K(l)ein(er) Unterschied

Vorurteile sind gesund. Sich zu Allem und Jedem bei jeder Begegnung auf eine Neues eine Meinung bilden zu müssen, ließe uns alleine im Geist zurück und in Untätigkeit erstarren. Meine Vorurteile zu Hertha BSC pflege ich schon seit langer Zeit: Ein ziemlich langweiliger Verein, der am Ende der Saison ungefähr auf Platz 8 landet, dessen Mannschaft zumeist „Beamtenfußball“ spielt und dessen Sponsor deshalb passt wie Arsch auf Eimer, wie man hier sagt. Das Beste an Hertha BSC ist Welt Hertha Linke.

Sicher habe ich davon gehört, dass Hertha nun erfolgreich spielt. Das kann verunsichern, aber solange man das nicht mal selbst sieht, fällt es leicht es zu verdrängen. Was ich heute von Hertha BSC sah beruhigte mich aber wieder. Hertha trat doch arg pomadig auf, setzte fast ausschließlich auf Schalker Schwäche und hoffte auf Glück bei den zwei bis drei Torschüssen, die jeder Club immer und überall bekommt.

Das klingt nach nicht viel, war es auch nicht, aber so spielten auch schon Bielefeld und die Bayern auf Schalke, und die punkteten trotzdem. Und Schalke zeigte auch heute über weite Strecken wieder die gleichen Schwächen, welche die Königsblauen seit Wochen kennzeichnen: Das Tempo ist zu langsam, die Ausführung von Spielzügen ist zu unpräzise und es werden in der Vorwärtsbewegung häufig die falschen Entscheidungen getroffen.

Irgendwann in der zweiten Halbzeit fand Mladen Krstajic keine Anspielstation zur Spieleröffnung und marschierte los. Er rannte mit dem Ball am Fuß über den halben Platz bis er an den 16er kam, wo Halil Altintop mit dem Rücken zu Tor stand und sich Jefferson Farfan mittig in der Vorwärtsbewegung befand. Kristajic spielte Altintop an. Statt sich nun zu drehen und sich gegen den einen, ihn bewachenden Herthaner durchzusetzen, oder statt sich Richtung Mitte, zu Farfan zu orientieren, schlenzt Altintop den Ball lässig mit dem Außenriss und schickt den 34-Jährigen Krstajic per versuchtem Doppelpass in die Tiefe. Dieser kam nicht mehr hinterher, was nur Altintop wunderte, der Ball rollte ins Aus.
Was sich Halil Altintop in solch einer Situation denkt, ob ihm eine weitere ruinierte gute Gelegenheit mehr oder weniger egal ist, ob er dabei vielleicht überhaupt nicht denkt, ich weiß es nicht. Kein Alleinstellungsmerkmal für Halil Altintop, beispielhaft für viele „kleine“ Fehlentscheidungen bei Schalker Offensivbemühungen.

Schalke hat verdient gewonnen. Schalke hat defensiv kaum etwas zugelassen und es vorne immer weiter versucht. Schalke hat sich in dieses Spiel verbissen. Sie spielten so wie sie es in den letzten Wochen häufig taten, nur dass sie eben eine Torchance nutzten und keinen Gegentreffer kassierten. Aktuell muss man damit schon zufrieden sein.



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