Artikel im Februar 2009

Fastenzeit

Heute beginnt die Fastenzeit. Die 40 Tage passen zum Vergleich hier und jetzt gerade nicht, aber die Sache mit der Rückbesinnung, der Konzentration auf das Wesentliche vielleicht schon.

Tatsächlich habe ich derzeit Wichtigeres zu tun und finde zu wenig Zeit, mir über Blogbeiträge Gedanken zu machen. Überhaupt sei das mal allen Lesern die selbst nicht schreiben gesagt, auch weil ich bemerkenswert oft gefragt werde, wie viel Zeit ich für dieses Blog aufbringe: Das Aufwändigste sind die Gedanken. Wenn erst Idee oder Anlass existieren und der rote Faden im Kopf gehäkelt ist, geht’s flott in die Tasten.

Jedenfalls fällt es mir zur Zeit schwer, und so soll das nicht sein. Es muss mir Spaß machen, das ist die einzige Motivation.
Aller Voraussicht nach geht’s hier heute in einer Woche, kommenden Mittwoch weiter.

Glück auf.

Übergangssaison

Das Unwort des Jahres – dies ist ein Fußballblog, selbstredend beginnt und endet für unsereins das Jahr im Sommer … dieses Unwort jedenfalls, auf das aktuelle Jahr des FC Schalke 04 bezogen, es lautet: „Übergangssaison“.

Es handelt sich um eine „Übergangssaison“, wenn ein Verein seine Ziele aufgegeben hat und das Handeln eher der Planung der Zukunft, statt der Verbesserung der aktuellen Situation dient. In der täglichen Arbeit des Trainer mit der Mannschaft gibt es so was nicht. Ich glaube daran, dass keinem Spieler das Ergebnis des nächsten Spiels egal ist. Jeder will sich immer zeigen, will gut spielen. Vielleicht für seinen Club, für seine Mannschaft. In jedem Fall für sich, für seine eigene Karriere. Bei der Bewertung der Trainer in der Öffentlichkeit wird ehedem nur selten auf etwas eingegangen, was drei Wochen zurück oder zwei voraus liegt. Dessen ist sich jeder Trainer bewusst.

Wie Schalke 04 diese Rückrunde geplant hat wird allerdings deutlich, wenn man das offizielle Mannschaftposter der Saison 08/09 betrachtet. Die Gruppe besteht aus 14 Betreuern und 28 Spielern. Von den 28 Spielern wurden 7 verkauft, verschenkt, entlassen oder suspendiert. 2 sind hoffnungsvolle Jungs, die bislang kein Bundesligaspiel absolviert und somit schwerlich als Vollprofis mitgezählt werden können. Bleiben 19 Spieler übrig. Von denen 4 Torhüter sind.

Hinzu kommt, dass Christian Pander regelmäßig nicht zur Verfügung steht, dass sich unter den übrig gebliebenen Profis einige mit Hang zu dummem Rot befinden, und dass man im Laufe einer (Halb-)Saison eben dem einen oder anderen Boateng-Tritt begegnet. Da stellt sich eine Mannschaft schon mal von alleine auf. Sicherlich wird Schalke immer 11 Spieler auf dem Platz haben. Das Problem ist die fehlende Konkurrenz. Das Problem ist, dass dem Trainer kaum Varianten zur Verfügung stehen.

Schalke ist schlecht, sehr schlecht vorbereitet, auf die 13 Bundesligaspiele bei „nur“ 5 Punkten Rückstand auf Platz 5, auf das-, auf möglicherweise die Pokalspiele, bei denen es noch richtig was zu gewinnen gibt.
Solche Unprofessionalität ärgert mich mehr als eine vergebene Chance aus aussichtsreicher Position.

Gesang. Und Abgesang?

Langsam gewöhnt man sich an die Probleme des eigenen Clubs. Da kann man mal wieder auf- und sich umschauen.

