Artikel im Januar 2009

Die DFL und ihr Premium-Produkt

Infokasten kurtspaeter2009 ist Wahljahr. Bundestagswahl. Am 27.09.2009 wird zur Urne gebeten. Bis dahin wird Anne Will in ihrer Profilierungsshow für Egomanen den ein oder anderen Ballon voll heißer Luft (wahrscheinlich werden es Millionen sein) aufsteigen lassen. Und das zur besten Sendezeit um 21:45 Uhr am Sonntagabend.

Nach dem 27.09.2009 wird Anne Will, wie das heutzutage so üblich ist, wochenlang leere Worthülsen der vielen, vielen Wahlsieger an den Verbraucher weiterleiten. Um sich ab Herbst mit anderen wichtigen Themen der Politik und Wirtschaft zu beschäftigen. Sowie mit weiteren Egomanen, die im Bundestagswahlkampf ausnahmsweise keine Rolle spielten, aber Bildschirmpräsenz einfordern.
Man kann sich streiten, ob die Sendungen „Anne Will“, früher „Sabine Christiansen“ oder unter der Woche „Frank Plasberg“ „Hart aber fair“ das intellektuelle Niveau von „Hans Meiser“ oder „Oliver Geissen“ überschreiten, unstrittig sollte aber die Tendenz sein.
Die ARD bucht seit Jahren den Sendeplatz nach „Polizeiruf“ oder „Tatort“ mit einem Polittalk.
Weil der Bundesbürger das Recht haben sollte, bei den Öffentlich-Rechtlichen über seine „Leitung“ informiert zu werden, während Sendungen wie Erich Böhmes „Talk im Turm“ für Privatfernsehzuschauer schon lange als inhaltlich zu wertvoll eingestuft wurde.

Ende 2008 kommt eine Organisation namens DFL vorbei und vergibt die frei-empfangbaren Bundesligarechte, dieses Premium-Produkt, für den Sonntagabend an die ARD.
Diese wiederum behauptet seit Jahren mit riesigem Getöse, dass die Bundesliga am Samstag und das Premium-Produkt „Bundesliga-Fußball“ zum Allgemeingut des Deutschen gehört und das man dieses Premium-Produkt keinesfalls in der Versenkung des Pay-TV verschwinden lassen darf. Also denkt sich die DFL, da haben wir einen zuverlässigen Partner gefunden, der Sonntags sogar ohne die lästigen Werbeunterbrechungen des „Super-Mega-Sonntags“ im Titten-raus-Kanal DSF sendet, die nehmen wir für unser Premium-Produkt.

Aber die ARD ist nicht doof, Bundestagswahl ist (zu Recht) höheres Gut als die popelige Premium-Bundesliga und sofort will der Öffentlich-Rechtliche-Mogul die Bundesliga am Sonntag in der Versenkung der Tagesthemen-Kurzberichterstattung gegen 23:00 Uhr verschwinden lassen.
Alternativ dürfen auch die dritten Programme zugreifen.
Man sollte aber nicht vergessen, in Sachsen/Thüringen/Brandenburg (RBB/MDR) ist 2009, in Schleswig-Holstein (NDR) und Nordrhein-Westfalen (WDR) 2010 Landtagswahl.
Ob da die Dritten das Premium-Produkt senden wollen?

Ich nenne sowas DFL-Eigentor. Die ARD hat schon ganz andere Sportrechte komplett in der Versenkung verschwinden lassen, weil andere „Inhalte“ wichtiger waren. Wenn bis zum Beginn der neuen Saison nichts gravierendes passiert, könnte der Verbraucher, mal wieder, der Gelackmeierte sein. Neben dem Freitag- und dem Samstagabend-Spiel, würden mit den zwei Sonntagsspielen insgesamt vier Begegnungen in der Anonymität der, maximal, Nachrichten verschwinden. Genau das also, was die DFL von ihrem Premium-Produkt nicht erwartet hatte. Hochmut kommt eben vor dem Fall …

P.S.: Ganz davon abgesehen, dass der wahre Verlierer die Verbraucher sind, also wir. Aber das zählt schon lange nicht mehr.

