Fred Rutten

Gestern wurde Trainer Fred Rutten beurlaubt. Ein Engagement, das mit viel Hoffnung begann, endete nach nur 268 Tagen.

Fred Rutten hat in den Niederlanden einen exzellenten Ruf. Letztes Jahr, wie auch heute noch. Ihm wird nachgesagt, Spieler verbessern zu können, offensiv spielen zu lassen. In den Niederlanden wird ein durchaus anspruchsvoller Fußball gespielt, dieses kleine Land exportiert seine Stars regelmäßig in die besten Ligen Europas. Rutten wurde dort zum Trainer des Jahres gewählt. Ich bin geneigt, den Leuten dort zu glauben. Ich kann mir vorstellen, dass Fred Rutten noch von sich Reden machen wird. Aber in dieser Saison, auf Schalke 2008/2009, hat es nicht gepasst.

Bis heute kann man nicht wirklich sagen, mit welchem Spielstil Schalke in dieser Saison eigentlich angetreten ist. Alles wirkte zufällig, unstrukturiert. Für die fehlende individuelle Klasse im Mittelfeld kann Fred Rutten nur bedingt verantwortlich gemacht werden. Sehr wohl aber dafür, dass die Spieler kein Rezept parat hatten. Dass sich nur sehr selten ein Spielfluss einstellte, Kombinationen zwischen mehr als zwei Spielern äußerst selten zu sehen waren, dass sich, ganz konkret, dem ballführenden Spieler häufig nur eine Anspielstation bot. Oder dass kaum noch Angriffe über die Außenbahnen eingeleitet wurden – in der letzten Saison noch eine Stärke dieser Mannschaft – weil links in der Regel Kobiashvili den Vorzug vor Pander erhielt, und sich rechts Rafinha und Farfan eher auf den Füßen standen, als voneinander zu profitieren.
Zudem wurde immer wieder offenbar, dass diese Mannschaft keine Einheit bildete. Sei es dadurch, dass Spieler öffentlich Kritik übten. Dass man sich nach Gegentoren gegenseitig zusammenschiss. Dass der Kapitän als Wortführer abgelöst wurde und resigniert sein Amt niederlegte. Oder auch „nur“, dass nie dieses Gefühl eines Aufbäumens zu spüren war, wenn ein Spiel schlecht lief.

Hinzu kam Fred Ruttens Einstellung zum Umgang mit der Öffentlichkeit. Immerwieder wies er auf seine freundliche, aber bestimmte Art darauf hin, dass es ihm nur auf die Arbeit mit der Mannschaft ankomme. Das mag im ersten Moment als fußballerisch bodenständig bewertet werden. Für einen Verein „mit großer Öffentlichkeit“ ist dies ein Schwachpunkt, insbesondere wenn bereits der Managerposten mit jemandem ohne Talent in Sachen Darstellung besetzt ist. Kein Verein braucht einen Darsteller als Trainer. Aber einen sich gut darstellenden Trainer zu haben ist heutzutage von großer Bedeutung.

Fred Rutten wird aller Voraussicht nach ab Sommer Cheftrainer des PSV Eindhoven sein. Ich wünsche ihm viel Glück und Erfolg. Und eine Clubführung mit mehr Anstand im Umgang mit ihren Angestellten.



14 Kommentare zu “Fred Rutten”

  1. blogundweiss.de sagt:

    Habe eine ähnliche Meinung zu dem Thema und schaue gleichzeitig in die Glaskugel.

  2. Uwe Zimmermann sagt:

    Stimme im übrigen Deiner Meinung über FR zu, hat nie wirklich durchblicken lassen, wie ein guter vernünftiger Fußballstil aussieht!
    Natürlich dürfen und müssen wir uns jetzt die große, alle interessierende Frage stellen … ob da die Glaskugel hilft!?

  3. Patrick sagt:

    Denke auch das Fred Rutten noch von sich hören machen wird.
    Hat aber diese Saison einfach nicht zwischen ihm und Schalke gepasst. So etwas gibt es ja immer wieder, dass ein (erfolgreicher/guter) Trainer bei einem Verein einfach keine Erfolge erzielt. Manchmal passt es einfach nicht.
    Wünsche ihm einen guten weiteren Weg und bin gespannt, welche Lösung uns Fans präsentiert wird…
    Was ich allerdings erschreckend finde ist, dass die Bild-Zeitung (wie schon bei der Entlassung von Müllers Andi) wieder viel zu früh von allem wusste…

  4. eisenschleuder sagt:

    er hatte mit dem kader nicht wirklich eine chance. ich rätsele, was er sich von engelaar versprochen hat. er hätte das geld besser in einen durchschnittlich schnellen, durchschnittlich torgefährlichen vorbereiter im mittelfeld verwenden sollen.

    ich freue mich jedenfalls auf die neue saison und aufbruchsstimmung. der fred ja vielleicht auch.

  5. Rainer Edelmann sagt:

    Engelaar ist mir auch ein großes Rätsel. Wie gesagt, bei Twente herausragend (und bitte jetzt nicht: die schwache holländische Liga! – Deshalb sind wir ja auch gegen Twente ´rausgeflogen…), bei Schalke meist schwach – wenn auch fast immer nicht schwächer, als seine Mitspieler.

