Die Pfiffe gegen Kevin Kuranyi werden nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt fast häufiger kommentiert als das Spiel selbst. Zumeist wird das 1:0 als Pflichtsieg beschrieben. Wenn es den Einen darum geht, das Spiel anzuhalten, muss es den Anderen darum gehen, es bis zur Führung fortzusetzen. Mehr ist eben nicht passiert. Außer dem Auspfeifen Kuranyis.
Wie gehabt: Zum hier an- und dort weiterlesen. Vielleicht meinungsbildend, vielleicht als Diskussionsgrundlage. Stoff für spannenden Gespräche in Bus und Bahn, am Arbeitsplatz oder um die Frau beim Kaffee damit zu nerven.
Stefan vom Frankfurter Blog-G fand Schalke schwach und bei seiner Eintracht weder Kampfkraft noch Willen:
Kampf, Einsatz, Wille. Tugenden, die die Anhänger von Eintracht Frankfurt am gestrigen Samstag von Beginn an vergeblich bei ihrer Mannschaft, nicht unbedingt phasenweise bei einigen der Einzelspieler, suchten. Dieser mannschaftliche Wille, etwas im Grunde unmögliches zu stemmen, war niemals zu spüren.
Und deshalb hatte Eintracht Frankfurt diese Begegnung verloren, bevor sie angepfiffen war. Natürlich war das Spiel auch auf dem Platz dann verloren, als Schiedsrichter Fandel den Brasilianer Chris nach dessen Unbeherrschtheit früh und völlig korrekt des Feldes verwies. Aber die Begegnung wäre auch schon vorher verloren gewesen, hätten die Schalker eine ihrer zahlreichen Möglichkeiten gerade in der Anfangsphase zu nutzen gewusst. Bezeichnend, dass ausgerechnet eine eher weniger zwingende Aktion zum entscheidenden Treffer führte. Tor gefallen, Niederlage erwartungsgemäß und demütig besiegelt, der Rest des Spieles war Langeweile.
Matthias in der Weide kommentiert in seinem Blog Schalkefan:
Ein hochverdienter Sieg, wenngleich keine Glanzleistung, bei dem sich Frankfurt als guter Gast präsentierte und nach gut 30 Minuten selbst schwächte. Dass Schalke danach in 60 Minuten gegen 10 Mann nur einen Treffer erzielte, den auch noch mit tatkräftiger Hilfe von Ochs, der die Kugel zusammen mit Jefferson Farfán ins Netz stocherte, könnte jetzt Anlass für größere Mäkelaktionen sein – muss es aber nicht. Es war ein „schmutziges 1:0“ in einem „schmutzigen Spiel“. Doch die Punkte stinken nicht.
Kevin Kuranyi steckt zwar derzeit in der Tat in einer Formkrise und bekommt so gut wie nichts auf die Kette, dennoch geht es mir nicht in den Kopf, warum nun schon wieder das viel zu oft praktzierte “Sündenbock-Spielchen” beginnt. Schade.
Kai erklärt in seinem S04 Saisonblog die destruktive Eintracht für schuldig am nicht ansehnlichen Spiel und sieht keine Leistung bei Kevin Kuranyi:
Frankfurts Taktik war offensichtlich: Mit Mann und Maus verteidigen und auf einen glücklichen Konter hoffen. So konnte das natürlich kein ansehnliches Spiel werden. Die Königsblauen versuchten den Ball schnell und direkt durch die eigenen Reihen laufen zu lassen und so lücken in die Abwehr der Eintracht zu reißen. Ab und an gelang das auch.
Kuranyi tat noch einmal das, was er schon seit Wochen bzw. Monaten tut: Hundertprozentige Chancen versieben. Keine Ahnung was mit dem Kerl los ist. Bringt absolut keine Leistung mehr. Keine Aktion will ihm gelingen. Nicht mal die Ballannahme nach einem simplen Zuspiel. Entsprechend laut waren die Pfiffe der eigenen Fans, als er in der 83. Minute ausgewechselt wurde. Ich persönlich hoffe ja, dass er diese Krise – die ja schon seit der letzten Saison besteht – endlich mal überwindet.
