Artikel im Dezember 2008

Damit Klarheit herrscht

… und Herr Olic gar nicht erst mit Gefasel, von wegen „ich werde mich durchsetzen“ oder so, beginnt, stellt der kicker schon mal fest:

„Olic nimmt den Platz ein, den Lukas Podolski freimachen wird.“

Möge er sich an den Rat des Herrn Hopp I. erinnern und immer schön was unterschieben.

50+1

Was konkret stört uns eigentlich an der Aufhebung der 50+1 Regel?

Dass der neue Besitzer „fremd“ ist? Dass er möglicherweise Ausländer ist? Dass er sein Geld vielleicht falsch einsetzt? Dass er dann das Sagen hat?

Wenn ein Investor aus der Region käme, den Aufbau von Infrastruktur verspräche und sich darum kümmern würde, dass fähige Insider das operative Geschäft leiten, was hätte wir dann noch zu meckern?

Glaubt jemand, das die TSG Hoffenheim ohne Hopp überlebensfähig wäre? Glaubt jemand, dass sich – käme es hart auf hart – der Vereinsvorstand in einer wichtigen Entscheidung gegen Herrn Hopp durchsetzen könnte?
Was genau geht Herrn Hopp ab, mit den an 50+1 fehlenden 2?

[via]

Ein Mäuschen vor der grauen Wand

An der Torwand traf Andreas Müller in einem von sechs Versuchen. Eine Trefferquote wie bei seinen Transfers, die anderen Schüsse gingen mit viel Kraft daneben oder drüber, flogen bis Uruguay.
Aber wegen des Torwandschießens habe ich das aktuelle Sportstudio nicht geschaut. Mir ging es um das Interview, Katrin Müller-Hohenstein und Andreas Müller.

Welch eine Enttäuschung. Welch eine vergebene Chance. Wenn man den richtigen Mann in der passend-prekären Situation vor sich sitzen hat muss man doch mal nachfragen, darf man sich doch nicht mit den Phrasen abspeisen lassen, die Andreas Müller seit Wochen drischt. Doch statt nachzufragen ließ Frau Müller-Hohenstein das Interview zu etwas verkommen, wogegen die Trallala-Gespräche in der bierseeligen Sonntagsrunde des DSF wie Kreuzverhöre erscheinen.

Müller sagt, dass auf Schalke nicht so sehr auf die Meisterschaft geschaut werden soll, sagt Sekunden zuvor aber, dass die Disziplin, die Fred Rutten einfordert, die paar Prozent Leistung ausmachen können, um „das Ziel zu erreichen, das sich auf Schalke jeder wünscht“.

Auf seine schwachen Transfers angesprochen wischt Müller das Thema schlicht beiseite, in dem er nach Kanzlerart entscheidet, dass sich seine Transferbilanz sehen lassen könne, auch weil unter seiner Führung Höwedes und Fährmann in den Kader gekommen seien.

Müller redet wieder davon, dass Schalke nicht soviel Geld hätte wie Bayern München, dass Schalke keine zig Millionen für neue Spieler ausgeben könne, als ob irgendein Schalke-Fan so etwas erwarten würde.

Müller spricht von einem Konzept, dass er Tönnies und Schnusenberg nun vorgestellt hätte und das er im Winter umzusetzen gedenkt. Dabei leuchten seine Augen derart, dass man vermuten kann, dass „Konzept“ für ihn etwas Neues, etwas Aufregendes ist. Frau Müller-Hohenstein hätte nach dem Konzept fragen können, hätte nach dem Unterschied zu dem, was Müller bislang trieb fragen können. Sie hätte fragen können auf welchen Positionen Müller bedarf sieht, hätte fragen können wie Müller für Spieler, die nun ein Jahr nicht in der Bundesliga zu sehen waren, Geld zu bekommen gedenkt, ob er die Mannschaft verjüngen will oder auf erfahrende Verstärkungen setzt, all diese Fragen, die sich nun mal stellen, wenn man kurz darüber nachdenkt, wie es wohl weitergehen soll auf Schalke.

Aber sie fragte solche Sachen nicht. Stattdessen führte sie ein Interview, dass jedermann ratlos zurücklässt, dass keinerlei neue Informationen beinhaltete.

Andreas Müller erzählt die gleichen Sachen wie immer und würzt dies mit der Drohung nach dem gnadenlosen Fortsetzen des Weges. Jeder Schalker, der sich nach Veränderung sehnt, muss hoffen, dass sich hinter dieser langweiligen und grauen Wand irgendwo doch noch was Revolutionäres, was Spannendes entwickelt.

Ist ja bald Weihnachten.

