Artikel im Dezember 2008

Mein Highlight des Jahres

Schalke hat im Jahr 2008 bessere Spiele abgeliefert als das Achtelfinalrückspiel am 05. März in Porto. Aber es war wichtig, es war dramatisch, es war von Erfolg gekrönt und es hatte einen klassischen Helden, einen jungen, einen guten, einen alles überragenden: Manuel Neuer.

Kein anderes Spiel hat mich in 2008 derart angetitscht. Und wenn ich mir anschaue, wie Manuel Neuer den letzten Elfer Portos hält, durchfährt es mich noch jetzt.
Mein Highlight des Jahres.


Schalker (Transfer-)Marktschreierei

„Zwischen Vicente Sánchez und Schalke hat es bislang lediglich lockere Gespräche gegeben. Es ist noch nichts im Köcher. Ein Transfer macht nur Sinn, wenn Sánchez bis zum Trainingsauftakt, spätestens zu Beginn des Trainingslagers in der Türkei, bei der Mannschaft ist.“

Präsident Josef Schnusenberg am 31.12.2007 zu Reviersport, vier Tage vor Schalkes Trainingsauftakt, sechs Tage vor der Abreise ins Trainingslager im türkischen Belek. Am 17.01.2008, vier Tage nach Beendigung des Trainingslagers, unterschrieb Vicente Sánchez auf Schalke einen Vertrag mit einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren.




„Kein Thema. Es gibt kein Angebot, kein Interesse, null.“

Manager Andreas Müller am 24.08.2007 gegenüber dem kicker, zur Behauptung brasilianischer Medien, Schalke 04 sei an einer Verpflichtung José Roberto de Oliveiras interessiert. Am 04.01.2008 unterschrieb „Zé Roberto II“ auf Schalke einen Vertrag mit einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren.

Sich mal gemeinmachen

Sich mal gemeinmachen bringt Spass.

Und auch wenn „Word“ hier unterstreicht was das Zeug hält schreibe ich doch gemeinmachen zusammen und Spass mit doppel-s, weil ich Spass so ausgesprochen haben möchte. Mit kurzem a. Feixend. Mit irgendetwas Feinem oder Edlem hat das nichts zu tun. Spass!

So’n Spass kann man jedenfalls haben, wenn man mal versucht, die Welt aus Sicht des FC Bayern, insbesondere dessen Vorstandsvorsitzenden zu sehen. Das ist so abwegig nicht, meiner Meinung nach stehen der Westfale Karl-Heinz Rummenigge und der Westfale Josef Schnusenberg, Präsident und somit in der Struktur des FC Schalke 04 ebenfalls der Vorsitzende des dreiköpfigen Vorstands, in Sachen Außendarstellung durchaus auf einer Stufe.

Wenn ich mich also in Herrn Rummenigge versetze, und wenn die Geschichte die der kicker erzählt stimmt, wenn es also wahr ist, dass Papa Kroos beim FC Bayern wegen eines Wechsels seines Sohnes zur Winterpause angefragt hat und Herr Rummenigge tatsächlich geantwortet hat, dass der FC Bayern Toni Kroos auch weiterhin bräuchte, weil Toni Kroos schließlich die Nummer 23 beim FC Bayern sei und als solche dringend gebraucht werde, finde ich das wahrhaft großartig, zum wegschmeißen sozusagen, dann „machte das meinen Tag“!

Toni Kroos hat noch einen bis 2012 laufenden Vertrag beim FC Bayern. Vielleicht schafft er es ja noch zur Nummer 19. Die Nummer 23 in der kommenden Saison soll ja Alexander Baumjohann werden, der ist schließlich schon mit 4 guten Spielen in dieser Saison aufgefallen, da wird’s Zeit für die Bayern-Bank.

Hach, das Leben könnte so witzig sein. Hätte man sein Herzchen nicht ausgerechnet am FC Schalke 04 verloren.

[Von wegen „Spass – wie ich’s spreche“ bzw. überhaupt „wie man’s spricht“: Sagt man irgendwo gucken mit einem g wie in Gugelhupf? Ich kenne nur Menschen die dieses Wort „kucken“ sprechen, mit Ausnahme von Max Goldt, dem ich zutraue nur deshalb so zu sprechen wie er schreibt, weil er schließlich auch darüber schreibt wie er schreibt – oder spricht.]

