Der Egoismus des Trainers

„Ich würde keinen Spieler rausnehmen, wenn er der Beste ist und ein Arschloch. Dann würde er spielen, denn es geht nach Leistung.“

Fred Rutten zur Unterstellung, Albert Streit hätte auf Grund persönlicher Animositäten wenig Einsatzzeiten erhalten. Nach Ansicht mancher Leser ließe sich diese Aussage aber auch auf Rafinha beziehen.



12 Kommentare zu “Der Egoismus des Trainers”

  1. Rainer Edelmann sagt:

    Obiges ist aus Ruttens Sicht nachvollziehbar – er muss Erfolge vorweisen.

    Ich würde mir jedoch wünschen, dass der unsägliche Rafinha abgegeben wird. Dabei bin ich mir bewusst, dass dies eine sportliche Schwächung darstellen würde.

    In diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten dürfte es aber – selbst wenn man sich trennen möchte – schwierig sein, einen Verteidiger, der zudem unübersehbare Schwächen in der Rückwärtsbewegung hat, für eine größere Summe abzugeben.

  2. eisenschleuder sagt:

    stimmt schon, aber man hat ja auch keine zeit zu warten, bis die großwetterlage besser ist. irgendwann geht der spieler ablösefrei.

    außerdem hätte man den ganzen bevorstehenden transfer-nullnummern wenigstens einen erlös gegenüberstehen. dieser wäre nach meinem dafürhalten bei der abzusehenden ertragslage in diesem jahr noch nicht mal zu investieren sondern einzubehalten…

  3. Torsten Wieland sagt:

    Rafinha ist immer noch jung (23) und hat noch einen Vertrag bis 2011 auf Schalke. Er spielt ordentlich, bei Brasilianern steigert die Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft den Marktwert und darin hat er bei Olympia gerade erst sein „Antrittsturnier“ gespielt. Hinzu kommt, dass, bei allen Eskapaden die irgendwo kolportiert werden, meines Wissens nie eine Meldung dabei war, die ihn als Trainingsfaul oder als irgendwie schlecht anerkannt innerhalb des Kaders bezeichnet hätte. Eher hatte man das Gefühl, dass der Mannschaft bspw. die Sache mit Olympia ungefähr so wichtig war, wie der Öffentlichkeit der gleiche Fall in Bezug auf Diego.

  4. eisenschleuder sagt:

    …ist schon richtig. ich frage mich nur: wie ersetzt man ohne kohle die ausgebooteten spieler? der mannschaft geht ja dieses teuer eingekaufete „enorme potenzial“ verloren.

    ist es so, dass man auf ersatz verzichtten kann?
    ist die mannschaft im mittelfeld und sturm gut aufgestellt?

  5. Rainer Edelmann sagt:

    Torsten kommentierte:

    „Rafinha ist immer noch jung (23) und hat noch einen Vertrag bis 2011 auf Schalke. Er spielt ordentlich…“

    „Hinzu kommt, dass, bei allen Eskapaden die irgendwo kolportiert werden, meines Wissens nie eine Meldung dabei war, die ihn als Trainingsfaul oder als irgendwie schlecht anerkannt innerhalb des Kaders bezeichnet hätte.“

    Dies steht außer Frage bzw. scheint so zu sein. Andererseits kann dies auch nur ein Kriterium für seine Beurteilung sein.

    1. Rafinha hat sich ohne Erlaubnis seines Arbeitgebers wochenlang in einer wichtigen Phase entfernt. Auch wenn die rechtliche Lage nicht eindeutig war, hätte er wenigstens zuvor, wie z.B. Diego, das Gespräch mit dem Verein suchen müssen. Und wenn Schalke eben im Unterschied zu Bremen „nein“ gesagt hätte, hätter er bleiben müssen.
    In diesem Zusammenhang möchte ich noch sein blödes „Schalke-Wappen-Küssen“ nach Toren erwähnen…einfach glaubhaft und „wundervoll“.

    2. Sein Verhalten auf dem Platz (Ellbogen-Checks, schneller fallen als sein Schatten, Karten fordern)… auch als Schalker rollen sich mir da die Fußnägel auf.

    Aus meiner sicht: Hinfort!

  6. Matthias sagt:

    Mal ganz subjektiv: Rafinha ist ein Bengel, der Dank seiner Begabung an einen Haufen Kohle gekommen ist und diese nun einsetzt, wie es Twens nun einmal tun. 99% aller Deutschen antworten auf die Frage „Was würden Sie machen, wenn Sie eine Million Euro im Lotto gewinnen?“ wie aus der Pistole geschossen: „Erstmal ein neues Auto kaufen!“ Und damit ist kein 10 Jahre alter Fiat Punto gemeint.

