Artikel im Januar 2009

Kopfsache

Per SMS: „Woraus soll man Hoffnung schöpfen, wenn schon ein gutes Spiel mit zig Torchancen nicht gewonnen wird?“

Antwort von kurtspaeter: „Vielleicht aus der Tatsache, dass man wirklich ganz gut gespielt hat? Mehr fällt mir nicht ein.“

Mehr kann einem dazu wohl auch nicht einfallen.

Es gab mehrere Dinge am Schalker Spiel, die man kritisieren kann. Bennedikt Höwedes Handspiel hätte einen Strafstoß und somit das 0:2 zur Folge haben müssen. Zudem zeigten Höwedes und Bordon Abstimmungsprobleme bei schnellen Kontern der Hannoveraner. In der Defensive spielte Westermann die Position des linken Verteidigers auch nicht souverän. Und vorne fehlte es dem Sturmspiel durch die Mitte wieder an Klarheit. Das offensive Mittelfeld, dass heute zunächst mit Rakitic und Kobiashvili, später mit Rakitic und Altintop vergleichsweise schicksalhaft offensiv besetzt war, spielte genau einen „tödlichen Pass“ – Rakitic in Minute 2 auf Farfán, der den Ball an den Pfosten setzte.

Aber ja, trotzdem hat Schalke gut gespielt. Schalke hat eben niemanden für den „tödlichen Pass“. Rakitic mag das Auge und den Fuß dazu haben, doch ist er zu wenig präsent, zu langsam, zu schwach auf der Brust. Also erarbeitete sich Schalke seine Chancen durch körperliche Überlegenheit von Spielern wie Westermann, Asamoah und Altintop, bei eigentlich viel zu umständlichem Spiel durch die Mitte. Oder die Mannschaft versuchte es über Außen und durch Standards, wie man es seit anderthalb Jahren gewohnt ist. Heute erspielte es sich damit ausreichend Chancen.

Trotzdem reichte es nicht zum Sieg, nicht mal zu einem Punkt. Das deprimiert.
In vielen Spielen erschafft sich Schalke nicht mal die Hälfte der heutigen Chancen. Man leidet und flucht über die fehlende Kreativität, rauft sich die Haare ob der Kompliziertheit des Schalker Aufbauspiels und wünscht sich die Stürmer irgendwie angespielt. Und dann bekommen sie die Bälle auf die Füße, auf die Köpfe und nach vergebenen Chancen vom Pfosten noch mal als Rebound, und kriegen die Kugel trotzdem nicht über die Linie.

Das ist kein Pech, das war auch nicht nur die unbestrittene Stärke Robert Enkes. Das lässt sich auch nicht durch Torschusstraining abstellen. Das ist Kopfsache.

Dies war ein wichtiges Spiel, es sollte einen Neuanfang markieren. Ein Sieg nach einem 0:1 Rückstand wäre dazu perfekt gewesen. Schalke hat sehr viel investiert und nichts erreicht. Das Ergebnis dieses Spiels wird nachhaltig sein. In der Regel verliert das Schalke dieser Ära seine wichtigen Spiele eben.

Warum Schalke eine bessere Rückrunde spielt
































Königsblaue werfen Jenenser raus

Schalke 04 gewann das DFB-Achtenfinalspiel bei Carl-Zeiss Jena mit 4:1.

Tom Bayer formulierte zwischendurch „Schalke mit Problemen“. Viele Stockfehler. Manuel Neuer unsicher. Und sogar das schöne 1:0 durch Jefferson Farfán war so nicht geplant, denn Rakitic’ Pass galt eigentlich Halil Altintop. Doch Trainer Rutten wusste schon vor dem Spiel, dass Schalke in Jena …

„nur verlieren“

… konnte. Deshalb war es ihm …

„egal, wie wir in die nächste Runde kommen.“

Was ich durchaus nachvollziehen kann.

Und nicht nur der Pokal, auch die Berichterstattung hat ihre eigenen Gesetze. Weshalb Schalke 04 nun nicht nur gewonnen hat, sondern zu clever (kicker) oder zu cool (mdr) für Jena war.

