Artikel im November 2008

Ansichtssachen

Vielleicht liegt es ja am Verständnis.

Als Halil Altintop nach dem Spiel interviewt wurde, als er darauf angesprochen wurde, dass er mal wieder getroffen habe, bemerkte er, dass er ja nun auf einer anderen Position spielen würde, dass Kevin Kuranyi ja Schalkes Torjäger wäre. Als würde er tatsächlich glauben, dass das Toreschießen als linker Außenstürmer nicht sein Job sei.

Gestern konnte Schalke von Glück sprechen, dass einige Spielsituationen ihn in die Mittelstürmerposition spülten. Somit kam die Mannschaft aus einer ordentlichen erste Hälfte mit einer verdienten Führung heraus.
In dieser ersten Hälfte war es ein interessantes Spiel, in dem Schalke einige gute Spielzüge zeigte, indem es, obwohl es häufig an Tempo fehlte, konstant in Richtung des Gladbacher Tors spielte. Wieder gab es viele unnötige Ballverluste, und einmal mehr sah Marcelo Bordon in einer wichtigen Situation alt aus. Trotzdem konnte man als Schalke-Fan einigermaßen zufrieden sein und auf eine weitere solche Halbzeit hoffen.

Und dann fiel ein ganzes Stadion für 45 Minuten in einen nur wenig unruhigen Schlaf.

Nicht nur die Königsblauen auf dem Feld, auch die Borussen, auch die Zuschauer schienen bemüht zu sein in sich zu ruhen, den Tag zu beenden, schienen keine rechte Lust auf Aufregung irgendwelcher Art zu haben.
Natürlich gab es noch einige Torszenen, aber aus Druckphasen entstanden sie nicht. Druck war keiner zu spüren, niergendwo, in dieser zweiten Halbzeit, in der Borussia vielleicht nicht mehr machen konnte, in der Schalke eben gerne mit 3:1 gewinnen wollte, und in der sich diejenigen, die in der Nordkurve in der Mitte stehen, einem monotonen Singsang ergaben, den sie wohl „Dauersupport“ nennen möchten, der so aufregend war wie ein Adventssingen mit Roger Whittaker.

Man soll zufrieden sein damit. Dass die Anderen nicht mitmachen würden, entgegnen die Dauersupporter in der Regel ihren Kritikern, womit das Problem gut beschrieben ist, dass es eben überhaupt die Einen und die Anderen gibt.
Dass man doch gewinnen wolle, dass man den Sieg sichern müsse, dass es doch nicht soweit kommen dürfe, dass man für einen 3:1 Sieg noch um Entschuldigen bitten muss, und dass genau dieser Kritiker wohl am lautesten schreie, würde Schalke zu offensiv spielen und „der Schuss nach hinten losgehen“, entgegnen diejenigen, die der vermeintlichen Kunst, einen Vorsprung zu verwalten, etwas positives abgewinnen können.

Mir aber fällt es nach wie vor schwer zu akzeptieren, dass das, was eine Mannschaft von Schalke 04 über 45 Minuten auf dem Platz macht, so ausschaut, als sei es ihr scheißegal, ob die Leute auf den Rängen nun nach Hause gehen oder nicht.
Das hat nichts mit dem vielfach beschworenem Kämpfen der Spieler zu tun, denn die Spieler rennen jeder für sich in solch einer Halbzeit kaum weniger als in einer guten. Es ist die Einstellung im eigentlichen Sinne und dass, was der Trainer der Mannschaft mit auf den Weg gibt, dass der zweite und der dritte Mann nicht derart nachrücken wie zuvor, dass alles einige Meter zurückgezogener von statten geht. Und es ist ein Stück weit fehlendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Doch, bei allem Respekt vor Borussia Mönchengladbach, wann sonst soll sich die Mannschaft dieses Vertrauen verschaffen, als in einem Heimspiel gegen einen wenig überzeugenden Aufsteiger mit einer 3:1 Führung im Rücken? Wann sonst soll sie mal Schwung bekommen, soll sie mal dieses im Guten wie im Schlechten schnell sehr emotionale Publikum begeistern, es wieder auf ihre Seite ziehen? Wann sonst soll sie mal ein Zeichen setzen, mal aus diesen 08/15-Spielen mit den ständigen „gute Phase / schlechte Phase“-Wechseln ausbrechen?

Auch was solche Möglichkeiten angeht vergibt Schalke 04 gerne gute Chancen. Gestern eine dicke.

Präzision

Du sagst Du bist Hamburger? Dann kommst Du aus Hamburg. Du sagst Du bist Münchener? Dann kommst Du aus München. Du bist Bremer, Cottbuser, Bochumer? Dortmunder, Kölner oder Frankfurter? Dann weiß ich wo Du herkommst.

