Artikel im Oktober 2008

Heute heiter bis wolkig

So. Und „was sagt uns nun dieses Spiel“?
Es wird ja immer interpretiert. Seit dem neuen Trainer noch mehr.
Was kann diese Mannschaft leisten? Kann sie ohne „10er“ offensiv spielen? Ist die Abwehr noch so gut wie ihre Namen? Inwieweit war die Schwäche des Gegners „schuld“ an der Leistung?

Ermüdend.
Heute war die Defensive schwach. Heute lief das Spiel nach vorne flüssig. Heute spielten Kobiashvili und Kuranyi stark, heute brachten Altintop, Farfan und Jones ansprechende Leistungen. Heute war Engelaar keine Verstärkung und heute war Rakitic, nachdem er endlich mal wieder im zentralen, offensiven Mittelfeld wirken durfte, zwar engagiert, besondere Situationen konnte er aber nicht kreieren.

Gegen Bielefeld kann das alles schon wieder ganz anders sein.
Als das große Rätsel des Spiels bleibt nur die Frage, wieso nicht Trainer Fred Rutten, nicht Co-Trainer 1 Mike Büskens, nicht Co-Trainer 2 Youri Mulder oder nicht sonst irgendeine, für Taktik insgesamt oder Verteidigung im Speziellen zuständige Person, sondern Torwarttrainer Oliver Reck dem eingewechselten Innenverteidiger Benedikt Höwedes am Spielfeldrand die letzten taktischen Anweisungen mit auf den Weg gab.

Dies ist eine schöne Frage, die dem Trainer nach dem Spiel hätte gestellt werden können. Stattdessen wurde die Zeit mit belanglosen Fragen vertan wie der, ob sich Kuranyi heute von einer Last befreit hätte. Kokolores. Tore schießen soll er.

Mach’ mal Pause, fahr’ auf Schalke

Es besteht in Deutschland ein großer Mangel an Parkplätzen, auf denen LKW-Fahrer ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einlegen können. Als eine Sofortmaßnahme ist das Verkehrministerium von NRW an Schalke 04 herangetreten, um das Parken auf Arena-Parkplätzen zu ermöglichen, da diese – wie ja jeder weiß – in unmittelbarer Nähe zur A2 liegen.

Tatsächlich eine empfehlenswerte „Rast-Stätte“, mit allem was das Herz begehrt: Hervorragende Gastronomie, Möglichkeiten zur Bewegung verschiedener Art, Unterhaltung – und dienstags bis freitags um 12 Uhr und um 16 Uhr gibt’s Arena-Führungen.

Ich werde nun zusehen, dass ich mich langsam in den entsprechenden Trucker-Foren bekannt mache. Vielleicht finde ich ja einen, der mir zum nächsten Mitgliedervorverkauf einen guten Platz vor der Geschäftsstelle freiparkt.

[Foto: Christian Lewalter]

Zwei hin, ein’ im Sinn

„Hin“ zur Regionalligamannschaft wohlgemerkt. Ab sofort trainieren Gustavo Varela und Carlos Grossmüller im Kader der Mannschaft, die man heute „Schalke II“ nennt. Aus disziplinarischen Gründen. Und „im Sinn“ hat die Schalker Anhängerschar nun Levan Kenia. Der wurde letzten Samstag 18 Jahre alt. Seitdem gilt sein Lizenzvertrag.

Varela und Großmüller sollen „vorerst am Trainingsbetrieb“ der zweiten Mannschaft teilnehmen. Da sie aber sonst nichts zu tun haben, könnten sie eigentlich auch gleich am kommenden Wochenende in Wanne-Süd an der Seite von Willi Landgraf und möglicherweise auch Albert Streit und oder Peter Lövenkrands gegen Borussia Dortmund II spielen. Dürfen dürften sie jedenfalls.

