Kuranyi erledigt Löws Job

Kevin Kuranyi gehörte nicht in die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Seinen Aufstellungen zu Folge hat Joachim Löw das schon immer geahnt. Letzte Nacht befreite Kevin Kuranyi den Trainer von der Last einer Entscheidung. Dafür sollte Joachim Löw dem Stürmer dankbar sein, denn mit Entscheidungen hat er’s nicht so.

Wenn Löw „knallharte“ Entscheidungen zu treffen hat, wie bei der Zusammenstellung des Kaders für die letzte EM, pickt er sich als „Härtefälle“ den zweiten oder dritten Torwart heraus und streicht 19-jährige Nachwuchsprofis von Zweitligamannschaften. Kevin Kuranyi nahm er mit zur EM, vermutlich weil es „den Kevin“ schon 2006 so hart traft, nicht weil er ihn spielen lassen wollte. Denn er ließ ihn nicht spielen.

Löw traute Kevin Kuranyi nicht zu, seine Mannschaft weiterzubringen. Ob das richtig oder falsch war muss nicht diskutiert werden, dass ist unerheblich. Die fehlenden Einsatzzeiten zeigten, dass der Bundestrainer Kuranyi nicht vertraute. Und dass es um Vertrauen, und nicht etwa um Form ging, zeigen die regelmäßigen Einsätze von Spielern, die in ihren Clubs schlechte Leistungen bringen oder überhaupt keine Berücksichtigung finden.

Also vollzog Kuranyi, wozu Löw so lange nicht in der Lage war, und beendete die gemeinsame Arbeit. Und nicht sofort, aber nach eingehender Beratung wusste die DFB-Führung den von Kuranyi geschundenen Strafstoß zu verwandeln.

Als DFB-Mediendirektor Harald Stenger erklärte, dass Kuranyi „nicht mit dem Bus zurückgefahren“ sei, hielt ich dass zunächst für eine Anspielung auf Jens Lehmann, der einst nach einem ähnlichen Ausriss während eines laufenden Spiels der Legende nach mit der Straßenbahn von Leverkusen nach Gelsenkirchen gefahren ist. Hut ab, dachte ich mir, hatte ich Spaß an der Schlagfertigkeit des sonst recht drögen Herrn Stenger. Bis ich merkte, dass der Satz nur den einfachen Sachverhalt erklären sollte.
Auch Joachim Löw brauchte eine Weile, um seine Chance zu erkennen. Es soll ein Gespräch mit Kuranyi geben kündigte der Bundestrainer zunächst an. Erst nach Rücksprache mit Theo Zwanziger, bei dem er sich laut Medien „Rückendeckung“ holte, wusste er was zu tun war, zeigte sich enttäuscht und „schmiss Kuranyi raus“, der längst nicht mehr „drin“ war.

Also „entsorgte“, so schreibt es die dpa, der Bundestrainer den Spieler, dessen Abwesenheit er nicht in der Kabine, sondern erst beim gemeinsamen Durchzählen im Mannschaftsbus bemerkte, und hat vor dem nächsten Turnier eine „schwere Entscheidung“ weniger zu fällen. Es sei der „neue Kurs“, bei dem „wieder ein bedingungsloses Leistungsprinzip an erster Stelle stehen soll“, von dem sich der Bundestrainer auch nicht durch den „stillosen Abgang des beleidigten Reservisten Kuranyi“ abbringen lassen würde.

Es braucht mehr solcher Schreiber in der deutschen Presse. Vielleicht glaubt Joachim Löw irgendwann selbst dran, für Fußballdeutschland wäre es ein großes Glück. Dass die anderen Spieler, die auch schon längst nicht mehr dazugehören sollten, aber trotzdem immer wieder dabei sind wenn es drauf ankommt, auch von alleine nach Hause fahren, darauf sollten wir uns nicht verlassen.



