Schalke findet seinen Platz in der Tabelle
Stichwörter: Schalke 04
„Schalke 04 fehlt die Klasse. Sie haben viele gute Spieler aber keinen Top-Mann.“ (Ottmar Hitzfeld)
2004 und 2005 kaufte sich Schalke 04 eine Gruppe gestandener Spieler zusammen die bis heute das Gerüst des Kaders bilden. Finanziell hatte man sich damit übernommen, der Club lebte eine Weile von der Hand in den Mund und es wurden private Kredite von Aufsichtsratsmitgliedern notwendig. Sportlich waren die Transfers durchaus erfolgreich, Schalke konnte sich in der Spitzengruppe etablieren.
Mittlerweile hat jeder einzelne Spieler der besagten Gruppe seine besten Tage hinter sich. Manager Müller muss vornehmlich die Finanzen im Auge haben, ihm fehlen heute die Mittel um den Kader nach Assauer-Art auszubessern. Und um mit wenig Geld eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen fehlt es ihm an Kreativität.
Bedarf besteht an allen Ecken und Enden. Auch in der Defensive, wo in der Innenverteidigung Marcelo Bordon nur noch von seiner Erfahrung lebt, dem mehr und mehr Stürmer einfach zu flink sind. Wo auf der linke Verteidigerposition seit Jahren keine Stammkraft etabliert wurde, weil ab und an Christian Pander auftaucht, dessen Schusskraft immer wieder Hoffnung schürt, ohne diese letztendlich zu erfüllen.
Spieler wie Levan Kobiashvili und Fabian Ernst sind mittlerweile nur noch Bundesligadurchschnitt. Die Südamerika-Verpflichtungen der letzten Saison sind allesamt nicht mal dies. Ivan Rakitic ist talentiert und müsste, ähnlich einem Mesut Özil neben Diego, „mitspielen“ dürfen. Allein ihm fehlt ein Diego. Orlando Engelaar ist die Bundesliga zu schnell. In der Vorwärtsbewegung ok, nach hinten, unter Druck fürchterlich. Und Jefferson Farfán hat Mitleid verdient.
Was soll er machen, wenn er mit dem Ball am Fuß über rechts kommt, hochschaut und nur Kevin Kuranyi entdeckt? Oder Altintop? Oder Asamoah?
Gerald Asamoahs letztes gutes Spiel liegt mittlerweile 279 Tage zurück, Halil Altintop ist die personifizierte Harmlosigkeit und Kevin Kuranyi schafft es, in einer Person das Gegenteil eines mitspielenden Stürmers und das Gegenteil eines Knipsers zu sein. Ein Top-Mann ist Kevin Kuranyi nur in Sachen Medienpräsenz.
Es muss nicht etwas, es muss eine ganze Menge passieren auf Schalke. Soviel, dass man besser auf möglichst viele schwache Gegner statt auf einen Umbruch hoffen sollte. Immerhin, gegen die Bayern unter Klinsmann konnte Schalke mithalten. Gegen ordentlich eingestellte Mannschaften, die Tempo machen und ein gewisses technisches Niveau aufweisen, ist man nicht mehr auf Augenhöhe. Gegen diese Mannschaften sieht Schalke buchstäblich alt aus.
Kommentare
10 Kommentare zu “Schalke findet seinen Platz in der Tabelle”
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Ist mir ein wenig zu negativ und drastisch formuliert, aber in Teilen geb ich Dir recht. Ich verstehe nicht, wie man fast in jedem Spiel mindestens gleichwertig sein kann und dennoch so selten wirkliche Chancen herausarbeitet… Gegen Bayern letzte Woche hätte man noch 800 Minuten nachspielen lassen können, ohne dass der Gast in Bedrängnis geraten wäre.
Völlig einverstanden. Schalke steht, wo es hingehört. Schalke spielt, wie es in der Tabelle steht.
