Artikel im März 2009

Nichts ist unmööööglich … auf Schalke!

Nach Untergangsängsten bei Abstiegen und nach grenzenloser Unglücklichkeit bei knapp verpassten Zielen wurde den Schalkern in den letzten Wochen das Fremdschämen gelehrt. Ich persönlich bin drüber hinweg, habe die höchste Stufe erreicht, Clemens Tönnies kann mich nicht mehr schocken. Was tiefer sitzt, was bleibt, ist die Gewissheit, dass immer alles wahr sein könnte.

Schalke 04 wird seit jeher von den Boulevardmedien stark beachtet. Dass deren Mix aus Gerüchten, Vermutungen und unbestätigten Meldungen mit Vorsicht zu begegnen ist, sollte jedem klar sein, für den eine vernünftige Zeitung mehr als 12 Seiten haben muss. Und plötzlich tritt Clemens Tönnies in Erscheinung. Plötzlich wird aus etwas, das ich kurz zuvor als kuriose Idee der Bildzeitung eingeschätzt haben, ein Manager-Findungs-Happening mit Streuselkuchen, gestoppter Pinkeldauer und Online-Voyeurismus in Echtzeit.

Dann steht er da und ist mit dem Einen d’accord, hält den Zweiten für 100ig passend und erklärt ohne Not, dass er sich beim Dritten trotzdem schon zwei Absagen eingefangen hat. Er scheint immer alles zu bestätigen, scheint immer alles kommentieren zu wollen. Nicht scheint mehr zu abwegig, zu abstrus zu sein, als dass es nicht doch 2 Stunden später von Clemens Tönnies durch einen Bemerkung „geadelt“ werden könnte.

Es ist eine harte Zeit für jemanden, der nicht auf jede Meldung sofort anspringen mag, der Meldung grundsätzlich erstmal nicht glaubt, wenn sie in allzu bunten Medien als allzu sensationell verkauft werden.
Seit der Tönnies-Kahn-Show in Rheda habe ich meinen alten Herrn nicht mehr besucht, weil ich weiß, dass einer seiner ersten Sätze lauten wird: „Siehste, wenn die Bild so was schreibt, dann ist da auch was dran!“. Diese Niederlage nehme ich Herrn Tönnies auf Jahre übel.

E-Mail vom Anwalt

Freitag erreichte mich folgendes Schreiben per Mail:

Sehr geehrter Herr Wieland,

wir zeigen an, das wir die ROGON GmbH & Co. KG, [Anm d. Autors: Es folgte die Postanschrift der Firma] sowie Herrn Roger Wittmann, Geschäftsführer der ROGON GmbH & Co.KG, vertreten. Das Vorliegen ordnungsgemäßer Vollmachten wird anwaltlich versichert.

Unsere Partei ist darauf aufmerksam geworden, dass in den von Ihnen betriebenen „Königsblog“ auf der Seite

http://koenigsblog.net/2009/01/15/uebrigens/

unter der Überschrift „übrigens“ ein Artikel des Hamburger Abendblatts zitiert wird. Der Eintrag stammt offenbar von Ihnen und wurde wohl am 15. Januar 2009 erstellt.

In dem Bericht des Abendblatts ist die Rede davon, dass unsere Partei unseriös und ein „schwarzes Schaf“ der Branche sei.

Wörtlich heißt es dort:

[Anm d. Autors: Es folgte ein Teil des Textes des besagten Blogbeitrags]

Im Auftrag unserer Partei sind wir gegen das Hamburger Abendblatt vorgegangen und haben die Abgabe einer Unterlassungsverpflichtungserklärung gefordert. Der Axel Springer Verlag hat in der Zwischenzeit eine Unterlassungserklärung abgegeben. Der Artikel ist im Internet nicht mehr verfügbar.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass es nicht Ihre Aufgabe als Foren- bzw. Blog-Betreiber sein kann, die rechtliche Zulässigkeit jedes einzelnen Zeitungsartikels und/oder Beitrags zu prüfen. Im Hinblick darauf, dass das Hamburger Abendblatt jedoch zwischenzeitlich eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abgegeben hat und der Artikel auch nicht mehr im Internet verfügbar ist, haben wir Sie allerdings namens unserer Partei aufzufordern, den Eintrag aus Ihrem Blog zu entfernen.

Wir setzen hierfür eine Frist bis zum 07.04.2009.

