Ärgernis: Streit

1989 stellte sich Andy Möller im Dortmunder Westfalenstadion mit einem Stabmikrofon vor die Südtribüne und erklärte, dass er seinen Vertrag bei Borussia erfüllen wolle und werde, und dass er wirklich nicht zu einem Ligakonkurrenten wechseln möchte. Kurze Zeit drauf wechselte er zur Eintracht und erzählte im aktuellen Sportstudio, dass er schon immer ein echter Frankfurter gewesen sei. Andy Möller wurde Zeit seiner Profikarriere von Klaus Gerster beraten. Heute berät Klaus Gerster Albert Streit.

Der Transfer von Albert Streit ist von allen Fehlgriffen der letzten Zeit der Transfer, den ich Schalke am übelsten nehme. Sich ohne ausreichende Absicherung bei Wechseln von Südamerikanern auf sein (wie auch geartetes) Scoutingsystem zu verlassen ist unprofessionell. Wenn aber zur Einschätzung der Leistungsfähigkeit eines Spielers ein Premieredecoder und einige Besuche von Stadien in der näheren Umgebung ausreichen, wenn es die Sache eines halben Tages ist sich mit ihm zu treffen und ihn kennenzulernen, wenn der Spieler aus seinem Vertrag gekauft wird und dann trotzdem kaum Einsatzzeiten erhält, dann ist das ein grober Fehler, der ohne Abstriche den sportlichen Verantwortlichen Andreas Müller und Mirko Slomka anzulasten ist.

Für vermeidlich zu Unrecht nicht eingesetzte Spieler ist ein Trainerwechsel immer eine Chance, doch unter Fred Rutten spielte Albert Streit noch seltener, was einem zu Denken geben kann. Hinzu kam seine Öffentlichkeitsarbeit, bei der die Wechselhaftigkeit der Aussagen durchaus an den Gerster-Möller erinnert.

Eigentlich seit seiner Ankunft in Gelsenkirchen wollte er Schalke wieder verlassen, noch flotter war nur Ailton. Zirka fünf Wochen nach seinem Debüt im Schalke-Trikot stand es erstmals in den Zeitungen und in der Folge waren in regelmäßigen Abständen Unmutsäußerungen von ihm zu lesen. Mal war ein Wechsel zum 1. FC Köln im Gespräch und Streit erzählte, dass er und seine Frau die Stadt Köln und deren Menschen schon immer geliebt hätte, und überhaupt, dass es ja nur darum ginge zu spielen. Dann wieder, nachdem er gegen Cottbus 90 Minuten spielte, glaubte er, dass sich das sicher alles regeln ließe, dass seine Zukunft auf Schalke vielleicht gar nicht so schlecht sei. Mal spricht er von Versprechen, die ihm Manager Müller gegeben hätte, mal von fehlender Ehrlichkeit des Trainers – einst meinte er Slomka, heute meint er Rutten – mal von fehlender Fairness ihm gegenüber. Er spricht und spricht und spricht, und man gelangt zu der Erkenntnis, dass aus seiner Sicht Fairness bedeutet, dass Schalke ihn ablösefrei zu einem Club wechseln lässt bei dem er immer spielt, und dieser Club ihm mit der gesparten Ablösesumme sein Gehalt in der Höhe, in der er es auf Schalke bezieht, weiterzahlt.

Nun wird auf seine Anwesenheit im Profikader verzichtet. Sicher bekommt er weiter sein Geld und sicher wird auch mal wieder ein Interview mit ihm in einer der Frankfurter Zeitungen erscheinen. Sicher ist die Personalien Streit für Schalke ein Verlustgeschäft. Aber an alldem lässt sich nichts mehr ändern. Insofern halte ich seine Suspendierung mit der Begründung er tröte nur herum (Verkürzte Darstellung, Anm. d. Autors) für nachvollziehbar und gerechtfertigt.



13 Kommentare zu “Ärgernis: Streit”

  1. tumulder sagt:

    Ich konnte den Streit noch nie leiden und ich habe noch nie das Potenzial in ihm gesehen, das von so vielen gesehen wurde. Für mich ist und war Albert Streit immer ein extrem egoistischer Typ, der nur Ärger bringt. Ich glaube der Funkel war gar nicht so traurig als er Frankfurt verließ.

  2. Jens sagt:

    OT: Also soweit ich mich erinnern kann, hat der Andy damals in seiner Rede vor dem Idiotenhügel lediglich beteuert, nicht ins Ausland wechseln zu wollen und damit auch logischerweise nicht gelogen. ;-)

  3. Nick sagt:

    „An alldem lässt sich nichts mehr ändern.“ Richtig. Nur wann lernt bei euch mal jemand was aus den Fehlern? Wann gibts Konsequenzen?
    Versteh mich nicht falsch, von mir aus könnt ihr Andreas Müller gerne einen Rentenvertrag anbieten…

  4. Torsten Wieland sagt:

    @ Jens: Diesen Nebensatz habe ich bei meiner Suche nach dem, was der Mann gesagt hat, um nicht nur aus der Erinnerung zu schreiben, bei Andreas Lesch gefunden. Kann aber natürlich auch gut sein, dass Du recht hast und Herr Lesch quatsch geschrieben hat.

