Zwei hin, ein’ im Sinn

„Hin“ zur Regionalligamannschaft wohlgemerkt. Ab sofort trainieren Gustavo Varela und Carlos Grossmüller im Kader der Mannschaft, die man heute „Schalke II“ nennt. Aus disziplinarischen Gründen. Und „im Sinn“ hat die Schalker Anhängerschar nun Levan Kenia. Der wurde letzten Samstag 18 Jahre alt. Seitdem gilt sein Lizenzvertrag.

Varela und Großmüller sollen „vorerst am Trainingsbetrieb“ der zweiten Mannschaft teilnehmen. Da sie aber sonst nichts zu tun haben, könnten sie eigentlich auch gleich am kommenden Wochenende in Wanne-Süd an der Seite von Willi Landgraf und möglicherweise auch Albert Streit und oder Peter Lövenkrands gegen Borussia Dortmund II spielen. Dürfen dürften sie jedenfalls.

Die DFB-Spielordnung sagt zwar:

Stammspieler einer Lizenzspieler-Mannschaft sind für eine andere Mannschaft ihres Vereins mit Aufstiegsrecht nicht spielberechtigt

Aber das die keine Stammspieler …
Aber da steht’s ja auch:

es sei denn, sie sind in vier aufeinanderfolgenden Pflichtspielen der Lizenzspieler- Mannschaft (Meisterschaft und Pokal) nicht zum Einsatz gekommen, obwohl sie für einen Einsatz spielberechtigt gewesen wären.

Also völlig unstrittig. Und überhaupt gilt als Stammspieler einer Lizenzmannschaft nur …

wer nach dem fünften Meisterschaftsspiel der Lizenzspieler-Mannschaft zum jeweiligen Zeitpunkt in mehr als der Hälfte der bis dahin ausgetragenen Pflichtspiele (Meisterschaft und Pokal) der Lizenzspieler-Mannschaft seines Vereins eingesetzt worden ist

In der Spielordnung gibt’s auch noch einen Absatz dazu, wie ein Lizenzspieler den Stammspielerstatus zurückerlangt. Aber dieses Szenario kann ich mir bei den genannten Spielern derzeit nicht vorstellen. Machen wir es also kurz: Ich sage Bescheid wenn es soweit ist.

Inwieweit sich Levan Kenia Chancen auf einen Stammspielerstatus im Sinne des DFB ausrechnen kann, muss man mal abwarten.
Was seine Spielberechtigung angeht, war ich wie viele andere Fans auch, lange Zeit auf dem falschen Dampfer. Ich weiß nicht wer mir diesem Floh ins Ohr gesetzt hatte, aber ich dachte dass es eine Regel gäbe, nach der in der Bundesliga Spieler unter 18 nur dann spielberechtigt seien, wenn sie aus EU-Mitgliedsstaaten stammen. Tatsache ist aber, dass Levan Kenia schon in den ersten Spielen der Saison hätte eingesetzt werden können, wenn Schalke 04 eine Spielberechtigung beantragt hätte.

Letzten Endes hat mich eine sehr freundliche Frau Dimitriou von der DFL überzeugt, die mir als Antwort auf meine Mail und meine penetranten Nachfragen die Sache in drei seelenruhigen Antworten aufbröselte und mir einen Link zur „Lizenzordnung Spieler (LOS)“ schickte. Dort ist in §14 die Spielerlaubnis für Amateure und Vertragsspieler in Lizenzmannschaften geregelt.

In Zeiten, in denen eine ehemalige Winterhoffnung nach der anderen wegbricht und die Mannschaft gerade keinen allzu begeisternden Fußball spielt, hofft man natürlich trotzdem immer auf etwas Neues. Und sei es auch nur der eine oder andere Kurzeinsatz eines jungen, schmalschultrigen, georgischen Nationalspielers, der ein wenig Tempo macht, vielleicht mal einen schönen Pass spielt …
Ma’kucken.

Links:
DFB-Spielordnung
Lizenzordnung Spieler (LOS)

[Foto: Laura Ohrndorf]



4 Kommentare zu “Zwei hin, ein’ im Sinn”

  1. Manfred sagt:

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich mich weitaus mehr über den Fußball freue, den Hoffenheim spielt, als mich noch besonders über den Ramsch zu ärgern, den Schalke sich zusammenkrampft. Muss an Rangnick liegen, denn besser als unter ihm hat die Mannschaft seither nie wieder gespielt. Und unter ihm hätte man sich sicher weitaus früher des Beitragsthemas angenommen. Puh, Kurve noch gekriegt ;-).

  2. mberghoefer sagt:

    Dass Kenia „oben“ hätte spielen dürfen, das glaub ich ja – aber dass Varela+Grossmüller „unten“, in der Regionalliga mittun dürften, da hab ich meine Zweifel.

  3. ZEIT ONLINE - ZEIT-SPIEL » Schlagwort-Neuzugang in der Winterpause sagt:

    […] Fred Rutten wird bis zum Ende dieser Saison Zeit bekommen, seine Vision des modernen Fußballs in die Tat umzusetzen. Die Herren Varela und Grossmüller scheint er dabei, anders als den China-Urlauber Rafinha, nicht mehr zu brauchen. […]

  4. Torsten Wieland sagt:

    @ Matthias: Ich nicht mehr, nachdem ich mich durch die Spielordnung gequält habe.
    Wobei mir im Text oben doch noch ein kleiner Fehler unterlaufen ist – war schon spät gestern: Die beiden(!) dürften nur mit Streit oder(!) Lövenkrands gemeinsam spielen.

    Denn in § 12a („Spielberechtigung in der 3. Liga und der Regionalliga“) steht unter Absatz 3 („Lizenzspieler“):

    Für Lizenzspieler gelten die Regelungen in § 12 Nr. 1. der DFB-Spielordnung.

    Dort wiederum (§ 12, „Spielerlaubnis in Zweiten Mannschaften von Lizenzvereinen“) ist zu lesen:

    … dürfen sich bis zu drei Spieler, die am 1.7. das 23. Lebensjahr bereits vollendet haben, gleichzeitig im Spiel befinden.

    Also nur 3.

Schreibe einen Kommentar