Vielleicht liegt es ja am Verständnis.
Als Halil Altintop nach dem Spiel interviewt wurde, als er darauf angesprochen wurde, dass er mal wieder getroffen habe, bemerkte er, dass er ja nun auf einer anderen Position spielen würde, dass Kevin Kuranyi ja Schalkes Torjäger wäre. Als würde er tatsächlich glauben, dass das Toreschießen als linker Außenstürmer nicht sein Job sei.
Gestern konnte Schalke von Glück sprechen, dass einige Spielsituationen ihn in die Mittelstürmerposition spülten. Somit kam die Mannschaft aus einer ordentlichen erste Hälfte mit einer verdienten Führung heraus.
In dieser ersten Hälfte war es ein interessantes Spiel, in dem Schalke einige gute Spielzüge zeigte, indem es, obwohl es häufig an Tempo fehlte, konstant in Richtung des Gladbacher Tors spielte. Wieder gab es viele unnötige Ballverluste, und einmal mehr sah Marcelo Bordon in einer wichtigen Situation alt aus. Trotzdem konnte man als Schalke-Fan einigermaßen zufrieden sein und auf eine weitere solche Halbzeit hoffen.
Und dann fiel ein ganzes Stadion für 45 Minuten in einen nur wenig unruhigen Schlaf.
Nicht nur die Königsblauen auf dem Feld, auch die Borussen, auch die Zuschauer schienen bemüht zu sein in sich zu ruhen, den Tag zu beenden, schienen keine rechte Lust auf Aufregung irgendwelcher Art zu haben.
Natürlich gab es noch einige Torszenen, aber aus Druckphasen entstanden sie nicht. Druck war keiner zu spüren, niergendwo, in dieser zweiten Halbzeit, in der Borussia vielleicht nicht mehr machen konnte, in der Schalke eben gerne mit 3:1 gewinnen wollte, und in der sich diejenigen, die in der Nordkurve in der Mitte stehen, einem monotonen Singsang ergaben, den sie wohl „Dauersupport“ nennen möchten, der so aufregend war wie ein Adventssingen mit Roger Whittaker.
Man soll zufrieden sein damit. Dass die Anderen nicht mitmachen würden, entgegnen die Dauersupporter in der Regel ihren Kritikern, womit das Problem gut beschrieben ist, dass es eben überhaupt die Einen und die Anderen gibt.
Dass man doch gewinnen wolle, dass man den Sieg sichern müsse, dass es doch nicht soweit kommen dürfe, dass man für einen 3:1 Sieg noch um Entschuldigen bitten muss, und dass genau dieser Kritiker wohl am lautesten schreie, würde Schalke zu offensiv spielen und „der Schuss nach hinten losgehen“, entgegnen diejenigen, die der vermeintlichen Kunst, einen Vorsprung zu verwalten, etwas positives abgewinnen können.
Mir aber fällt es nach wie vor schwer zu akzeptieren, dass das, was eine Mannschaft von Schalke 04 über 45 Minuten auf dem Platz macht, so ausschaut, als sei es ihr scheißegal, ob die Leute auf den Rängen nun nach Hause gehen oder nicht.
Das hat nichts mit dem vielfach beschworenem Kämpfen der Spieler zu tun, denn die Spieler rennen jeder für sich in solch einer Halbzeit kaum weniger als in einer guten. Es ist die Einstellung im eigentlichen Sinne und dass, was der Trainer der Mannschaft mit auf den Weg gibt, dass der zweite und der dritte Mann nicht derart nachrücken wie zuvor, dass alles einige Meter zurückgezogener von statten geht. Und es ist ein Stück weit fehlendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Doch, bei allem Respekt vor Borussia Mönchengladbach, wann sonst soll sich die Mannschaft dieses Vertrauen verschaffen, als in einem Heimspiel gegen einen wenig überzeugenden Aufsteiger mit einer 3:1 Führung im Rücken? Wann sonst soll sie mal Schwung bekommen, soll sie mal dieses im Guten wie im Schlechten schnell sehr emotionale Publikum begeistern, es wieder auf ihre Seite ziehen? Wann sonst soll sie mal ein Zeichen setzen, mal aus diesen 08/15-Spielen mit den ständigen „gute Phase / schlechte Phase“-Wechseln ausbrechen?
Auch was solche Möglichkeiten angeht vergibt Schalke 04 gerne gute Chancen. Gestern eine dicke.






