schalke heute vielleicht nicht mehr nehmen lassen.“ Ein scheiß Satz, natürlich. Aber das Gefühl dahinter ist schon nachzuvollziehen. Man weiß einfach nie so richtig woran man ist. Nicht nur auf Schalke.
Werder Bremen hofft darauf, dass der Sieg in München nach mäßigem Saisonauftakt die Wende darstellt. Die Bayern wähnten sich nach durchwachsenem Start gerade auf dem richtigen Pfad und kassieren dann eine solche Klatsche. Leverkusen ist im Moment obenauf, allerdings ging es Gegner Hannover 96 bereits vor dem 0:4 nicht so gut und man verlor auch schon ein Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Als Letztes wurde heute der HSV von Wolfsburg zurück in die Reihe geschubst.
In dieser Liga des Unperfekten steht Schalke 04 ganz oben, weil es seine übelste Leistung im Europapokal ablieferte. In der Liga gab es ein Unentschieden in Bremen, mit dem man angesichts des Spiels zufrieden sein konnte, und ein Unentschieden in Dortmund, dass im Ordner „Derby-Kuriositäten“ abgeheftet werden kann und das bereits mit dem folgenden Spieltag seine Nachhaltigkeit verlor. Wenn man auf Platz 1 steht kann man nicht zuvor die entscheidenden Punkte verloren haben, wenn’s am Ende zur Zielerreichung nicht genügt.
Jeder Trainerwechsel schürt Erwartungen, man giert nach dem Anderen, nach Verbesserungen. Und wenn Schalke dann beim Stand von 1:0 das Fußballspielen einstellt fragt man sich, wieso eigentlich nur Werder Bremen nie aufhört nach vorne zu spielen. Ob Fred Rutten die Antwort kennt oder ob er noch nach einer Lösung sucht: Das würde unsereins gerne wissen. Hoffentlich Letzteres.
Immerhin hat Schalke nun einen Trainer, der die Sachen auf den Punkt bringt. In Dortmund war man „ein bisschen Arrogant“, gestern bemerkte er ungefragt, dass ihn die Pfiffe gegen Kevin Kuranyi enttäuscht hätten und stellte fest, dass die Steigerung zum Spiel gegen Borussia darin zu finden war, dass Schalke über 90 Minuten die Ordnung nicht verloren hat.
Angenehm der Mann, und wenn man die Spiele seiner Mannschaft genau verfolgt eignet sich Trainer Rutten auch weiterhin als Hoffnungsträger. Neue Trainer brauchen eine Weile, bis alle Spieler ihn, seine Ziele und seine Methode verstehen. Das gilt nicht nur für Schalke und Rutten, das gilt bis runter zu Dortmund. Vermutlich werden wir noch eine ganze Weile in sehr kurzen Abständen Beiträge lesen können, in denen erklärt wird wieso genau der eine Neue zu seiner Mannschaft passt und der andere wohl doch eine Fehlbesetzung darstellt. Diese Saison wird noch lange Spaß machen – ich hoffe sehr für mich selbst, nicht nur objektiv.
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