Zu den Spielern. Bordon finde ich immer noch großartig im Stellungsspiel und als Zusammenhalter der Abwehr, da sind wir nicht eins. Zu Engelaar,da sagte Ottmar Hitzfeld gestern, für die Qualität braucht man niemanden für viel Geld aus Holland holen, da haben wir in Deutschland selber genug von. Wenn man Hitzfelds Premiere Analysen so verfolgt, dann weiß man, der Mann hat eine vernichtende Kritik geäußert. Zu Recht. Ein Großteil der Mannschaft hat nicht nur den eigenen Zenit, sondern den Zenit des Bundesligamittelmaßes überschritten. Das sind Kobiashvili, Asamoah, Halil, teilweise Ernst und Kuranyi.
Schalke hat es immer noch nicht geschafft, sein System mit Spielern zu bestücken, die dieses System spielen können. Altintop ist kein Rechtsaussen, Farfan kein wirklicher Linksaussen, Rakitic nicht, Asamoah kein Guter mehr, Sanchez hat nichts bewiesen, Lövenkrands habe ich vergessen, Ze Roberto kenne ich nicht und Streit hat Licht und Schatten. Ob er spielt oder nicht.
Und Schalke hat, das hatte ich schon vor Wochen, ein Problem im Management und im Scouting. Wenn Du schreibst, “Manager Müller muss vornehmlich die Finanzen im Auge haben, ihm fehlen heute die Mittel um den Kader nach Assauer-Art auszubessern. Und um mit wenig Geld eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen fehlt es ihm an Kreativität.”, dann finde ich das nur zum Teil richtig. Wenig Geld sind die circa 10 Millionen für Streit, Sanchez, Ze Roberto und den “Lümmel” nicht gewesen und 5,5 für Engelaar auch nicht. Dafür kann man durchaus Qualität holen, man muss halt wissen wo.
Ich bin kein Freund von Ablösesummenaufrechnereien und Engelaar will ich auch noch nicht endgültig abschreiben. Der Mann hat noch keine 10 Ligaeinsätze und dass es von der Eredivisie zur Bundesliga einen Schritt ausmacht, der eine Anpassung erfordert, bestätigte nicht zuletzt Herr Van der Vaart.
Ich glaube aber, dass die Müllerschen Einkäufe bis vor Engelaar / Farfán allesamt Peanuts darstellen, wenn man sie gegen die Werte stellt, die Schalke mit Bordon, Ernst, Krstajic, Kuranyi und Ailton innerhalb von 2 Jahren in den Kader holte. Allesamt Top-Spieler der Bundesliga zur damaligen Zeit. Eben die Assauer-Art, die Müller heute absolut nicht möglich ist.
@ Casi: Surfe zu youtube, suche Dir die entsprechenden Filmchen und schaue Dir nur die 4 Gegentore gegen München und Leverkusen an. Du wirst sehen, dass Schalke keineswegs nur offensiv oder gar nur mit der Chancenverwertung Probleme hat.
[...] letzten Woche auch das nächste Spitzenspiel in Leverkusen mit 2:1. Für die Knappen gilt es jetzt, ihren Platz in der Tabelle zu finden. Wie war das noch? 9 von 10 Saisons muss die Champions League drin sein? S04 muss [...]
Na ja Torsten. Wir müssen sicher nicht die Summen gegeneinander aufrechnen, aber eins muss gesagt sein. Ailton und Ernst waren bzw sind ihr Geld nie in dem Maße wert gewesen, wie sie in Bremen gezaubert haben. Kuranyi gemessen an der Erwartungshaltung auch nicht. Kämpferisch top, spielerisch und spieltaktisch hat er Schalke aber nicht weitergebracht.
Die wirklichen Top-Leute, also Lincoln für seine 1-1 1/2 Jahre Top-Niveau oder Jones wurden billig gefunden. Das war bei Assauer auch schon häufiger so, ich erinnere an Böhme oder Hajto, die (neben Möller), 2001 maßgeblich zum Triumph beigetragen haben.
Und eigentlich will ich darauf hinaus, das ich nicht verstehe, wie bei Schalke das Scouting abläuft.
