Artikel im Oktober 2008

Geschwurbel mit gutem Ausgang

Und ich neige zu der Ansicht, dass möglicherweise heute ein knapper Sieg reichen könnte.

Hätte es einen passenderen Satz zur ersten Halbzeit geben können, als diesen von Béla Réthy in der 41. Minute gesprochenen? Etwas durcheinander, zu vorsichtig, unsicher. Ohne das klare Ziel vor Augen. Passend zu einer uninspirierten Halbzeit, in der Torschüsse fast ausschließlich aus der Distanz erfolgten.

In der etwas besseren zweiten Hälfte reichte dann einer der gefühlten 68 Gewaltschüsse von Trochowski/Schweinsteiger/Hitzlsperger zum Endstand. Ein Flatterding, von dem Oliver Kahn später minutenlang schwärmte, weil der Ball sich „vom Torwart weggedreht“ habe, dabei segelte das Ding zwischen Torwarthand und Körper ins Netz.
Aber wie ist letztlich wurscht, wenn es um wichtige Punkte geht, stimmt der Fernsehzuschauer zu und ist froh, für so ein „Schweinespiel“ im strömenden Regen des verkehrsungünstig liegenden Städtchens Mönchengladbach nicht auch noch einen Schweineeintrittspreis gelatzt zu haben.

Der eine Thomas Schaaf

Thomas Schaaf vereint mit Christoph Daum dass er einen Oberlippenbart trägt und dass er ein guter Trainer, ein Meister ist. Müsste ich wählen, ich würde immer Christoph Daum vorziehen, denn Fußball sind eben nicht nur die 90 Minuten auf dem Platz, wie dieses und zig andere Blogs, wie Portale, Sender, Zeitungen und Zeitschriften Tag für Tag beweisen. Man will ja Lust an der Sache haben, und Lust ist eben genau das, was ich mit Thomas Schaaf überhaupt nicht verbinden kann.

Natürlich gibt es aber viele positive Eigenschaften, die man, die ich mit Schaaf verbinden kann, muss, allen voran seine unglaubliche Souveränität. Thomas Schaaf sagt eigentlich nie Dinge die man in Frage stellen könnte. Er vermittelt immer das Gefühl, dass das, was er sagt auch so ist. Außerdem spricht er sehr direkt, etwas anders als wie der eigentliche Kern aussehen zu lassen ist nicht seine Art. Bei ihm gibt es nur selten etwas zu interpretieren. Floskeln nutzt er fast ausschließlich, um die eigenen Sätze flüssiger werden zu lassen, nicht um damit Fragen zu beantworten.

Letzten Donnerstag sprach Thomas Schaaf eine gute halbe Stunde mit Hans Heinrich Obuch, dem Moderator der Radio Bremen Sendung „Gesprächszeit“. Auch über Mesut Özil. Darüber, wie er den Job des Trainers sieht. Über Klinsmann und Mourinho. Über die Herkunft seiner Philosophie. Mit ein wenig Medienkritik. Und natürlich mit seiner Lieblingsformulierung „der eine oder andere“.

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Kuranyi erledigt Löws Job

Kevin Kuranyi gehörte nicht in die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Seinen Aufstellungen zu Folge hat Joachim Löw das schon immer geahnt. Letzte Nacht befreite Kevin Kuranyi den Trainer von der Last einer Entscheidung. Dafür sollte Joachim Löw dem Stürmer dankbar sein, denn mit Entscheidungen hat er’s nicht so.

Wenn Löw „knallharte“ Entscheidungen zu treffen hat, wie bei der Zusammenstellung des Kaders für die letzte EM, pickt er sich als „Härtefälle“ den zweiten oder dritten Torwart heraus und streicht 19-jährige Nachwuchsprofis von Zweitligamannschaften. Kevin Kuranyi nahm er mit zur EM, vermutlich weil es „den Kevin“ schon 2006 so hart traft, nicht weil er ihn spielen lassen wollte. Denn er ließ ihn nicht spielen.

Löw traute Kevin Kuranyi nicht zu, seine Mannschaft weiterzubringen. Ob das richtig oder falsch war muss nicht diskutiert werden, dass ist unerheblich. Die fehlenden Einsatzzeiten zeigten, dass der Bundestrainer Kuranyi nicht vertraute. Und dass es um Vertrauen, und nicht etwa um Form ging, zeigen die regelmäßigen Einsätze von Spielern, die in ihren Clubs schlechte Leistungen bringen oder überhaupt keine Berücksichtigung finden.

Also vollzog Kuranyi, wozu Löw so lange nicht in der Lage war, und beendete die gemeinsame Arbeit. Und nicht sofort, aber nach eingehender Beratung wusste die DFB-Führung den von Kuranyi geschundenen Strafstoß zu verwandeln.