26 Kommentare zu “Kuranyi erledigt Löws Job”

  1. moritz sagt:

    guter beitrag, aber um welche spieler, die schon längst nicht mehr dabei sein sollten, geht es? mir fällt höchstens frings ein, der gestern zu recht nur kurz spielte, und metzelder, der nicht nominiert wurde.
    dass löw allerdings ab und an an spielern zu lange festhält ist ja keine neuigkeit

  2. Einen warmen Applaus für Kevin | catenaccio sagt:

    [...] 15:30, der Fußballszene, beim Abenteur Fußball und beim Blog-G). Nein, ich bin mir sicher, auf Schalke wird man ihn verstehen. Ganz sicher. Wirklich ganz sicher. Ganz bestimmt. Ich freu mich [...]

  3. Kai sagt:

    Ich denke gerade an den Handschlag, den Kuranyi dem Löw damals verweigerte, als er ausgewechselt wurde. Ich weiß leider nicht mehr, bei welchem Spiel das war. Ich denke aber, diese Situation führte den endgültigen Bruch zwischen Kuranyi und Löw herbei.

  4. Kuranyi beendet Karriere in Nationalelf - FC Schalke 04 | Die Saison 2008-2009 sagt:

    [...] die in ihren Clubs schlechte Leistungen bringen oder überhaupt keine Berücksichtigung finden…] ganzen Bericht lesen Tags: [...]

  5. Stefan (Weltsicht Südtribüne) sagt:

    “Löw traute Kevin Kuranyi nicht zu, seine Mannschaft weiterzubringen. Ob das richtig oder falsch war muss nicht diskutiert werden, dass ist unerheblich.”

    Mit Verlaub, das ist großer Schmu. Denn genau darum geht es. Alles andere ist unerheblich.

  6. Torsten Wieland sagt:

    @ Stefan: Ich denke, dass man mit der Leistungsfrage gerade am falschen Ende der Nationalmannschaftskarriere des Kevin Kuranyi steht. Weshalb ich auch so viele Kommentare der Blogger-Kollegen als am Thema vorbei empfinde.

    @ Kai: An eine solche Situation kann ich mich nicht erinnern. Kuranyi hat sich das mal mit Slomka erlaubt, bei Neuers Wunderspiel in Porto. Vielleicht vertust Du Dich da?!

    @ Moritz: Mir geht es nicht um den Kader eines Spiels. Das Frings derzeit nicht zur ersten Elf gehört ist ja eigentlich nicht wegen seiner Leistungen überraschend, sondern weil man solches von Löw nicht gewohnt ist. Trotzdem kann ich dieses Leistungsgequatsche noch nicht glauben, und auch nicht, dass sich das Gespenst Metzelder wirklich schon in Luft aufgelöst hat. Dabei standen beim letzten Turnier, vor dem schließlich auch nur die Leistung zählte, zu viele Spieler im Kader, die im Halbjahr zuvor kaum gespielt haben.

    Vielleicht ist das aber auch eine Frage der Sichtweise. Die Nationalmannschaft als losgelöstes Gebilde, bei dem nur zählt was in der Nationalmannschaft passiert, oder die Nationalmannschaft als Auswahl aus den Leistungen, die die Spielberechtigten in ihren Clubs Woche für Woche anbieten. Eigentlich ein Thema für einen eigenen Beitrag.

  7. Cornelius sagt:

    Ich sehe es ähnlich. Kuranyi spielte unter Löw bisher keine Rolle und er hätte auch weiterhin keine gespielt. Löw hatte allerdings nicht den Mumm, das so auszusprechen und so bedurfte es eines enttäuschten Kuranyis, der dem Bundestrainer so toll auflegte, dass dieser nur noch einschieben brauchte.

