Der verpasste Abschied

Ich hatte gedacht, Manni Breuckmann würde vielleicht bei seinem letzten Mal auf Schalke irgendwelche „Abschiedsworte“ finden, nachdem er sich doch in letzter Zeit öffentlich als Schalker bezeichnet. Also nahm ich die Übertragung auf, aber seine Reportage des Spiels gegen Hertha BSC wurde von ihm beendet wie jede andere zuvor. Ich hoffte, es gäbe vielleicht irgendein Radiogespräch mit ihm, nochmal einen MonTalk, ein Sportgespräch oder eine Plan B-Begleitung seines letzten Jobs. Was zu hören eben, und einen Podcast für mein Blog. Aber auch darauf wartete ich vergebens.

Ja, auch ich mag Manni Breuckmann. Er ist näher als die anderen Reporter. Frau Töpperwien habe ich nie vor einem Spiel an einer Würstchenbude gesehen. Manni Breuckmann tauscht in Interviews gerne die Rolle des Journalisten gegen die des klar denkenden Fußballliebhabers. Dass das nicht dasselbe ist, ist nicht seine Schuld.

Lange Zeit spielte er damit, sich zu keinem Club klar zu bekennen. Neben Günter Koch war er der Andere. Zwei großartige Radiomänner, Koch der mit seinem Club leidende, Breuckmann der überparteiliche, wenngleich er als WDR-Mann immer einen Hang zu den Clubs aus den Westen hatte.
Wann er sich erstmals öffentlich zu Schalke 04 bekannt hat weiß ich nicht. Ich hatte den Eindruck, es hatte was mit der Veröffentlichung seines Buchs „Mein Leben als jugendlicher Draufgänger zu tun“, in dem er sein Aufwachsen im Ruhrgebiet beschreibt. Eigentlich ist es aber auch egal, denn dieses Fan-Sein nutzt er in seinen öffentlichen Auftritten genauso geschickt und unverbindlich, wie zuvor sein Nichtbekenntnis. Seine Ansichten, seine journalistische Arbeit hat sich dadurch nicht verändert. Zum Glück.

Trotzdem fand ich das Abschiedsbrimborium um ihn für zu dick aufgetragen. Man konnte meinen, der Mann würde übermorgen für immer in den Sonnenuntergang reiten. Dabei will er sich doch nur verändern. Er wird nun schreiben. Und in zwei Jahren, wenn sein WDR-Vertrag ausläuft, werden wir ihn auch wieder irgendwo sehen oder hören, dessen bin ich mir sicher.

Insofern war es nur richtig, dass Herr Breuckmann auf Schalke eben keine Abschiedsworte suchte, dass es nicht noch eine Radiosendung gab, die seine Veränderung als Selbstmord verklärte. Und insofern habe ich auch keinen „Abschied“ verpasst.


PS: In der Duisburger Filiale der Wohlthat’schen Buchhandlung gibt’s Breuckmanns Beschreibung seiner selbst als jugendlichem Draufgänger für läppsche 5 Euro.
PPS: Die NDR-Sendung ZAPP hatte einen Film zu Breuckmanns letztem Job auf Schalke gedreht, welcher noch online abrufbar ist.



[Foto: Joe Mutke]



10 Kommentare zu “Der verpasste Abschied”

  1. Oliver (Breitnigge) sagt:

    Es sei mir gestattet, dass ich das Thema Breuckmann (und Koch übrigens auch) gänzlich anders bewerte – ok?

    Warum?

    Ich habe nix dagegen, wenn ein Journalist eine Meinung, eine Liebe zu einem Verein hat. Ich habe auch nix dagegen, wenn er diese mehr (Koch) oder weniger (Breuckmann) offen zum Ausdruck bin.

    Ich habe lediglich was dagegen, dass sich dieser Journalist dann noch als unabhängig bezeichnet.

    ‚Habe ich aber alles schon öfters und früher gesagt (wie Du bestimmt weißt)…

  2. Torsten Wieland sagt:

    Hier ist immer jede andere Bewertung gestattet.
    Wenn Du allerdings Breuckmann Abhängigkeit unterstellst, wirft das die Frage auf, wo Abhängigkeit anfängt bzw. Unabhängigkeit aufhört.