Die DFB-Spielordnung sagt zwar:

Stammspieler einer Lizenzspieler-Mannschaft sind für eine andere Mannschaft ihres Vereins mit Aufstiegsrecht nicht spielberechtigt

Aber das die keine Stammspieler …
Aber da steht’s ja auch:

es sei denn, sie sind in vier aufeinanderfolgenden Pflichtspielen der Lizenzspieler- Mannschaft (Meisterschaft und Pokal) nicht zum Einsatz gekommen, obwohl sie für einen Einsatz spielberechtigt gewesen wären.

Also völlig unstrittig. Und überhaupt gilt als Stammspieler einer Lizenzmannschaft nur …

wer nach dem fünften Meisterschaftsspiel der Lizenzspieler-Mannschaft zum jeweiligen Zeitpunkt in mehr als der Hälfte der bis dahin ausgetragenen Pflichtspiele (Meisterschaft und Pokal) der Lizenzspieler-Mannschaft seines Vereins eingesetzt worden ist

In der Spielordnung gibt’s auch noch einen Absatz dazu, wie ein Lizenzspieler den Stammspielerstatus zurückerlangt. Aber dieses Szenario kann ich mir bei den genannten Spielern derzeit nicht vorstellen. Machen wir es also kurz: Ich sage Bescheid wenn es soweit ist.

Inwieweit sich Levan Kenia Chancen auf einen Stammspielerstatus im Sinne des DFB ausrechnen kann, muss man mal abwarten.
Was seine Spielberechtigung angeht, war ich wie viele andere Fans auch, lange Zeit auf dem falschen Dampfer. Ich weiß nicht wer mir diesem Floh ins Ohr gesetzt hatte, aber ich dachte dass es eine Regel gäbe, nach der in der Bundesliga Spieler unter 18 nur dann spielberechtigt seien, wenn sie aus EU-Mitgliedsstaaten stammen. Tatsache ist aber, dass Levan Kenia schon in den ersten Spielen der Saison hätte eingesetzt werden können, wenn Schalke 04 eine Spielberechtigung beantragt hätte.

Letzten Endes hat mich eine sehr freundliche Frau Dimitriou von der DFL überzeugt, die mir als Antwort auf meine Mail und meine penetranten Nachfragen die Sache in drei seelenruhigen Antworten aufbröselte und mir einen Link zur „Lizenzordnung Spieler (LOS)“ schickte. Dort ist in §14 die Spielerlaubnis für Amateure und Vertragsspieler in Lizenzmannschaften geregelt.

In Zeiten, in denen eine ehemalige Winterhoffnung nach der anderen wegbricht und die Mannschaft gerade keinen allzu begeisternden Fußball spielt, hofft man natürlich trotzdem immer auf etwas Neues. Und sei es auch nur der eine oder andere Kurzeinsatz eines jungen, schmalschultrigen, georgischen Nationalspielers, der ein wenig Tempo macht, vielleicht mal einen schönen Pass spielt …
Ma’kucken.

Links:
DFB-Spielordnung
Lizenzordnung Spieler (LOS)

[Foto: Laura Ohrndorf]

Mal wieder so mit alle rennen

Mal wieder 90 Minuten lang alles versuchen.
Mal ein ganzes Spiel lang so, als wäre es eine KO-Runde und es stünde 0:0.
Mal wieder alle Register ziehen. Mal während des Spiels die Taktik ändern, wenn sie augenscheinlich nicht erfolgreich ist. Und wieder zurück, wenn es sie Situation erfordert. Flexibel sein, schnell sein. Auf Schlechtes reagieren, das Gute stärken.

Mal einfach nur in einem Spiel leben, einfach nur dieses eine Spiel gewinnen wollen. Wenn einer einen schlechten Tag erwischt hat, raus mit ihm. Den mit guter Tagesform in die Verantwortung nehmen.
Sich mal wieder nicht mit einem Tor aus einer Chance zufrieden geben. Mal wieder was erspielen wollen.

Mal wieder so mit alle rennen.

Nicht das sie nicht kämpfen würden. Nur Lust, Leidenschaft ist nicht zu spüren.