  8. hellwach sagt:

    In der Pause habe ich ca. 5m oberhalb von Kevin Kuranyi gesessen. Auf die Leinwand geguckt. Wie er sehen können, wie Kevin, ganz vorne im Bild, das Nutella-Glas leert, das neue gereicht bekommt und öffnet.
    Während auf dem Feld zwei mir nicht bekannte Übungsleiter mit den fünf Reservisten Gymnastik machen.
    Da mag der Kevin (hab ich von ner Bayern-Lady auch) noch nen Spruch gehört haben… und peng! isser gegangen.

    26 Jahre alt.

    Besser wäre es gewesen, den Jungs eine Kiste Brinkhoffs Nr. 1 oder besser noch Veltins in die Kabine zu versprechen und dem Trainer zu sagen: Am Mittwoch ff bitte ohne mich.

    Warum hat der Bengel einen Berater? Warum haben wir immer wieder Spieler, die sich nicht an die Regeln halten, die ich jeden Tag beachten muss?

    Herr Kuranyi gehört ebenso wie die gescholtenen, aber unantastbaren Rafinha, Lincoln, Ze Roberto (Ironie-Fähnchen) zur Rogon-Agentur.

    Bordon und Ernst auch – ich weiß.

    Gibt es eine Statistik (Tabelle, Untersuchung, Erhebung) Spieleragenturen zu Erfolg?

    Wer bezahlt Andreas Müller?

    Ich habe schon oft gesagt: ” Warum haben wir nicht so einen wie den” als der Kuranyi noch in Stuttgart spielte.

    Können wir Gomez kriegen? Damit der auch nicht mehr ganz so gut ist?

  9. Hirngabel sagt:

    Also bei aller nachvollziehbarer Kritik an der Entscheidungsunfreudigkeit von Jogi Löw:
    In Sachen Kuranyi und seine Position in der Sturmabteilung der Nationalmannschaft zieht die Argumentation “Löw stellt nur nach Vertrauen und nicht nach Form auf” einfach nicht.

    Wenn man sich die Statistik aller 5 diesmal Nominierten an, dann steht Kuranyi nun mal an letzter Stelle. Lediglich Poldi war vor dem Spiel in etwa auf demselben Level was die Tor- und Vorlagenausbeute angeht – hat aber die deutlich größeren Meriten bei der Nationalelf und deswegen sicherlich Vorrecht, zumal er auch zuletzt zumindest für Deutschland regelmäßig traf.

    Sicher standen die Chancen für Kuranyi bei Löw nicht mehr gut und Frust ist von daher verständlich. Aber mein Gott, der Junge ist 26 und hat definitiv Potential, so dass es unfassbar unprofessionell ist, die Brücken derart einzureissen. Löw ist schließlich (höchstwahrscheinlich) nicht für die nächsten 10 Jahre Nationaltrainer – aber bei so einem Verhalten müsste er schon drei, vier Jahre in Folge deutlich Torschützenkönig werden, um beim DFB nochmal einen Fuß in die Tür zu bekommen.

  10. Phil sagt:

    Nach der ganzen widerlichen, einseitigen und mal wieder überhaupt nicht überraschenden Berichterstattungen der traditionellen Medien war ich richtig froh heute morgen hier das zu lesen. Danke!

  11. Stefan (Weltsicht Südtribüne) sagt:

    Hirngabel, mit der Statistik ist das so eine Sache. In der Bundesliga war von den 5 in den letzten Jahren tatsächlich nur Gomez treffsicherer.

    In der Nationalmannschaft aber eben nur Helmes erfolgloser. Helmes allerdings ist jünger und spielstärker als Kuranyi.

    Das einzige, was man Löw vorwerfen könnte, ist, dass er nicht Kießling nominiert hat. Was Kuranyi in dem Fall allerdings angestellt hätte, möchte ich gar nicht wissen.

