Vom Letzten

„Ich vermisse Oliver Kahn.“

Das hat Thomas Kempe gesagt. Als Erster, oder sagte das schon jemand?
Jedenfalls wird es noch oft gesagt werden, denn es ist ja nur eine Variante des ewig gleichem Hohelied auf den „letzten echten Typen“.

Mit dem „echten Typen“ ist es genauso wie mit dem „Straßenfußballer“. Man hat entweder das große Glück, den Letzten gerade noch sehen zu dürfen, oder das große Pech, dass es ihn leider nicht mehr gibt. Aus der Tatsache, dass es zu jeder Zeit den Letzten gab, lässt sich schlussfolgern, dass es zu jeder Zeit auch den Letzten geben wird – und kurze Zeit später auch umgekehrt. Man könnte also mit dem Gejammer aufhören.

Aber so funktioniert’s nun mal nicht, denn man will ja bedauern, sich beschweren, seiner Erkenntnis Wichtigkeit verleihen und Gefühl mitgeben. Schließlich geht’s im Fußball um Emotion, also auch beim Reden und beim Schreiben darüber. Thomas Kempe vermisst übrigens auch schon Frank Rost. Das ist wenigstens konsequent.



9 Kommentare zu “Vom Letzten”

  1. heinzkamke sagt:

    War denn Ottmar Hitzfeld auch von irgendwas der letzte? Müsste ich ihn demnach auch vermissen?

  2. berka sagt:

    Wahrscheinlich kein Zufall dass heute Gerald Asamoah in einem WAZ-Interview das Fehlen solcher Typen in der aktuellen Schalker Mannschaft bemängelt. Auch er erwähnt Frank Rost: der hat ihm mal vor’s schonerlose Schienbein getreten. Und positives Beispiel ist überraschenderweise Ebbe Sand.

    Was macht eigentlich Marc Wilmots?

  3. Trainer Baade sagt:

    Ich vermisse schon immer Jimmy Connors, den wirklich letzten aller echten Typen. Oder war das jetzt doch John McEnroe?

  4. heinzkamke sagt:

    Die Beispiele des Trainers belegen in besonderem Maß, dass nur als „echter Typ“ geliebt/gefeiert/vermisst werden kann, wer irgendwann mal als böser Bube galt.

    Wie Kahn, Basler, Stein, Effenberg,… eben Connors und McEnroe,… aber Sand? Da teile ich berkas Überraschung und zweifle an Asamoah

  5. Manfred sagt:

    Da möchte ich aber mal widersprechen, heinzkamke: Willi Lippens war vieles, aber ganz sicher kein böser Bube. Aber eine echte Type.

  6. Torsten Wieland sagt:

    Vielleicht ist ja auch Gerald Asamoah ein echter Typ. Eben der Typ, der moniert das andere keine Typen sind, weil sie dies oder das nicht sagen oder tun. Wozu ist der eigentlich 4 Jahre länger im Club als jeder andere Profi, der „Ur-Schalker“?! Auch ein komischer Typ, ganz ehrlich, oder?!

  7. eisenschleuder sagt:

    NEIN!
    das erscheint mir jetzt schon etwas engstirnig: aus meinen erfahrungen im amaterusport kann ich mir sehr gut vorstellen, welchen integrativen wert asamohas wesen für die mannschaft hat. eine mannschaft, die aussschließlich aus diesen „echten typen“ besteht wird sich letztlich selbst zerfleischen.

  8. heinzkamke sagt:

    @Manfred:
    akzeptiert.
    (Wenn auch von meiner Warte aus eher als eine der Ausnahmen.)

  9. berka sagt:

    Asamoah hat in dem Interview Sand allerdings nicht als ‚bösen Buben‘ bezeichnet sondern als jemanden der Dinge klarstellte wenn es nötig war.
    Ob er selbst sich für so ‚ne Rolle eignet bezweifle ich auch. Hab‘ ihn immer eher als den Klassenclown gesehen, und die Funktion ist ja auch wichtig in so ‚ner Truppe. Klassenclowns werden nicht zum Klassensprecher gewählt, selbst wenn sie die Dienstältesten sind.

    Heute das nächste WAZ-Interview: Jermaine Jones. Inhalt verkürzt: „Ich sag ja nix gegen KK und Orlando Engelaar, aber statt eines weiteren 6ers hätten wir eher einen Kevin-Ersatz gebraucht.“ Wirkte auf mich etwas unausgegoren, das kann aber auch am Redakteur liegen.

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