Cornelius hat Kevin Kuranyis Stärke bereits im Namen seines Blogs und hat auf eine Bewertung des Spiels gegen die Eintracht komplett verzichtet. Stattdessen macht er sich Gedanken darüber, ob Fans überhaupt das Recht haben, Spieler auszupfeifen:
Jeder Schalker muss doch ein Interesse daran haben, dass Kuranyis Leistungen wieder besser werden. An dieser Stelle muss ich mich als Fan doch fragen, ob Pfeifen diesem Interesse widerspricht oder eben nicht. Glaubt wirklich jeder, der pfeift, dass er so Kuranyi, der Mannschaft und dem gesamten Verein hilft? Oder geht es bloß darum, seine eigene Unzufriedenheit zu äußern? Ist ein solches Verhalten nicht extrem „blöd“ und egoistisch? Braucht eine Mannschaft egoistische „Fans“, die glauben ein Recht auf gute Leistungen eines jeden Spielers zu haben, „Fans“ die bloß unterhalten werden wollen?
Zbigniew Menschinski sieht bei Readers Edition die Schalker mit Wiener Schmäh auf dem Weg zur Meisterschaft:
Der Sieg gegen Frankfurt war reine Formsache, die Partie ein besseres Trainigsspiel für die Königsblauen. Vier, fünf, sechs hervorragend herausgespielte Torchancen von Kuranyi und Rafinha, darunter ein Freistoß an die Latte – dabei ließen es die Schalker nach 25 Minuten bewenden, um den Sparringspartner nicht unnötig zu demoralisieren.
Mit der Gelassenheit eines orthodoxen Escorial-Trinkers meisterten die Schalker die zweite Halbzeit. Zunächst übten sie das Rückpass-Spiel über mehrere Stationen, dann die optimale Zeitausnutzung bei Torevorsprung. Die Frankfurter sahen 20 Minuten lang nur staunend zu und lernten viel für ihr weiteres Verbleiben in der ersten Liga.
Thomas Kilchenstein von der Frankfurter Rundschau schreibt gleich zwei Texte, einen zur Eintracht und einen über Kevin Kuranyi:
Natürlich hat kein Mensch erwartet, dass die Eintracht, nicht eben brillant in die Saison gestartet, die Schalker im eigenen Stadion überrennt. Aber ein bisschen mehr Fußball hat man sich schon erhofft. Ein bisschen mehr Mut vielleicht auch. Doch dazu war die Eintracht nicht in der Lage
UND
Dummerweise sprang ihm dann noch der eine oder andere Ball vom Fuß, dann drosch er freistehend einen Ball weit übers Tor, schließlich lag er bei Vicente Sanchez Abstaubertor im Abseits. Spätestens da war das Maß voll, zumal seine technischen Unzulänglichkeiten auch deshalb so auffielen, weil neben ihm der Zehn-Millionen-Mann Jefferson Farfan mächtig auftrumpfte.
Ansonsten gibt es bei derwesten.de gleich vier Beiträge, die sich sehr viel mehr mit den Pfiffen gegen Kevin Kuranyi als mit dem letzten Spiel der Königsblauen beschäftigen. Einer davon ist gar eine Bildstrecke(!) und trägt den Titel „‚Chancentod’ – Pfiffe gegen Kuranyi“; zusammengestellt im Übrigen von MSV-Tina Halberschmidt.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass mittlerweile nichtpfeifende Schalker eine Aktion gegen pfeifende Schalker gestartet haben, in der sie den pfeifenden Schalkern absprechen, Schalker zu sein. Titel und gleichzeitig Name einer entsprechenden Website: Nur Pfeifen pfeifen.
Na denn, Glückauf.







Auf die Bewertung des Spiels gegen Frankfurt habe ich nicht verzichtet. Wollte bloß die Sonntagsspiele abwarten, um zu sehen, was das 1-0 wert ist. ;-)
Gruß und Glückauf,
Cornelius
mutanten tiere sensationen: Kevin und die Pfeiffen