Artikel im Dezember 2008

Mit vielem Dank und besten Wünschen

Nein, kein Rückblick auf Schlaglichter, in deren Schatten immer viel zuviel unbeleuchtet bleibt. Nur der Abschluss einer Zeiteinheit als Anlass zum Bedanken.

Seit dem Umzug am 22. August schreibe ich hier statt da. Dieses Blog, das sind mittlerweile 109 Beiträge und 620 Kommentare. Nach wie vor macht es mir Spaß zu schreiben, freue ich mich darüber, mit diesem Blog ein Ventil für meine Meinung zu den Dingen und den Blödsinn, der mir sonst noch einfällt zu haben. Aber dieser eherne Grundsatz, den es vielerorts zu lesen gibt, dass man ein Blog nur für sich schreibt, trifft auf mich nicht zu. Würde dies hier niemand lesen, würde nie jemand kommentieren, ich verlöre sicher die Lust an diesem Blog.

Es geht um die Kommunikation, die hier entsteht. Um die anderen Meinungen, mit denen mich Kommentatoren konfrontieren, um die Kontakte, die durch diese Plattform entstanden sind und weiter entstehen werden. Für diese Teilnahme, für die Feedbacks, für die Kommentare, fürs Lesen, vielen Dank!

Alles Gute fürs Jahr 2009, Glück auf und guten Rutsch.

Bis morgen.
T.W.

Einer statt keiner

Überall dasselbe. Im Winter wünscht man sich Verstärkungen, in Frankfurt wie auf Schalke. Besonders gerne für die Offensive, in Frankfurt wie auf Schalke. Doch das Geld ist knapp. In Frankfurt auch.

Aber Herr Bruchhagen ist ein Fuchs. Und wenn er schon keinen Stürmer findet, der seinen Club bestimmt weiterbringen und den er bezahlen kann, findet er zumindest einen, der seinen Club vielleicht weiterbringt, in jedem Fall aber kaum Geld kostet.

Leonard Kweuke kommt zwar „nur“ aus Slovenien zur Eintracht, aber bis hierhin hört man von dort des deutschen Trainers Hohelied auf ihn. Er hat zwar erst 16 Spiele in Slovenien absolviert nachdem er letzten Sommer aus Iran dorthin wechselte, dabei aber immer über 90 Minuten gespielt und 11 Tore geschossen. Es steht in den Sternen, ob er nach so kurzer Zeit den größeren Schritt in die Bundesliga schaffen kann, aber er ist mit Kaufoption erst mal nur für ein halbes Jahr ausgeliehen, und schafft er es nicht, wird er eben wieder zurückgeschickt. Schlägt er ein, wird schultergeklopft.

Und Heribert Bruchhagen kann sagen, er hat was versucht, obwohl er kein Geld hat.

Wahres Wappen

[via derwesten.de]

Widdewiddewitt und Drei macht Neune

Marcio Rafael Ferreira de Souza a.k.a. Rafinha darf nicht mehr gut gefunden werden. Der ist fies, schlägt um sich, hört des Nachts laute Musik, zeigt Stinkefinger und fährt besoffen Hummer. Wenn man allerdings seine sportliche Leistung beurteilt, und wenn man die Bildzeitung mal aus der Hand legt, kann man sagen, dass er mit Sicherheit der wertvollste Spieler im Kader des FC Schalke 04 ist, der einzige, der auch bei einem europäischen Spitzenclub die Füße auf den Boden kriegen würde.

Und da es beim Fachmagazin kicker doch eigentlich um Fußball geht, kann es schon ein wenig verwundern, das Rafinha im kicker’schen Ranking der besten defensiven Außenbahnspieler nicht neben Philipp Lahm geführt wird, dass er auch nicht auf Platz 2, oder irgendwo zwischen Christian Fuchs und Sascha Riether auftaucht, dass der kicker Rafinha nicht mal für die Kategorie „Blickfeld“ als gut genug erachtet. Aber im kicker geht nun mal alles nach Noten, da wird gleich nach dem Spiel bewertet und das ganze später zur Liste generiert, da ist alles nachvollziehbar.

Im Falle Rafinhas leidet der Notenschnitt beispielsweise unter der Note 5, die er am 4. Spieltag erhielt. Hätte er dereinst die Note 3 bekommen, er hätte wohl im Ranking auf Platz 4 hinter Michal Kadlec einsortiert werden müssen. Am 4. Spieltag spielte Schalke in Dortmund.

Wenn man nun aus Erfahrung weiß, dass ein erzieltes Tor die kicker-Bewertung in der Regel um eine Note verbessert – Rafinha erzielte in der 39. Minute das 2. Schalker Tor – und sich erinnert, dass es nicht an irgendwelchen groben Fehlern Rafinhas lag, dass das Spiel aus Schalker Sicht noch zum Desaster wurde, kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass der kicker Rafinha auf Grund einer Szene in der 27. Minute eine 6 verpassen wollte. Eben die Szene, in der er Nelson Valdez mit der Hand durchs Gesicht wischte. Eine Unsportlichkeit, welche Schiedsrichter Wagner nur mit Gelb ahndete, wodurch sich der kicker bemüßigt fühlte, wenigstens durch die entsprechende Benotung im Rahmen seiner Möglichkeiten für „Strafe“ zu sorgen.

