Typisch Schalke

Es ist typisch Schalke, eine beträchtlichen Teil des Spiels mit „geduldigem Spiel“ zu vergeuden, und sich am Ende darüber zu ärgern, dass Bielefeld 5 Minuten durch Zeitspiel klaut.
Es ist typisch Schalke, dass nach Spielen gegen solch defensive Gegner in der Sportschau eine Satz wie „Schalke hatte Probleme mit dem Spielaufbau“ zu hören ist.
Und es ist typisch Schalke, dass die Zuschauer einen brauchen, auf den sie ihren Frust abladen können.

Kevin Kuranyi ist nun zum Helden erklärt worden, also brauchte es einen Anderen. Da kam Orlando Engelaar gerade recht. Durch seine Größe wirkt selbst die gelungenste Aktion wenig elegant. Er soll eine recht hohe Ablösesumme gekostet haben, und am Geld erhitzen sich die Gemüter ja gerne. Und ihm werden ungerechte Vorteile anderen Spielern gegenüber nachgesagt, weil er gemeinsam mit dem längst nicht mehr sonderlich beliebten Trainer aus Enschede kam.
Er machte Fehler in der Defensive, und insbesondere der in Hamburg, der zum 0:1 führte, gab das Startsignal. Gestern wurde er schon auf dem Weg zu seiner Einwechslung ausgepfiffen, bevor er überhaupt einen Fuß auf dem Platz hatte.

Dabei bräuchte es noch ein paar Engelaars mehr, um Abwehrbollwerke wie das der Arminia im gestrigen Spiel zu knacken. Einige Reihen hinter mir meckerte ein Herr, der wohl kein Blog schreibt und deshalb seine Meinung von seiner Treppe aus unter das Volk bringt, dass dieser Engelaar keinen Zweikampf annehmen wurde, „der spielt doch immer sofort wieder ab!“.

Eben so sollte es sein. Leider wird im Schalker Spiel der Ball zu oft getragen. Jermaine Jones ist ein Paradebeispiel. Im Vorwärtsgang gibt er sehr häufig den Lucio.

Ab und an ging es gestern aber trotzdem schnell. Wenn Schalke direkt spielte bekam Bielefeld sofort große Probleme. Doch zu häufig gelingen Kombinationen nicht, weil entweder ein Zuspiel nicht klappt oder doch wieder einer meint, selbst losmarschieren zu müssen. Es ist kein Zufall, dass nahezu jeder Schalker Chance, die nicht aus Standards oder Querschlägern entstand sondern selbst erspielt wurde, ein einfacher Doppelpass vorausging – die kleinste Form des Kurzpassspiels.

Vielleicht ist Schalke einfach noch nicht so weit. Vielleicht wollen sie ja, aber schaffen es nicht, über 90 Minuten Richtung gegnerisches Tor zu kombinieren. Vielleicht verfallen sie deshalb in jedem Spiel in diese „geduldigen Phasen“, in denen sie den Ball von rechts nach links und zurück spielen, vergeblich auf das Geschenk einer Lücke hoffend.

Gestern wurde viel versucht, gestern hat sich Schalke einen Sieg verdient. Das es nur ein Punkt wurde lag am guten Bielefelder Torwart Dennis Eilhoff und auch zu einem guten Teil an bloßem Pech. Hätte Schalke 2:0 gewonnen, hätte ich das Spiel insgesamt wohl als Fortschritt empfunden. So ärgere ich mich über das Ergebnis, bin nicht zufrieden und kann jeden Frust über zu große Sorglosigkeit verstehen. Verteufeln will ich die Leistung aber nicht.

[Foto: Jacoplane]



1 Kommentar zu “Typisch Schalke”

  1. O-Jay sagt:

    Ich teile Deine Ausführungen voll und ganz. Klar ist das Ergebnis gegen so einen Gegner ernüchternd, aber vom Spiel der Mannschaft war auch ich nicht so enttäuscht wie manch anderer. Hätten Eilhoff und seine Abwehr so agiert wie vor Wochenfrist in Wolfsburg, dann wären auch für uns 2-3 Tore gefallen.

    Ich hoffe nur, dass jetzt nicht alles wieder in Fatalismus verfällt und alles und jeden in Frage stellt. Ich hoffe, dass Fred Rutten seine Zeit bekommt, denn weitere Unkonstanz (Inkonstanz?) hinsichtlich der sportlichen Leitung wäre Gift für den Verein. Sicherlich muss in der kommenden Transferphase die große Kabine etwas verkleinert werden und sollte vielleicht noch etwas Kreativpotenzial-verdächtiges für das Mittelfeld verpflichtet werden. Aber ich bin nicht zuletzt angesichts der noch sehr ausgeglichenen Tabelle zuversichtlich, dass wir die Saison am Ende auf der Habenseite verbuchen können.

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