Ein Mäuschen vor der grauen Wand

An der Torwand traf Andreas Müller in einem von sechs Versuchen. Eine Trefferquote wie bei seinen Transfers, die anderen Schüsse gingen mit viel Kraft daneben oder drüber, flogen bis Uruguay.
Aber wegen des Torwandschießens habe ich das aktuelle Sportstudio nicht geschaut. Mir ging es um das Interview, Katrin Müller-Hohenstein und Andreas Müller.

Welch eine Enttäuschung. Welch eine vergebene Chance. Wenn man den richtigen Mann in der passend-prekären Situation vor sich sitzen hat muss man doch mal nachfragen, darf man sich doch nicht mit den Phrasen abspeisen lassen, die Andreas Müller seit Wochen drischt. Doch statt nachzufragen ließ Frau Müller-Hohenstein das Interview zu etwas verkommen, wogegen die Trallala-Gespräche in der bierseeligen Sonntagsrunde des DSF wie Kreuzverhöre erscheinen.

Müller sagt, dass auf Schalke nicht so sehr auf die Meisterschaft geschaut werden soll, sagt Sekunden zuvor aber, dass die Disziplin, die Fred Rutten einfordert, die paar Prozent Leistung ausmachen können, um „das Ziel zu erreichen, das sich auf Schalke jeder wünscht“.

Auf seine schwachen Transfers angesprochen wischt Müller das Thema schlicht beiseite, in dem er nach Kanzlerart entscheidet, dass sich seine Transferbilanz sehen lassen könne, auch weil unter seiner Führung Höwedes und Fährmann in den Kader gekommen seien.

Müller redet wieder davon, dass Schalke nicht soviel Geld hätte wie Bayern München, dass Schalke keine zig Millionen für neue Spieler ausgeben könne, als ob irgendein Schalke-Fan so etwas erwarten würde.

Müller spricht von einem Konzept, dass er Tönnies und Schnusenberg nun vorgestellt hätte und das er im Winter umzusetzen gedenkt. Dabei leuchten seine Augen derart, dass man vermuten kann, dass „Konzept“ für ihn etwas Neues, etwas Aufregendes ist. Frau Müller-Hohenstein hätte nach dem Konzept fragen können, hätte nach dem Unterschied zu dem, was Müller bislang trieb fragen können. Sie hätte fragen können auf welchen Positionen Müller bedarf sieht, hätte fragen können wie Müller für Spieler, die nun ein Jahr nicht in der Bundesliga zu sehen waren, Geld zu bekommen gedenkt, ob er die Mannschaft verjüngen will oder auf erfahrende Verstärkungen setzt, all diese Fragen, die sich nun mal stellen, wenn man kurz darüber nachdenkt, wie es wohl weitergehen soll auf Schalke.

Aber sie fragte solche Sachen nicht. Stattdessen führte sie ein Interview, dass jedermann ratlos zurücklässt, dass keinerlei neue Informationen beinhaltete.

Andreas Müller erzählt die gleichen Sachen wie immer und würzt dies mit der Drohung nach dem gnadenlosen Fortsetzen des Weges. Jeder Schalker, der sich nach Veränderung sehnt, muss hoffen, dass sich hinter dieser langweiligen und grauen Wand irgendwo doch noch was Revolutionäres, was Spannendes entwickelt.

Ist ja bald Weihnachten.

[Keine Empfehlung, nur als Beweis, hier der Link zum Interview]



10 Kommentare zu “Ein Mäuschen vor der grauen Wand”

  1. tumulder sagt:

    Als ob die Müller-Hohenstein schon mal ein Interview geführt hätte. Tsss…

  2. berka sagt:

    Mich störte der Mangel an Souveränität. Sturheit alleine reicht nicht.
    Interessantes kam in Nebensätzen, wenn z. B. von Unruhe in der Mannschaft die Rede war.

  3. eisenschleuder sagt:

    da wird wieder mal auf den tisch gehauen. mehr aber leider nicht. ich bin auch mal gespannt auf das „konzept“: ich vermute 2 halbherzige aktionen die uns mal wieder leute mit „enormen potenzial“ oder „viel erfahrung“ sichern…

  4. nedfuller sagt:

    Enttäuschendes Interview.
    Aber mal ehrlich, was anderes hatte man auch nicht erwartet.

    Als wenn er die Hose runter lassen würde. Das hätte zwar was, aber keiner wagt es.

  5. Oliver (Breitnigge.de) sagt:

    Gratulation Torsten. Endlich hat mal jemand gesagt, was ich immer wieder denke. Wenn ich allerdings ehrlich bin, habe ich diese Meinung aber eben von fast allen Interviews im ASS…

    Was im Übrigen das zweite ist, was mich neben dieser Pseudo-Spannung an dieser Sendung stört.

  6. Dani sagt:

    „Müller sagt, dass auf Schalke nicht so sehr auf die Meisterschaft geschaut werden soll, sagt Sekunden zuvor aber, dass die Disziplin, die Fred Rutten einfordert, die paar Prozent Leistung ausmachen können, um „das Ziel zu erreichen, das sich auf Schalke jeder wünscht“.

    Genau da, hat es mir auch die Sprache verschlagen. Unglaublich schlechte Fragen. Rein gar nichts was wirklich interessieren würde kam dabei raus!

  7. Michael Wiemer sagt:

    Gute Einschätzung. Jedoch habe ich nichts anderes erwartet. Andreas Müller hat vor einiger Zeit Uli Hoeneß als Manager genannt von dem er etwas lernen kann. Schalke muß aufpassen bei der Neuordnung der Liga nicht den Anschluß zu verlieren. Tempofußball wie Hoffenheim oder Bayern kann die Mannschaft momentan nicht spielen. Der Kader wirkt nicht homogen. Die Handschrift des neuen Trainers ist noch nicht so richtig zu erkennen.

  8. hellwach sagt:

    Er sagte auch „Umbruch“ und „Prozess“, gnadenlos. Bullshit-Bingo, sag ich.

  9. Verkorkste Hinrunde für den FC Schalke 04 « Taktikbesprechung. sagt:

    […] in einem anderen Artikel: Auf seine schwachen Transfers angesprochen wischt Müller das Thema schlicht beiseite, in dem er […]

  10. Hinrundenbilanz Teil 4 - In Schlagdistanz zu Europa | Bundesliga Life Blog sagt:

    […] Kritik? Müller wehrt sich auf jeden Fall und schießt scharf zurück: “Assauer hat den Laden hier mit seinen teuren Flops finanziell […]

Schreibe einen Kommentar