Geld oder Liebe

Wenn die eigenen Fans das Stadion nicht voll kriegen braucht man gegnerische Fans zu einem ausverkauften Spiel. Dies ist derart simpel, dass man feststellen kann:

  • Der VfL Bochum glaubt an genügend eigene Fans fürs Stadion an der Castroper Str.
  • Und der VfL Bochum hält die eigenen Fans für irgendwie langsam und träge; zumindest langsamer als die Fans des FC Schalke 04

Jedenfalls dachten sich die Funktionäre der seit 1848 Turnenden, dass es, abgesehen von dem direkt an den FC Schalke gesandten Pflicht-Ticketanteil, möglichst keine Schalker im Stadion geben sollte. Also legten sie fest, dass Karten für das Spiel Bochum gegen Schalke nur an Dauerkartenkunden, Fanclub- oder Vereinsmitglieder verkauft werden sollten.

Zu allererst führte diese künstliche Verknappung dazu, dass hunderte von Tickets über eBay verschachert wurden. Selbst gestern, zwei Tage vor dem Spiel, herrschte dort noch reger Betrieb. Und weil der gemeine Schalke-Fan, absolut losgelöst von der sportlichen Situation, seine Mannschaft gerne sieht, und weil es starke Bande in der Region gibt, weil es vom Ernst-Kuzorra-Platz bis zur Castroper Straße gerade 21 Kilometer – 16 Autominuten sind, haben viele Schalker ihre Karten dennoch frühzeitig bekommen.

In Foren für Fans des VfL wurde lebhaft darüber diskutiert, ob man als Fan, Mitglied oder Dauerkartenbesitzer noch tragbar ist, wenn man für einen seiner Freunde, Kollegen oder Verwandten Karten besorgt hat, obwohl dieser Schalke-Fan ist. Die harten schrieben, dass es nichts verkommeneres gäbe, als Freunde zu haben, die den Königsblauen zujubeln. Die normalen schrieben, dass sie es gut fänden, dass das Bochumer Stadion mal gefüllt sei.

Aber selbst das, die Bande, das Warten auf den letzten VfL-Fan, reichte nicht. Anfang letzter Woche war das Spiel immer noch nicht aufverkauft. Da es der VfL aber eben auch nötig hat, durfte plötzlich jeder Karten kaufen, unabhängig von Rasse, Religion und Trikot. Jetzt ists voll.

Es scheint, dass Bochums Macher Thomas Ernst mehr als nur die eigenen Fans nicht versteht.



6 Kommentare zu “Geld oder Liebe”

  1. tumulder sagt:

    Ist ja nichts neues, daß sich der VFL beim kleinem Derby seit ein paar Jahren regelmäßig zum Deppen macht. Wie war das noch letztes Jahr mit den Verbot Schalker Fanutensilien außerhalb des Gästebereichs?

  2. Martin sagt:

    Ehrlich gesagt, mir tut es in der Seele weh, dass bei so einem Spiel das Stadion nicht Wochen vorher ausverkauft ist. Ich finde es in Ordnung, Karten für die Ostkurve nur an Fanclub- und Vereinsmitglieder auszugeben, da wurden in den letzten Jahren immer wieder Schalker gesichtet, die da wirklich nichts zu suchen haben.

    Davon ab muss die Fankurve gerade bei so einem Spiel natürlich ratzfatz ausverkauft sein. Und ja, die Bochumer Fans sind langsam und träge, wahrscheinlich ist das die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass das ganze Ruhrstadion königsblau ist. Bei 14 von 17 Heimspielen kann man aber auch locker um 15:25 Uhr hingehen und bekommt noch ne Karte für jeden gewünschten Block.

    Es ist wirklich traurig, was zur Zeit beim VfL abgeht, Winterpause war schon nicht schlecht, da musste man den ganzen Rotz nicht ertragen und konnte sich über Siege beim Hallenturnier über Dortmund freuen ;-)

  3. Andy sagt:

    Andy’s Blog der Woche im WEB 0.4.

  4. Stefan sagt:

    Wobei es auch wirklich häufig vorkommt, dass Ost- und Nordkurvler einfach gut befreundet sind. Wenn der VfL bei uns spielt, stehen in der Nord auch mal nen paar Bochumer und haben Spaß, und so nehmen die Bochumer auch mal nen Schalker mit rein.
    Dass man sich dann als Gast nicht *ganz* so auffällig verhalten sollte liegt wohl nahe, erstrecht je näher man an den Ultras steht.
    Ich würds auch nicht schlau finden, in der Ostkurve „Schalke ist die Macht“ zu gröhlen, aber gegen nen paar friedlich gesinnte Gäste des Auswärtsteams sollte man doch eigl nichts haben können.

  5. Phil sagt:

    Also ich hab kurzfristig noch über meinen Vatter 2 Karten gekriegt, die sonst einem der Sponsoren vorbehalten sind. Das ist ja auch häufig das Problem, alle Karten weg, aber nicht alle Plätze besetzt. Und dass die Karten bis Donnerstag noch keinen Besitzer bei den Bochumern gefunden hatten spricht ja auch Bände…
    Naja, jetzt sitzen mein Bruder und ich halt auf Sponsorenplätzen auf der Nordtribüne, und werden ein Derby in Schalker Hand(zumindest von Fan Seite) sehen.
    Gute Spiel wünsch ich, ach was, einen Sieg wünsch ich!

  6. Spielfeldrand - Das Magazin » Blog Archive » DailySoccer 17/02/2009 sagt:

    […] Geld oder Liebe Auf den Punkt […]

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