    Gerade Herr Breuckmann gehört m.E. nicht in die Duz- und Schunkelecke, in der doch einige Journalisten gerne mal mit den Spielern sitzen, um auch ihrerseits von der Nähe zu profitieren. Das wäre/ist eine Form von Abhängigkeit, wenn sich die Schreiben mit denen, über die sie schreiben, gemein machen. Gegenüber Schalke war/ist Breuckmann eher kritischer als viele seiner Kollegen. Nein, für abhängig halte ich ihn nicht, und für unkritisch auch nicht.

    By the way: Ich bin sicher viel mehr Schalke-Fan als Frau Müller-Hohenstein, und doch halte ich sie für unkritischer als mich.

  3. Max (Taktikbesprechung) sagt:

    Der Bayerische Rundfunk hat für sein Radio-Programm zum Abschied eine längere Sendung mit einem Gespräch zwischen Breuckmann, Günther Koch und Christoph Daeumling (moderiert auf Bayern1 „Heute im Stadion“, also die Fußballkonferenz am Samstagnachmittag) produziert. Ich hab’s so nebenher gehört und fand’s ganz unterhaltsam, auch wenn GüKo sich ab und zu mal in den Vordergrund drängelt.

    Siehe hier: BR – Die blaue Couch

  4. Torsten Wieland sagt:

    Deumlich heißt der Mann. Ich dachte schon, Du wollteste den Trainer des 1. FC Köln verballhornen und habe mich schon gewundert, was des dabei zu suchen hat ;-)

    Vielen Dank für den Link!

  5. Oliver (Breitnigge) sagt:

    @Torsten: Ok. Falsches Wort. Nennen wir es Neutralität. Ich habe mir – im Radio wie im TV – über Jahrzehnte seine Berichte angehört. Über den FC Bayern konnte er da zumeist nie neutral bleiben. ‚Gelang ihm einfach nicht. Schade.

    Trotzdem ist mir klar, dass es diverse Pendants zum FCB gibt (Waldi (wenn auch bekennender Clubberer) zum Beispiel).

    Herrn Reif wirft man ja auch immer wieder vor, er schlafe in Bayern-Unterwäsche. Wer sowas sagt, kennt seine Bayern-Berichte nicht…

    Wie auch immer. Wer nun ein Bayern-Spiel moderiert, hat soweit zumeist auf den Ausgang keinen Einfluss und das ist mir immer noch das Wichtigste… ;-)

  6. TheBigEasy sagt:

    „Trotzdem ist mir klar, dass es diverse Pendants zum FCB gibt (Waldi (wenn auch bekennender Clubberer) zum Beispiel).“

    Sorry, Waldi ist jetzt ein Clubberer? Ich kann mich noch daran erinnern, wie er mir ins Gesicht hinein erklärte, ein bekennender Blauer (60er) zu sein.

  7. Oliver (Breitnigge) sagt:

    Interessant. Aber war es nicht dieser Waldi, der mal im Interview von seiner Jugend-Zeit erzählte und seinem Stolz, als Spieler ein Trikot des „Club“ tragen zu dürfen, da es die damals noch nicht zu kaufen gab?!

  8. Torsten Wieland sagt:

    Nicht, dass mein Blog wegen Euch noch von jemandem via Google unter dem Stichwort „Waldi“ gefunden wird. Da schüttelt’s mich, bei dem Gedanken.

    Frohes Neues, euch allen!
    Euren Clubs natürlich nicht …

  9. Oliver (Breitnigge) sagt:

    Immer noch besser als unter „Möter“, oder? ;-)

    Dir auch ein frohes, neues Jahr!

    Deinem Club alles Gute, vor allem am 34. Spieltag…

  10. TheBigEasy sagt:

    @Torsten & Oliver
    ;-)
    Also ohne euch beide wäre der wahre Fußballfreund in diesem Land schon etwas ärmer. Gut, dass ich euch 2008 entdeckt habe und demzufolge seitdem etwas reicher bin.
    Ich wünsche euch ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2009, meinem FCB die Meisterschaft und S04 9 grandiose Heimsiege in der Rückrunde und einen rabenschwarzen Tag am 29. Spieltag. ;-)

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