„Wir haben gekämpft und stehen in der nächsten Runde, das hatte ich erwartet. Mich freut zunächst aber mal, dass die Stürmer wieder Tore gemacht haben, das gibt Selbstvertrauen für das nächste Spiel am Samstag in Hannover.“

… sagte Trainer Rutten nach dem Spiel. So, auch so kurz, sehe ich das auch.
Wobei ich den letzten Halbsatz im Konjunktiv hätte formulieren dürfen.

Nicht beeinflussen lassen ist auch Durchsetzten

Sebastian Hellmann: „Ganz locker, ruhig, oder?“

Ottmar Hitzfeld: „Ja, natürlich ist er angespannt.“

Der Premiere-Moderator und der Experte über VfB-Teamchef Markus Babbel

Gazprom

Am 01. Januar 2007 wurde der russische Energiekonzern Gazprom Hauptsponsor des FC Schalke 04. Seitdem hat dieser Club, um den es eh nie ruhig zugeht, auch den umstrittensten Sponsor der Liga. Schon bei der Bekanntgabe des Sponsorings, Ende 2006, wurde das Bild des sich selbst aufgebenden FC Schalke 04 gezeichnet, wurde das Engagement mit den Aufkäufen von Premier League Clubs verglichen und wurde geschrieben, dass die „russischen Milliardäre nun auch in der Bundesliga angekommen“ seien.

Um es klarzustellen: Mir ist Gazprom höchst unsympathisch. Eine Firma, die durch die enge Verbindung zum alles andere als demokratisch geführten, russischen Staat und ihr, auch durch Staatsinteressen gesteuertes, weltweites Handeln viel zu mächtig geworden ist. So mächtig, dass dies per se nicht gut ist, selbst wenn alle Vorwürfe um unrechtmäßiges Handeln jedweder Art falsch sind. Und Russland wird weiterhin nach mehr Macht streben, mit Gazprom als Instrument. Das Schalke 04 sein Image dafür gibt wiederstrebt mir zutiefst.

Dummerweise wirft sich die Welt den Mächtigen zu Füßen und nicht nur Schalke 04, auch Deutschlands Wirtschaft, seine Banken und erst recht seine Politiker sind um einen guten Draht gen Osten bemüht. Bislang gibt es keine Anzeichen dafür, dass Schalke 04 durch das Gazprom-Sponsoring etwas von seiner Selbstständigkeit eingebüßt hätte. Deutsche Energiekonzerne und deutsche Politiker hingegen beförderten bisher eher die Abhängigkeit gegenüber russischem Gas, statt an mehr Unabhängigkeit zu arbeiten.

Zirka 40% des in Deutschland verbrauchten Gases stammt aus Russland. Vertrieben wird es durch die großen, deutschen Energiekonzerne EON Ruhrgas, RWE, Vattenfall und BASF/Wintershall, die ihrerseits langjährige Verträge mit Russland abgeschlossen haben. Noch in 20 Jahren werden diese Firmen russisches Gas zu einem an den Ölpreis gekoppelten Tarif abnehmen müssen. Ein freier Markt, Konkurrenz mit günstigerem Gas aus anderen Teilen der Welt bedeutet demnach eine ernste Gefahr für die deutschen Energiekonzerne, die dies den hiesigen Politikern bislang immer klarmachen konnten.

Durch die Unterversorgung von unbeteiligen Staaten währen des jüngsten Konflikts zwischen Russland und der Ukraine kommt Bewegung in die europäische Energiepolitik. Ob Gazprom dabei an Macht verliert oder erreichen kann, dass Europa die für Gazprom richtigen Transitstrecken für Gas nach Mitteleuropa fördert, wird man sehen.



[An dieser Stelle folgte ursprünglich eine Verlinkung zu einem Bayern 2-Podcast mit dem Titel „Gashahn zu! – Gashahn auf? – Warum Russland mit der Ukraine streitet“. Dieser ist mittlerweile leider nicht mehr abrufbar.]