H. A. M. B. U. R. G. E. R. S. V.

Horst Hrubesch ist Dorschangelexperte und spricht wie Gunter Gabriel, finde ich. Mit „Bananenflanke Kaltz, Kopfball Hrubesch“ wuchs ich auf. In der E oder D-Jugend besaß ich auch mal Adidas-Fußballschuhe die „Mannie Kaltz“ hießen. Das hat aber nichts zu bedeuten, ich hatte auch mal ein paar „Hansi Müller“.

Athen: Im Spyridon Louis-Stadion schoß Felix Magath am 25.05.1983 schon in der 8. Spielminute das entscheidende 1:0 vor 73.500 Zuschauern gegen Juventus Turin, mit dem der HSV den Pokal der Landesmeister gewann. Ich war 11, kann mich aber nicht erinnern.
Dafür fand im gleichen Stadion am 18.05.1994 das wohl niveauvollste Fußballspiel statt, dass ich bisher gesehen habe. Im Champions League-Finale besiegte der als defensiv angesehene AC Mailand die auf Offensive ausgerichtete Mannschaft des FC Barcelona mit 4:0. Ein schnelles Spiel in dem kaum gegrätscht wurde, in dem kaum ein Ball ins aus ging, nie einer vom Fuß sprang, ein Spiel in dem sich 22 großartige Spieler duellierten.

Mighty Mouse Kevin Keegan kam mit 26 Jahren, nachdem er gerade mit dem FC Liverpool den Europapokal der Landesmeister gewann, zum HSV und wurde ’78 und ’79 Weltfußballer des Jahres. Ich erinnere mich an Comics mit dem gezeichneten Kevin Keegan an Kiosken in Duisburg. Ein Weltstar. Ein anderes Selbstverständnis der Bundesliga.

Bierhoff, Oliver („L´Oréal“): Spielte seine ersten 11 Bundesligaminuten im Parkstadion, danach aber nie wieder gegen die Königsblauen. Wohl aber für den HSV, für den er in 34 Spielen 6 Tore schoss.

Ungewöhnlich kommt es mir vor, dass es in Hamburg – obwohl der HSV Tabellenführer ist und Schalke das Auswärtskontingent sicherlich ausgeschöpft hat – jetzt, zirka 17 Stunden vor Anpfiff noch ganz offiziell Karten für das morgige Spiel zu kaufen gibt. Vielleicht ist das für Hamburg aber auch nicht ungewöhnlich, weiß ich nicht.

Raute (oder „Rhombus“): Ein ebenes konvexes Viereck mit vier gleich langen Seiten (gleichseitiges Viereck), dessen gegenüberliegende Seiten parallel zueinander liegen. Für jede Raute gilt: Die beiden Diagonalen sind Symmetrieachsen. Die Diagonalen stehen aufeinander senkrecht und halbieren einander. Gegenüberliegende Winkel sind gleich groß; benachbarte Winkel ergänzen einander auf 180°. Die Winkelsumme der Innenwinkel beträgt folglich 360°.

Gefangen im Tornetz: Ditmar Jakobs beispielloser Unfall am 20.09.1989 beendete seine Karriere. Heute ist er Versicherungsmakler.

Ernst Franz Hermann Happel war wohl einer der besten Trainer aller Zeiten und – pfeif auf Krankl – der Beste den der österreichische Fußball hervorgebracht hat.

Rieger und Rothosen: Hermann Rieger wechselte 1978 vom FC Bayern zum HSV. Als Masseur, wohlgemerkt. Und als Rothosen wird die Mannschaft des HSV ab und an bezeichnet, eben wegen der … Aber rote Buxen haben viele, einzigartiger sind die typischen HSV …

Stutzen. Egal welche Trikots, welche Hosen, an den Beinen erkennt man den HSV.

Volksparkstadion hieß das Ding in Hamburg einst, das erste Stadion der Bundesliga, das seine Unschuld verlor.

Schöne Grüße und Take Me Out To Florida

Moinsen aus Florida.

Im Stile eines Leserbriefs an alle Königsblog-Leser einen schönen Gruß und Glück auf aus den USA.
Trotz des warmen Wetters, der sonderbaren Sportarten und dem herrlichen Wasser verfolge ich natürlich den Schalker Alltag, freute mich mit einem kleinen Knirps im Kuranyi-Trikot auf den Keys über seinen Wolfsburg-Doppelpack und bin mit den Auslosungen (UEFA- und DFB-Pokal) hoch zufrieden.

