Rot ist nicht immer gleich Rot

Infokasten kurtspaeterWenn sich zwei Bundesligaspieler gegenseitig einen auf die Mütze geben, dann kann man nicht von „schön“ oder „weiter so“ oder „gut gemacht“ sprechen, wenn sich zwei Profis während eines Ligaspiels gegenseitig verdreschen, dann werden sie gesperrt. Aber kann man zwei Bundesligaspieler, die sich bei einem Testspiel irgendwo in den Weiten der spanischen Provinz Murcia einen vor den Kopp knallen, für zwei Bundesligaspiele sperren? Offensichtlich.

Wir reden hier über ein Testspiel, ein Testspiel in Spanien, ein Testspiel, in dem insgesamt 40 Spieler eingesetzt wurden, ein Testspiel, geleitet von einem spanischen Zweitligareferee auf einem Trainingsplatz.
Woher nimmt man das Recht, daraufhin Spieler für zwei Pflichtspiele zu sperren? Und dabei noch inkonsequent zu sein. Warum sperrt man Ivica Olic für die Bundesliga und nicht für das anstehende DFB-Pokalspiel gegen 1860 München am Dienstag?
Selbst wenn es das DFB-Recht geben sollte, bei schweren Vergehen einzuschreiten, was gilt dann als schweres Vergehen? Eine Schlägerei? Eine Tätlichkeit? Anspucken? Beleidigung des Schiedsrichters? Des Gegenspielers? Ein Beinbruch des Gegners nach umhauen von hinten? Offensichtlich ist ein „Fuck you“ oder was auch immer der Herr Frings irgendwo an der türkischen Riviera von sich gab, nicht schlimm genug.

Es kann doch nicht sein, das Recht ausgelegt wird, wie es kicker-Redakteur Michael Ebert in seinem Kommentar vom 19. Januar angibt:

Die Kirmesprügelei von Carlos Eduardo und Ivica Olic im Testspiel Hoffenheim gegen Hamburg wird wohl eine Bundesligasperre nach sich ziehen. Der Bremer Torsten Frings wird indes wegen einer Schiedsrichterbeleidigung in der Partie gegen Galatasaray Istanbul ohne eine wettbewerbsübergreifende Strafe davonkommen. Ungerecht? Nein, konsequent.
Auch wenn der Schiedsrichter angibt, von Frings mit „Fuck you“ tituliert worden zu sein (was der Spieler bestreitet), ist eine solche Verbalattacke sicher unrühmlich, aber keine besonders gravierende Verfehlung, die eine Bundesligasperre nach sich ziehen sollte. Anders die Keilerei zwischen Carlos Eduardo und Olic …

(Am Rande, die Meldung der roten Karte beginnt der Kicker mit den Worten: „Die Motivation stimmte beim Testspiel offenbar“ …)

Meines Erachtens ist dieses Vorgehen eine einzige Farce. Ich kann einsehen, dass Sperren unterschiedliches Strafmaß besitzen. Ich kann aber nicht einsehen, dass Sperren mal für den, mal für den Bereich ausgesprochen werden. Entweder sperrt man alle Rotsünder nur für Freundschaftsspiele oder alle auch oder nur für Pflichtspiele. Und dann für alle Pflichtspiele.

(Am Rande, Torsten Frings, das ist der, der gerade für drei Freundschaftsspiele gesperrt wurde, trat nach seiner roten Karte sowohl im Testspiel gegen Besiktas Istanbul, als auch gegen Lech Posen für Werder Bremen an. Rote Karten als Farce …)



2 Kommentare zu “Rot ist nicht immer gleich Rot”

  1. Manfred sagt:

    Dass beim DFB nach mindestens 2erlei Maß be- und geurteilt wird, ist ja nun nichts neues. So langsam wird mir Felix Magath immer sympathischer ;-).

  2. Links der Woche vom 16.1.-22.1.2009 » LetzterMannHält sagt:

    […] Königsblog: Rot ist nicht immer gleich Rot Wenn sich zwei Bundesligaspieler gegenseitig einen auf die Mütze geben, dann kann man nicht von „schön” oder „weiter so” oder „gut gemacht” sprechen, wenn sich zwei Profis während eines Ligaspiels gegenseitig verdreschen, dann werden sie gesperrt. Aber kann man zwei Bundesligaspieler, die sich bei einem Testspiel irgendwo in den Weiten der spanischen Provinz Murcia einen vor den Kopp knallen, für zwei Bundesligaspiele sperren? Offensichtlich. […]

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