Rot ist nicht immer gleich Rot

Infokasten kurtspaeterWenn sich zwei Bundesligaspieler gegenseitig einen auf die Mütze geben, dann kann man nicht von „schön“ oder „weiter so“ oder „gut gemacht“ sprechen, wenn sich zwei Profis während eines Ligaspiels gegenseitig verdreschen, dann werden sie gesperrt. Aber kann man zwei Bundesligaspieler, die sich bei einem Testspiel irgendwo in den Weiten der spanischen Provinz Murcia einen vor den Kopp knallen, für zwei Bundesligaspiele sperren? Offensichtlich.

Wir reden hier über ein Testspiel, ein Testspiel in Spanien, ein Testspiel, in dem insgesamt 40 Spieler eingesetzt wurden, ein Testspiel, geleitet von einem spanischen Zweitligareferee auf einem Trainingsplatz.
Woher nimmt man das Recht, daraufhin Spieler für zwei Pflichtspiele zu sperren? Und dabei noch inkonsequent zu sein. Warum sperrt man Ivica Olic für die Bundesliga und nicht für das anstehende DFB-Pokalspiel gegen 1860 München am Dienstag?
Selbst wenn es das DFB-Recht geben sollte, bei schweren Vergehen einzuschreiten, was gilt dann als schweres Vergehen? Eine Schlägerei? Eine Tätlichkeit? Anspucken? Beleidigung des Schiedsrichters? Des Gegenspielers? Ein Beinbruch des Gegners nach umhauen von hinten? Offensichtlich ist ein „Fuck you“ oder was auch immer der Herr Frings irgendwo an der türkischen Riviera von sich gab, nicht schlimm genug.

Es kann doch nicht sein, das Recht ausgelegt wird, wie es kicker-Redakteur Michael Ebert in seinem Kommentar vom 19. Januar angibt:

Die Kirmesprügelei von Carlos Eduardo und Ivica Olic im Testspiel Hoffenheim gegen Hamburg wird wohl eine Bundesligasperre nach sich ziehen. Der Bremer Torsten Frings wird indes wegen einer Schiedsrichterbeleidigung in der Partie gegen Galatasaray Istanbul ohne eine wettbewerbsübergreifende Strafe davonkommen. Ungerecht? Nein, konsequent.
Auch wenn der Schiedsrichter angibt, von Frings mit „Fuck you“ tituliert worden zu sein (was der Spieler bestreitet), ist eine solche Verbalattacke sicher unrühmlich, aber keine besonders gravierende Verfehlung, die eine Bundesligasperre nach sich ziehen sollte. Anders die Keilerei zwischen Carlos Eduardo und Olic …

(Am Rande, die Meldung der roten Karte beginnt der Kicker mit den Worten: „Die Motivation stimmte beim Testspiel offenbar“ …)

Meines Erachtens ist dieses Vorgehen eine einzige Farce. Ich kann einsehen, dass Sperren unterschiedliches Strafmaß besitzen. Ich kann aber nicht einsehen, dass Sperren mal für den, mal für den Bereich ausgesprochen werden. Entweder sperrt man alle Rotsünder nur für Freundschaftsspiele oder alle auch oder nur für Pflichtspiele. Und dann für alle Pflichtspiele.

(Am Rande, Torsten Frings, das ist der, der gerade für drei Freundschaftsspiele gesperrt wurde, trat nach seiner roten Karte sowohl im Testspiel gegen Besiktas Istanbul, als auch gegen Lech Posen für Werder Bremen an. Rote Karten als Farce …)

Journalismus im Dritten bis zur Kotzgrenze

Paco, Paco, Paco – nach Hause, nach Hause, mit Sicherheit nach Hause – dieses Märchen, dieses Wunder – immer nach München, nach Hause – und die werden, und man hat Anteil – man wird nicht jünger, man wird älter – ma’ hineinhorchen, Herz, München, nach Hause – gallisches Dorf – ruhig – in zwei Jahren alles aufgebaut – nicht gut gestartet, aber man wusste schon was er, was er, was er – ein Teil sein von der Aufgabe – kein System, lässt machen – Beckenbauer – den ein oder anderen Trainer mehr auf dem Platz – als Mensch respektiert – auf der anderen Seite hätte ich meine Frau und meine Kinder nicht kennen gelernt – das schöne unter Männern, Bierchen trinken, keine Probleme.

Blickpunkt Sport. Unwirklich schlecht.

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