Man kann nicht nur Treffer landen, aber die Häufigkeit der Mitläufer bzw richtigen Flops, vorallem aus Südamerika ist erschreckend. Von all denen, die über den Teich gehoppelt sind, ist einzig Rafinha eine echte Verstärkung. (Lincoln und Bordon kamen bereits aus der Bundesliga) Alle anderen, von Matellan über Alcides, Rodriguez, Varela, dem Lümmel bis hin zu Sanchez und Ze Roberto sind mehr oder weniger Flops und reine Geldverbrennung. Das man auch relativ günstig an gute Leute kommt, die man sogar teuer wieder verkaufen kann, das zeigt Leverkusen relativ häufig. Aktuell Henrique (wenn auch ausgeliehen) und Renato Augusto, früher Emerson, Lucio, Ze Roberto. Schalke wird seine Urus dagegen verschenken müssen.
Im Übrigen gilt dies auch fürs Inland. Was ist mit Helmes, M. Schäfer, Riether, Kiessling, Rolfes? Schalke hat nie offen mitgespielt um diese Generation deutscher Top-Talente. Ich bin gespannt, was mit Marin wird…
Das die eingekauften Stars nicht alle halten konnten, was man sich von ihnen versprach, ist ja wieder ein anders Thema.
Was das Erspähen von Talent angeht, ob bei Jung oder Alt, gebe ich Dir natürlich absolut Recht. Und demnächst haut in ‘Kusen auch noch Eren Derdiyok unserem Manuel den Knicker um die Ohren. Weil ihm die sportliche Perspektive bei Bayer 04 imponiert. Die übliche Phrase eigentlich. In diesem Fall aber wirklich nur eigentlich.
Ottmar Hitzfeld trifft den Nagel auf den Kopf. Ich habe bei Schalke jedoch auch immer das Gefühl das die verpassten Meisterschaften (besonders krass 2007)im Kopf einiger Spieler fest verankert sind. Die 0:4 Demontage bei Atletico Madrid war für mich der Wegweiser wie schwer es Schalke in dieser Saison haben wird. Nach 13. Spieltagen zeigt sich dies deutlicher denn je.
Ich hatte in den letzten Saisons oft das Gefühl, dass die miserablen Transfers zum großen Teil auch auf die Kappe des Vorstands gehen. Dass, wenn es in der Hinrunde nicht 100% lief, Druck auf Müller ausgeübt wurde, schnell mal eine Verstärkung zu kaufen. Heraus kamen die Nieten aus Südamerika, gerne in der Winterpause verpflichtet.
Bei der Leistung selbiger spielt - so kann man spekulieren, weil niemals beweisbar - auch das Drumherum im Verein eine Rolle. Die viel beschworene brasilianische Mentalität erfordert ja angeblich ein besonderes Kümmern um den einzelnen Spieler. Vielleicht hat Leverkusen hier ein gutes Rezept gefunden. Die Alternative lautet, dass es ausschließlich am Scouting liegt.
Müller stand auf jeden Fall unter dem Druck, etwas unternehmen zu müssen. Ob der Druck auch vom Vorstand und/oder dem Aufsichtsrat ausging? Manweißetnich.
Und Müller lieferte „Hoffnungsträger“, drei Spieler, über die allesamt was zu erzählen war, einen Bundesliga-Vorlagenking, einen brasilianischen (Ex-) besten Mittelfeldspieler des Jahres und einen Top-Star und Publikumsliebling aus der mexikanischen Liga. Über alles kann man diskutieren, aber wie gesagt, es stand was auf der Tapete.
Und trotzdem ist die Sache mit Streit doch eigentlich nicht zu erklären, oder?!
Den kannte man doch, dafür brauchte es kein Scoutingsystem, und der wurde verpflichtet obwohl der Trainer ihn offensichtlich nicht wollte bzw. ihn nicht als Verstärkung ansah. Den Streit-Transfer finde ich von allem Scheiß noch am übelsten.
Herr Biermann schätzt die Gesamtsituation übrigens sehr ähnlich und erfrischend nüchtern ein. Das ist nicht wahnsinnig schwierig, wenn man hinschaut, geschieht aber trotzdem nicht so oft, und ist deshalb m.E. bemerkenswert.