Wenn Du sagst, dass Du Schalker bist, dann weiß ich, Du bist Fußballfan.
Egal aus welcher Stadt Du kommst.

Ja ist denn schon wieder Weihnachten?!

Es gibt mal wieder was abzuzählen auf Schalke!

Kein Fest mehr ohne Zahlenspielereien, bei diesem modernen Verein. Im letzten Jahr begann Kevin Kuranyi mit dem Spruch von 4 Siegen in 4 Spielen. Dieses Mal ist es Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der es in Sachen öffentlichem Auftreten immer wieder schafft, Kevin Kuranyi das Wasser zu reichen.

Zunächst stand es nur in der Bildzeitung. Seit Fred Rutten den Spruch Journalisten gegenüber ungefragt als „nicht schlau“ kommentierte und auch Manager Müller die Sache auf der Pressekonferenz vor dem Gladbach-Spiel nicht bestritt, wird die Geschichte auch von anderen Medien übernommen. Clemens Tönnies „fordert von Rutten 10 Punkte“ aus den letzten 4 Bundesligaspielen bis zur Winterpause.

Das dies die Mannschaft oder den Trainer nun „zusätzlich unter Druck setzten“ würde kann ich eigentlich nicht erkennen. Schalke steht im Mittelfeld der Tabelle, mit 8 Punkten Rückstand zum zur Champions League qualifizierenden zweiten Platz. Da macht ein Spruch mehr oder weniger auch keinen Unterschied.

Dennoch ist die Sache natürlich höchst peinlich. Ungefähr so peinlich wie ein Vorsitzender, der seinem Trainer nach einer Niederlage ungefragt volle Rückendeckung versichert.

Clemens Tönnies bewegt sich damit in der Tradition der Schalker Boulevard-Sprüche, die von seinem Männerfreund, unserem Vorsitzenden Josef Schnusenberg in der letzten Saison wieder zum Leben erweckt wurde. Mal einen raushauen, um, wenn es gut geht, den Kumpel anstoßen zu können und ihm zuzuraunen „das ham’se mal gebraucht, ’nen Weckruf!“, oder, wenn’s nicht ganz so gut geht, ma’ zu kucken … eine Konsequenz wurde ja erstmal nicht genannt …

Sei’s drum, wie gesagt, Hauptsache es wird mal wieder gezählt. Und weil das zugestandene Unentschieden eine Neuauflage des Schalkekranzes unmöglich macht, dachte ich mir ich mache es mir mal einfach, und visualisiere den Stand der Dinge einfach dadurch, dass ich pro Punkt einen Pappkumpel umkicke. Den Weg frei machen, sozusagen, mit jedem Punkt ein Stückchen.

Auf dass es frohe Weihnachten gibt, auf Schalke.

Jogis Jungs feat. Die Kanzlerin

Wo ist Michael Schanze, wenn man ihn braucht?
Bei Kerner, mit zu vielen Kilos.

Dabei standen sie alle doch gerade so nett, bereits mit einen Stargast in ihrer Mitte, da hätte es sich doch angeboten eine fast vergessene Tradition wieder aufleben zu lassen, Ralf Siegel anzurufen und zu fragen ob er 5 Minuten Zeit hätte, und mal flott ein Liedchen zur kommenden WM aufzunehmen.

Oder gleich zur Qualifikation.
Oder zum heutigen Freundschaftspiel!

„Old England“ hieß ein Titel auf der Platte zur WM in Spanien 1982, mit dem Refrain „Old England, England, dort fing alles an, und wir sagen Dir von ganzem Herzen dank, Old England, England, Du bist schuld daran, König Fußball zog die Welt in seinen Bann“.
Es gibt Dinge, die will man sich eigentlich garnicht merken …

Jedenfalls wäre es durchaus an der „Zeit für Erneuerung“ gewesen!
Und Bierhoff hätte endlich mal eine Aufgabe gehabt.

Ärgerlich.

Mit kleinen Lampen gegen das große Dunkel

Verschiedener Meinung kann man eigentlich nicht sein.

Die Sache kommt ins Rollen. Ich bin spät dran und schäme mich fast dafür. Mittlerweile ist alles mehrfach zusammengefasst worden. Gut dokumentiert wurde der Fall sowieso, daraus überhaupt ergibt sich seine Existenz in der Öffentlichkeit.