[Keine Empfehlung, nur als Beweis, hier der Link zum Interview]

K(l)ein(er) Unterschied

Vorurteile sind gesund. Sich zu Allem und Jedem bei jeder Begegnung auf eine Neues eine Meinung bilden zu müssen, ließe uns alleine im Geist zurück und in Untätigkeit erstarren. Meine Vorurteile zu Hertha BSC pflege ich schon seit langer Zeit: Ein ziemlich langweiliger Verein, der am Ende der Saison ungefähr auf Platz 8 landet, dessen Mannschaft zumeist „Beamtenfußball“ spielt und dessen Sponsor deshalb passt wie Arsch auf Eimer, wie man hier sagt. Das Beste an Hertha BSC ist Welt Hertha Linke.

Sicher habe ich davon gehört, dass Hertha nun erfolgreich spielt. Das kann verunsichern, aber solange man das nicht mal selbst sieht, fällt es leicht es zu verdrängen. Was ich heute von Hertha BSC sah beruhigte mich aber wieder. Hertha trat doch arg pomadig auf, setzte fast ausschließlich auf Schalker Schwäche und hoffte auf Glück bei den zwei bis drei Torschüssen, die jeder Club immer und überall bekommt.

Das klingt nach nicht viel, war es auch nicht, aber so spielten auch schon Bielefeld und die Bayern auf Schalke, und die punkteten trotzdem. Und Schalke zeigte auch heute über weite Strecken wieder die gleichen Schwächen, welche die Königsblauen seit Wochen kennzeichnen: Das Tempo ist zu langsam, die Ausführung von Spielzügen ist zu unpräzise und es werden in der Vorwärtsbewegung häufig die falschen Entscheidungen getroffen.

Irgendwann in der zweiten Halbzeit fand Mladen Krstajic keine Anspielstation zur Spieleröffnung und marschierte los. Er rannte mit dem Ball am Fuß über den halben Platz bis er an den 16er kam, wo Halil Altintop mit dem Rücken zu Tor stand und sich Jefferson Farfan mittig in der Vorwärtsbewegung befand. Kristajic spielte Altintop an. Statt sich nun zu drehen und sich gegen den einen, ihn bewachenden Herthaner durchzusetzen, oder statt sich Richtung Mitte, zu Farfan zu orientieren, schlenzt Altintop den Ball lässig mit dem Außenriss und schickt den 34-Jährigen Krstajic per versuchtem Doppelpass in die Tiefe. Dieser kam nicht mehr hinterher, was nur Altintop wunderte, der Ball rollte ins Aus.
Was sich Halil Altintop in solch einer Situation denkt, ob ihm eine weitere ruinierte gute Gelegenheit mehr oder weniger egal ist, ob er dabei vielleicht überhaupt nicht denkt, ich weiß es nicht. Kein Alleinstellungsmerkmal für Halil Altintop, beispielhaft für viele „kleine“ Fehlentscheidungen bei Schalker Offensivbemühungen.

Schalke hat verdient gewonnen. Schalke hat defensiv kaum etwas zugelassen und es vorne immer weiter versucht. Schalke hat sich in dieses Spiel verbissen. Sie spielten so wie sie es in den letzten Wochen häufig taten, nur dass sie eben eine Torchance nutzten und keinen Gegentreffer kassierten. Aktuell muss man damit schon zufrieden sein.

Vorbildhaft für Schalke?

Infokasten kurtspaeterLassen wir all die Probleme hinter uns, betrachten wir auch nicht, dass schalketypisch der Manager entlassen ist, bevor er entlassen ist und die große deutsche Boulevardzeitung einen Namen nach dem anderen in den Ring wirft. Gestern Assauer, heute Allofs und Bierhoff, morgen womöglich Dieter Hoeneß. Denn der hört wohl bald auf beim nächsten Schalke Gegner, der Berliner Hertha.

Wenn ich über die Hertha nachdenke, dann denke ich an Überraschung. Vielleicht auch ein bisschen an Wundertüte. Denn ich muss mich revidieren, die Entwicklung der Hertha in dieser Saison, beginnend mit einem radikalen Umbruch vor anderthalb Jahren, diese Entwicklung hätte ich dem Verein nicht zugetraut. Zuerst wurde ein Trainer verpflichtet, dem der Ruf vorauseilte, er könne eine Mannschaft aufbauen. Langfristig.

Nur wieviel Zeit benötigt er und wieviel ist man bereit zu geben?
Zunächst hat er die Mannschaft fast komplett umgekrempelt und sich Spieler verpflichten lassen, die seinen Vorstellungen entsprachen. Teilweise in Deutschland völlig unbekannte, junge Spieler wie Rafael, Lustenberger, Cicero, von Bergen oder Kacar. Als Sahnepunkte erfahrene Leute wie Voronin oder Drobny. Dazu Stein aus Rostock oder Nicu aus Wehen, also nicht auf dem großen Radar großer Vereine erprobt. Von der wirklichen Stammelf voriger Jahre ist nur Friedrich unumstritten geblieben, Simunic hat sich nach Schwierigkeiten gefangen und Pantelic ist immer auf dem Absprung und ich bin mir sicher, spätestens in der Sommerpause wird er den Verein verlassen. Und von der ehemaligen Schwemme an Hertha-Jugendspielern (ich denke vorallem an die Boatengs oder Dejagah) ist nur der Kieler Patrick Ebert und Sofian Chahed übriggeblieben.