Als DFB-Mediendirektor Harald Stenger erklärte, dass Kuranyi „nicht mit dem Bus zurückgefahren“ sei, hielt ich dass zunächst für eine Anspielung auf Jens Lehmann, der einst nach einem ähnlichen Ausriss während eines laufenden Spiels der Legende nach mit der Straßenbahn von Leverkusen nach Gelsenkirchen gefahren ist. Hut ab, dachte ich mir, hatte ich Spaß an der Schlagfertigkeit des sonst recht drögen Herrn Stenger. Bis ich merkte, dass der Satz nur den einfachen Sachverhalt erklären sollte.
Auch Joachim Löw brauchte eine Weile, um seine Chance zu erkennen. Es soll ein Gespräch mit Kuranyi geben kündigte der Bundestrainer zunächst an. Erst nach Rücksprache mit Theo Zwanziger, bei dem er sich laut Medien „Rückendeckung“ holte, wusste er was zu tun war, zeigte sich enttäuscht und „schmiss Kuranyi raus“, der längst nicht mehr „drin“ war.

Also „entsorgte“, so schreibt es die dpa, der Bundestrainer den Spieler, dessen Abwesenheit er nicht in der Kabine, sondern erst beim gemeinsamen Durchzählen im Mannschaftsbus bemerkte, und hat vor dem nächsten Turnier eine „schwere Entscheidung“ weniger zu fällen. Es sei der „neue Kurs“, bei dem „wieder ein bedingungsloses Leistungsprinzip an erster Stelle stehen soll“, von dem sich der Bundestrainer auch nicht durch den „stillosen Abgang des beleidigten Reservisten Kuranyi“ abbringen lassen würde.

Es braucht mehr solcher Schreiber in der deutschen Presse. Vielleicht glaubt Joachim Löw irgendwann selbst dran, für Fußballdeutschland wäre es ein großes Glück. Dass die anderen Spieler, die auch schon längst nicht mehr dazugehören sollten, aber trotzdem immer wieder dabei sind wenn es drauf ankommt, auch von alleine nach Hause fahren, darauf sollten wir uns nicht verlassen.

Denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht

Apropos Rituale. Wie die Zeit ab dem Verlesen der Aufstellungen bis zum Einlauf der Mannschaften begangen wird, ist wohl in jedem Stadion festgelegt. Auf Schalke folgt nach der Begrüßung durch den Stadionsprecher das Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb’ ich Dich“, welches – natürlich – ausgespielt wird, gefolgt von dem „Steigerlied“, von dem – damit es in die Stimmungssteigerung passt – nur eine Strophe gespielt wird.

Ich mag das Steigerlied sehr. Zwar ist das ganze Ruhrgebiet und somit auch Gelsenkirchen bemüht, den Niedergang des deutschen Bergbaus durch Ansiedlung anderer Industrie abzufangen und anderorts wird, so scheint es mir, im Bergbau etwas schmutziges, gestriges gesehen. Aber diese Region wurde jahrzehntelang durch den Bergbau geprägt, er brachte Arbeit und Wohlstand und ist nach wie vor gegenwärtig. Hammer und Schlegel zieren das Stadtwappen Gelsenkirchens genauso wie die Tür des Hauses meiner Schwiegereltern. Dieses steht über einem Schacht der Zeche Ewald, in den mein Schwiegervater täglich einfuhr, 10 Minuten von der Arena entfernt.

Dieser Zeit kann und sollte man sich erinnern, dazu muss man kein ewig Gestriger sein. Das Steigerlied fungiert dabei auch im Stadion als identitätsstiftende Hymne für die Menschen, denen in diesem Moment bewusst wird, dass der FC Schalke 04 ein von Bergmännern gegründeter und von deren Arbeitgeber, der Zeche Consolidation in den Anfängen geförderter Verein ist.

Im Stadion wird das Lied in der Version von Ährwin Weiss gespielt, und das soll bitteschön auch so bleiben. Für den neuen SPD-Kadidaten auf das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg hat die Band „Die Bandbreite“ das Lied neu aufgenommen.

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Mit Spaß in Europas 2. Liga

Sicher, es ist „nur“ der UEFA-Cup. Keine Champions weit und breit, und der Spielmacher hat vollkommen recht, Gefasel aus der Schalker Ecke abzufieseln. Aber dennoch: Diese Gruppe sieht doch nach was aus, da kann man sich doch drauf freuen, oder?!

Je ein Gegner aus England, Spanien und Frankreich, dazu aus Holland Overijssel den passendsten aller niederländischen Gegner. Clubs, die einem durchaus einfallen wenn man an Fußball denkt. Schalke hätte auch Heerenveen, Braga und Zilina zugelost bekommen können. So ist’s schon besser.
Allesamt Gegner, gegen die nicht automatisch gewonnen wird. Aber alles auch Gegner, gegen die die Königsblauen gewinnen können sollten, wenn sie tatsächlich ein Club sein wollen, der in der Regel in der Champions League dabei ist und dieses Jahr als Ausnahme versteht.