Dass spox.com nur Bayern richtig kann, ist ein Erfahrungswert. Immerhin, der Nachbericht zur Niederlage des Meisters gegen Köln ist interessant, und er enthält eine Passage, bei der auch Schalke-Fans die Ohren klingeln dürften:

Doch nicht nur Spieler und Trainer sind Vorwürfe zu machen, sondern auch dem Manager. Dass der Kader der Bayern nicht gerade gut bestückt ist, ist ein offenes Geheimnis. Für die hohen Ansprüche der Münchner ist es jedoch fatal, wie im Fall Köln nach 46 Minuten quasi keine Offensiv-Alternative mehr auf der Bank zu haben.
Klinsmann hatte zur Pause seine Standardwechsel mit Hamit Altintop und Landon Donovan vollzogen – und damit sein Pulver verschossen. Auf der Bank verblieben nur noch Tim Borowski (der 14. Mann), sowie die Defensivspieler Christian Lell, Andreas Ottl und eben Lucio. Kreativität: Fehlanzeige. Ein Armutszeugnis, dass Abwehrspieler van Buyten in der Schlussphase mit seiner Kopfballstärke als Offensivhoffnung herhalten musste.

Tauscht man die Namen des Münchener Personals gegen die des Gelsenkircheners und ersetzt „Köln“ durch „Bochum“, braucht man nurnoch die „Standardwechel“ abzuziehen, schon sitzt man wieder im eigenen Mist. Ich würde dem Münchener Management ein nicht Wollen unterstellen, während ich auf Schalke ein nicht Können vermute. Die Probleme mit der Bank sind für die Trainer Klinsmann und Rutten dennoch sehr ähnlich. Zugegebenermaßen auf unterschiedlichem Niveau.

Gleichzeitig wird im sportmedienblog der Beginn der Demontage Klinsmanns durch Karl-Heinz Rummenigge angemerkt. Ein Text den man lesen und sich merken sollte. Möglicherweise der Hinweis auf den Start einer Reality-Soap, die es sehr ähnlich schon mal gab, die einst auch damit Begann, dass Karl-Heinz Rummenigge seinen Trainer öffentlich diskreditierte. Damals bemerkte er, dass Fußball keine Mathematik sei.

Die Bayern können trotz ihrer Probleme noch alle Ziele erreichen. Bei Werder Bremen sieht’s dagegen schlimm aus. Möglicherweise haben sie im Gegensatz zu Schalke 04 noch Geld. Ich habe mich schon immer gefragt, was Allofs mit den Millionen aus den vielen Jahren Champions League-Teilnahme in Folge angefangen hat. Sportlich ist Werder aktuell jedenfalls noch ein bisschen erfolgloser als die Königsblauen.
Dass Werder Bremen, sehr ähnlich wie Schalke 04, trotz unterschiedlichen Erfolgs in den verschiedenen Spielzeiten, seit langem mit den immergleichen Problemen zu kämpfen hat, wird bei Hacke Spitze Tor sehr anschaulich dargestellt. Ronny vom Weser-Blog lässt Thomas Schaaf inzwischen an höhere Mächte glauben – und singen. Großartig!

Weder Fisch noch Fleisch

Irgendwie hat’s pffffft gemacht. Dieses Spiel hat weder weiter angeheizt, noch entladen. Kurz bevor der Deckel wegflog hat dieses Spiel ihn kurz gelupft, etwas Dampf abgelassen und ihn wieder aufgesetzt. Jetzt kocht der Kessel weiter.

Allzu hoch war das Niveau nicht. Schalke hat eine Weile ordentlich gespielt, aber ordentlich und ordentlicher gab’s schon in dieser Saison. Dann gab Schalke das Spiel wieder aus der Hand, ermöglichte Borussia mehr Spielanteile, 1:1. Auch das ist nicht neu.
Über dieses Spiel wird ab dem nächsten Spieltag niemand mehr sprechen und es gibt auch kaum verschiedene Bewertungen. Lediglich das Edeka-Einkaufsradio überraschte mich heute morgen.