    @ Nick: Ich glaube, dass Andreas Müller nur noch auf Schalke Manager ist, weil dem Club keine Alternative eingefallen ist. Ist auch nicht leicht. Als Nachfolger einen anderen Ex-Profi zu installieren und es mit dem zu Versuchen wäre kaum zu erklären. Einen erfahrenen Manager, der gerade irgendwo einen Job hat, im Winter aus seinem Vertrag rauszukaufen, ist nahezu unmöglich. Es gibt eben keinen „Managermarkt“. Oder wer wäre Dir eingefallen, würdest Du es mal gut mit Schalke meinen wollen?

  5. Stefan sagt:

    Sagt bitte nicht, ich hätte euch damals nicht gewarnt. Aber vielleicht liest Müller keine Blogs…

    Kopf hoch. Lebbe geht weiter. Und Streit wird sich mit Köln schon einig werden.

  6. Nick sagt:

    @Torsten: Wie wärs mit Rolf Rüssmann? Der kennt sich doch aus, wie die Dinge auf Schalke so laufen. Und hat gerade anscheinend nicht so viel zu tun außer Enkel zu hüten. Andreas Rettig fällt mir noch ein, den man aus der Versenkung in Augsburg holen könnte. Der aber zugegeben schon bessere Zeiten hatte.

    Ich würde auch bis Sommer warten, aber dann handeln, wenn ich es gut mit dem S04 meinen würde…

  7. myLaola: Blog von StefanoMillinotti: Quo Vadis, FC Schalke 04? sagt:

    […] der Bundesliga – Fabian Ernst. Was ist mit Rakitic? Was ist mit Streit? Letzterer wurde aussortiert. Weil er sich (zu Recht) beschwerte.Fazit: Auf Schalke wendet man sich nach wie vor vom modernen […]

  8. Nedo sagt:

    Man mag ja über dieses YouTube Video sagen was man will, aber so ganz unschuldig ist Streit an der legendären Schwalbe von Norbert Meier auch nicht. Zumindest war auch „unser“ selbsterklärter Superstar (der Regionalliga) nicht gerade standhaft.

  9. Phil sagt:

    So langsam sollte Schalke doch eine richtig schlagkräftige Truppe für die 4. Liga haben, oder? ;)

  10. Nedo sagt:

    war heute auch das Thema in der lokalen Tageszeitung. Platz 13 in der Regionalliga zur Winterpause, jetzt geht es bergauf :P

  11. Torsten Wieland sagt:

    @ Stefan: Nein, das sage ich nicht. Aber ich erinnere mich auch, dass er, als er die Klappe hielt und nur spielte, gut war, und das weckte auch meine Hoffnung, dass das was geben könnte.

    @ Nick: Ich denke dass Dein letzter Satz beschreibt, was Schalke gerade tut. Bis Sommer warten und Ma’kucken. Weißt Du, man ist ja nie dabei und weiß nicht wirklich, wie die Kompetenzen zwischen Manager und Trainer verteilt sind, ob es da evtl. Verschiebungen gegeben hat. Aus der „Aussprache von Rheda-Wiedenbrück“ schien Rutten eher gestärkt hervorgegangen zu sein und man muss mal sehen, wie sich das ominöse Konzept, von dem Müller nun immer spricht, darstellen wird. Bislang wurden Spieler, die keine Rolle mehr spielen sollen entfernt, und man liest viel über Talente, an denen S04 interessiert sein soll (Marvin Pourie soll bereits für £50,000 verpflichtet worden sein, s. hier o. hier). Das macht Schalke alles nicht ad hoc besser, geht aber in die richtige Richtung, wie ich finde. Wie gesagt, ma’kucken, mehr kann unsereins ja eh nicht tun …

    @ Nedo: Absolut, dass habe ich damals schon gedacht. Aber mir reichen die jüngsten Geschichten schon ;-)

    @ Phil: Jedenfalls sollte Schalke II die Marktwert-Tabelle bei transfermarkt.de anführen, sobald die Umsetzungen dort realisiert wurden.

  12. kurtspaeter sagt:

    Dürfen die in der vierten Liga überhaupt gleichzeitig spielen? Nicht das mich das über Gebühr interessiert.
    Was den Herrn Pourie angeht, für mich gilt genauso, was er in diesem Interview einem Volontär erzählt. Schalke hat ihn nie spielen sehen…

  13. Torsten Wieland sagt:

    Danke Knut.

    Was die Spielberechtigungen angeht: Die Links zu den Bestimmungen sind alle in im Beitrag „Zwei hin, ein’ im Sinn“ enthalten (Kommentare beachten). Wer will, darf sich da auch gerne noch mal selbst durchwurschteln …

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