Nun also eine „Einfachrunde“, und aus jede der 8 Gruppen kommen die jeweils ersten drei Clubs weiter. Danach folgen weitere 5 Runden im KO-Modus.
In der ersten dieser 5 Runden spielen die Gruppensieger gegen die Gruppendritten und die Gruppenzweiten werden dem degradierten Champions League-Ausschuss zugelost. Auch in dieser Runde kann Schalke noch nicht gegen Werder Bremen spielen, die strikte Ländertrennung wird erst in der 2. KO-Runde aufgehoben. Käme Schalke ins Finale, hätte es am Ende der Saison 19 Europapokalspiele bestritten. Aber na ja …

Los geht’s erstmal gegen Claude Makelele, Mateja Kežman und ihrem PSG. In zwei Wochen auf Schalke. Ma’kucken.

Ein Überflieger zum Abheben: Schalke 04 – VfL Wolfsburg

Bin ich ein Knusselkopp? Ein Schwarzseher, ein widerlicher Pessimist? Eine Unke, ein Immerdashalbeglasleerseher? Eigentlich glaube ich das nicht. Und doch war ich letzten Sonntag nicht im Stande, diese gute erste Halbzeit zu sehen, die so viele andere dem FC Schalke 04 bescheinigen.

Und weil ich es nicht konnte, weil dies hier aber kein Trübsalblog sein soll und weil ich auch keine Wolfsburg-Blogs kenne, ist dieser Überflieger heute mal anders. Diesmal kommt kein Gegner zu Wort, und aus den Texten zu Schalke 04 erscheint hier ausschließlich Positives.
Deshalb sind es aber auch nur vier Links … (weiterlesen…)

Scheiß auf Moral: Ich will Fußball sehen!

Schalke hat tolle Moral bewiesen. Dies klag als Fazit durch, bei WDR2, nachdem O-Töne von Manuel Neuer und Fred Rutten gesendet wurden. Ich hoffe, dass sich insbesondere der Trainer darüber im klaren ist, dass das nicht das wirkliche Fazit sein kann. Dieses Spiel wurde nicht durch tolle Moral, sondern durch spielerische Armut auf königsblauer Seite geprägt.

Wieder mal. Zum dritten mal in Folge spielte Schalke sehr schlechten Fußball. Ideenlos und statisch, mit sehr wenig Bewegung ohne Ball. Und wenn sich dann mal was bewegt sind es meist die „Umstände“, die das saubere Ausführen eines Spielzugs verhindern: Der Umstand, dass ein Spieler, dessen stärken eher in der Defensive liegen, den öffnenden Pass spielen muss, weil es in Schalkes Mittelfeld nur solche Spieler gibt. Oder der Umstand, dass der Passempfänger den Ball nicht unter Kontrolle bekommt, weil es ihm an Schnelligkeit oder an der technischen Fähigkeit fehlt.

Dort wo für Bremen Diego und für Dortmund Hajnal ihre Stürmer in Szene setzen, spielt auf Schalke mittlerweile Heiko Westermann. Es braucht heute keinen „Spielmacher“ alter Art mehr, und es muss auch nicht unbedingt nur ein offensiver Mittelfeldspieler direkt hinter der Sturmreihe spielen. Aber irgendwo hinter den Stürmern, sei es im zentralen offensiven Mittelfeld, daneben, dahinter oder auf den Außenbahnen – irgendwo braucht jede Mannschaft Kreativität. Ansonsten spielt sie so wie Schalke heute.

Sicher war die Mannschaft anfangs bemüht, aber gut war sie auch in dieser Phase nicht. Nach dem Führungstor war es dann auch mit dem Bemühen vorbei, wurde sofort ein Gang rausgenommen, wie es eben leider schon seit einer langen Weile Schalker Art ist.

Und langsam schwindet auch die Hoffnung auf Besserung. Fred Rutten sprach häufig von der „großen Kabine“, und doch kann oder will er sie nicht nutzen. Ich glaube grundsätzlich, dass Trainer im Training erkennen, welche Spieler der Mannschaft weiterhelfen können und welche nicht. Wenn man dann aber sieht, dass sich Fred Rutten in den letzten Spielen trotz der schwachen Leistungen auf die immer gleichen Spieler mit der immer gleichen Ausrichtung verlassen hat, und dass heute Spieler wie Albert Streit und Gustavo Varela, von denen man immerhin schon mal ordentliches Offensivspiel zu sehen bekam, nicht mal auf der Bank saßen, dann lässt das nur zwei Schlüsse zu: Entweder ist die große Kabine zwar groß, aber (Leistungs-)leer, oder Fred Rutten ist mit der Art und Weise seiner Mannschaft wesentlich zufriedener als ich es bin.
Beide Möglichkeiten versprechen wenig Freude für die nächsten Spiele.

[Foto: Laura Ohrndorf]