Vor Safttüten stehend wurde ich mit dem Ausruf: „Tolles Spiel – Schlechtes Ergebnis“ beschallt und darüber informiert, dass das Freitagsspiel der Fußball-Bundesliga auch Edekas Spiel der Woche gewesen sei. Als ich hörte, 80 Minuten lang hätte „die Mannschaft von Fred Rutten tollen Tempofußball gespielt“, wollte ich schon gar keinen Saft mehr kaufen. Nach dem Fazit, dass das 1:1 beiden Clubs nicht weiterhelfen würde, entschied ich mich zumindest noch für den günstigen.

Andreas Müller

Präsident Schnusenberg sagte in einem Interview, dass Manager Müller und Trainer Rutten auch in der kommenden Saison noch im Amt sein werden. Wer allerdings auf Schnusenberg-Inteviews vertraut glaubt auch, dass gleiche Höhe kein Abseits ist. Meines Erachtens ist Manager Müller lediglich deshalb noch im Amt, weil sich Schalke mit der Frage nach einem Nachfolger schwer tut. Es wird Zeit, dass der Club zu Potte kommt. Es wird Zeit, dass Klarheit geschaffen und Andreas Müller seines Amtes enthoben wird.

Andreas Müller hatte von Beginn an einen schweren Job. Als Nachfolger von Rudi Assauer übernahm er einen fast zahlungsunfähigen Club. Assauer hatte mit dem letzten Geld eine Mannschaft zusammengekauft, die stark genug war, einige Jahre um die Meisterschaft mitzuspielen. Plötzlich war es an Müller, die Mannschaft ohne frisches Geld am Leben zu halten. Dazu fehlte ihm die Phantasie. Und um in Sachen Führung und Darstellung den „managerigsten“ Manager von allen zu ersetzen fehlt es ihm an Persönlichkeit.

In seinem Job hat er der Macher zu sein. Stattdessen hat man das Gefühl, dass mit ihm jeder macht was er will. Es ist typisch Müller, Dinge nicht zu Ende zu bringen. Mal verpflichtete er einen brasilianischen Verteidiger, ohne dass dieser je auf Schalke ankommt (Gustavo). Mal verteilt er horrende Geldstrafen, ohne dass diese kassiert werden (Rafinha, Olympia).

Unter seiner Führung weiß Clubintern der eine nicht, was der andere will oder tut. Es wurden Spieler verpflichtet die der Trainer nicht aufstellte (Streit, Zé Roberto). Er verpflichtete einen „pfeilschnellen Spieler, der auf allen offensiven Positionen eingesetzt werden kann“, und auf Schalke kommt ein selbstgerechter, langsamer Jüngling an, der mit Vereinswechsel droht sobald er 10 Meter weiter links als in der Mitte eingesetzt wird (Rakitic).
Auf Schalke sprechen Präsidenten, Aufsichtsräte und Altinterationale in alle Richtungen zu interpretierende Sätze in die Mikrofone, ohne dass sich Müller wehrt, ohne dass er ein Machtwort spräche. Die Macht ist es, die ihm fehlt. Durch sein Handeln ohne Linie, durch seine niemals klare Sprache hat er sie freiwillig aus der Hand gegeben.

Seine „Alles wird gut“-Aussagen will niemand mehr hören. Die Sätze von Serienstarts nach Siegen und dem Zusammenrücken nach Niederlagen haben mittlerweile Runnig-Gag-Charakter. Nun ist Andreas Müller bei Pressekonferenzen nicht mehr zugegen. Ob er freiwillig nicht mehr voran geht oder ob er sich vom Club in den Keller sperren lässt: Das eine wäre nicht weniger schlimm als das andere.

Er bekommt es nicht hin, den Club nach Außen vernünftig darzustellen. Er scheint große Probleme bei der Führung seiner Mitarbeiter zu haben und bekommt die Gernemitredner des Clubs nicht unter einen Hut. Ein Großteil seiner Entscheidungen für den sportlichen Bereich haben sich als falsch erwiesen. Andreas Müller ist für den Job des Machers in einem Club wie dem FC Schalke 04 nicht geeignet.
Und Kassenwart ist schon der Präsident.