Du bist nicht allein!

Sicher, die Dokumentation ist schon etwas älter. Nach großen Turnieren ist das Thema Fußballentzug populärer. Dann scheint es dazu zu gehören, wie vor dem Turnier der Beitrag über das erhöhte Herzinfarktrisiko für Sesselfußballfans, dessen älteste, mir bekannte Version immerhin von der WM ’74 stammt.

Allen Winterpausengequälten – und da nehme ich mich nicht aus, bin ich doch einerseits froh um die Schalkequalpause, andererseits trotzdem „irgendwie leer“ – mag dennoch die Gewissheit ein Trost sein, dass es durchaus Seminare gibt. Man muss nur eins finden.

Hören:

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Fußballrealitäten

Koller kommt bei einem Großteil der Fans nicht gut an. Dem stets etwas distanziert wirkenden Trainer wird Mangel an Volksnähe vorgeworfen.
Bei einer emotionalen Diskussion mit den Anhängern vor zwei Wochen wurde dem modebewussten 48-Jährigen nahe gelegt, zukünftig bei Spielen einen Trainingsanzug zu tragen. Damit jeder sehen könne, dass er „auch wirklich arbeite“, so ein Fansprecher. Koller ließ sich jedoch nur auf einen Kompromiss ein: Er trägt nun einen Fanschal. Gebracht hat es nichts.

Ist nun die Forderung nach einem Trainigsanzug, die Tatsache, dass Herr Koller deshalb nun einen Fanschal trägt oder die Feststellung des Oliver Müller, dass es nichts gebracht hätte der größte Klopper in diesen sieben Sätzen?

In jedem Fall wird hier Fußballrealität dargestellt, sehr gut, wie ich finde. Mit Sicherheit würde man auch reichlich Schalker finden die denken, dass Kevin Kuranyi ein besserer Fußballer sein könnte, würde er sich bloß seiner modischen Gesichtsbehaarung entledigen. Und Oliver Müller würde genau hinschauen und es im nachhinein bewerten.

Großartig.

Die schrecklichen Drei: Zwischen Leistung und Wahn

Das nächste Spiel, das hätte gewonnen werden können. Die nächsten Punkte, die durch Selbstverschulden weggeschenkt wurden. Hoffenheim zeigte nicht das Feuerwerk, das man erwartet hatte. Hoffenheim spielte seine Stürmer drei oder viermal frei, der Rest waren Fernschüsse jeglicher Art. Sowas lässt sich relativ leicht verteidigen. Eigentlich.

Fred Rutten lege wert auf Disziplin, erzählt Andreas Müller in jedem Interview. Wie hält es der Mann mit diesem Kader nur aus? Gibt es eine andere Mannschaft in der Liga, dass es an Diziplinlosigkeit mit dieser Mannschaft des FC Schalke 04 aufnehmen kann?

Man kann es wohl an den Frisuren festmachen. Je weniger auf dem Haupt wächst, desto weniger halt scheint es in Extremsituationen auch im Kopf zu geben. Dann löst sich etwas, oder es knallt durch, wie auch immer. Jones hat wenig. Engelaar hat weniger. Ernst hat nichts.

Jermaine Jones spielt immer überdreht. Bei ihm ist es immer nur ein kleiner Schritt vom großen Einsatz bis zu großen Dummheiten, bei denen er an der Mittellinie jemanden umsenst, dem Gegner im Luftkampf einen mitgibt oder auf den Schiedsrichter zurennt als wolle er ihn verprügeln. Erstaunlich, wie viele Schiedsrichter das mit sich machen lassen. Noch erstaunlicher, dass es auf Schalke niemanden gibt, der ihn im entscheidenden Moment zurückhält, ihn vor sich selbst schützt.

Orlando Engelaar ist das Gegenteil von Jones, denn ihn hat man noch nie auch nur ansatzweise irgendwie aufgeregt, geschweige denn aufregend gesehen. Er foult seinen Gegner – obwohl bereits verwarnt – mit der gleichen Lässigkeit einen Meter vor dem Schiedsrichter, mit der er auch seinen fünften oder sechsten Fehlpass spielt. Als ginge ihn das alles nichts an, dann schleicht er eben raus. Ab und an spielt er einen tollen Pass. Aber das kann den Mist, den er sonst spielt, eben leider nicht aufwiegen.

