Übergangssaison

Das Unwort des Jahres – dies ist ein Fußballblog, selbstredend beginnt und endet für unsereins das Jahr im Sommer … dieses Unwort jedenfalls, auf das aktuelle Jahr des FC Schalke 04 bezogen, es lautet: „Übergangssaison“.

Es handelt sich um eine „Übergangssaison“, wenn ein Verein seine Ziele aufgegeben hat und das Handeln eher der Planung der Zukunft, statt der Verbesserung der aktuellen Situation dient. In der täglichen Arbeit des Trainer mit der Mannschaft gibt es so was nicht. Ich glaube daran, dass keinem Spieler das Ergebnis des nächsten Spiels egal ist. Jeder will sich immer zeigen, will gut spielen. Vielleicht für seinen Club, für seine Mannschaft. In jedem Fall für sich, für seine eigene Karriere. Bei der Bewertung der Trainer in der Öffentlichkeit wird ehedem nur selten auf etwas eingegangen, was drei Wochen zurück oder zwei voraus liegt. Dessen ist sich jeder Trainer bewusst.

Wie Schalke 04 diese Rückrunde geplant hat wird allerdings deutlich, wenn man das offizielle Mannschaftposter der Saison 08/09 betrachtet. Die Gruppe besteht aus 14 Betreuern und 28 Spielern. Von den 28 Spielern wurden 7 verkauft, verschenkt, entlassen oder suspendiert. 2 sind hoffnungsvolle Jungs, die bislang kein Bundesligaspiel absolviert und somit schwerlich als Vollprofis mitgezählt werden können. Bleiben 19 Spieler übrig. Von denen 4 Torhüter sind.

Hinzu kommt, dass Christian Pander regelmäßig nicht zur Verfügung steht, dass sich unter den übrig gebliebenen Profis einige mit Hang zu dummem Rot befinden, und dass man im Laufe einer (Halb-)Saison eben dem einen oder anderen Boateng-Tritt begegnet. Da stellt sich eine Mannschaft schon mal von alleine auf. Sicherlich wird Schalke immer 11 Spieler auf dem Platz haben. Das Problem ist die fehlende Konkurrenz. Das Problem ist, dass dem Trainer kaum Varianten zur Verfügung stehen.

Schalke ist schlecht, sehr schlecht vorbereitet, auf die 13 Bundesligaspiele bei „nur“ 5 Punkten Rückstand auf Platz 5, auf das-, auf möglicherweise die Pokalspiele, bei denen es noch richtig was zu gewinnen gibt.
Solche Unprofessionalität ärgert mich mehr als eine vergebene Chance aus aussichtsreicher Position.



10 Kommentare zu “Übergangssaison”

  1. Andy sagt:

    Wir sind schlecht vorbereitet. Aber im Pokal und 5 Punkte vom UEFA-Cup (oder was auch immer…) entfernt und es werden noch 39 ausgespielt. Ich will und werde noch hoffen bis rein rechnerisch gar nichts mehr möglich ist. Klar ist die Saison verkorkst, aber es gibt doch dennoch Ziele. Denn das Achtel meines Lebens, das ich für Fussball opfere, erträgt keine „Übergangssaison“.
    Irgendwie beneide ich meinen Kumpel. Der ist Gladbacher und freut sich schon auf den Abstiegskampf…

  2. O-Jay sagt:

    Für den gemeinen Schalker ist jede Saison ohne Meisterschale eine gefühlte Übergangssaison, das geht also schon ein paar Jahrzehnte so.

    Schlecht vorbereitet ist der Verein zum Teil schon. Aber wenn ich da an die UEFA-Cup-Sieger-Saison 96/97 denke, als nach den Verletzungen von Max und Mulder im Spiel gegen den KSC hinterher wieder Radoslav Latal zum Stürmer umfunktioniert wurde und zwischenzeitlich gar ein Ralf Regenbogen wieder zum Kader gehörte, nimmt sich der aktuelle Handlungsspielraum ja geradezu luxuriös aus.

  3. sequencer sagt:

    Und trotzdem habe ich so eine seltsame Erwartungshaltung. Ich warte darauf das eine SMS kommt, das ich was auf irgendeiner Sportseite im Internet lese, das mich ein Arbeitskollege anspricht: …hast du schon gehört, …aus zuverlässiger Quelle, …wurde bis jetzt von Vereinsseite nicht dementiert, …im Radio haben sie gerade gesagt.
    Nur wird nichts passieren, ich wüsste auch nicht genau was.