Wir weisen Sie außerdem darauf hin, dass ein Forenbetreiber – wie Ihnen sicherlich auch bekannt ist – in der Regel ab Kenntnisnahme von der Rechtswidrigkeit einzelner Aussagen auch für Einträge haftet, die er nicht selbst erstellt hat.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Dieser Forderung bin ich nachgekommen, ein Link zum Hamburger Abendblatt wurde von mir ebenso entfernt wie der beanstandete Text.

Der Beitrag „Übrigens“ war der erste zum Tag Empfehlungen und sollte eigentlich der Start einer Serie sein, in der ich interessante Links mit nur kurzen Beschreibungen darstelle. Der in der E-Mail beanstandete Teil meines Beitrags enthielt keine Meinungsäußerung von meiner Seite. Insofern wurde mein Blog nicht beschnitten, weil vom Anwalt der Firma Rogon keiner meiner Texte als nicht rechtens beanstandet wurde, sondern das „Abbilden“ einer zu unterlassenden Äußerung des Abendblattes.

Der Vorgang als solcher meinen Lesern zur Kenntnis und mit Bitte um Beachtung der Rechtmäßigkeit aller Aussagen in den Kommentaren. Nicht nur unter diesem Beitrag, generell.
Man kann nicht oft genug erwähnen, dass das Internet nicht anonym ist und das die ganze Welt mitliest, wenn sie es denn möchte. Die Mail des Anwalts sei mir hierzu ein willkommener Anlass.

Kunst ist, was gefällt

Schlechte Leistungen? Blutleere Vorstellungen? Fußball ohne Tempo, ohne Inspiration, ohne Plan? Stürmer ohne Durchschlagskraft? Ja, Schalke kucken ist derzeit kein Spaß. Ganz Fußballdeutschland weiß das mittlerweile.

Bemerkenswert wenig scheint sich Fußballdeutschland darum zu scheren, dass die Werkself aus Leverkusen – die mit dem Näschen für Talente, dem Weltscouting, der innovativen Idee in der Trainerfrage, dem Konzeptfußball, dem deutschen Zukunftsstürmer und -Torwart Nummer 1 – nach 25 Bundesligaspielen gerade ein Pünktchen mehr auf dem Konto hat.
Und die beliebten Offensivfeuerwerker von der Weser, mit den Zauberfüßen im Mittelfeld und dem Reimport aus der Premier League im Sturm, haben gar noch 5 Punkte weniger.




[Film gefunden via FuViBlo]

Fred Rutten

Gestern wurde Trainer Fred Rutten beurlaubt. Ein Engagement, das mit viel Hoffnung begann, endete nach nur 268 Tagen.

Fred Rutten hat in den Niederlanden einen exzellenten Ruf. Letztes Jahr, wie auch heute noch. Ihm wird nachgesagt, Spieler verbessern zu können, offensiv spielen zu lassen. In den Niederlanden wird ein durchaus anspruchsvoller Fußball gespielt, dieses kleine Land exportiert seine Stars regelmäßig in die besten Ligen Europas. Rutten wurde dort zum Trainer des Jahres gewählt. Ich bin geneigt, den Leuten dort zu glauben. Ich kann mir vorstellen, dass Fred Rutten noch von sich Reden machen wird. Aber in dieser Saison, auf Schalke 2008/2009, hat es nicht gepasst.

Bis heute kann man nicht wirklich sagen, mit welchem Spielstil Schalke in dieser Saison eigentlich angetreten ist. Alles wirkte zufällig, unstrukturiert. Für die fehlende individuelle Klasse im Mittelfeld kann Fred Rutten nur bedingt verantwortlich gemacht werden. Sehr wohl aber dafür, dass die Spieler kein Rezept parat hatten. Dass sich nur sehr selten ein Spielfluss einstellte, Kombinationen zwischen mehr als zwei Spielern äußerst selten zu sehen waren, dass sich, ganz konkret, dem ballführenden Spieler häufig nur eine Anspielstation bot. Oder dass kaum noch Angriffe über die Außenbahnen eingeleitet wurden – in der letzten Saison noch eine Stärke dieser Mannschaft – weil links in der Regel Kobiashvili den Vorzug vor Pander erhielt, und sich rechts Rafinha und Farfan eher auf den Füßen standen, als voneinander zu profitieren.
Zudem wurde immer wieder offenbar, dass diese Mannschaft keine Einheit bildete. Sei es dadurch, dass Spieler öffentlich Kritik übten. Dass man sich nach Gegentoren gegenseitig zusammenschiss. Dass der Kapitän als Wortführer abgelöst wurde und resigniert sein Amt niederlegte. Oder auch „nur“, dass nie dieses Gefühl eines Aufbäumens zu spüren war, wenn ein Spiel schlecht lief.