Das Internet ist Öffentlichkeit, keineswegs anonym. Wir sind das Netz, wie der werte Trainer schon schrieb. Du, ich auch. Und wir verbinden uns über Verlinkungen. Für das Wachstum, für Google, für die Web-Archive – Gegen Vergessen, sozusagen – und für die Sache, für Transparenz und Wissen:
Sollte es noch jemanden geben, der nun diese Zeilen liest und vom aktuellen Skandal um die „Öffentlichkeitsarbeit“ des DFB noch nichts mitbekommen haben, möge er sich bitte über den Webweiser des betroffenen Jens Weinreich informieren.

Und nur weil es meine Art ist, gibt es den Kommentar zur Sache von Jürgen Roth, aus der Deutschlandfunk-Sendung „Sport am Sonntag“, auch gleich hier.

Hören:

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mp3-Datei / Audio On Demand

’Kusen Not Ready?!

’Kusen ist not ready, sagte Toppmoller vor dem Spiel gegen Schalke, nachdem es moved to the top of the pile am Wochenende davor. Labbadias Team sei not mature enough yet. Aber nicht nur von ’Kusen, auch von ’Heim you cannot expect to win the title, meint der former coach of Bayer 04.

Vermutlich hat er, sich nicht aus dem Fenster lehnend, eher Bayern Munich auf dem Schirm, das after a five game winnig streak gradually clawed their way back to within a point of the league leaders, bevor sie an diesem Wochenende 2 important points verloren at ’Bach.

Sei’s drum. Ich finde ’Kusen durchaus ready und auch ’Heim ist really strong (even Auswärts, höhö). I expect jedenfalls no title from my favorite club die Königsblauen anymore. Everything else warte ich mal ab.

Schalke findet seinen Platz in der Tabelle

„Schalke 04 fehlt die Klasse. Sie haben viele gute Spieler aber keinen Top-Mann.“ (Ottmar Hitzfeld)

2004 und 2005 kaufte sich Schalke 04 eine Gruppe gestandener Spieler zusammen die bis heute das Gerüst des Kaders bilden. Finanziell hatte man sich damit übernommen, der Club lebte eine Weile von der Hand in den Mund und es wurden private Kredite von Aufsichtsratsmitgliedern notwendig. Sportlich waren die Transfers durchaus erfolgreich, Schalke konnte sich in der Spitzengruppe etablieren.

Mittlerweile hat jeder einzelne Spieler der besagten Gruppe seine besten Tage hinter sich. Manager Müller muss vornehmlich die Finanzen im Auge haben, ihm fehlen heute die Mittel um den Kader nach Assauer-Art auszubessern. Und um mit wenig Geld eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen fehlt es ihm an Kreativität.

Bedarf besteht an allen Ecken und Enden. Auch in der Defensive, wo in der Innenverteidigung Marcelo Bordon nur noch von seiner Erfahrung lebt, dem mehr und mehr Stürmer einfach zu flink sind. Wo auf der linke Verteidigerposition seit Jahren keine Stammkraft etabliert wurde, weil ab und an Christian Pander auftaucht, dessen Schusskraft immer wieder Hoffnung schürt, ohne diese letztendlich zu erfüllen.

Spieler wie Levan Kobiashvili und Fabian Ernst sind mittlerweile nur noch Bundesligadurchschnitt. Die Südamerika-Verpflichtungen der letzten Saison sind allesamt nicht mal dies. Ivan Rakitic ist talentiert und müsste, ähnlich einem Mesut Özil neben Diego, „mitspielen“ dürfen. Allein ihm fehlt ein Diego. Orlando Engelaar ist die Bundesliga zu schnell. In der Vorwärtsbewegung ok, nach hinten, unter Druck fürchterlich. Und Jefferson Farfán hat Mitleid verdient.

Was soll er machen, wenn er mit dem Ball am Fuß über rechts kommt, hochschaut und nur Kevin Kuranyi entdeckt? Oder Altintop? Oder Asamoah?
Gerald Asamoahs letztes gutes Spiel liegt mittlerweile 279 Tage zurück, Halil Altintop ist die personifizierte Harmlosigkeit und Kevin Kuranyi schafft es, in einer Person das Gegenteil eines mitspielenden Stürmers und das Gegenteil eines Knipsers zu sein. Ein Top-Mann ist Kevin Kuranyi nur in Sachen Medienpräsenz.

Es muss nicht etwas, es muss eine ganze Menge passieren auf Schalke. Soviel, dass man besser auf möglichst viele schwache Gegner statt auf einen Umbruch hoffen sollte. Immerhin, gegen die Bayern unter Klinsmann konnte Schalke mithalten. Gegen ordentlich eingestellte Mannschaften, die Tempo machen und ein gewisses technisches Niveau aufweisen, ist man nicht mehr auf Augenhöhe. Gegen diese Mannschaften sieht Schalke buchstäblich alt aus.