  4. TheBigEasy sagt:

    Mal anders gefragt: Welcher Club hierzulande befindet sich in dieser Saison eigentlich nicht in einer „Übergangssaison“? Scheint bis auf wenige Ausnahmen ein Massenphänomen zu sein. Selbst der Dino HSV ist betroffen, weil derzeit nur übergangsweise an der Spitze der Tabelle. ;-)

    Also, Kopf hoch und den Blick nach vorne richten. Des werd‘ scho wieda …

  5. Matthias sagt:

    Die eigentliche Chance dieses Jahres besteht doch darin, dass es endlich eine „Übergangssaison“ werden könnte. In den letzten acht Jahren wurde m.E. zu oft die Chance verpasst, wirkliche strukturelle Änderungen einzuleiten, weil es bis zum letzten oder vorletzten Spieltag immer noch um etwas ging. Natürlich ist auch jetzt die Perspektive nicht aussichtslos in Liga und Pokal, aber ich hoffe inständig, dass die Verantwortlichen jetzt mal den Arsch in der Hose haben und das umsetzen, was längst umgesetzt werden müsste: eine „Entschlackung“ des Kaders, eine wasserdichte Lösung in den Fragen Jones, Kuranyi und Rafinha, die Einbindung junger Spieler in das Profiteam, eine Verbesserung des Scoutings, eine neue Hierachie innnerhalb der Mannschaft, klare Regelungen der Verantwortungen in den leitenden Positionen (es ist doch ein Witz, dass der Vize-Geschäftsführer der DFL derzeit bei uns den Interims-Pressesprecher geben muss) – das sind nur so einige Baustellen, die jetzt mal angegriffen werden sollten. Und da will ich gar nicht mit dem „leuchtenden Beispiel“ Hertha BSC kommen, weil Leverkusen in den letzten Jahren viel besser bewiesen hat, dass Krisen auch die Möglichkeit zur Schaffung neuer Strukturen sind. Sollte sich auf Schalke diesbezüglich etwas tun – und ich glaube nicht einmal, dass dafür unbedingt Köpfe rollen müssten – wäre es eine gute Übergangssaison und eben keine „Stur-weiter-wie-gehabt“-Spielzeit.

  6. Conti sagt:

    @Matthias: Das gleich denke ich mir übrigens bei Werder auch. Hoffentlich.

  7. Torsten Wieland sagt:

    @ Matthias: Was Du beschreibst, ist ein Strategiewechsel. Wieso muss zwangsweise dazu eine halbe Saison weggeschmissen werden?

    Bereits Anfang Dezember Begann Müller von einem Konzept zu sprechen. In einer kompletten Transferperiode plus einigen Wochen Vorbereitungszeit ist nichts geschehen, außer das der Kader geschwächt wurde. Das mag man als Beginn der Entschlackung sehen, und dagegen habe ich auch nichts, in fand auch den Ernst-Transfer nicht schlecht. Aber mit dem einen aufhören, ohne mit dem anderen anzufangen? Warum?

    Sollte sich auf Schalke diesbezüglich etwas tun – und ich glaube nicht einmal, dass dafür unbedingt Köpfe rollen müssten

    Klare Regelung der Verantwortlichkeiten, eine vernünftige Außendarstellung sind Dinge, die mit der ausgebluteten Mannschaft nichts zu tun haben – und auch das Zusehen, dass eine Mannschaft eine Hierarchie aufweist, ist immer notwendig. Das alles liegt seit Jahren im Argen. Weshalb ich davon überzeugt bin, dass Andreas Müller überfordert ist.

  8. eisenschleuder sagt:

    …genau das ist es. umbruch? ja! kleinere brötchen? gerne.

    mir würde es reichen, dass vernünftige sachkundige leute ordentliche entscheidungen treffen. da es verbietet sich z.b. gute trainer zu entlassen, weil die kurve und/oder die medien jaulen.
    müller ist für mich ein spielball der blödzeitung: die schrieb zuletzt was von chaos und nun er zeigt sich bissig. wenn sie demnächst wieder schreiben dass der trainer kein konzept hat ist er noch 4 wochen lang von ihm überzeugt und dann fällt er um und spricht mit gedämpfter stimme darüber wie schwer ihm die entscheidung gefallen sei. mich überkommt bei müllers dilettantischer öffentlichkeitsarbeit immer dieses seltsame fremschämen.

  9. Torsten Wieland sagt:

    mich überkommt bei müllers dilettantischer öffentlichkeitsarbeit immer dieses seltsame fremschämen

    … und das schon eine lange Weile, vgl. 07. April 2007 (der mp3-Direktlink unten funktioniert noch!).

  10. Jan sagt:

    Es wird Zeit, dass der Kader zu etwas geformt wird, mit dem man sich identifizieren und was anfangen kann.
    Das heisst konkret: Spieler wie Großmüller, Sanchez und ggf auch Altintop müssen weichen und es muss ein anständiger Stürmer Marke Grafite her. Im Mittefeld kann nicht immerwieder irgendein „Offensiv wie defensiv variabel einsetzbarer Mann“ geholt werden sondern ein Spielmacher vom Kaliber Hajnal oder sogar Diego.
    Die Abwehr braucht einen klaren Umbruch. Bordon und Kristajic sollten sich über ein Karriereende Gedanken machen, ein weiterer wie Höwedes verpflichtet werden.
    Zudem sollten sich Rakitic und Engelaar mal darüber im klaren sein, ob die Bundesliga das ist, was sich bewältigen können oder ob es vielleicht nicht doch zu früh (für Rakitic) oder zu spät (für Engelaar) ist sich zu einem Topspieler zu entwickeln.

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