Er hat’s gesagt

Dienstag hat Schalkes Präsident Josef Schnusenberg offiziell Sparmaßnahmen und das Herunterschrauben der eigenen Ansprüche verkündet. Nicht, dass es nicht bereits jedem hätte klar sein können. Unter den Schalkern, die ich persönlich kenne, gibt es niemanden, der das nun ganz furchtbar finden würde.

Schalke ist schon lange klamm. Schon zu Zeiten Rudi Assauers war Schalke das, nur dass Assauer nicht danach handelte. Andreas Müller hat seit Dienstantritt gespart. Keine Großeinkäufe trotz Gazprom-„Mega-Deal“. 10 Millionen für Farfán leistete sich Schalke nur, weil zuvor in der Champions League mehr als geplant verdient wurde. Manager Müllers Transferbilanz erweist sich bei genauerer Betrachtung, was die Finanzen angeht, über die Jahre als fast ausgeglichen. Nur sportlich ist sie es eben nicht.

Den nötigen Umbruch im Kader ohne großes Geld, nach und nach zu vollziehen, mißlang. Schalke spielt schon lange keinen guten Fußball mehr. Was nun kommt ist die Konsequenz aus den schlechten Ergebnissen dieser Saison, zu bejubeln gibt es da nichts. Aber immerhin wurde dieser Zwang erkannt, wird das Ruder nicht solange überrissen, bis Gläubiger über Wohl und Wehe des Vereins abstimmen. Josef Schnusenberg hat mich dahingehend nicht enttäuscht.

Mag sein, dass nun weniger erfolgreiche Jahre kommen, was den Tabellenstand angeht. Trotzdem kann es, was die emotionale Bindung zwischen Fans und Mannschaft, was die Identifikation angeht, nur besser werden. „Gesundschrumpfen“ ist ein Wort, das mir dazu einfällt. In Bezug auf Schalke 04 ist es nicht nur auf die Finanzen anzuwenden. Ich möchte endlich wieder echten Fußball sehen. Ich denke, auf Schalke geht es vielen so.



14 Kommentare zu “Er hat’s gesagt”

  1. weselaner sagt:

    wir haben jahre und sogar jahrzehnte gebraucht, um wieder zu den topteams in der liga zu gehören. wir hatten jetzt jahrelang fraglos sehr gute einnahmen durch tv, ec und sponsoren.
    und nun, aktuell, werfen wir alles, aber auch alles erreichte wieder um, weil wir ein jahr nicht international spielen!? nachdem wir letzte saison rekord(!)einnahmen hatten??

    für mich ist das die bankrotterklärung der vereinsführung. erinnert mich fatal an dr. gott und mr. bean.

    wohlgemerkt: ich habe nichts gegen mittelfeld an sich, von mir aus können wir wieder in der 2. liga kicken, das ändert nichts an meiner liebe zum verein. aber der weg nach oben war zu lang, zu steinig und finanziell zu riskant, als dass man jetzt alles erreichte kampflos aufgeben dürfte.

    glück auf!

  2. Jan sagt:

    „… Schuldner über Wohl und Wehe“ – Du meinst Gläubiger, oder?

    Weniger erfolgreiche Jahre – ja, so wie das aktuelle. Wahrscheinlich zum ersten Mal seit der Saison 1999/2000 keine Qualifikation für den Europapokal, mangels UI-Cup auch nicht durch den „Seiteneingang“.

    Wenn man so will, zeigt sich im Kurswechsel wieder das typische Schalke: entweder „himmelhochjauchzend“ oder „zu Tode betrübt“. In den vergangenen Jahren hieß das Ziel himmelhochjauchzend auf (auch für diese Saison) Platz 1-3 zu stürmen.

    Künftig heißt es dann wohl Platz 5 (wenn’s gut läuft) – 10 (Hauptsache nicht abgestiegen und Hauptsache vor dem Erzrivalen).