    Und jetzt objektiv: Rafinhas in letzter Zeit immer wieder durch die BILD kolpotierten Eskapaden bestanden ausschließlich aus „Rafinha ist zu schnell gefahren“ (Stichwort: neues Auto und Twen-Verhalten) und „Rafinha hat zuhause laute Musik gehört und wurde morgens um fünf auf dem Rasen seines Vorgartens gesehen.“ Ui, wie furchtbar!

    Seine Olympia-Aktion war sch…., genauso dämlich war aber, wie sich der FC Schalke in dieser Situation verhalten hat. Anstatt eine Abstellung als „Zuckerl“ für eine vorzeitige Vertragsverlängerung (=Wertsteigerung beim Verkauf) zu nutzen, schaltete man vonseiten des Vereins auf stur und spielte anschließend die beleidigte Leberwurst. Extrem unclever war das – und zwar von beiden Seiten.

    Außer Frage steht: Rafinha ist im Prinzip seitdem er auf Schalke spielt immer einer der besten Spieler auf dem Feld, ist so gut wie nie verletzt und hat sich gegen den Verein (Ausnahme Olympia) nichts zu schulden kommen lassen. Oder kann man sich daran erinnern, das er mal zwei Wochen zu spät aus dem Winterurlaub zurückgekommen, besoffen beim Training erschienen oder mit pampigen Interviews in der Presse aufgetaucht ist? Ich kann mich noch nicht mal an Schlgzeilen wie „Rafinhas aktuelles Freundin zeigt den Paparazzi den Stinkefinger“ erinnern.

    Er fällt schnell („schnell fallen“ ist eine Art von Zweikampfverhalten, die von nahezu allen schmächtigen Spielern um die 1,70 Meter heutzutage angewandt wird) und er teilt gut aus. Er agiert immer knallhart am Limit – allerdings überschreitet er dieses Limit nicht. Anders als bspw. Jones weiß Rafinha ganz genau, wann es Zeit ist, sich zurückzunehmen. Rafinha kratzt, beißt, rennt und frisst Gras. Nichts anderes erwarte ich von einem Spieler auf Schalke.

    Und natürlich ist Rafinha ein „Arschloch“. Genau so wie Dede ein paar Kilometer weiter ein Arschloch ist. Genauso wie es van Bommel im Süden ist. Genauso wie es Maik Franz in Karlsruhe ist oder Kovac es jahrelang bei Hertha war. Beispiele gibt es wie Sand am Meer – und alle waren sie Integrationsfiguren ihres Vereins.

    Kurzum: Ich rechne fest damit, dass Rafinha am Ende dieser Saison wechseln wird, weil Schalke zumindest einen nennenswerten Verkaufserlös dringend benötigen wird. Sportlich tut mir das jetzt schon weh, menschlich werde ich darüber hinwegkommen. Aber ein Verlust an Qualität wird sein Abgang auf jeden Fall sein. Denn ich weiß nicht, wann wir noch einmal einen Spieler auf Schalke sehen werden, der sich so nahtlos einfügen wird, wie es Rafinha einst tat.

  7. Torsten Wieland sagt:

    @ eisenschleuder: Ersatz ist das falsche Wort. Diese Jungs haben ja nie gespielt, also müssen sie auch nicht ersetzt werden. Aber ja, der Trainer braucht Leute auf der Bank, die er als Varianten einsetzten kann. Denn der Hinrunden-Bank hat er augenscheinlich nichts zugetraut.
    Und natürlich stünde Schalke ein Offensivspieler (Offensives MF oder linker Außenstürmer) sehr gut zu Gesicht. Aber ich glaube nicht dass sich Schalke das leisten wird.

    @ R. Edelmann: Bordon hat in einem Interview gesagt, Fußballfans in Brasilien könnten nicht nachvollziehen, dass es Profis gäbe, die nur für Geld lieber bei Proficlubs blieben statt für die Ehre ihres Landes zu spielen. Das nur mal als Gedankenanstoss, auch darauf bezogen, dass man gerade auch auf Schalke gerne über „Söldner“ schimpft und verlangt, dass Spieler mit „Herzblut“ zu Schalke stehen. Alles eine Sache der Sichtweise.

    Nachvollziehen kann ich Deinen Ärger über ihn natürlich. Nur Deiner Meinung bzgl. der Konsequenz stimme ich eben nicht zu.