    Oder? Doch, das möchte ich wissen…

  12. Casi sagt:

    möchte mich meinem Vorredner Phil anschliessen, was diesen Artikel hier angeht. Traurig, dass auf einmal die ganze Welt eine Meinung zu Kuranyi haben muss – unerheblich, ob man sich vorher überhaupt mit dem Spieler befasst hat – geht mir in meinem Umfeld zumindest gerade so…
    Klar ist Kuranyi gerade nicht in der Form seines Lebens, aber ich erinner mich, dass er unter Klinsmann vor der WM der erfolgreichste Stürmer in den Länderspielen war – man sollte also hier nicht mit nackten Zahlen argumentieren, wenn man Kuranyis Tribünenplatz erklären will…

  13. Torsten Wieland sagt:

    Wie ich sehe werde ich nun auch von Stefan verstanden. Tatsächlich hätte ich es nur konsequent gefunden, wenn der Bundestrainer Kießling vorgezogen und Kuranyi klar gesagt hätte, dass er ihn nicht braucht. Eben nicht so wischiwaschi.

    Auch will ich gar keine Argumente suchen, wieso Kevin Kuranyi einem anderen Stürmer hätte vorgezogen werden sollen. Ich weiß selbst um die Schwächen von Kuranyi, weiß wie er zu kritisieren ist. Daneben ist er Stammspieler, regelmäßig bester Torschütze und Leader einer Bundesligamannschaft, die den Ergebnissen nach in den letzten Jahren ganz gut dabei war. Da muss ein Bundestrainer eben mal entscheiden, ob er so einen will oder nicht. Kuranyi wie einen Debütanten mit Nationalmannschafts-Schnupperkursen zu halten empfinde ich als albern.

    Insofern habe ich vollstes Verständnis für Kuranyis Entscheidung. Aber natürlich wäre der Ausstands-Bierkasten, wie von hellwach angeregt, der coolere Abgang gewesen.

    Und hier noch ein Zitat aus einem der ganz wenigen Pro-Kuranyi-Artikeln, die es derzeit zu finden gibt. Christian Witt schreibt bei focus.de:

    „Dass der Deutsche Fußball-Bund und Bundestrainer Joachim Löw den Rücktritt jetzt aber als Rauswurf deklarieren, passt zum mangelhaften Respekt, den der durchaus verdienstvolle Kevin Kuranyi in den letzten Jahren erfahren hat.“

  14. tumulder sagt:

    Ich unterschreibe Deinen Post zu 100%.

  15. Stefan (Weltsicht Südtribüne) sagt:

    Musst halt mal klar sagen, was Du meinst, Torsten. :-P

  16. Flanke - Kopfball - Tooor!!!» Blogarchiv » Die Leiden des Kevin Kuranyi sagt:

    [...] diesem Thema äußert sich unter anderem die “Schalkeblogger” Torsten Wieland vom Königsblog, Mathias in der Weide von Schalkefan, tumulder von Zeitverschwender und Kai Harmuth vom Saisonblog [...]

  17. Der Kukuku « angedacht sagt:

    [...] Die Bewertungen sind sich weitgehend einig bezüglich der Art des Abgangs, während sowohl die Schuldfrage dieses Spektakels als auch die nach der sportlichen Berechtigung nicht ganz so eindeutig gesehen [...]

  18. Stefan sagt:

    Torsten, etwas o.T., aber trotzdem: Findest Du den Focus-Artikel wirklich wert, verlinkt zu werden? Ein Artikel, der mit den Worten …

    “Der junge Familienvater hat mit Ehefrau Victorija einen Sohn namens Carlo, 3, und Töchterchen Vivien Carmen, die just am Jahresanfang geboren wurde. Zwei Kinder, die sehr glücklich darüber sind, dass der Papa jetzt öfter mit ihnen spielt.”

    … endet und sich auch sonst auf diesem Niveau bewegt?

  19. Torsten Wieland sagt:

    @ Stefan: Du hast natürlich recht, gut ist der Beitrag bei focus.de auch nicht, definitiv zu dick aufgetragen. Aber ich fand den zitierten Absatz zitierenswert, und deshalb habe ich das so gemacht.

