Ohne Fußball

… und mit 61.672 Anderen im leisesten Stadion der Welt steht man da und begreift nicht wieso.

Es ist im wörtlichen Sinne erbärmlich was Schalke 04 zeigt. Eine Mannschaft ohne jegliches Selbstvertrauen, die keine Idee davon hat wie ihr Fußball aussehen soll. Mag die Defensivarbeit reflexartig noch einigermaßen funktionieren, hört die Mannschaft als solche bei Ballbesitz auf zu existieren. Jeder einzelne Spieler kann einem Leid tun, jeder einzelne läuft und versucht und scheitert immer wieder aufs Neue, weil jeder alleine einer Vielzahl von Gegnern gegenüber steht. Man mag über die technischen Unzulänglichkeiten des einen oder anderen Spielers schimpfen. Aber es gibt überall auf der Welt Mannschaften mit noch viel schlechteren Einzelspielern, die mit mehr Elan, mehr Ideen und mehr Zug zum Tor in der Lage sind, Spaß und Emotionen zu schaffen.

Emotionen gab es gestern auf Schalke nicht. Man mochte nicht mal mehr schimpfen oder pfeifen. Leiser kann es nicht werden, mit so vielen Menschen an einem Ort. Die mitgereisten Hamburger Fans erfreuten sich einer Weile ihrer wohl durchdringenden Sangeskraft, verloren dann aber offenbar auch die Lust. Zumal auch ihre Mannschaft kaum anregendes auf den Rasen brachte.

Und so starben dort zwei Mannschaften einem 0:0 entgegen, die eine konzeptlos und die andere kraftlos, und hätte Manuel Neuer nicht auch mal Lust darauf gehabt kopflos über den Platz zu irren, es wäre bis zum Abpfiff nicht mehr lauter geworden.
Natürlich wird das Schalker Spiel unter dem Druck eines Rückstandes erst recht nicht besser, aber offenbar erwartet auch kaum noch jemand auf den Rängen etwas anderes als solche Niederlagen. Nach dem zweiten Hamburger Tor wirkte der Anschlusstreffer durch Farfán fast störend. Man mag sich kaum noch der Hoffnung auf irgendwas hingeben, nicht mal der auf ein Unentschieden in einem Heimspiel gegen eine völlig platte Hamburger Mannschaft.

Was es da gestern auf Schalke zu sehen gab war gar nichts. Angesichts dessen braucht man sich der Kritik an Einzelspielern, oder einer Diskussionen um die Frage nach einem 4-4-2 oder einem 4-3-3, überhaupt nicht hinzugeben. Diese Mannschaft funktioniert so nicht, egal in welcher Formation sie auf dem Platz steht. Und andere Spieler hat Schalke nicht. Ob nun ein Rakitc oder ein Engelaar spielt, ob Kuranyi, Altintop oder Asamoah vorne keine Bindung zum Spiel hat, macht keinen Unterschied.

Noch 9 Spiele, noch 5 Heimspiele sind zu ertragen.
Und wir werden wieder alle da sein.
Bekloppt.



17 Kommentare zu “Ohne Fußball”

  1. sequencer sagt:

    Leider war es im TV auch nicht prickelnder. Und wenn ich vom Stadionton auf Herrn Reif seine gesammelte Weisheiten umschalte, um nicht ganz einzudösen, soll das schon was heißen.

    Erschreckend ist diese völlige Gleichgültigkeit.

  2. Rainer Edelmann sagt:

    Torsten,

    volle Zustimmung! Wir Fans sind inzwischen ebenso apathisch wie die hilflose Mannschaft.

    Aber: Nein, ich werde mir nicht mehr alle der fünf verbliebenen Partien antun. Ich habe keine Lust. Es reicht.

  3. eisenschleuder sagt:

    oh je. wenn der gemeine schalker jetzt schon bei herr n reif unterhaltung sucht, während schalke spielt ist echt was faul.
    man kann ja nur versuchen mit dem rest dieser saison ohne schmerzmittel fertig zu werden.
    vielleicht gebe ich mich aber auch einfach dem naiven glauben an heilsbringer aus münchen hin. bestimmt wird nächste saison alles gut.