  3. Torsten Wieland sagt:

    @weselaner: Nein, nicht wegen einem Jahr. Sondern weil vor einigen Jahren eine Mannschaft zusammengekauft wurde, die sich Schalke eigentlich nicht hat leisten können, d.h. für deren Unterhalt eben die regelmäßige Teilnahmen an der CL, bzw. die permanente Teilnahme an einem Europapokalwettbewerb notwendig war.

    Mit kampflos aufgeben hat das m.E. nichts zu tun. Eher mit der richtigen Reaktion auf eine veränderte Einnahmesituation.

  4. sequencer sagt:

    Bankrotterklärung würde ich das nicht nennen, eher realitätsnah. Die Auswirkungen der Finanzkrise (da ist das böse Wort) sind nicht absehbar, das internationale Geschäft diese Saison nur noch schwer zu erreichen, im bestehende Kader gibt es zum Teil große Diskrepanzen zwischen Gehalt und Leistung, da muß halt gespart werden.
    Und das internationale Geschäft sehe ich nicht so gefährdet, ein UFEA-Cup Platz sollte immer erreichbar sein, das muß auch ein Anspruch sein, aber alles im Rahmen der Möglichkeiten und ohne den massiven Druck des „Müssen“ sondern unter der Motivation des „Wollen“.

  5. Torsten Wieland sagt:

    @Jan: Ja, meinte ich, natürlich. Danke.

    Und „zu Tode betrübt“ kann ich nicht bestätigen. Wie geschrieben, wenn ich mich mit Bekannten unterhalte, oder wenn ich die meisten Kommentare zu diesem Thema in diesem Blog betrachte, trifft man mehrheitlich auf die Meinung, dass Schalke einen Schnitt machen soll. Und dass Schalke keine neue Mannschaft zusammenkaufen kann, die den Anspruch auf einen CL-Platz haben kann, ist dabei mit Sicherheit jedem klar.

    Mein Bekanntenkreis und die Kommentatorenschaft dieses Blogs mögen natürlich nicht repräsentativ sein. Aber fürchterlicher als am letzten Sonntag kann es im Stadion mit Sicherheit nicht werden.

  6. eisenschleuder sagt:

    m.E. sehr richtig herr wieland!
    ich will ja niemanden mit glückskekssprüchen á la „die krise als chance“ nervern, aber… doch, das will ich!
    ich bin mit mir absolut sicher, dass schalke auf grund des hohen ökonomischen potentials des vereins im vergleich mit relativ konstanten einnahmen rechnen kann. andere wird es sicher härter treffen. und so ist es nur vorteilhaft frühzeitig die weichen für andere zeiten in der gesamten fussballbranche zu stellen. und da mag schnusi den leuten unsympathisch sein (und auch wirklich stuss erzählen) wie er will. bis jetzt kann man sich über das, was er in seinem verantwortungskreis auf die beine gestellt hat, nicht beschweren.

    um zu sagen ob es so wirklich auch wieder bergauf geht, stellt sich natürlich wieder die gretchenfrage: folgt der erfolg dem geld oder das geld dem erfolg?

  7. Stefan (Weltsicht Südtribüne) sagt:

    Das Problem ist aber nicht so sehr gewesen, dass zu viel Geld ausgegeben wurde. Sondern vielmehr, dass zu viel Geld in zu schlechten und – gemessen an den Investitionen – zu wenig erfolgreichen Fußball gesteckt wurde. Sowohl unter Assauer wie unter Müller.

    Das Problem auf Schalke ist also weniger finanzieller Natur, sondern hat eher mit mangelnder sportlicher Kompetenz zu tun und dazu sagt Schnusenberg nix.

  8. weselaner sagt:

    @torsten: das verstehe ich schon, deshalb ziehe ich ja auch den vergleich zu den zecken. da brach auch urplötzlich alles zusammen, weil man das quali-spiel gegen brügge(?) verlor.

    deshalb gehören auch und gerade tönnies und schnusi hinterfragt. wo ist eigentlich die opposition im verein??