Vom Letzten

„Ich vermisse Oliver Kahn.“

Das hat Thomas Kempe gesagt. Als Erster, oder sagte das schon jemand?
Jedenfalls wird es noch oft gesagt werden, denn es ist ja nur eine Variante des ewig gleichem Hohelied auf den „letzten echten Typen“.

Mit dem „echten Typen“ ist es genauso wie mit dem „Straßenfußballer“. Man hat entweder das große Glück, den Letzten gerade noch sehen zu dürfen, oder das große Pech, dass es ihn leider nicht mehr gibt. Aus der Tatsache, dass es zu jeder Zeit den Letzten gab, lässt sich schlussfolgern, dass es zu jeder Zeit auch den Letzten geben wird – und kurze Zeit später auch umgekehrt. Man könnte also mit dem Gejammer aufhören.

Aber so funktioniert’s nun mal nicht, denn man will ja bedauern, sich beschweren, seiner Erkenntnis Wichtigkeit verleihen und Gefühl mitgeben. Schließlich geht’s im Fußball um Emotion, also auch beim Reden und beim Schreiben darüber. Thomas Kempe vermisst übrigens auch schon Frank Rost. Das ist wenigstens konsequent.

Die Duschkönige der Liga

Wer nicht zum Einsatz kommt, braucht nicht zu duschen. Wer bis zuletzt auf dem Platz bleibt, steht mit 10 anderen unter der Brause. Als Erster die Haare trocken hat–, als Erster in der „Mixed Zone“ steht–, als Erster im Bus sitzt der Ausgewechselte. Hier eine Liste der Spieler mit den häufigsten Auswechslungen einer jeden Mannschaft, bezogen auf die Hinrunde der aktuellen Saison.


[Gewidmet dem unbekannten Suchenden, der bislang auch bei mir nicht fündig wurde]

Farbenspiele

Er tobt durch die Diele. Dabei kickt er einen Gummiball. Regelmäßig ruft er „Tor!“, er nennt auch das Fußballspielen. Letzten Sommer war er Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, heute ist er Fritz und Moritz. Keine Ahnung warum, einen Schalker Moritz kenne ich nicht, Fritz Szepan kennt er nicht. Aber gut.

Plötzlich ist’s still, die Tür geht auf, er kommt mit hängendem Kopf herein. Ich frage was los sei. „Roten Karte“ sagt er, grinst ein wenig schelmisch und setzt sich neben mich.
Ich freue mich insgeheim über die Ruhe. „Und jetzt machst Du Pause?“
„Ja“ sagt er „aber gleich gibt’s die Grüne Karte, dann mache ich weiter!“

„Jetzt nur noch Bier trinken!“

Der 22.09.2004. In 1:39 Minuten!

Hören:

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mp3-Datei / das Spiel

Transfertradition

„Das ist etwas Tolles, für einen solchen Tradtionsverein eine Rolle zu spielen. Ich denke, Schalke lehnt sich recht weit aus dem Fenster, wenn sie in eher schwierigen sportlichen Zeiten jemanden holen, der so jung ist und den sie noch nie haben spielen sehen.“

Marvin Pourie über seine eigene Verpflichtung. Schalke führt seinen Weg fort, mit viel Hoffnung und offensichtlich wenig Scouting.

(via kurtspaeter Schalkefan)

Der Egoismus des Trainers

„Ich würde keinen Spieler rausnehmen, wenn er der Beste ist und ein Arschloch. Dann würde er spielen, denn es geht nach Leistung.“

Fred Rutten zur Unterstellung, Albert Streit hätte auf Grund persönlicher Animositäten wenig Einsatzzeiten erhalten. Nach Ansicht mancher Leser ließe sich diese Aussage aber auch auf Rafinha beziehen.