  4. Bundesliga: Das war der 25. Spieltag - Bayern, HSV & Wolfsburg kommen ran | Heimkabine.de sagt:

    […] koenigsblog beschreibt, wie leise es im Schalker Stadion sein […]

  5. Jens sagt:

    Es gibt noch andere Vereine, die zu Hause scheitern. Und zur Zeit scheint bei mehreren Vereinen das Virus „Ideenlosigkeit“ und „Planlosigkeit“ um sich zu greifen…

    Wie war das? „Lächle und sei froh, es könnte schlimmer sein…“

  6. kurtspaeter sagt:

    Wir saßen gestern zu dritt unter lauter Hamburgern in einer Kieler Kneipe und störten uns irgendwann nicht mehr am Hamburger Spott, nicht am Spiel, nicht daran, daß das Wochenende sich dem Ende näherte, wir störten uns nicht am Ergebnis, wir nahmen teilnahmslos hin, manchmal kam Galgenhumor durch, aber sauer oder emotional betroffen waren wir nicht.
    Irgendwann sagte einer: „Können die nicht wenigstens jedes zehnte Spiel guten Fußball zeigen, damit man wenigstens den Grund findet, dieser Mannschaft zuzuschauen?“.

    Es ist auch für mich neu und absolut erschreckend, daß diese Mannschaft mir egal geworden ist. Ich habe keine Lust mehr, für diese Mannschaft knapp 870 Kilometer zu fahren oder für diese Mannschaft Nerven zu verlieren. Ich werde mir jetzt noch die letzten Spiele anschauen, werde froh sein, das der Verein Schalke 04 trotz dieser Mannschaft und ihrer Spielweise nicht in Gefahr gerät abzusteigen, werde hoffen, daß man beim letzten Heimspiel gegen Hoffenheim und danach viele Spieler verabschiedet und werde hoffen, daß im nächsten Jahr eine Mannschaft auf dem Feld steht, der ich folgen kann. Und wenn das Saisonziel lautet, auf Platz 10 einzulaufen und am Ende wird man Achter oder eben Elfter, dann ist es auch gut.

  7. sequencer sagt:

    Originaltext einer SMS von einem Freund der gestern in der Arena war: 22.03.2009 17:59
    „Da die Blauen ja immer eine relativ gute und eine Mist-Halbzeit haben, frag ich mich ob das schon die gute war. ich befürchte schon.“
    Meine Antwort: „Wir können noch schlechter, ohne Frage.“

    Naja, ich simse wenigstens noch von „wir“.

  8. eisenschleuder sagt:

    1. ist die saison eh abgehakt, 2. ist damit die talsohle erreicht und 3. verleiht das ernorme potential des vereins ihm auch selbstheilungskräfte die wir nächste saison wieder lautstark bejubeln dürfen.

    also: defätismus ganz schnell in den keller packen und dann rechtzeitig zum beginn der nächsten krise wieder rausholen, denn dann gilt man wenigstens als prophet und nicht als weichei! ;)

    im übrigen bleibt auch noch das bewährte mittel der selektiven wahrnehmung: wer freut sich mit mir, dass heiko westermann dem verein noch eine weile erhalten bleibt?! außerdem verspielt man dieses jahr auch keine meisterschaft! yippiyay! :)

  9. O-Jay sagt:

    Aber das Netz! Das war doch mal etwas neues, das rechtfertigte den Arena-Besuch. Außerdem habe ich auf der Busfahrt nach Buer Asi Erich in nicht wankendem und torkelnden Zustand die Straße entlang laufen sehen. Bilder, die es nie zuvor gab. Sicher ergeben sich an den restlichen 5 Heimspieltagen noch ähnliche unvergessliche Highlights.

