kurtspaeter auf großer Fahrt: Über Gelsenkirchen nach Sinsheim und zurück

Infokasten kurtspaeterEndlich mal wieder ein reines Fußballwochenende. 2 Ligaspiele, das geliebte Schalke mit in der Verlosung, dazu ein neues Stadion mit der Rhein-Neckar/Dietmar-Hopp/Dorf-Arena am Concorde-Museum in Sinsheim.
Der Reihe nach.
Freitag Mittag Abfahrt im hohen Norden. Der schwarze Twingo und sein Fahrer haben die Option auf langsames Fahren und Zeit lassen. Schließlich sind noch 7 1/2 Stunden bis zum Anpfiff. Wie sich herausstellt, werde ich die Zeit fast komplett benötigen. Stau vorm Elbtunnel, der mich fast eine Stunde kostet, nun gut, damit muss man an einem Freitag Nachmittag immer rechnen. Aber wer ist in Niedersachsen Verkehrsminister oder für die Planung von Autobahnbaustellen zuständig? Mangels Kenntnis schimpfe ich von Hamburg bis nach Bremen einfach auf Christian Wulf. Die A1 ist quasi eine komplette Baustelle. Über knapp 80 Kilometer wird fast jede Brücke erneuert und man darf sich somit mit maximal 60-80 km/h eng an eng Richtung Bremen quälen. Eine dergestaltige Fehlplanung, die Auto fahren zum Übel verkommen lässt. Hinter Osnabrück rappeln noch vier Autos ineinander, so daß ich auch hier unplanmäßigen Aufenthalt habe.
Irgendwann, so gegen 19 Uhr, bin ich dann an der Arena und stehe kurz darauf in der Nordkurve.

Über das Spiel an sich ist genug geschrieben worden, Schalke kann einfach im Moment nicht besser. Die Stimmung wurde ebenfalls angesprochen, ich bin da aber zwiegespalten.
Sicher waren die Anfeuerungsrufe spärlich gesät, sicherlich wurde gepfiffen, eine Tatsache, über die man zwei Meinungen haben kann. Aber das die Ultras ihren unerträglichen und nicht synchron zu den Rasengeschehnissen vorgetragenen Sing-Sang nicht über 90 Minuten abgehalten haben, das empfinde ich als durchweg positiv. Von mir aus könnte das immer so sein. Aber das ist eine andere Diskussion.
Und wenn man sich das Gewürge (Freitag war die zweite Halbzeit unsäglich, die erste zugegeben ganz okay) auf dem Rasen betrachtet, dann muss man sich fragen, hätte man an einem „normalen“ Tag dieses Spiel mit Begeisterung verfolgt, hätte man die Mannschaft nach vorne gepeitscht oder wäre nicht passiert, was auf Schalke (leider) häufiger passiert? Die Zuschauer wären unruhig und ungehalten geworden und hätten irgendwann nach dem 43. Fehlpass angefangen zu pfeifen. Und man kann nun nicht wirklich sagen, dass das Signal, welches man mit der Auswechselung Rakitic’ und der Hereinnahme eines (potenziell) vierten Innenverteidigers sendete, zu positiven Gedanken Anlass gibt.

Die Übernachtung in Siegen wird gegen 7 Uhr durch den Wecker beendet.
Wir fahren nach Sinsheim, ein neues Stadion, reicher Mäzen, da muss man sich standesgemäß kleiden, ergo Hemd und Krawatte raus und das Sakko übergeworfen. Der Kleinbulli kommt um 8:25, drin der Mann aus Cape Town und die beiden Organisatoren der Fahrt von den „Geräucherten Makrelen“. Nachdem sich der Spott über mein Outfit gelegt hat, den einen erst mal ein bisschen angemacht, schließlich ist die alljährliche Fahrt normalerweise zum Werder-Auswärtsspiel in München. Das fiel in dieser Saison auch noch auf den Beginn der Oktoberfests, aber der gute Mann musste ja unbedingt an dem Tag heiraten. Welch eine Fehlplanung. Sei’s drum, der Rest der Truppe (diesmal international, ist doch neben dem Herrn aus Cape Town noch ein Herr aus Pittsburgh – Green Bay Packers-Fan und von Fußball überhaupt keine Ahnung – angereist) wird eingesammelt. Am Ende sind wir 4 Bremer, 1 Gladbacher, 1 Schalker, 1 Unbekannter und 2 Desinteressierte. Geht ja auch hauptsächlich um das gemeinsame Erlebnis der Fahrt. Das die Lüdenscheider in Stuttgart spielen war mir vorher nicht bewusst (wen interessiert auch deren Spielplan), hat aber zur Folge, das man sich mehr als lieb mit der Fangruppe auseinandersetzen muss, schließlich haben wir denselben Weg. Über die A45, die A5 und die A656 sowie diverse Autobahnraststätten erreichen wir Heidelberg. Hier wird der Bulli in einer Tiefgarage zwischengeparkt. Wir treffen uns mit einem Ortskundigen, der mir bereits Samstag von den Kontoauszügen und der eventuellen Bestechung durch den THW Kiel/Uwe Schwenker/Noka Serdarusic erzählt. Was ein Blödsinn meinen wir beide noch, da hat man schon die beste Handballmannschaft der Welt und besticht Schiedsrichter? Kaum vorstellbar, aber offenbar ist mehr dran und das Beispiel Juventus Turin zeigt, das auch die Großen nicht frei von Dummheiten/Verbechen sind.

