Nach Untergangsängsten bei Abstiegen und nach grenzenloser Unglücklichkeit bei knapp verpassten Zielen wurde den Schalkern in den letzten Wochen das Fremdschämen gelehrt. Ich persönlich bin drüber hinweg, habe die höchste Stufe erreicht, Clemens Tönnies kann mich nicht mehr schocken. Was tiefer sitzt, was bleibt, ist die Gewissheit, dass immer alles wahr sein könnte.
Schalke 04 wird seit jeher von den Boulevardmedien stark beachtet. Dass deren Mix aus Gerüchten, Vermutungen und unbestätigten Meldungen mit Vorsicht zu begegnen ist, sollte jedem klar sein, für den eine vernünftige Zeitung mehr als 12 Seiten haben muss. Und plötzlich tritt Clemens Tönnies in Erscheinung. Plötzlich wird aus etwas, das ich kurz zuvor als kuriose Idee der Bildzeitung eingeschätzt haben, ein Manager-Findungs-Happening mit Streuselkuchen, gestoppter Pinkeldauer und Online-Voyeurismus in Echtzeit.
Dann steht er da und ist mit dem Einen d’accord, hält den Zweiten für 100ig passend und erklärt ohne Not, dass er sich beim Dritten trotzdem schon zwei Absagen eingefangen hat. Er scheint immer alles zu bestätigen, scheint immer alles kommentieren zu wollen. Nicht scheint mehr zu abwegig, zu abstrus zu sein, als dass es nicht doch 2 Stunden später von Clemens Tönnies durch einen Bemerkung „geadelt“ werden könnte.
Es ist eine harte Zeit für jemanden, der nicht auf jede Meldung sofort anspringen mag, der Meldung grundsätzlich erstmal nicht glaubt, wenn sie in allzu bunten Medien als allzu sensationell verkauft werden.
Seit der Tönnies-Kahn-Show in Rheda habe ich meinen alten Herrn nicht mehr besucht, weil ich weiß, dass einer seiner ersten Sätze lauten wird: „Siehste, wenn die Bild so was schreibt, dann ist da auch was dran!“. Diese Niederlage nehme ich Herrn Tönnies auf Jahre übel.