  10. Matthias sagt:

    Wenn selbst Asi-Erich-Fußballgott nicht mehr wankt, steht es wirklich schlimm um Schalke…

  11. danza sagt:

    wieso „bekloppt“? Sowas nennt man Liebe zum Verein! Man kann nicht zu seinem Verein nur dann stehen, wenn der gerade erfolgreich ist, aber dann abspringen, wenn es grad man nicht so gut läuft. Sowas nenn ich Fanhopping der übelsten Sorge. Gerade jetzt, wo die Mannschaft verunsichert ist, schlecht spielt und die Ergebnisse nicht da sind, ist Vereinstreue wichtig. Wer jetzt nicht bereit ist, die Mannschaft zu unterstützen, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er kein echter Schalker ist. Denn eins hab ich als Königsblauer gelernt: Leiden gehört zum Fan-Dasein. Stets im Wissen, dass auch wieder gute Tage kommen werden ;)

  12. links for 2009-03-24 | Du Gehst Niemals Allein sagt:

    […] Ohne Fußball : Königsblog In den Kommentaren: "Es ist auch für mich neu und absolut erschreckend, daß diese Mannschaft mir egal geworden ist." (tags: schalke bundesliga fans) […]

  13. Uwe Zimmermann sagt:

    danza… die Frage ist doch nur, ob wirklich jeder Schalker noch so denkt, nach nun längerer Zeit Chaos im Verein!? Meine Geduld geht auch langsam gegen null, nach fast 37 Jahren Schalke kaum zu fassen!!! Aber trotzdem muß ich Dir Recht geben, … einmal Schalker…

  14. danza sagt:

    …immer Schalker! Mit dickem Ausrufezeichen ^^ Ich hatte auch eine Phase, wo ich nicht mehr Schalker sein wollte. Damals, als wir die Meisteschaft den Stuttgartern schenkten. Aber hilft ja nix. Gegen Schalke gibts kein Mittel! Und ich will auch keins haben. Soll ich etwa Bayern-Fan werden? Das Chaos und die Misserfolge auf Schalke sind mir immer noch lieber als die gelackte Arroganz der Münchner! xD

  15. Rainer Edelmann sagt:

    danza schrieb,

    „Man kann nicht zu seinem Verein nur dann stehen, wenn der gerade erfolgreich ist, aber dann abspringen, wenn es grad man nicht so gut läuft. Sowas nenn ich Fanhopping der übelsten Sorge.“

    Ich denke, niemand der blau-weiße (mea culpa, königsblaue) Blogs liest hat vor, „abzuspringen“. Was dazu die Anmerkung „Fanhopping“ in diesem Zusammenhang besagen soll, erschließt sich mir ebenfalls nicht.

    „Gerade jetzt, wo die Mannschaft verunsichert ist, schlecht spielt und die Ergebnisse nicht da sind, ist Vereinstreue wichtig.“

    Hier sagts Du etwas sehr richtiges. Vereinstreue! Die haben wohl alle Schalker hier. Nur – die hilflose Mannschaft ist nur ein verschwindend kleiner Teil meiner, nennen wir sie einmal so, „Vereinstreue“. Ja, die Spieler sorgen (zusammen mit der sportlichen Leitung) dafür, dass ich täglich diskutieren kann, mir (überflüssige) Gedanken mache. Denkst Du jedoch, ich hänge an einem Rakitic, einem Kuranyi, einem Rafinha (wann ist eigentlich wieder Olympia?)? Weit gefehlt.

    Der im Grunde platte Spruch „Ihr tragt unser Trikot, nicht wir eures!“ trifft es ganz gut. Als Vereinsmitglied sind dies meine „Angestellten“, die von mir auch auch noch „bezahlt“ werden. Ich weiß sehr geanu, dass sie bei der ersten Gelegenheit, wenn es mehr zu verdienen gibt, den Verein verlassen.

    „Wer jetzt nicht bereit ist, die Mannschaft zu unterstützen, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er kein echter Schalker ist.“

    Ach, was soll dies denn nun? Ich behaupte, die meisten hier rennen seit 20+ Jahren auf Schalke und haben einiges mitgemacht. Ich habe eine Dauerkarte seit 1979 (inkl. zweite Liga) und habe mehr schlechte Spiele gesehen, als Du Dir vorstellen kannst. Immer wieder ist es dabei vorgekommen, dass die Mannschaft sich deutlich anhören musste, dass man nicht einverstanden war. Warum Unterstützung um jeden Preis?

