Artikel im Februar 2009

Gute Laune gegen schlechte Laune

„Die ARD hatte den Erstzugriff und hat sich wenig überraschend Bayer gegen Bayern gesichert. Das ZDF hat sich für die Partie Mainz 05 gegen Schalke 04 entschieden. Die Begegnung hat von den drei übrigen Spielen auch den meisten Charme. Mainz gegen Schalke, das ist gute Laune gegen schlechte Laune.“

Sicher, Nick ist einer von der falschen Seite, aber das ist sicher das derzeitige Bild, auf den Punkt gebracht. Das auch in Mainz nicht alles fluffig ist stellt er im gleichen Beitrag dar. Und dass nicht ganz Schalke ewig grummelt, dass viele Schalker jegliches Chaos, jegliche Enttäuschung mit stets fröhlichem Gemüt ertragen, sei noch dazu an dieser Stelle mal angeführt.

Der Leuchtturm

Schalkes Strategie scheint unverständlich? Zulange schon Fußballkampf statt Fußballspiel? Keine Chance mehr auf einen Champions League-Platz?
Alles ein großes Missverständnis. Falsche Einflüsterer. Schalkefan, Königsblog: Miesmacher. Die Journalisten, Selldorf, Buschmann, Hendriock: Sowieso. Zu Zeiten Obamas braucht es die alle nicht mehr, da erfährt man direkt aus erster Hand die einzig richtige Wahrheit, wird man zur Selbsteinschätzung eingeladen. Im Falle des FC Schalke ist die Wahrheit unter http://schalke04.de zu finden.

Wer sich dort umschaut weiß, dass es mit dem Teufel zugegangen sein muss, dass die Mannschaft dieses modernen, zukunfts- und erfolgsorientiert geführten Clubs lediglich auf Rang 9 der aktuellen Tabelle zu finden ist.
Sechs Nationalspieler wird Schalke in der kommenden Woche abstellen müssen und Königsblau ist in Hannover wie eine Klassemannschaft aufgetreten – dies sind nur zwei Überschriften die schnelle Orientierung bieten. Genaueres erfährt man in den Texten, in denen sich Manager Müller auch nicht zu schade ist, ganz direkt Aufklärung zu betreiben. Da die differenzierte Herangehensweise in diesen Ausführungen allerdings alle Nicht-Schalke-Insider gnadenlos überfordern würde und bekannt ist, dass dieses Blog auch von Sympathisanten anderer Vereine gelesen wird, folgen an dieser Stelle in aller Grundsätzlichkeit nur die uninterpretierbaren Fakten:

Die 10 Thesen von Rheda-Wiedenbrück

  • Trainer und Manager haben ein Konzept und ziehen dieses gnadenlos durch
  • Ziel ist die Qualifikation zur Champions League, davon wird nicht abgerückt
  • Der Kader ist stark genug, um einen Champions League-Platz zu erreichen
  • Der Vorstand hat vertrauen in die Stürmer
  • Es gibt keine anderen finanzierbaren Stürmer, die Schalke weiterbringen könnten
  • Sollte die Mannschaft mal verlieren, rückt sie umgehend enger zusammen
  • Im Kader herrscht Aufbruchstimmung, die Mannschaft wird nun voll angreifen
  • Entgegen aller Darstellungen arbeitete der Kader höchst diszipliniert
  • Für keinen Schalker Spieler ist je ein offizielles Angebot eingegangen
  • Grundsätzlich ist immer alles abgesprochen

Fabian Ernst

Sonntagabend, gegen 21:30 Uhr meldete es auch der sid. Fabian Ernst wechselt für eine geschätzte Ablösesumme von 4,5 Millionen Euro zu Besiktas Istanbul.

Fabian Ernst ist ein großartiger Defensivspieler. Wenn in Anlehnung an den American Football gute Aufbauspieler als Quarterbacks bezeichnet werden, kann Fabian Ernst mit einem Middle Linebacker verglichen werden. Im Zentrum des ballorientiertem Verschiebens erkennt er früh mögliche Lücken für den Gegner und ist zur Stelle. Er hält den Druck von der Abwehrkette fern. Mit Fabian Ernst lag Schalkes Gegentor-Schnitt in der Bundesliga immer unter 1.

Wie der Middle Linebacker im American Football vom Platz geht wenn die eigene Mannschaft in Ballbesitz kommt, so ist Fabian Ernst für die Offensive keine große Hilfe. In dreieinhalb Jahren hat er für Schalke kein ein einziges Tor erzielt, und, was schwerer wiegt, ein typischer Fabian Ernst-Pass ist eher von horizontaler Ausrichtung. Wenn ein Angriff schnell nach vorne gehen soll bezieht man Fabian Ernst besser nicht mit ein.

Außerdem war Ernst auf Schalke einer der federlosen Häuptlinge. Vom Typ her, von der Position und von der Erfahrung her hätte er ein Spieler sein sollen der eine Mannschaft führt, der eine Orientierung bietet. Ob sich der Druck nun dadurch ergab, dass Schalke kurz vor einer Meisterschaft stand, oder dadurch, dass nach einer 3:0 Führung beim Erzrivalen die Mannschaft ins Taumeln geriet; Fabian Ernst war stets einer der ersten, der fiel.

Ernst’ Abgang zwingt Orlando Engelaar, seine Fehler in der Defensive abzustellen, oder er zwingt Trainer Rutten, Heiko Westermann neben Jermaine Jones zu positionieren. Das Potenzial, die Defensive stabil zu halten, hat Schalke. Was Schalke nicht hat ist Kreativität und Durchschlagskraft im Sturm. Was Jermaine Jones im Winter veranlasste Manager Müller zu kritisieren, in dem er ihm Vorwarf mit Orlando Engelaar einen „dritten 6er“ gekauft zu haben, statt mehr ins Offensivspiel zu investieren. Der Ernst-Transfer gibt Müller nun die Chance zur Korrektur dieses Fehlers.

4,5 Millionen für einen 29-Jährigen Defensivspezialisten ohne großen Namen sind eine ganze Menge, zudem entfällt ein „Assauer-Gehalt“. Alleine dafür wird Andreas Müller aber keinen Applaus ernten. Ernst war unbestrittener Stammspieler. Wird dieses Geld nicht umgehend zur Verstärkung der Mannschaft eingesetzt, sieht diese Aktion wie ein Abschenken der Saison, wie „zu Geld machen, was zu Geld zu machen ist“ aus. Angesichts der schwindenden Chancen Schalkes, auch nur noch in die UEFA-Cup Ränge zu gelangen, würde Manager Müller damit nach normalem Ermessen seinen Job zum Sommer selbst zur Verfügung stellen.

Aber was ist auf Schalke schon normal … Wenigstens die Personalien bleiben spannend.