Und dann ist da noch Fabian Ernst. Das heutige Spiel war sein 305. Bundesligaeinsatz, in Abwesenheit von Marcelo Bordon trug er die Kapitänsbinde. Er spielte seine Position hervorragend, fing immer wieder Hoffenheimer Pässe in die Tiefe ab, stopfte Löcher über die gesamte Spielfeldbreite, und war doch wieder in der entscheidenden Szene der falsche Mann. Wie schon in Dortmund war er eben nicht der ruhende Pol, das, was man von einem Spieler seiner Erfahrung erwarten könnte. Sondern es war wieder Fabian Ernst, der das Foul zum Gegentor beging, der dabei eigentlich auch mit Rot vom Platz gestellt hätte werden müssen.

So ist es ganz schwer zu siegen.
Sicher war noch ein guter Freistoß nötig.
Sicher sah auch Manuel Neuer bei dem Gegentor wieder nicht völlig unschuldig aus. Nicht an solch einen Schuss heranzukommen ist das eine, mit der vollen Hand da zu sein, den Ball dann aber trotzdem reinzulassen ist das andere. Es bleibt dabei, dass man zwar weiß, welche grandiosen Sachen Manuel Neuer leisten kann, man sich aber dennoch nie so richtig sicher fühlt.
Sicher hat sich Hoffenheim diesen Punkt auch verdient.

Trotzdem glaube ich, dass Hoffenheim dieses Spiel „aus eigener Kraft“, gegen eine diszipliniertere Schalker Mannschaft, ohne Geschenke nicht mehr hätte ausgleichen können.

Ein Jammer.

Der Letzte zündet den Baum an

Noch 90 Minuten plus Nachspielzeit, dann ist diese Halbserie endlich vorbei. Aller Voraussicht nach kriegt Schalke morgen nochmal einen richtigen Gong verpasst. Wenn Hoffenheim das Tempo anschlägt, dass es letzte Woche noch zeigte, ist das für den FC Schalke im Jahr 2008 definitiv zu schnell. Mögen sie Hoffenheim in den Nahkampf ziehen können, möge es ruhig nochmal eine dieser unansehnlichen Grätschorgien werden, dann kann Schalke vielleicht punkten. Aber egal wie das Spiel morgen endet, viel wichtiger ist, was nach dem Abpfiff, in der Zeit bis Ende Januar auf Schalke passiert.

Andreas Müller sagt, dass der Trainer und er ein Konzept hätten, welches es im Winter umzusetzen gelte. Wie dieses aussieht habe er den Herren Tönnies und Schnusenberg, vielleicht sogar Herrn Peters bereits erklärt (Wo steckt eigentlich Herr Peters ständig, wenn es hoch her geht auf Schalke? Im Hintergrund? Er zieht die Fäden? Dann zieht er sie schlecht.). Müller war entweder erschreckend überzeugend oder er profitiert einfach davon, dass die Herren Tönnies, Schnusenberg und Peters selbst keine passable Ideen haben, durch wen sie mitten in einer Saison Andreas Müller ersetzten könnten.

Jedenfalls sieht nun alles danach aus, als dürfte sich Müller weiter versuchen. Bestenfalls ist es mehr das Konzept des Trainers als des Managers, was da nun auf uns zukommt. Der Trainer Fred Rutten hat in Holland keineswegs den Ruf, nur defensiv, nur unattraktiv Fußball spielen zu lassen. Die Stürmer des FC Twente, die für Schalke vor 10 Tagen zu schnell, zu leichtfüßig waren, hat allesamt noch Fred Rutten in den Club geholt. Rutten ist der, auf den man noch hoffen kann.

Außerdem MUSS man darauf hoffen, dass sich Schalke 04 bei den nächsten Transfers auf andere Informationsquellen bezüglich Spielerqualitäten verlassen wird. Möglicherweise wird ja sogar Roger Wittmann als Chefscout abgelöst?!