Und plötzlich steht die Hertha auf Platz 3, fast am Ende der Hinrunde. Zwar ist ihr Fußball nicht unbedingt der ansehnlichste der Liga, aber der Erfolg stellt sich bereits ein. Mit defensivem, vor allem aber mit organisiertem Fußball, mit Spielern, die bereit sind ihm zu folgen und (Ausnahme Pantelic und anfangs Simunic) die sich in den Dienst der Sache stellen. Die Schwächen in der Offensive in der noch zuviel an Pantelic hängt, wird der Trainer, der alles ißt, mit Sicherheit auch noch ausmerzen. Wenn man ihm die Zeit gibt, wovon nach dieser Hinrunde mehr denn je auszugehen ist und die er immer eingefordert hat.

Um den Bogen zu Schalke herzustellen, so schwer es fällt, dieser Weg der Neuentwicklung mit einem klaren System ist der Weg, den auch Schalke gehen sollte. Trotz aller Widrigkeiten, die Favre und der Verein in der letzten und am Anfang dieser Saison zu überstehen hatten, arbeitet man immer noch am Konzept, dass der Trainer im Juni 2007 mitbrachte und wegen dem man ihn verpflichtete. Das allein ist vorbildhaft für das Schalke im Dezember 08.

Geschenktipp: Das TSG 1899-Jersey-Renewal-Kit

Vielleicht überlegt es sich die Stadt Heidelberg nun ja doch noch mal mit dem Grundstück. Und Herr Hopp ist mit Entscheidungen zu Gunsten besserer Vermarktungsmöglichkeiten flott dabei.

Wäre doch schade, wenn bei einem plötzlichen Club-Umzug die ganzen zu Weihnachten verschenkten Trikots nur wegen des doofen Ortsnamens nicht mehr hip sein könnten. Also: Das Jersey-Renewal-Kit am besten gleich mitschenken lassen und im Fall der Fälle einfach flott unter die Rückennummer pappen!

Das ist Innovation, das ist Kreativität!
Ganz eindeutig das geglückteste Fußball-Experiment von allen.

Der Dicke aus dem Chemieörtchen

Ich musste sehen was gut für uns war. Gutes Scouting, die richtigen Verpflichtungen von jungen und auch älteren Spielern. Das ist wie in einem Restaurant, Du kannst die besten Köche da haben, wenn dann keine vernünftige Ware kommt, keine Topklasse eingekauft wird, dann kannst Du nichts bewegen.

Im Stadion direkt neben Rainer Calmund zu sitzen kann kein Spaß sein. Rudi Völler nahm das immer hin, auch wenn es nicht schön aussah. Vielleicht hat man im eigenen Stadion aber auch die Sitze um Calli herum etwas luftiger zusammengeschraubt, ich weiß es nicht.

Noch schlimmer muss man sich wohl eine gemeinsame Fahrt mit ihm in einem Paternoster vorstellen. Und weil er bei seiner (vermutlich) bislang letzten Fahrt auch keine wirklich interessanten Sachen erzählt hat, bleibt es zu diesem Podcast hier mal bei einem schnöden Link (mp3).

Rainer Calmund ist gerade 60 Jahre alt geworden und hat ein Buch, seine Autobiografie heraus gebracht. Dafür ist er nun auf Promotion-Tour, was in den vergangenen Tagen gleich 3 Podcasts in den Catcher spülte. Am gehaltvollsten, wenn man sich die Stücke als Fußball- und nicht als Promi-Fan anhört, ist dabei ein Interview, dass er Björn Lindert im Rahmen des Deutschlandradio-Sportgesprächs gab.

Hören:

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mp3-Datei / Podcast-Feed

In Teilen noch unterhaltsamer ist sein Interview in der Sendung Eins zu Eins, auf Bayern 2. Hierbei empfehle ich das Überspringen der ersten Hälfte, also ein Einstieg bei ungefähr Minute 21, es sei denn man liest ansonsten auch die Bunte ganz gerne.

Hören:

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mp3-Datei / Podcast-Feed

Es gibt Leute, die nehmen Reißaus, wenn Calmund mit dem Reden beginnt. Denen ist er oft zu intim und zu betont Volksnah, mit seinem verschlucktem t hinter dem k und der Kamera, die ihn scheinbar in allen Lebenslage begleitet. Ich finde ihn durchaus unterhaltsam, solange er über Fußball spricht.