Hinzu kam Fred Ruttens Einstellung zum Umgang mit der Öffentlichkeit. Immerwieder wies er auf seine freundliche, aber bestimmte Art darauf hin, dass es ihm nur auf die Arbeit mit der Mannschaft ankomme. Das mag im ersten Moment als fußballerisch bodenständig bewertet werden. Für einen Verein „mit großer Öffentlichkeit“ ist dies ein Schwachpunkt, insbesondere wenn bereits der Managerposten mit jemandem ohne Talent in Sachen Darstellung besetzt ist. Kein Verein braucht einen Darsteller als Trainer. Aber einen sich gut darstellenden Trainer zu haben ist heutzutage von großer Bedeutung.

Fred Rutten wird aller Voraussicht nach ab Sommer Cheftrainer des PSV Eindhoven sein. Ich wünsche ihm viel Glück und Erfolg. Und eine Clubführung mit mehr Anstand im Umgang mit ihren Angestellten.

Er hat’s gesagt

Dienstag hat Schalkes Präsident Josef Schnusenberg offiziell Sparmaßnahmen und das Herunterschrauben der eigenen Ansprüche verkündet. Nicht, dass es nicht bereits jedem hätte klar sein können. Unter den Schalkern, die ich persönlich kenne, gibt es niemanden, der das nun ganz furchtbar finden würde.

Schalke ist schon lange klamm. Schon zu Zeiten Rudi Assauers war Schalke das, nur dass Assauer nicht danach handelte. Andreas Müller hat seit Dienstantritt gespart. Keine Großeinkäufe trotz Gazprom-„Mega-Deal“. 10 Millionen für Farfán leistete sich Schalke nur, weil zuvor in der Champions League mehr als geplant verdient wurde. Manager Müllers Transferbilanz erweist sich bei genauerer Betrachtung, was die Finanzen angeht, über die Jahre als fast ausgeglichen. Nur sportlich ist sie es eben nicht.

Den nötigen Umbruch im Kader ohne großes Geld, nach und nach zu vollziehen, mißlang. Schalke spielt schon lange keinen guten Fußball mehr. Was nun kommt ist die Konsequenz aus den schlechten Ergebnissen dieser Saison, zu bejubeln gibt es da nichts. Aber immerhin wurde dieser Zwang erkannt, wird das Ruder nicht solange überrissen, bis Gläubiger über Wohl und Wehe des Vereins abstimmen. Josef Schnusenberg hat mich dahingehend nicht enttäuscht.

Mag sein, dass nun weniger erfolgreiche Jahre kommen, was den Tabellenstand angeht. Trotzdem kann es, was die emotionale Bindung zwischen Fans und Mannschaft, was die Identifikation angeht, nur besser werden. „Gesundschrumpfen“ ist ein Wort, das mir dazu einfällt. In Bezug auf Schalke 04 ist es nicht nur auf die Finanzen anzuwenden. Ich möchte endlich wieder echten Fußball sehen. Ich denke, auf Schalke geht es vielen so.

„Der überragende Mann auf dem Platz“

21 Jahre! Das Spiel gegen den Hamburger SV war das erste Heimspiel seit 1988, bei dem Andreas Müller nicht mehr in irgendeiner Funktion zum FC Schalke 04 gehörte.

1988. Über dem schottischen Lockerbie stürzt auf Grund eines Terroranschlags die Maschine des Pan-Am Flugs 103 ab, und Ramstein ist noch keine Band, sondern der Ort eines fürchterliches Unglücks, bei dem an einem Sonntagnachmittag bei einer Flugschau auf einer US-Militärbasis 70 Menschen ums Leben kommen.
Bayer Leverkusen gewinnt den UEFA-Cup, Het Elftal van Oranje wird ausgerechnet in München Europameister und Ivan Rakitic, Benedikt Höwedes und Ralf Fährmann werden geboren.

In den Rückblicken nach Müllers Rauswurf als Manager war immer vom Schalker UEFA-Cup-Triumph die Rede, von Andy Müller als Eurofighter. Das Glanzlicht seiner Karriere und ein Glanzlicht für den Verein. Der große Bogen seiner Zeit als Schalker wird einem gewahr, wenn man sich vor Augen führt, dass er auch schon dabei war, als es darum ging den Absturz in die Drittklassigkeit zu verhindern.
Schalke war in der Saison 87/88 zum dritten Mal aus der Bundesliga abgestiegen. In Liga 2 wurde alles noch schlimmer. Nach 26 Spieltagen stand Schalke auf Platz 19. Zehn Tage später entließ Schalke Trainer Horst Franz und holte den 32-Jährigen Peter Neururer. In der Tabelle ging es ab da aufwärts, trotzdem waren es 3 Spiele vor Saisonende immer noch nur 2 Punkte bis zu den Abstiegsplätzen in den Amateurfußball.




