Eine Beschreibung des gestrigen Abends abgeben?
Gegen 20:50 Uhr habe ich mit einem Fan und regelmäßigen Besucher der Spiele des SV Werder Bremen geredet. Bzw. wir haben beide geredet und uns gegenseitig nicht zugehört.
Gesprochen über die Probleme, die zwei der drei dominierenden Mannschaften der letzten 10 Jahre mit sich rumschleppen. Schlussendlich, dass habe ich noch mitbekommen von seiner Aussage, wir sind uns einig, es muss ein Umbruch erfolgen. Spätestens, allerspätestens die 90 Minuten zuvor, haben diese Tatsache unausweichlich gemacht. Wahrscheinlicher sogar die gesamten letzten anderthalb Jahre. Eine Kurve in Richtung null, die bereits Mirko Slomka zum Verhängnis wurde, obwohl er die meisten Spieler wenigstens gewann, und deren Verlauf immer weiter nach unten zeigt, hat gestern ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Biederer, langweiliger, uninspirierter, langsamer und schlechter kann Schalke fast nicht mehr werden.
Bei Schalke sieht der Bestand und die Folge daraus in etwa so aus:
Bis zur Winterpause wurden noch 7 Punkte gefordert, wenn es schlecht läuft, und wer glaubt an etwas anderes, dann holt man noch 0-3 Punkte. Stuttgart nach dem Trainerwechsel, die erstaunlich auswärtsstarke Hertha und Hoffenheim dürften in der Verfassung im November 2008 fast unüberwindbare Hürden sein.
Dann wird auch dem letzten Schalker klar sein, dass ein Jahr ohne Europapokal folgen wird.
Und bereits in der Winterpause sollte man beginnen, die Mannschaft für die nächsten Jahre zu planen. Nicht für 2009, sondern perspektivisch für Jahre verjüngen, die Truppe billiger machen, den Kader ausdünnen. Dieses wiederum bedeutet zunächst sich Gedanken über die Philosophie des Vereins zu machen.
Der Trainer heißt Fred Rutten, er steht offensichtlich für ein 4-3-3 System mit dem Grundsatz, das die Defensive wichtiger ist als alles andere. Ist ja völlig in Ordnung, nur sollte man dann überlegen, welche Spieler passen in dieses System. Und dann die passenden Akteure dazu verpflichten. Will man ein 4-4-2, dann muss man dementsprechend auf dieses System orientiert handeln. Ist doch eigentlich nicht besonders schwierig.
Fakt ist momentan, von 3-4 offensiven Akteuren pro Spiel kann man nicht noch zwei auf der falschen Position einsetzen. Damit meine ich die unzureichende Fähigkeit der Außenstürmer (Halil, Farfan, teilweise spielte sogar Rakitic dort), die definitiv keine sind. Also muss man Außenstürmer verpflichten. Spieler, die fähig sind, sich im eine gegen eins durchzusetzen und Flanken von der Grundlinie bringen können. Marko Marin wäre so jemand. Von einem zentralen Mittelstürmer, der auch am Spiel teilnehmen kann ganz zu schweigen.
Dann hat Schalke seit dem Moment, als Lincoln nach Istanbul wechselte (was ich überhaupt nicht kritisiere) keinen Spieler mehr, der über den überraschenden Moment kommt, der mit einer Einzelaktion ein Spiel entscheiden kann oder zumindest seine Kollegen in torgefährliche Situationen bringt. Özil ist nicht mehr da, ob Kenia die Fähigkeit hat weiß ich nicht, Rakitic hat sie nicht, also schlage ich jemanden wie Baumjohann vor, der nicht teuer sein dürfte und genau diese Fähigkeiten bewiesen hat. Da fällt mir ein, wo war Schalke bei Hajnal oder Misimovic?
Desweiteren muss die Innenverteidigung für die nächsten Jahre präpariert werden. Dafür hat man die entscheidenden Spieler bereits in eigenen Reihen, nur muss man ab Januar auch auf Höwedes/Westermann setzen, sonst könnte erstgenannter den Verein verlassen. Schade, das jemand wie Tim Hoogland nicht mehr da ist, er wäre als dritter Verteidiger oder rechts in einer solchen Stuation viel wert. Denn Marcelo Bordons Zenit ist überschritten, nicht einmal sein defensiver Zweikampf, viel mehr sein katastrophaler Spielaufbau und die zunehmende Hüftsteifigkeit geben Anlass, auch über den Kapitän nachzudenken.
Um wirklich einen radikalen Neuaufbau zu starten muss man, wie oben gesagt, den Kader ausdünnen. Zu diesem Ausverkauf gehören logischerweise die ganzen Hilfloskäufe aus der letzten Winterpause, Ze Roberto, Streit und Sanchez, dazu gehören aber auch Lövenkrands, Varela, der Lümmel, Kobiashvili und dazu gehören sicherlich auch jetzige Stamm- oder Bankspieler, die sich überlegen müssen, den Verein zu verlassen oder sich ruhig und als Alternative im Hintergrund zu halten. Das sind Asamoah, Krstajic, Rakitic, Altintop, Kuranyi und Bordon.
Ferner muss überlegt werden, ob man als Linksverteidiger immer die Hälfte der Spiele auf Pander warten will. Ein Versäumnis im Übrigen, das nicht neu ist, dank Westermanns letzter Saison ein wenig in den Hintergrund rückte, aber auf die Arbeit von Andreas Müller erneut kein positives Licht wirft.
Wo wir beim Manager sind. Die Müller raus-Rufe des gestrigen Tages sind nicht verfrüht und nicht überraschend. Seine Transferbilanz ist miserabel, seine Außendarstellung in Sachen Trainerverpflichtung, Konzept, Lob und Kritik ist eine einzige Katastrophe. Höhepunkt gestern, siehe dazu meinen Kommentar.
Mit Rutten hat er nun den dritten Trainer (nach Rangnick und Slomka) zu verantworten. Die Ankündigung und Philosophie Ruttens steht im kompletten Gegensatz zu der Art und Weise wie Schalke sich präsentiert. Defensiv, offensiv hilflos, teilnahmslos an der Niederlage. Und ganz ehrlich, die falsche Erwartungshaltung bei allen geweckt zu haben, dies werfe ich Müller persönlich vor. Daher ist auch hier dringend zu überlegen, ob Andreas Müller als Manager respektive sportlicher Leiter haltbar ist. Ich tendiere zu letzter Chance.