Wir lesen uns in 2 Wochen wieder.

kurtspaeter



Den restlichen Platz der Karte nutzte er dann noch dazu, mich neidisch zu machen. Eine NFL-Partie ist vermerkt, das College Football-Spiel der Miami Hurricanes gegen Florida State und – Oberklopper – „American League Championship Series Tampa Bay Rays – Boston Red Sox“!

Nun weiß ich natürlich nicht welches Spiel oder gar welche Spiele er sah oder noch sehen wird. Geschichte wurde gestern in Boston geschrieben, aber in New England ist er ja nicht, und die American League ist mit der komischen Idee des Designated Hitters eigentlich auch die falsche Liga. Aber ob ein knappes 2:0 in einem solch wichtigen Spiel, ein 9:8 in Extra-Innings oder die Entscheidung um die Pennant live in St. Petersburg: Ihm wird’s gut gehen!

Ich als blau Blutender lege mich wieder hin und warte auf die nächste Saison.

Adler sehr gut, Neuer und Enke ungewöhnlich gut

Die Schlagzeilen zu Adler sind ein „einziger Orgasmus“ und Journalisten sind „manchmal Vollidioten“, denn sie „sahen was sie sehen wollten, den Super-Adler“ und nicht den Torwart, der gegen Russland ein „passables Spiel“ machte, in dem er „nicht mehr als zwei außergewöhnlich schwierige Situationen überstehen“ musste.

Klingt wie Aussagen eines verbohrten Fans von Hannover 96 oder Schalke 04, der partout dem jungen René Adler den Respekt für seine Leistungen in der Nationalmannschaft verweigert. So ist es aber nicht.

Die Zitate stammen von Ronald Reng, dem Autor des Buchs „Der Traumhüter“ und bekannt für seine guten Artikel in namhaften Zeitungen zu unser aller Lieblingsthema.
Er schreibt von selbstgewonnenen Trainingseindrücken, von Gesprächen mit Nationalspielern. Und er schreibt über die eher unscheinbaren Situationen, in denen man die Größten der Zunft erkennen könne.

Ich bin natürlich ein Fan Manuel Neuers und glaube auch daran, dass er an Zuverlässigkeit gewinnen wird. Aber ich bin auch von René Adler beeindruckt. Sein Bundesliga-Debüt sah ich selbst im Stadion, als er den Unterschied machte und Bayer Leverkusen zum 1:0 auf Schalke verhalf. Wie Neuer auch startete er mit grandiosen Leistungen in seine Karriere.
Als es schon fast zum geflügelten Wort wurde, dass die beiden jungen Torhüter ihre Konstanz nicht würden halten können, als Manuel Neuer also „völlig normal“ seinen grandiosen Leistungen einige spielentscheidende Patzer zufügte, sah man solche Böcke von René Adler nicht. Ich habe nicht genug Spiele von Leverkusen gesehen, um beurteilen zu können ob Adler dabei oft „nur gut“ hielt, jedenfalls bot er keine Angriffsfläche, wirkte nie zögerlich oder nervös, machte immer einen souveränen, einen starken Eindruck.

Ronald Reng erzählt, dass Adler im Training Jens Lehmann, vor der EM an seine körperlichen Grenzen gestoßen sei. Sowas sollte sich irgendwann auch auf dem Platz auswirken, denke ich. Gleichzeitig hat Manuel Neuer in Matthias Sammer einen weiteren Experten als Fürsprecher, der ebenfalls über Trainingseindrücke verfügt. Ob Adler die Nase vorne behalten wird, ob Neuer seinem außergewöhnlichem Talent die Verlässlichkeit zufügen kann, ob Robert Enkes Können und Konstanz ihn doch als Nummer 1 nach Südafrika bringen werden …
Es bleibt spannend.

Ronald Reng: Adler oder Enke?

[via SVD1898 im Forum des FC Schalke 04]