Wenn es im Spiel schlecht läuft, wenn man unbedingt noch ein Tor braucht, wenn man einen Rückstand aufzuholen hat, dann braucht es eine Einwechslung. Dann braucht es eine Alternative, einen Spieler der von seiner Anlage her anders ist als diejenigen, die gerade auf dem Platz nicht mehr weiter wissen. Oder es braucht einen Joker, einen, der seine Kraft auf 20 oder 30 Minuten konzentriert, der nochmal der Funke zu einer letzten Explosion sein kann. Beides steht Rutten nicht zur Verfügung. Schalkes Bank ist leer.
Natürlich hätte das gestrige Spiel gegen Bochum trotzdem gewonnen werden müssen. Schalke hatte das rechte Mittel bereits gefunden, war in der Anfangsphase die bessere Mannschaft und hatte die für Königsblau stets höchste Hürde, das Toreschießen, auch schon einmal überwunden. Ob es dann eine Anweisung gab, ob am VfL Bochum „Spielkontrolle“ geübt werden sollte, oder ob es ein Geheimnis um die Köpfe von Spielern im Schalke-Trikot gibt, ich weiß es nicht. Man kontrollierte fortan jedenfalls lediglich auf Höhe der Mittellinie und es geschah, was Luis Reichert treffend in einem Satz beschreibt: Schalke stellte das anfängliche Pressing ein und der VfL biss sich in dieses Spiel.
Und so taumelte Schalke durch dieses Spiel. Beim Stand von 1:1 in gleicher Weise wie nach dem Gegentor zum 1:2 in der 57. Minute. Chancen entstanden nur durch die individuelle Klasse der beiden besten Schalker, Rafinha und Jefferson Farfán. Orlando Engelaar nahm, wie immer, jedes Tempo aus dem Spiel. Ivan Rakitic agierte, wie immer, langsam und ängstlich. Wie immer fehlte jemand, der Stürmer in Szene setzen kann. Gegen kämpferisch starke Bochumer wirkte Schalke spielerisch völlig planlos. Es war Mladen Krstajic(!), der die meisten Schalker „Angriffe“ einleitete … Schalke köchelte im eigenen Sud. Keine Hilfe in Sicht.
Der einzige Offensivspieler auf der Schalker Bank war gestern Vicente Sánchez. Dieser ist seit gut einem Jahr auf Schalke und bislang nicht mehr als ein sympathischer Mitläufer. Alle anderen Schalker, die mit gutem Willen mit dem Attribut „Offensivspieler“ versehen werden können, standen gestern in der Startformation. Damit überhaupt mal etwas variiert, werden diese Spieler von hier nach da, nach dort und wieder zurück verschoben. Altintop ist mal Stoß- , mal Außenstürmer, mal spielt er im offensiven Mittelfeld. Rakitic spielt mal zentral, mal links. Asamoah und Farfán spielen beide in jedem Spiel auf allen drei Sturmpositionen. Und gestern startete Kevin Kuranyi als linker Flügelstürmer. In einer funktionierenden Offensive würde man von Flexibilität sprechen. Bei Schalke wirkt es wie das hundertste Ausprobieren von Nichtfunktionierendem.
Wenn Fred Rutten etwas für die Offensive tun möchte wechselt er einen Defensivspieler ein, um Heiko Westermann hinten zu ersetzen, der dann ins Mittelfeld aufrückt. Diese Notlösung als Methode für eine halbe Saison ist schlicht erbärmlich.