  8. Torsten Wieland sagt:

    Großartig Matthias, und danke: Genauso sehe ich das auch, war gerade schon gut dabei es annähernd so zu formulieren, war dann aber schon zu müde ;-)

    Als Untermauerung des „am Limit“:
    106 BL-Spiele, 24 GK, 0 G/RK, 1 RK

  9. Nick sagt:

    @Matthias: Der Rafinha-Dede-Vergleich kann auch wirklich NUR von einem Schalker kommen! ;-)

  10. Rainer Edelmann sagt:

    Matthias kommentierte:

    „Mal ganz subjektiv:…“

    Dies sind wir hier wohl alle…

    „Rafinha ist ein Bengel, der Dank seiner Begabung an einen Haufen Kohle gekommen ist und diese nun einsetzt, wie es Twens nun einmal tun.“

    Mit Verlaub, dies steht doch gar nicht zur Debatte (oder nur bei der Blöd)!
    Ob Rafinha einen Hummer fährt (oder drei) oder einen Fiat Punto, interessiert mich nicht. Ich mag sein privates Umfeld nicht kommentieren.

    „Und jetzt objektiv: Rafinhas in letzter Zeit immer wieder durch die BILD kolpotierten Eskapaden bestanden ausschließlich aus “Rafinha ist zu schnell gefahren” (Stichwort: neues Auto und Twen-Verhalten) und “Rafinha hat zuhause laute Musik gehört und wurde morgens um fünf auf dem Rasen seines Vorgartens gesehen.” Ui, wie furchtbar!“

    S.o. – uninteressant und unwesentlich.

    „Seine Olympia-Aktion war sch…., genauso dämlich war aber, wie sich der FC Schalke in dieser Situation verhalten hat. Anstatt eine Abstellung als “Zuckerl” für eine vorzeitige Vertragsverlängerung (=Wertsteigerung beim Verkauf) zu nutzen, schaltete man vonseiten des Vereins auf stur und spielte anschließend die beleidigte Leberwurst. Extrem unclever war das – und zwar von beiden Seiten.“

    Schalke mag man Uncleverniss unterstellen, dennoch argumentierst Du wieder am Thema vorbei – Rafinha hat sich wochenlang gegen den erklärten Willn des Arbeitgebers (und ohne Gespräch!) entfernt.
    In meinen Schalker Augen geht dies einfach nicht.

    Hierzu kommentierte Torsten:

    „Bordon hat in einem Interview gesagt, Fußballfans in Brasilien könnten nicht nachvollziehen, dass es Profis gäbe, die nur für Geld lieber bei Proficlubs blieben statt für die Ehre ihres Landes zu spielen. Das nur mal als Gedankenanstoss, auch darauf bezogen, dass man gerade auch auf Schalke gerne über “Söldner” schimpft und verlangt, dass Spieler mit “Herzblut” zu Schalke stehen. Alles eine Sache der Sichtweise.“

    Sicher ist dies eine Sache der Sichtweise. Aber: Ich kann hier doch nur durch die Schalker Brille schauen, aus welcher Sicht denn sonst? Auf Schalke werde ich auch in Zukunft nur Spieler akzeptieren, die sagen „Schalke first!“ Ist dies naiv odere hinterwäldlerisch? Wahrscheinlich…

    „Außer Frage steht: Rafinha ist im Prinzip seitdem er auf Schalke spielt immer einer der besten Spieler auf dem Feld, ist so gut wie nie verletzt…“

    Matthias, auch dies wird doch gar nicht angezweifelt…

    „Er fällt schnell (”schnell fallen” ist eine Art von Zweikampfverhalten, die von nahezu allen schmächtigen Spielern um die 1,70 Meter heutzutage angewandt wird)…“

    In meinen Augen stimmt dies („alle“) so nicht. Aber, viel wichtiger, wenn es so wäre: Macht es das dann besser? (Stichwort: Die anderen haben es auch gemacht, darum mach´ ich es auch…)

    „Er agiert immer knallhart am Limit – allerdings überschreitet er dieses Limit nicht. “

    Unfug; er hat lediglich in dieser Hinserie mehrfach Glück gehabt, da Schieds- und Linienrichter blind waren (z.B. Zeckentown).

    „Kurzum: Ich rechne fest damit, dass Rafinha am Ende dieser Saison wechseln wird, weil Schalke zumindest einen nennenswerten Verkaufserlös dringend benötigen wird.“

    Wollen wir hoffen, dass es so kommt!

  11. Torsten Wieland sagt:

    Eigentlich sollte es hier ja um Albert Streit gehen. Aber jetzt ist’s auch schon egal: Bei Welt Online gibt es ein neues Rafinha-Interview zu lesen.

  12. mars (spielbeobachter) sagt:

    Thorsten,
    in der Tat – für einen südamerikanischen Spieler ist die Selección, bzw. Seleção ein Vielfaches mehr wert als in Europa. Dass es bei dem Turnier „nur“ um Olympia ging, spielt da überhaupt keine Rolle, das ist eine rein europäische Sicht. Mir fehlt da das Verständnis, daß man von einem Spieler hundertprozentige Identifikation erwartet, sich selbst aber nicht mit ihm identifizieren möchte. Identifikation ist keine Einbahnstrasse.

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