Tatsächlich war das Parkstadion voll, gegen Blau-Weiß 90 Berlin. Entsetzen nach dem 0:1 Rückstand in der 27. Minute, schalkig dramatisch eben, aber mit gutem Ende – wie wohl jeder weiß, der hier liest.
2 Jahre später stieg Schalke wieder auf. Es folgten 10 weitere Trainer, 4 Präsidenten, 6 verschiedene Hauptsponsoren, ein neues Stadion, Titelkämpfe, Champions League-Teilnahmen, zwei Pokalsiege und eben das Eurofighter-Ding … 21 Jahre Schalke 04.

Meiner Meinung nach war es richtig, Manager Müller zu beurlauben. Das ändert nichts daran, dass Andy Müller sehr lange Zeit ein Teil, ein guter Teil, des geilsten Clubs der Welt war.



[Vielen Dank an Probek, der mir den Link zu dem Film schickte und mich damit zu der Form dieses Beitrags inspirierte]

Ohne Fußball

… und mit 61.672 Anderen im leisesten Stadion der Welt steht man da und begreift nicht wieso.

Es ist im wörtlichen Sinne erbärmlich was Schalke 04 zeigt. Eine Mannschaft ohne jegliches Selbstvertrauen, die keine Idee davon hat wie ihr Fußball aussehen soll. Mag die Defensivarbeit reflexartig noch einigermaßen funktionieren, hört die Mannschaft als solche bei Ballbesitz auf zu existieren. Jeder einzelne Spieler kann einem Leid tun, jeder einzelne läuft und versucht und scheitert immer wieder aufs Neue, weil jeder alleine einer Vielzahl von Gegnern gegenüber steht. Man mag über die technischen Unzulänglichkeiten des einen oder anderen Spielers schimpfen. Aber es gibt überall auf der Welt Mannschaften mit noch viel schlechteren Einzelspielern, die mit mehr Elan, mehr Ideen und mehr Zug zum Tor in der Lage sind, Spaß und Emotionen zu schaffen.

Emotionen gab es gestern auf Schalke nicht. Man mochte nicht mal mehr schimpfen oder pfeifen. Leiser kann es nicht werden, mit so vielen Menschen an einem Ort. Die mitgereisten Hamburger Fans erfreuten sich einer Weile ihrer wohl durchdringenden Sangeskraft, verloren dann aber offenbar auch die Lust. Zumal auch ihre Mannschaft kaum anregendes auf den Rasen brachte.

Und so starben dort zwei Mannschaften einem 0:0 entgegen, die eine konzeptlos und die andere kraftlos, und hätte Manuel Neuer nicht auch mal Lust darauf gehabt kopflos über den Platz zu irren, es wäre bis zum Abpfiff nicht mehr lauter geworden.
Natürlich wird das Schalker Spiel unter dem Druck eines Rückstandes erst recht nicht besser, aber offenbar erwartet auch kaum noch jemand auf den Rängen etwas anderes als solche Niederlagen. Nach dem zweiten Hamburger Tor wirkte der Anschlusstreffer durch Farfán fast störend. Man mag sich kaum noch der Hoffnung auf irgendwas hingeben, nicht mal der auf ein Unentschieden in einem Heimspiel gegen eine völlig platte Hamburger Mannschaft.

Was es da gestern auf Schalke zu sehen gab war gar nichts. Angesichts dessen braucht man sich der Kritik an Einzelspielern, oder einer Diskussionen um die Frage nach einem 4-4-2 oder einem 4-3-3, überhaupt nicht hinzugeben. Diese Mannschaft funktioniert so nicht, egal in welcher Formation sie auf dem Platz steht. Und andere Spieler hat Schalke nicht. Ob nun ein Rakitc oder ein Engelaar spielt, ob Kuranyi, Altintop oder Asamoah vorne keine Bindung zum Spiel hat, macht keinen Unterschied.

Noch 9 Spiele, noch 5 Heimspiele sind zu ertragen.
Und wir werden wieder alle da sein.
Bekloppt.