In Heidelberg ist man auf Fußballfans, und sehen sie noch so seriös aus, offenbar nicht eingerichtet, denn die erste Gaststätte verweigert die Aufnahme, so dass wir schließlich in einer Pizzeria in der Altstadt das Mittagessen einnehmen. Vom Bahnhof Heidelberg-Altstadt fahren wir schließlich Richtung Sinsheim. Das ist Wallachei hier. Kleine Kuhkäffer, eine ganz süße Landschaft, hier soll Profifußball stattfinden? Vom Bahnhof Sinsheim (ich dachte noch, der ist aber klein, dazu später mehr) gehen wir durch ein Industriegebiet (das ist landschaftlich und architektonisch wenig reizvoll), vorbei am Concorde-Museum durch eine Unterführung. Rechts oben türmt sich ein kleines, schmuckes Stadion auf, umgeben von Äckern. Der Einlass geht zügig, kurz wird mir nahegelegt, meinen seriösen und eben in einem Anfall geistiger Umnachtung erstandenen „Das ganze Dorf ist da“-Schal ins Sakko zu stecken, schließlich sitze ich in der Bremen-Kurve. Der Mann aus Südafrikas muss sein Brötchen vor dem Stadion vertilgen, Wurfgeschoss. Kurz die Gastronomie abgecheckt, Bitburger alkoholfrei ist das einzige Getränk mit Schaumkrone, ich kann mich also ganz auf’s Spiel konzentrieren und muss hier nicht häufiger anstehen. Wird aber auch Zeit, es ist inzwischen 15:23 Uhr und ich gehe Richtung meines Sitzplatzes. Eingang Nordost, Block G1, Platz 7. Der Stadionsprecher leitet währenddessen über zur Begrüßung zum Spiel 1899 Hoffenheim – TSV Bayer Leverkusen. Hat der wirklich so gesagt und erst in der Pause ist ihm aufgefallen, was er da für einen Müll von sich gab. Die Plätze sind sonnenüberflutet, das Stadion auch von innen schick, man sitzt nah dran, einzig der Gitterzaun als Blockabgrenzung stört. Der ist wirklich ein großes Ärgernis. Sitzt man am Zaun, sieht man das Tor und die rechte Eckfahne nicht. Minuspunkt. Das Spiel ist ganz nett anzuschauen aber nicht der erwartet bzw. erhoffte große Knaller wie das Hinspiel. Soll von mir auch alles dazu gewesen sein.

Nach dem Spiel der nächste dicke Minuspunkt. So idyllisch das Stadion neben den Äckern liegt, so ätzend ist die Tatsache, das sich nun 20.000 Menschen auf dem vermeintlich einzigen Weg zum Bahnhof schlängeln. Das dauert. Und als wir uns schon Gedanken machten, wie wir jemals auf den Bahnsteig kommen sollen, erzählt uns ein Mensch aus der Gegend, das man hier sowieso nur mit dem Zug Richtung Heilbronn fahren kann. Richtung Heidelberg ist noch mal 20 Minuten in die andere Richtung laufen. Zum größeren Bahnhof Sinsheim. Hätte man ruhig mal ausschildern können. Für die, die nicht so oft in dieser Gegend sind. Die Rückfahrt verläuft ohne größere Vorkommnisse, die Borussen an den Burger King’s dieser Welt haben schlechtere Launen als auf der Hinfahrt, einer vergisst seinen Schal, ich bin so freundlich und stoppe den Bus, gebe mich als freundlicher Schalker zu erkennen, aber die wollen das Ding nicht haben. Dann eben nicht, was macht man also mit einem falschfarbigen Schal, den nun wirklich keiner braucht und keiner will? Genau …
Mitternacht sind wir wieder in Siegen, am nächsten Morgen geht’s wieder in den Norden, ich rege mich erneut über Herrn Wulf oder seinen Verkehrsminister auf und schaue mir zum Abschluss des Wochenendes noch die Partie UT Kiel – TSV Russee (3:4) an. Endlich ein paar Tore, nur zuviel für den falschen Klub.



4 Kommentare zu “kurtspaeter auf großer Fahrt: Über Gelsenkirchen nach Sinsheim und zurück”

  1. nedfuller sagt:

    Verkehrsminister ist Philip Rösler.

    Und ich dachte der ist bei Gladbach ;)

    Schöner Bericht! Leider nur die falsche Mannschaft unterstützt (Die da spielen wo selbst die Weser einen Bogen drum macht.)

    Gab es keine Auswärtsstehplätze?

  2. kurtspaeter sagt:

    Doch, es gab Auswärtsstehplätze. So um die 500. Vielleicht auch noch ein paar weniger. Direkt am Spielfeldrand in der Verlängerung des 16ers auf der Gegengerade.

    Unterstützung gabs von mir letztlich weder für Werder noch für Hoffenheim… Bin als Meinungsäußerung während des Spiels gegen Bitburger alkoholfrei und für das Anzeigen Lüdenscheider Gegentore gewesen.

  3. ckwon sagt:

    Wobei die Baustellen wahrscheinlich noch in die Amtszeit Walter Hirches fallen…

  4. Gelsenkirchen sagt:

    Die A1 wird doch nie fertig. Aber trotzdem toller Bericht. ;-)

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