Mark van Bommel

Auf der gestrigen Pressekonferenz zum Spiel gegen Dortmund (mp3) verglich Trainer Fred Rutten seine Spieler Rafinha und Jermaine Jones mit Mark van Bommel. Fred Rutten kennt Mark van Bommel aus ihrer gemeinsamen Zeit beim PSV Eindhoven und ist voll des Lobes über ihn.
Heute brachte die Abendzeitung eine Story über Van Bommel. Dabei zitiert sie ihn mit der Aussage, er sei offen für alles und habe „SMS-Kontakt mit Schalke-Trainer Rutten“. Fertig ist das Gerücht, auf das nun auch der kicker abhebt.

Meines Erachtens wäre Mark van Bommel eine große Bereicherung für Schalke 04. Es ist sicher richtig, dass Königsblau auf anderen taktischen Positionen als dem defensiven Mittelfeld schlechter besetzt ist. Am allerschlechtesten ist Schalke aber in Sachen Führungspersönlichkeiten besetzt.
Van Bommel könnte Fabian Ernst als Defensivstrategen ersetzten. In Sachen Technik und Spieleröffnung ist er ehedem besser als Ernst und Jermaine Jones zusammen. Van Bommel käme als „Star“, ein Typ wie ihn Asamoah in der Winterpause gefordert hat, einer den Ribery in seiner Mannschaft behalten will. So einer hat die Möglichkeit, in der Teamhierarchie auf natürliche Weise flott aufzusteigen.

Schalke will, wie neuerdings verlautbart wird, in Zukunft auf junge und entwicklungsfähige Spieler setzten. Der Spieler Van Bommel passt da nur scheinbar nicht dazu, denn natürlich braucht gerade eine junge und unerfahrene Mannschaft einen Führer. Meines Erachtens wäre gerade solch ein „Spezialauftrag“, als erfahrener Spieler beim Aufbau einer jungen Mannschaft zu helfen, ein gutes Argument, Mark van Bommel zu einem Wechsel zu überzeugen.

Das wars dann aber auch schon, denn Geld wird er trotzdem haben wollen, und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich die Leute, die bei Schalke 04 über die Finanzen wachen, die Dienste Van Bommels leisten können (wollen). Sein Alter mag auf dem Platz keine Probleme bereiten. Es bedeutet aber, dass er gegen Ende seines nächsten Vertrags keine Einnahmen mehr bringen wird. Das (angebliche) neue „Konzept junge Spieler“ ist natürlich auch dem Umstand der Geldnot geschuldet, Schalke versucht Gehälter und Transferausgaben zu sparen. Auf dieser Seite der Schalker Welt passt Mark van Bommel leider überhaupt nicht zum FC Schalke 04.

Drei Autostunden weiter nördlich ist auch ein angesehener holländischer Trainer mit großer Wertschätzung für Mark van Bommel im Amt. Dessen Club hat gerade Geld, spielt in einer Weltstadt und hat wesentlich berechtigtere Ambitionen auf eine Teilnahme an der Champions League. Falls Mark van Bommel umziehen möchte, ich denke ihn zöge es eher dort hin.

Auf den Punkt gebracht

Sonntagsfrühstück. Ich erzähle von meiner Fahrt zum Auswärtsspiel nach Bochum. Mein Sohn (4) interessiert sich mehr für den Fußball an sich.

Sohn: „Papa!?“
Ich: „Ja?“
Sohn: „Hat Schalke gewonnen?“
Ich: „Nein, Schalke hat 2:1 verloren.“

Kurze Pause.

Sohn: „Du Papa!?“
Ich: „Ja?“
Sohn: „Schalke ist nicht so gut, nä!?“
Ich: „Ja, das stimmt wohl, Schalke ist nicht so gut.“
Sohn: „Papa, Schalke ist ein bisschen gut.“