    Erträgliches Niveau ist in den Kommentaren zu diesem Vorfall sowieso ganz schwer zu finden.
    Und während Herr Witt mit der Sache mit Kuranyis Familie als Antwort auf den vielzitierten Spruch von „Kevin allein zu Haus“ an den Schluss seines Beitrags setzt, findet Frank Hellmann die Familienverhältnisse Kuranyis sogar so wichtig, dass er damit seinen aktuellsten Beitrag bei fr-online.de damit beginnt.

  20. Dirk sagt:

    Konnte Kuranyi noch nie ausstehen und bin froh, dass ich ihn im Nationaltrikot nicht mehr sehen muss. Finde es allerdings lächerlich, wenn Leute die ihn im eigenen Stadiaon auspfeifen hier Partei für ihn ergreifen. Wünsche allen auf Schalke noch viel Spass mit diesem Spieler.

  21. Torsten Wieland sagt:

    Danke für die offenen Worte. Wer pfeift und ergreift Partei?
    Muss ich wissen, damit ich ihn rausschmeissen kann.

  22. Nick sagt:

    Dass das ein “Rücktritt” von Kuranyi war, ist mMn Quatsch. Das hat man doch an seiner heutigen PK gesehen. Er hatte am Samstag einfach mal wieder zu viele Gedanken im Kopf. Und das tat ihm nicht gut. Ein klassischer Fall von Kurzschlussreaktion.

  23. Torsten Wieland sagt:

    Sicher war es eine Kurzschlussreaktion, in der Halbzeit einfach abzuhauen. An verschiedenen Stellen war zu lesen, dass Kuranyi direkt nach der Mannschaftsbesprechung auf Löw zugegangen ist. Ich denke er wusste was er tat.

    Aber ist jetzt eigentlich auch wurscht, ich lasse es nun mal gut sein, sonst beginne ich mich noch mit Beckenbauer zu beschäftigen und dann macht’s erst recht keinen Spaß mehr. Ich glaube meine Meinung zum „Fall Kuranyi“ klargemacht zu haben. Kuranyi ist weg, oder wieder da, je nach Blickrichtung. Und der Streit sitzt noch, in Gelsenkirchen, obwohl der auch gerne „den Kuranyi machen“ würde, aber der hat noch Vertrag. Vermutlich ist dieses Sitzen von Streit für meine persönliche Saison noch nachhaltiger als das nicht mehr Sitzen von Kuranyi.

    Als meinen persönlichen Abschluss zu diesem Vorfall nur noch ein letztes Zitat und ein Link zu einem treffenden Kommentar. Herr Koslowski schrieb:

    Im Prinzip iss datt wie `ne Beziehung beenden, oder? Irgendwann komms` du halt anne Stelle, wo du dich frags`: Watt bringt datt alles? Du machs` und tus` watt die Alte sacht, brings` den Müll raus, saugs` Staub, spüls` ab und putzt auch ma` den Pott. Abber wenn datt darauf ankommt, dann spiel`n trotzdem andere immer die erste Geige. Irgendwann iss halt ma` Essich.

    [via Wolfgang]