Obwohl er doch genau so was in dieser Saison nicht mehr tun wollte.
Eine eigene, eine manchmal fremde Welt, die „kicker-Fainess“.

Der verpasste Abschied

Ich hatte gedacht, Manni Breuckmann würde vielleicht bei seinem letzten Mal auf Schalke irgendwelche „Abschiedsworte“ finden, nachdem er sich doch in letzter Zeit öffentlich als Schalker bezeichnet. Also nahm ich die Übertragung auf, aber seine Reportage des Spiels gegen Hertha BSC wurde von ihm beendet wie jede andere zuvor. Ich hoffte, es gäbe vielleicht irgendein Radiogespräch mit ihm, nochmal einen MonTalk, ein Sportgespräch oder eine Plan B-Begleitung seines letzten Jobs. Was zu hören eben, und einen Podcast für mein Blog. Aber auch darauf wartete ich vergebens.

Ja, auch ich mag Manni Breuckmann. Er ist näher als die anderen Reporter. Frau Töpperwien habe ich nie vor einem Spiel an einer Würstchenbude gesehen. Manni Breuckmann tauscht in Interviews gerne die Rolle des Journalisten gegen die des klar denkenden Fußballliebhabers. Dass das nicht dasselbe ist, ist nicht seine Schuld.

Lange Zeit spielte er damit, sich zu keinem Club klar zu bekennen. Neben Günter Koch war er der Andere. Zwei großartige Radiomänner, Koch der mit seinem Club leidende, Breuckmann der überparteiliche, wenngleich er als WDR-Mann immer einen Hang zu den Clubs aus den Westen hatte.
Wann er sich erstmals öffentlich zu Schalke 04 bekannt hat weiß ich nicht. Ich hatte den Eindruck, es hatte was mit der Veröffentlichung seines Buchs „Mein Leben als jugendlicher Draufgänger zu tun“, in dem er sein Aufwachsen im Ruhrgebiet beschreibt. Eigentlich ist es aber auch egal, denn dieses Fan-Sein nutzt er in seinen öffentlichen Auftritten genauso geschickt und unverbindlich, wie zuvor sein Nichtbekenntnis. Seine Ansichten, seine journalistische Arbeit hat sich dadurch nicht verändert. Zum Glück.

Trotzdem fand ich das Abschiedsbrimborium um ihn für zu dick aufgetragen. Man konnte meinen, der Mann würde übermorgen für immer in den Sonnenuntergang reiten. Dabei will er sich doch nur verändern. Er wird nun schreiben. Und in zwei Jahren, wenn sein WDR-Vertrag ausläuft, werden wir ihn auch wieder irgendwo sehen oder hören, dessen bin ich mir sicher.

Insofern war es nur richtig, dass Herr Breuckmann auf Schalke eben keine Abschiedsworte suchte, dass es nicht noch eine Radiosendung gab, die seine Veränderung als Selbstmord verklärte. Und insofern habe ich auch keinen „Abschied“ verpasst.


PS: In der Duisburger Filiale der Wohlthat’schen Buchhandlung gibt’s Breuckmanns Beschreibung seiner selbst als jugendlichem Draufgänger für läppsche 5 Euro.
PPS: Die NDR-Sendung ZAPP hatte einen Film zu Breuckmanns letztem Job auf Schalke gedreht, welcher noch online abrufbar ist.



[Foto: Joe Mutke]

Wat is’? Nix is’!

Kleine Kinder lieben Wiederholungen. Mein Sohn singt auch beim hundertsten Mal das Müllabfuhr Lied begeistert mit. Und im Prinzip findet unsereins doch auch Halt am ewigen Turnus des Fußballs. Nach einem schönen Sommer, am Besten mit einem Turnier, startet man voller Hoffnung in die Liga. Die Hoffnung schmitzt bis Weihnachten, dann ist Pause. An Gerüchten um Verstärkungen hangelt man sich hoch, setzt seine Hoffnung in die Verbesserung, sei es durch Transfers oder ordentliche Testspielergebnisse, um dann nach vielleicht doch noch aufregenden Wochen sein Gemüt Ende April wieder abkühlen zu müssen – und im Mai darf man dann nochmal die richtig Guten bestaunen.

Kurz: Mir ist die Winterpause zu lang („Scheiß Winterpause“) und im ursprünglichem Sinn unnütz ist sie auch („Scheiß Winterpause reloaded“), um aber keine ganze Saison durch schlechter Laune zu sein mag sie ihre Berechtigung haben. Kommen wir also an dieser Stelle mal zu einigen Transfergerüchten um Schalke 04. Drei Fälle halte ich für erwähnenswert.