    Immerhin ist es ohne Engelaars „Kontrolle“ ja viel besser geworden – nur 6 Buden in 2 Spielen. Und in die Spitze kommen jetzt auch nicht mehr die 2,3 guten Pässe von ihm, sondern gar keiner.

  6. Rainer Edelmann sagt:

    Sorry, Nachtrag: Nicht nur Engelaar ist mir ein Rätsel auf Schalke!

  7. Stefan (Weltsicht Südtribüne) sagt:

    Vielleich ist auf Schalke auch eher die „Öffentlichkeit“ das Problem? Ich kenne das von uns…

  8. TheBigEasy sagt:

    Ich finde, dass Stefan da gar nicht so Unrecht hat. Vielleicht solltet ihr jetzt einfach mal nur zur Ruhe kommen und diese Saison – wie auch immer – zu Ende bringen. Man muss sich ja langsam wirklich Sorgen um einige deutsche Traditionsvereine machen.

  9. Torsten Wieland sagt:

    @Stefan: Würde man sagen, „die Öffentlichkeit“ ist das Problem, würde man die Protagonisten vom schwachen Umgang mit eben dieser Öffentlichkeit, und von den vielen begangenen Fehlern in der Darstellung freisprechen. Das will ich nicht.

    Dass das Umfeld auf Schalke – wie auch in Köln – wohl schwieriger zu meistern ist als das in bspw. Bremen oder Wolfsburg: Das ist zweifellos so.

    Das verursacht Probleme, macht diese Clubs aber auch irgendwie aus.
    Wenn Christoph Daum eine PK im Krankenhaus abhält oder über die Pinkelzeiten von Clemens Tönnies und Oliver Kahn berichtet wird, ist Fußballdeutschland ein Veruntreuungsvorwurf in Bremen völlig schnuppe!
    Ich nehme an, Du willst das ebensowenig eintauschen wie ich?!

  10. Torsten Wieland sagt:

    @TheBigEasy: Bezogen auf die aktuellen Vorgänge stimme ich Dir ohne Einschränkungen zu.

    In meinem letzten Kommentar an Stefan bezog ich mich auf die Gesamtsituation, weil ich es so verstanden habe, dass Stefan „die Öffentlichkeit“ auf Schalke generell meint.

    Sorgen machen brauchst Du Dir aber nicht, denke ich. Irgendeinen Manager, irgendeinen Trainer wird Schalke schon bekommen. Und auch wenn man als Fan immer Idealvorstellungen und Wünsche hat: Egal wer’s wird, dramatisch unstrukturierter und unglücklicher als in den vergangenen anderthalb Jahren kann es nicht werden.

  11. Schalke 04: Ein Drama in fünf Akten | SportBlog bei t-online.de/sport sagt:

    […] Schalke wäre nicht Schalke, wenn danach Ruhe eingekehrt wäre: Stunden später wurde Rutten dann doch mit sofortiger Wirkung entlassen. Als Interimstrainer fungieren nun die Eurofighter Youri Mulder und Mike Büskens. Diese […]

  12. Stefan (Weltsicht Südtribüne) sagt:

    Torsten: Nö. Das Problem ist auch eher, dass sich die Verantwortlichen in den Vereinen von dieser Öffentlichkeit reinreden lassen. In Bremen weiß die Presse, dass das nicht klappt. In München im Großen und Ganzen auch. Da werden zur Not auch mal die eigenen Fans abgebügelt.

  13. Zatopek sagt:

    Rutten mag großen Fußballsachverstand haben. Aber er konnte und wollte nicht kommunizieren, weder mit den Journalisten, noch mit den Fans. So wie es lief, wären ein paar erklärende – und verständliche – Worte, aber dringend angezeigt gewesen. Ich frage mich, wie Ruttens Ansprache der Mannschaft geklungen hat?
    Rutten wollte erklärtermaßen die Emotionen weg haben, sie seien schädlich für den Club. Was analytisch – sofern es um den bloßen Erfolg geht – richtig sein mag, aber nun nicht wirklich zu Schalke passt.
    Sein Lieblingswort war „sachlich“ spielen. Das hat er im Training immer wieder gefordert. Das sollte die Mannschaft wohl auch in den Spielen umsetzten.
    Rutten hat mithin genau das Gegenteil von dem getan, wofür er geholt wurde. Nach zwei fußballerisch mageren Jahren, sehnte sich der Club nach Leidenschaft, Spielfreude und ein bisschen Spielkultur. Bekommen haben wir den Versuch, dass Spiel eines Mathematiklehrers weiter zu versachlichen.
    Da unterm Strich weder etwas Zählbares, noch etwas für’s Fußballerherz herausgekommen ist, war die Trennung folgerichtig.

  14. Jones, Kirchhoff & Katar sagt:

    […] Schalke strandete in der Liga nur auf Platz 8, Fred Rutten wurde entlassen. Jermaine Jones verletzte sich und Ruttens Nachfolger – erst Felix Magath, dann Ralf Rangnick – […]

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