  24. Lucho sagt:

    Respekt für diesen sehr klaren Standpunkt!
    In Bezug auf Herrn Löw sehe ich die Sache ähnlich. Ihm gelingt es einfach nicht, seine Personalentscheidungen klar zu begründen. Dass er diese am “gnadenlosen Leistungsprinzip” festmacht, entbehrt spätestens seit der EM (Metzelder!, Odonkor!) jeglicher Grundlage. Er ist eine Schmusekatze, die es allen recht machen und mit allen Ausgebooteten immer noch mal ganz intensiv reden möchte. Er mag halt gewisse Spieler, und andere nicht. Das ist meines Erachtens seine primäre Entscheidungsgrundlage, und als Trainer auch sein gutes Recht. Insofern hat er sich beim Kuranyifall plötzlich als konsequenter, harter Hund profilieren, und so unverhofft sein Image sprunghaft in eine vom Boulevard geliebte Richtung verändern können. Damit hat er es anhand des unsäglichen Sozialverhaltens Herrn Kuranyis am Wochenende allerdings leicht gehabt.
    Größere Sorgen als die Probleme des Bundestrainers, bei notwendigen Personalentscheidungen Tacheles zu reden, bereitet mir persönlich aber die psychische Verfassung, in der sich der mit Abstand erfolgreichste Schalker Stürmer der letzten Jahre heute in der PK präsentiert hat. Wie verletzt muss man sein, um sich zu einer solchen Kurzschlussreaktion hinreißen zu lassen? Welche Kraft ist da in der Vergangenheit aufgewendet worden, um all die subjektiven Kränkungen nach außen hin mit guter Mine zu überspielen? Dabei haben ganz offensichtlich auch die Pfiffe der inzwischen leider einflussreichen Operettenfraktion in der SchalkeArena einen Beitrag geleistet. Ich mag mir kaum ausmalen, was auf Herrn Kuranyi künftig bei Auswärtsspielen zukommt oder wie dankbar die Presse sein jetzt superproblematisches Image pflegen wird.
    Stellt sich die Frage, warum ein hochbezahlter Profi heutzutage zwei Berater hat, wenn er mit Mitte zwanzig trotz guter Finanzlage kreuzunglücklich ist (s. z.B. auch Deisler).
    Für den Schalkefan resultiert die klare Entscheidung, wie in Zukunft mit dem Menschen und Familienvater Kevin Kuranyi umzugehen ist, und zwar jenseits seiner Leistungen auf dem Platz. Auf Unterstützung kann er nur auf Schalke hoffen. Wenn ihm die jetzt nicht zuteil wird, sehe ich schwarz für seine weitere Karriere. Und dann würden meiner Ansicht nach auf Schalke wieder viele jammern müssen, dass der Mann, der immer für 15 Buden gut war, vergrault wurde.

  25. Andre sagt:

    Klar, Schalke-Blog und so, aber was mir hier fehlt ist z.B. das Hinterfargen, welches Alleinstellungsmerkmal ein Kuranyi hat, welches ihn zu einem berechtigten Nationalspieler macht. Mir drängt sich eher die Frage auf, warum Löw ihn überhaupt noch mitgenommen hat, nicht warum er hinter den anderen in der Hierarchie stand.
    Außerdem kann ich nicht nachvollziehen, warum man hier Bundesligamaßstäbe anlegen will und Erfolge aus vergangenen Saisons. Ich bin überzeugt, wenn Löw im Training den Eindruck gewonnen hätte, dass es erfolgsversprechender ist Kuranyi auszustellen (in den Kader zu nehmen), dann hätte er es getan. Vielleicht waren da andere eventuell doch engagierter? Am Fall Kuranyi jedenfalls abzulesen, dass Löw Lieblinge hat und nicht nach Leistung aufstellt halte ich fast schon für absurd. Andere Positionen böten sich da eventuell schon eher für derlei Gedankengänge an.

  26. Lucho sagt:

    Nur zur Klärung:
    Ich habe das auch gar nicht am Fall Kuranyi festgemacht. Deswegen war es für Herrn Löw ja auch so einfach, diesen Bann auszusprechen. Mir ging es hier v.a. um die Nominierung zur EM, zu der mit Lehmann und Metzelder zwei Spieler ohne jegliche Spielpraxis als Stammkräfte, und dazu mit Odonkor noch ein weiterer als Ergänzungsspieler eingeladen wurden. Dass Löw auf den Stürmertyp Kuranyi nicht so steht, und im Zweifel mit viel Geduld den im Verein erfolgloseren Münchner Stürmern vertraut, kann ich nachvollziehen, aber das müsste er dann auch mal klar kommunizieren.

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