Milan Jovanovic ist Stürmer bei Standard Lüttich und hat in 77 Ligaspielen 35 Tore erzielt und weitere 17 vorbereitet. Bereits vor dieser Saison gab es viel Transferhickhack um ihn. Eindhoven wollte ihn haben, fast war er schon da, dann doch wieder nicht. Nun gab es Gerüchte um Interesse von Olympique Marseille und Schalke. So laut, dass Manager Müller gegenüber westline.de eine Anfrage dementierte. Einen Tag später bedankte sich Jovanovic für die Angebote und sagte, dass er für Clubs wie Marseille oder Schalke Standard Lüttich nicht verlassen würde.

Eljero Elia spielt bei Twente Enschende, ist Außenstürmer, 21 Jahre jung und wurde noch von Fred Rutten aus Den Haag geholt, wo er bereits als 18-Jähriger in der niederländischen Ehrendivision debütierte. Er ist einer der Spieler, die für Schalke 04 bei der Niederlage in Enschede entschieden zu flink waren. Schalke soll interessiert sein, genauso „angeblich“ wie verschiedene Clubs aus England. Offiziell abgewiesen wurde von Twente bislang lediglich ein Angebot von Ajax Amsterdam.

Spieler aus Holland oder Belgien, werden mit Bezug auf Schalke in der Gerüchteküche natürlich gerne gekocht, seit Fred Rutten in Gelsenkirchen was zu sagen hat. Hinzu kommt, dass man sich ein Schalker Interesse an Spielern für diese beiden Offensivpositionen natürlich gut vorstellen kann. Weniger gut vorstellen kann ich mir allerdings, dass Schalke in diesem Winter einen Transfer realisieren wird, der eine Ablösesumme um die 4 oder 5 Millionen Euro kosten würde. Und solche Summen könnten sowohl für den recht erfolgreichen Jovanovic als auch für den talentierten und noch sehr jungen Elia durchaus fällig werden.

Montag behaupteten bulgarische Webseiten dann plötzlich, Schalke 04 hätte Blagoy Georgiev ein Angebot gemacht. Jenem Mittelfeldspieler, der in der letzten Saison auf Schalke das 1:0 für den MSV Duisburg erzielte und mittlerweile für Slavia Sofia spielt. Und auch wenn der Name seitdem nicht mehr aufgetaucht ist, auch wenn dieser Transfer vielleicht nie zustande kommt, denke ich doch, dass ein Transfer dieser Art sehr viel realistischer ist. Ein Spieler für verhältnismäßig wenig Geld, der sicher kein Kracher ist, den Trainer Rutten aber möglicherweise als Variante zum etablierten Schalker Mittelfeld sieht. Denn dass Fred Rutten maximal fünf der Mittelfeldspieler seines aktuellen Kaders für überhaupt einsetzbar hält, sollte mittlerweile jeder verstanden haben.

Ein Transfer der Art, welcher allerdings auch nicht dazu geeignet ist, Hoffnung zu schüren.
Scheiß Winterpause.

Keine Wahl

Fußballer des Jahres in Weißrussland 2002,
Fußballer des Jahres in Weißrussland 2003,
Fußballer des Jahres in Weißrussland 2005,
Fußballer des Jahres in Weißrussland 2006,
Fußballer des Jahres in Weißrussland 2007,
Fußballer des Jahres in Weißrussland 2008 ist Aliaksandr Hleb.

Und das, obwohl er für seinen Club in dieser Saison an lediglich 10 Ligaspielen beteiligt war. Dabei wurde er siebenmal ein- und dreimal ausgewechselt, stand im Schnitt pro Einsatz 26 Minuten auf dem Platz.

Nun habe ich keine Ahnung, wer den Fußballer des Jahres in Weißrussland bestimmt. Trifft sich eine Kommission zur Abstimmung, könnte man sich zwei Szenarien vorstellen:

In dem ersten hadern die Herren (und es sind nur Herren anwesend) mit dem Umstand, dass es keinen zweiten Fußballer weißrussischer Abstammung gibt, der in irgendeinem Club der vielbeachteten westlichen Ligen wenigstens ab und an sein Können zur Schau stellt. Und sie schwören Stein und Bein, dass sie die Ehre nochmal Maksim Ramaschtschanka antragen würden, spielte dieser, wenn schon in der Türkei, wenigstens für Fenerbahçe oder Galatasaray. So aber bleibt ihnen nur die eine Wahl.

In dem anderen Szenario ist das jährliche Treffen der Komission (zu der auch Frauen gehören) zu einem bei allen Anwesenden sehr beliebten Termin geworden. Sich kurz vor Weihnachten nochmal sehen, gut zu speisen und hiernach ohne jede Diskussion eine Entscheidung treffen zu können, die von niemandem angezeifelt werden wird, passt in die Jahreszeit, ist ein höchst befriedigender Akt. Und Nationaltrainer Bernd Stange beglückwünscht die Komission in seiner Rede zu ihrer Entscheidung.

Natürlich ist das zweite Szenario näher dran. Bestimmt.
Wie friedvoll andere Länder mit ihrem Topstar umgehen können!
Frohe Weihnachten.