  9. eisenschleuder sagt:

    die mangelnde konkurrenz bedaure ich allerdings auch. etwas konkurrenz zur fleischertruppe würde sicher nicht schaden…

  10. tumulder sagt:

    Das Problem auf Schalke ist also weniger finanzieller Natur,

    Ich würde mal behaupten, daß auf Schalke einige sehr durchschnittliche Spieler sehr überdurchschnittlich verdienen. Da behindern seit einigen Jahren ungerechtfertigte Gehälter Investitionen für die Zukunft. Wenn das kein finanzielles Problem ist, was dann?

  11. LutherNiles sagt:

    Es wird allerhöchste Emschertalbahn, dass das Gedankengift namens „Meisterschaft um jeden Preis“, das Rudi Assauer in den Verein gebracht hat, wieder ausgeschlichen wird.

    Wer sind wir, dass wir jahrelang nach Sternen greifen, an deren wir schneller verbrennen, als uns lieb ist?

    Schalke wird niemals Bayern 2.0 und das ist gut so. Die wandelnden Briefkästen aus dem nahen Sauerland haben diese Lektion längst lernen müssen – eifern wir ihnen ein letztes Mal nach.

    Ich hoffe deshalb auf Spieler, die sich beweisen wollen und mit denen ich mich wieder so identifizieren kann, wie das zuletzt 2001 der Fall war.

    Damals bin ich für Schalke durchs Feuer gegangen, bei der heutigen Verweigerungsself würde ich eher den Großteil höchstpersönlich hineinschubsen.

    Ich bin auf den Umbruch gespannt und werde mich kommende Saison wieder ins Stadion begeben. Nach 04 Jahren der Abstinenz, weil ich mich Schalke zusehends entfremdet fühlte.

    Mögen die Daumenklatscher und Fehlpasspfeifer dann endlich weniger werden.

  12. Arne sagt:

    Jetzt ist es amtlich: Rutten ist beurlaubt. Fragt sich nur: Was nun? Hoffe, die Trainersuche ist mit etwas mehr Planung verbunden als die Managerfindung.

  13. Torsten Wieland sagt:

    @Stefan: Der Zusammenkauf, den ich meinte, und den sich Schalke eigentlich nicht leisten konnte, fand unter Assauer statt. Innerhalb von 2 Jahren wurden Bordon, Krstajic, Ailton, Kuranyi, Lincoln und Ernst eingekauft. Alle waren zu dieser Zeit Top-Spieler in ihren Clubs (und Top-Spieler in der Liga) und wurden mit entsprechenden Gehältern gelockt. Das war zu dicke und führte zur „Europapokalteilnahmepflicht“. Diese Aktion hat sportlich aber durchaus funktioniert. Schalke wurde damit zur Bundesliga-Spitzenmannschaft. Meiner Meinung nach ist es kein Fehler des Managers, wenn dann kurz vor einer Meisterschaft das vorletzte Auswärtsspiel verloren geht.

    Dass man aus dem zur Verfügung stehenden Geld mehr hätte machen können, und das es in der Folge die sportlichen Probleme waren, die nun zu Misserfolgen und zum Sparzwang führten, stimmt natürlich. Aber dass sich der Präsident nicht hinstellt und im Zuge einer solchen Ansprache mal flott die Trainer und Manager der letzten 5 Jahre durch den Kakao zieht, sollte auch klar sein. Der Umgang untereinander in der Führungsetage des FCS04 ist schon schlimm genug. Ehrlichkeit solcher Art brauche ich nicht unbedingt.

  14. Manfred sagt:

    Was für ein selbstverliebter Dummschwätzer Schnusenberg ist, kann man hier nachlesen:
    http://www.weltfussball.de/new.....en-mauern/
    Sowas ist Verbaldiarrhoe.

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