    Da ich aber viel zu apathisch bin, die Mannschaft momentan auszupfeifen, stimme ich mit meinen Füßen ab und werde mir einige der restlichen 9 Spiele schenken und zu Hause bleiben.

    P.S.: Was natürlich überhaupt nicht geht (aber zur Schalker „Fankultur“ passt), sind Pfiffe gegen Ersatzspieler vor dem Spiel, bevor ein Spieler überhaupt die Gelegenheit hatte, einen Fehler zu begehen. Da dies auch in meinem unmittelbaren Umfeld geschah, hätte es am Sonntag beinahe Fäustekirmes gegeben.

  16. eisenschleuder sagt:

    es ist schon erstaunlich was sich hier an verunsicherung auftut. man kann es wohl auch keinem verdenken, bei dem bild das der verein ingesamt der öffentlichkeit (und dem boulevard zum ausschlachten) anbietet.

    wenn das team keinen einsatz zeigt, muss man sich nicht mit ihm identifizieren. anhänger/mitglied/fan zu sein heißt mit sicherheit nicht, dass man sich alles hinnehmen und gut finden muss. es ist absolut legetim am verein zu verzweifeln. mitunter verzweifle ich z.b. vor allem am theater der stadionbesucher. ich bin mir sicher, dass auch unter den bloglesern und kommentarschreibern experten sind, die regelmäßig in grund und boden pfeiffen, was ihnen den bierseeligen nachmittag versaut. ich finde es einmalig, wie man es auf schalke liebt sich selbst zu zerfleischen. bestes beispiel lincoln: erst gnadenlos auspfeiffen und dann hinterher jaulen.

    am ende kriegt wohl jeder vom lieben fussballgott den verein ins herz gepflanzt, den er verdient. mir wurde der zugeteilt, bei dem man immer was zu meckern hat. sei es die gurkentruppe auf dem platz oder die in der kurve. herrlich!

  17. danza sagt:

    Es hat auch was mit Psychologie zu tun. Fussballer sind auch nur Menschen. Es dürfte der Mannschaft wenig helfen, wenn sie schon verunsichert auf den Platz geht und der Kuranyi sich gar nichts mehr traut, weil er weiß, dass er schon beim kleinsten Fehler ausgepfiffen wird.

    Natürlich möchte ich auch ich unserer Nutella liebenden Glitschbirne manchmal kräftig auf den Mond schießen, aber was bringt das schon, außer noch mehr Verunsicherung? Ich glaube, dass wir als Fans es besser tun, wenn wir unsere Mannschaft ermutigen und nicht auspfeiffen.

    Ich finds auch blöd, hier von Söldern und Scheißmillionarios zu reden. Echte Vereinstreue wie die von Asamoah war schon immer selten, das ist heute so wie vor 30 Jahren. Das bedeutet trotzdem nicht, dass eine angebliche Söldnermentalität der Spieler der Grund für schlechte Leistungen auf Schalke ist. Kristajic oder Bordon sind angeblich nur wegen dem Geld zu uns gekommen. Trotzdem haben die lange Zeit konstant sehr gut gespielt.

    Zuletzt müssen wir Fans uns auch langsam fragen, ob unsere Ansprüche nicht zu hoch waren? Und ob wir nicht übertreiben? Wir waren mit Bremen nach den Bayern die letzten Jahre konstant das beste Team der BuLi, und jetzt soll alles schlecht sein?

    Andreas Müller wollte auf Schalke tollen, offensiven Fussball spielen lassen. Er hat einen Trainer geholt, der für ein holländisches 433 Spiel steht, er hat mit Engelaar, Farfan, Ze Roberto 2 und Großmüller etc. Spieler geholt, die in dieses System passen sollten. Er wollte endgültig weg vom furchtbaren Rumpelfussball Marke Huub S. und modernen Fussball spielen lassen. Funktioniert hat es leider nicht. Ist daher jetzt alles schlecht? Ich glaube nicht!

    Nächste Saison wird alles besser. Denn dann gibts Eier zum Frühstück ^^

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